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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-04-06 · 14 (6.4.1906) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
14 (6.4.1906)
Date
1906-04-06
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 234 Dr. 3ßiod3’s ‘Mocbeiiscbvift Nr. 10 Diese Aufforderung war übrigens unnötig, denn David hatte schon seinen Ueberrock zugeknöpft und den Hut aufgesetzt. llufreiwillig seinem Beispiel folgend, hatte sich auch Beile fertig ungezogen. Als sie so in ihrem Mantel mit dem Biberkragen und' ihrem großen hübschen Hut neben Zlate stand, dachte Basse bei sich, daß das Mädchen eher wie eine Dame und Zlate einem Dienstboten aufs Haar gleiche. „Vergeht nicht, für Freitag Abend unsere Löhne in Bereitschaft zu halten", — „auch die Rückstände" waren Davids Abschiedsworte, als beide das Zimmer verließen und die Tür laut zuschlugen. „Das ist echt amerikanisch", sagte Zlate und versuchte zu lächeln. „Hierzulande spielt jedes Bettlermädchen die Dame." „Warum sollte man sich befehlen lassen? Sie ist ja kein Dienstbot," murmelte Heymann in seinen Bart hinein und fuhr wieder auf die Maschine los, wie um feinui Schmerz zu übertönen. Als der Abend hereinbrach und die Schneidergehilfen die Werkstatt verließen, fühlte Heymann die Sehnsucht, Beile zu besuchen, aber trotzdem es ihn danach verlangte, sie zu sehen, ging er doch nicht zu ihr. Am nächsten Morgen erwachte er mit starken Kopfschmerzen und am Abend benützte er das als Vorwand vor sich selbst und legte sich gleich nach dem Nachtmahl nieder. Am nächsten Abend ging er wohl in die Straße, in der seine Liebste wohnte, aber als er vor ihrem Hause angelangt war, schwand sein Mut. Zu seinem feigen Verhalten vor zwei Tagen bei der denkwürdigen Szene fügte er nun noch diese scheinbare Gleichgültigkeit hinzu und das zu einer so kritischen Zeit! Er redete sich allerlei Ausreden ein, um sein Betragen zu rechtfertigen. Alles war vergeblich und doch konnte er sich nicht zu einem Besuche aufraffen. Und so verging ein Tag nach dem. anderen. Endlich.eines Abends, ungefähr 14 Tage nach Frau Lipmans Fiasko, vergaß Heymann daran, seinen Mut zu verlieren, wie gewöhnlich und er eilte entschlossen die vier Stockwerke eines Miethauses der Divisiousstraße hinauf. Als er aber im Begriff war, anzuläuten, wurde er durch ein Geräusch erschreckt, das wie nach einem zerbrochenen Porzellauteüer oder einer zu Boden geworfenen Schüssel klang. Diesem Geräusch folgten fröhliche Rufe: „Viel Glück, viel Glück!" Und nun gab es kein Mißverständnis mchr über die Bedeutung dieses Vorganges. Offenbar hielt man eine Verlobuugsfeier in der Wohnung ab! Der Rabbi hatte wohl gerade die Verlobungsschrift verlesen und es war das gegenseitige Zutriukeu der Verlobten, das sie durch das Zerbrechen des Tellers wie üblich bekräftigten. . Plötzlich hörte Heymann Worte, die jeden Zweifel an der Identität der Hauptbeteiligten bei der Zeremonie zerstreuten. . „Viel Glück dir, Beile!" Viel Glück bir, David! Möget Ihr miteinander glücklich sein! Feige, warum ißt du keinen Kuchen? Sei nicht so bescheiden!" .„Da ist das Glück," kam es von der Tür in gedämpften Tönen. Heymann war betäubt. Mit schwindligem Kopfe trat er den Rückzug an. Seit dem tragikcmischen Fall in Lipmanns Geschäft hatte Heymann in Beiles Gedanken nur in jener mitleidsvollen Stellung gelebt, die er bei der peinlichen Szene eingenommen hatte. Nun wußte er es bestimmt, daß sie ihn nur noch glühend haßte. Und trotzdem Pochte ihr Herz uud sie hoffte noch immer auf seinen Besuch. Und wenn sie sich auch fest eiubildete, daß sie, wenn er käme, nichts von ihm wissen wolle, flüsterte ihr die Stimme der Vernunft wieder zu: „O nein, du könntest ihn ja doch nicht zurückweisen. Du wirst es ja doch nicht riskieren, ein altes Mädchen zu bleiben!" Der Gedanke, daß er sie so lange zum Narren gehalten hatte, quälte sie Tag und Nacht. Hat er wirklich ihren Austritt aus Lipmanns Geschäft schnell benützt, um die Beziehungen zu ihr abzubrechen? Hat er. mit ihr ein Spiel getrieben? Als eine Woche vergangen war, ohne daß Heymann erschienen wäre, war die Mutter beinahe entschlossen gewesen, einen Advokaten aufzusuchen, damit dieser das.Verfahren wegen Nichteinhaltung des Eheversprechens einleite. Aber ein Bild, dessen Umrisse sich seit einigen Tagen in ihrem Herzen .eingenistet hatten, verwarf diesen Entschluß. Es war das Bild eines jungen Mannes, der mehr Mut bewiesen hatte als Heymann, der mehr schutzversprechend war, der mehr Achtung und Vertrauen einflößte und — was das Schönste war, der die feste Absicht hatte, zu heiraten. Es war das Bild Davids, das Beile vorschwebte. Der junge Schneidergehilfe verfolgte seine Werbung mit zielbewußter Hartnäckigkeit und einem Eifer, der des Mädchens Herz nicht lange widerstehen konnte. Sie hatten, beide in einem und demselben Geschäft Arbeit gefunden. Am Abend führte er sie stets nach Hause. Nach dem Nachtmahl kam er, um sie zu einem kleinen Spaziergang abzuholen und führte sie dann in ein Kaffeehaus, bot ihr Zuckerwerk. an. — Heymann hatte das nie getan. David war immer bemüht, sie zu erheitern. Noch zehn Tage später, als sie beide spät am Abend im S.tadtpark saßen, sagte er auf ihre Bemerkung, daß es so finster sei, daß sie kaum sehen könne, wo.sie sei: „Ich werde es dir sagen, wo du bist, aber rate zuerst." „Wo." „Hier in meinem Herzen, und das hält auch bei Nacht Wache. Sag', Beile, was habe ich dir getan, daß du mir meine Ruhe genommen hast?" Ihr Herz schlug zum Zerspringen. Sie versuchte zu lachen, als sie ihm erwiderte: „Ich weiß nicht aber Sie hören gar nie auf, Spässe zu machen." .„Spässe? Willst du mich zum Weinen bringen? Ich will gerne die Spässe lassen, wenn ich erst weiß, daß du in unsere Verlobung einwilligst," fügte er hinzu und errötete unter dem Schutz der Dunkelheit. „Wann?" fragte sie und das Wort glitt ihr behend über ihre Lippen, ohne daß sie es wußte. „Am allerliebsten schon morgen." Neue Bücher. Awandas Scheliach Zibur. Neuestes vollständiges Handbuch zum Gebrauche für Kantoren, enthaltend die wichtigsten Gebete und Gebräuche anläßlich der verschiedenen religiösen Funktionen in und außerhalb der Synagoge nebst musikalischen Beiträgen von Josef Singer, Oberkantor-der israelitischen Kultusgemeinde Wien und Präses des Oesterr.-ungar. Kantorenvereines rc. 1906. Verlag von Jos. Schlesinger, Buchhandlung. :Wien und Budapest. Broschiert 1 Krone, gebunden 1 Krone 30 Heller. ' Dr. A. Frankl-Grün, israelitischer Religionslehrer an den Volks-, Bürger- und Mittelschulen in' Kremsier. Die Psalmen nach dem „zu lesenden" Texte (K'ri) geordnet mnd mit einem Wörterverzeichnisse für den Schulgebrauch bearbeitet. Selbstverlag, Kremsier, 1906. Wilhelm Sor, em. Rabbiner der israelitischen Kultusgemeinde Wien. Kanzelreden und K ä s u a l w 0 r t e. I. Heft. Verlag von Jos. Schlesinger, Budapest, VI., Kiraly-utcza 1. * Kriefkaste«. K. Die marokkanische Judenfrage kam qu.f der Konferenz von Ageciras doch noch zur Sprache, und zwar in Form eines Appells der Bevollmächtigten Amerikas und Spaniens an den Sultan von Marokko. Mr. White stellte das Verlangen, daß die Juden nicht nur in den Hafenplätzen, sondern auch im Innern des Landes besser behandelt würden und der Vertreter Spaniens meinte gar. die marokkanischen

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