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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-04-06 · 14 (6.4.1906) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
14 (6.4.1906)
Date
1906-04-06
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 14 Dr. Blocb’s MlocbenscbrM. Seite 229 Von dem vollständig lastenfreien Haufe und dem dazu gehörigen Garten, über ein jährliches Zinseneinkommen von K 8000 verfügt und mit Schluß des Jahres 1905 auch noch ein Betriebssaldo von rund K 2000 zur Verfügung stand, ist auch für das laufende Jahr die Erhaltung von elf, eventuell auch zwölf Stiftlingen vollkommen sichergestellt. Der Reservefond, dem außer den eigenen Zinsen der Reinertrag der vermieteten Objekte des Stiftungshauses zugewendet wird, betrug zum Schluffe des Jahres 1905 sechzehntausendfünfhundert Kronen. Der der Stiftung behördlich zugewiesene Simon Bauer'sche Spitalsfond verfügt über eine vinkulierte 4 2 prozentige Notenrente im Nominalbeträge von K 5000 und hievon abgereifte Zinsen von K 400. Die durch die gewählten Revisoren statutenmäßig vorgenommene Prüfung der Bücher und Rechnungen hat deren musterhafte Führung ergeben. Die Besichtigung der Stiftungs-Lokalitäten ist nach Anmeldung bei dem Vorstandsmitgliede Herrn Ludwig Sonnenfeld (im Stiftungshause wohnhaft) jederzeit gestattet. Berlin. Der verstorbene Kommerzienrat Josef Pinkuß hat testamentarisch eine größere Anzahl von Legaten ausgesetzt, unter anderen an die jüdische Gemeinde zu Berlin 50.000 Mark, an die Korporation der Kaufmannschaft zu Berlin 30.000 Mark, an den Verein junger Kaufleute von Berlin 25.000 Mark, an das Krankenhaus und an die Altersversorgungsanstalten der jüdischen Gemeinde je 15.000 Mark, an das Baruch Auerbachsche Waisenhaus und an den Brüderverein je 10.000 Mark, an das Asyl für Obdachlose, den Verein zur gegenseitigen Unterstützung und an das israelitische Heimathaus je 5000 Mark. Außerdem haben seine Heimatstadt Tarnowitz in Oberschlesien und eine Anzahl Angestellter seines früheren Bankhauses größere Legate erhalten. Synagogenweihe in Posen. Vor 8 Tagen wurde die Feier der Grundsteinlegung jutr neuen Synagoge begangen. Zn Ehren des Tages hatten das Gemeindehaus und einige angrenzende Gebäude Flaggenschmuck angelegt. Präzise 11 Uhr begann der Akt. Herr Justizrat Salz, stellvertretender Vorsitzender des 'L-orstandes der Synagogengemeinde, hielt eine Ansprache und dankte hierin den Spendern, die zu dem Bau des heiligen Gotteshauses beigetragen, ferner dem Bauleiter für den gelungenen Bauentwurf, sowie auch den staat ichen und städtischen Behörden für den wohlwollenden Schutz und bat die Vorsehung um das gute Gelingen des Werkes. Der jüdische Männergesangverein unter Leitung des Dirigenten Berggruen trug hierauf den Psalm 84 vierstimmig vor. Darauf folgte die. Weiherede des Herrn Gemeinderabbiners Tr. Feilchenfeld. Redner ging von dem Bibelworte aus: „Ziehe deine Schuhe ab von den Füßen, denn der Ort, worauf du stehst, ist ein heiliger." In weiterer Ausführung kam Redner darauf zu sprechen, daß die Stelle, worauf die Synagoge gebaut werde, seit alter Zeit ein Gebäude trug, welches ein Lehr-, Bet-, Siechen- und Krankenhaus enthielt. Auch eine Lehranstalt für die Kinder stand hier. Der Denkstein, der in die Erde gesenkt werde, solle ein Symbol für die Heilswahrheiten sein, die in unser Herz gelegt werden sollen. Ein Gebet um den Beistand des Allmächtigen zu dem Gelingen dieses Baues schloß die weihevolle Rede. Herr Julius Scheitel verlas das Protokoll dieser Feier. Demnächst wurden durch den Gemeindevorsteher Herrn San.ucl Schönlank folgende Schriftstücke in einen kupfernen Behälter gelegt: 1. Ein Satz Zeichnungen zur Synagoge. 2. Ein Heft, enthaltend Abschriften der wichtigsten Verhandlungen, Vorlagen und Veschlüffe der Gemeindebehörde bezüglich der Einrichtung der neuen Synagoge, sowie die Grundlagen für den Wettbewerb und die Verhandlung der Preisrichter und die Verfügung des Königlichen Herrn Regierungspräsidenten vom 31. August 1905, enthaltend die Genehmigung der Beschlüsse der Gemeindebehörde. 3. Abschrift des für die Eingliederung der Israelitischen Brüdergemeinde in die Synagogengemeinde beschlossenen Abkommens. 4. Etat der Synagogengemeinde pro 1905 06. Verzeichnisse der Mitglieder des Vorstandes der Synagogengemeinde, der Rrpräsentanten-Versammlnng, der Fachkommissionen, der Kuratoren, der Stiftungen, welche unter Mitwirkung der Synagogengemeinde verwaltet werden, der Beamten der Synagogengemeinde. 6. Ein Verzeichnis der Spenden für den Synagogenbau. 7. Je ein Exemplar der Statuten, Geschäftsordnungen usw., welche für die Verwaltung der Synagogengemeinde, ihre Angestellten und sonstigen Einrichtungen im Gebrauch sind. 8. Statut und Bericht des Verbandes der Synagogengcmeinden des Regierungsbezirkes Posen nebst Verzeichnis seiner Mitglieder und des Verbands-Ausschusses. 9. Statuten der wohltätigen Anstalten und Vereine hiesiger Gemeinde. 10. Ein Adreßbuch nebst Plan der Stadt Posen pro 1906. 11. Ein Verwaltungsbericht der Stadtgemeinde Posen pro 1904/05. 12. Je ein Exemplar der hier erscheinenden deutschen Zeitungen und - der bedeutenderen in Deutschland erscheinenden jüdischen Zeitschriften. 13. Ein Verzeichnis der Herren, welche mit der Ausübung der Hammerschläge beauftragt worden sind. Schließlich je ein Stück der gangbaren Münzen des Deutschen Reiches, 10 Stück, und je eine der bei der Synagogengemeinde im Gebrauche befindlichen Schlachtmarken. — Zum Schlüsse richtete Herr Rabbiner Dr. Bloch eine Ansprache an die Versammelten, gab einen historischen Ueberblick über die Gemeinde vor 500 Jahren, schilderte die blutigen Verfolgungen, die danials die Juden in den einengenden Ghettomauern erduldet und wie erst mit dem beschützenden preußischen Adler in unserer Provinz Ordnung geschaffen wurde und die Juden ihre jetzige Stellung einzig und allein dem Hohenzollernhause zu verdanken haben. Mit Gebet für unseren Herrscher, seine Familie und das Gesamtvaterland erreichte mit einem Schlußgeiang nach Psalm 127 die würdige Feier ihr Ende. J. Jünkerath in Rheinyr. Der Gemeinderat von Glandt, der Vorstand des Jünkerather Kriegervereines und der Vorstand der Jünkerather Schützen-Gesellschaft veröffentlichen folgenden Nachruf: „Am 9. März 1906 starb auf einer Geschäftsreise in Trier infolge eines Nervenschlages der Metzgereibefitzer und Militär-Lieferant Hermann Rothschild aus Jünkerath Veteran von 1870/71. Seit vielen Jahren Mitglied des Gemeinderats zeichnete ihn eine genaue bis ins einzelnste gehende Kenntnis der wirtschaftlichen Verhältnisse aus, wie fie nur ein Mann besitzen kann, der in ihnen selbst groß geworden ist; ebenso ein ausgeprägter Rechtsfinn, der jedem das Seine zudachte und gab, verbunden mit einem hohen Nationalgesühl, welches in unverbrüchlicher Treue zu Kaiser und Reich gipfelt. Wo immer vaterlandstreue Männer hier zusammentraten, um das Nationalgefühl zu heben und zu fördern, war er stets mit seinem nicht zu unterschätzenden Rate dabei und in den meisten Fällen stellte er sich an die Spitze dieser Bestrebungen, um dieselben kraft seines starken und zähen Willens zum Erfolge zu führen. So hat er im Jahre 1895 die Bewegung zur Gründung des hiesigen Kriegervereines mit ins Leben gerufen, an deffen Spitze er bis an sein Ende als Präsident stand und welcher unter seiner Leitung emporblühte. Auch war er Mitbegründer des seit Jahren hier bestehenden Schützenvereines, dessen Bestrebungen unter der Devise „lieft Aug und Hand fürs Vaterland" er mit Rat und Tat aufs eifrigste unterstützte. Kurzum er war ein Mann von hoher Geistesgabe und mildtätig, wo es galt Not zu lindern, ein fürsorglicher Familienvater und treuer Berater allen denen, die seinen Rat in Anspruch nahmen." Petersburg. Die Petersburger Telegraphenagentur meldet: Da von verschiedenen Punkten des Reiches Meldungen über bevorstehende, gegen die Juden sich richtende Unruhen einlangen, wendeten wir uns an die zuständigste Quelle, um zu erfahren, ob diese Meldungen auf Wahrheit beruhen. Es wurde uns folgendes erklärt: In Regierungskreisen herrscht die Ueberzeugung, daß bezeichnete Unruhen ausgeschloffen find, denn es wurden die weitestgehenden Maßnahmen getroffen, um eine Wiederholung der seinerzeitigen Ruhestörungen zu verhindern. Am 1. April hat der Minister des Innern auf Antrag des Ministerpräsidenten Grafen Witte an die Gouverneure der Provinzen mit jüdischer Bevölkerung ein Rundschreiben gesendet, worin sie angewiesen werden, die energischesten Maßnahmen zu ergreifen, um Ruhestörungen im Keime zu ersticken und das Leben und Eigentum der jüdischen Bevölkerung durch Soldaten schützen zu lassen. Sollten trotzdem Unruhen ausbrechen, so werden hierfür die lokalen Behörden die Verantwortung zu tragen haben und vor Gericht gestellt werden. Pobjedonoszew reüivivus. Petersburg. Die Petersburger „Rjetsch" berichtet, daß der frühere Oberprokurator der Heiligen Synod Pobjedonoszew, der wiederum persona giata geworden ist, sich in der Nachbarschaft des kaiserlichen Palastes in Zarskoje Selo eingemietet hat.

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