Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 14 (6.4.1906)
- Date
- 1906-04-06
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 228 Dr. Wlocb's Mocbenscbrttt. Nr. H großen Wiener nichtjüdischen Restaurant veranstaltete. Zum Glück weilte der Jubilar gar nicht in Wien und hätte er, der eine Zierde des Judentums bildet, wohl Anstand genommen, bei einem nichtrituellen Festessen, von Juden sür einen Juden veranstaltet, zu erscheinen. Aber — vom religiösen, für den glaubenstreuen Juden wichtigsten Moment abgesehen — müssen wir uns doch fragen: Sind unsere renommierten jüdischen Restaurateure in der Refidenz, die vielfach öffentlich schon prämiiert wurden und deren Küche sich besonderer Beliebtheit erfreut, nicht im Stande, ein solches Festessen zu liefern? Oder ist es überhaupt in der Ordnung, daß jüdische Gesellschaften, z. B. beim Jubiläum eines in einem großen jüdischen Geschäfts- Hause angestellten Beamten rc., unseren jüdischen Gastwirten fast ostentativ ausweichen, wie es z. B. reiche Väter bei Veranstaltung des Hochzeitsmahls für ihre Kinder leider oft tun? Sollte es wirklich schon so weit in Jung-Jsrael gekommen sein, daß unser traditionelles, durch Jahrtausende erprobtes und für vorzüglich erkanntes „Koscher" für „tröfa“ angesehen wird? Moritz Antsch . . . l. Assimilauten und Zionisten in Galizien. Lemberg. Eine Anzahl Notabeln der jüdischen Gesellschaft in Galizien, jüdische Reichsrats- und Landtagsabgeordnete sowie andere hervorragende Männer des Judentums erließen soeben einen feurigen Auftuf, in welchem sie Verwahrung gegen die Separativbestrebungen der Zionisten einlegen und ihnen den Kampf ankündigen. Die Verfaffer des Auftufes geben der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Zionisten nur einen verschwindend kleinen Teil der jüdischen Gesellschaft Galiziens ausmachen. Die überwälttgende Mehrheit aber will von einer eigenen jüdischen Autonomie nichts wissen, sondern will mit der polnischen Nation durch dick und dünn gehen, nur ist sie nicht so organisiert wie die Zionisten und betreibt nicht eine marktschreierische Agitation. Jetzt wollen aber die polnisch gesinnten Juden einen rücksichtslosen Kampf gegen die Zionisten eröffnen und fordern die polnische Gesellschaft auf, ihre Assimilationsbestrebungen dadurch zu unterstützen, daß die Christen maffenhaft zum jüdischen Bernhard Goldmannschen Volksschulvereine als Mitglieder beitreten, weil dieser Verein eben die Assimilation der Juden mit den Polen propagiert. (Wir kommen aus die Sache noch zurück.) Der Kampf um einen Tote«. In Ofen-Pest macht derzeit eine Taufaffaire kolossales Auffehen. Der Maler Alexander B i h a r i, von dem einige schöne Bilder: „Der Dorflump", „Die Programmrede", „Vor dem Richter" u. a. auch in Wien bekanntgeworden sind, war Jude. Er hatte eine Malschule und heiratete eine seiner Schülerinnen, eine Katholikin. Er blieb Jude, sie Christin. Da wurde er krank. Und er bat um Aufnahme in das Pester Spital der jüdischen Kuttusgemeinde. Während seiner Krankheit aber nahm seine Frau die Bekehrungsversuche auf, sie wollte ihren jüdischen Mann katholisch «lachen. Er sträubte sich lange, wurde aber doch mürbe. Die jüdiscke Spitalsverwaltung widersetzte sich dem offenen Verlangen der Frau, ihren Mann taufen zu lassen. Im jüdischen Spitale dürfe das nicht geschehen. Da verbündete sich die Frau mit einem eifervollen katholischen Geistlichen und dieser kam verkleidet, d. h. in Zivil, zu dem Kranken und taufte ihn. Dieses Vorgehen rief in den Kreisen der Spitalsförderer eine derartige Entrüstung hervor, daß dem Kranken das Bett vor die Tür gesetzt wurde. Er wurde in das Rote Kreuz-Spital gebracht und dort starb er. Die Ausweisung war keinesfalls angebracht, doch möchten wir sehen, was für ein Lärm geschlagen würde, wenn das Gegenteil geschähe. Sagen wir, wenn im Kloster der Barmherzigen Brüder ein christlicher Mann von einem verkleideten Rabbiner zum Judentum bekehrt würde. Äls Bihari tot war, begann der Streit um seine Leiche. Die jüdischen Behörden sagten: das Gesetz sei nicht befolgt worden, Bihari sei als Jude gestorben. Niemals habe er seinen Willen kundgegeben, aus der mosaischen Religionsgemeinschaft auszuscheiden, seine Taufe sei ungültig. Und der stellvertretende Bürgermeister von Ofen-Pest, Herr Julius Roszavölgyi, neigte dieser Ansicht zu. Er trug der Witwe auf, durch einen Matrikelauszug zu beweisen, daß ihr Mann Katholik geworden sei. Da ihr dies aber nicht möglich wäre, müsse sie sich darein finden, daß ihr Mann einstweilen auf den jüdischen Friedhof beigesetzt werde. Er könne ja noch immer exhumiert werden, wenn sie ihren Prozeß in dieser Sache gewonnen habe. Die Sache hat aber eine ganz unerwartete Wendung genommen. Der städtische Magistrat von Ofen-Pest schloß sich dem Urteil des Bürgermeisters nicht an. Er erklärte sich für inkompetent in dieser Angelegenheit und sagte: es sei das unantastbare Recht der Familie, einen Toten aus ihrem Kreise so beerdigen zu lassen, wie sie es für richtig halte. Da der in seiner schweren Krankheit getaufte Maler Bihari überdies in einem katholischen Spitale gestorben sei, so fehlte dem Magistrat jede'Macht, die Leiche von dort zu holen und sie dem jüdischen Vereine auszuliefern. Der Tote müsse also jetzt nach den Anordnungen der Witwe, das heißt, nach römisch-katholischem Ritus begraben werden. Und so geschah es. Die jüdische Kultusgemeinde, die Chewra-Kadischa und andere jüdische Körperschaften in Ofen-Pest gaben einen Protest zu Protokoll und erklärten, den Prozeß um die Leiche des Malers Bihari, der als Jude gestorben sei, in allen Instanzen zu führen. Budapest. Das Präsidium der ungarischen israelitischen Landes-Fondskommission schreibt hinsichtlich eines 2000 Kronen-Reisestipendiums zur Pflege jüdischer Wissenschaft einen neuerlichen Konkurs aus, da der erste, auf den 7. Mai 1905 ausgeschriebene erfolglos geblieben ist. Konkurrieren können der jüdischen Wissenschaft Beflissene, die das dreißigste Jahr nicht überschritten haben, der israelitischen Konfession angehören, ungarische Staatsbürger sind, das Doktorat der Philosophie besitzen und in einem Zweige der bezeichneten Wissenschaft an ausländischen Universitäten oder. Bibliotheken eingehende Studien zu unternehmen beabsichtigen. Entsprechend instruierte Gesuche sind bis Ende Juni d. I. an das Präsidium der genannten Kommission (VI., Laudongasse 3) einzureichen. Dem Gewinner des Stipen- . diums steht es frei, seine ausländische Studienreise im I. oder im II. Semester des Universitäts-Studienjahres, d. i. im September d. I. oder im März n. I. zu beginnen. Ei« Tempel für Soldaten. Die Pili s-C s a b a e r israelitische Gemeinde beabsichtigt, einen Tempel zu bauen, und zwar in erster Reihe nicht für sich selbst, sondern für die Soldaten israelitischer Konfession, die im Pilis-Csabaer Lager weilen und während dieser Zeit — in welche meist auch die großen Feiertage fallen — keine Gelegenheit haben, am Gottesdienste teilzunehmen. Die Gemeinde kann aus ihren eigenen Mitteln den Bau eines noch so kleinen Tempels nicht bestreiten, aber sie zählt mit Recht darauf, daß das Militärärar und der Staat zu den Baukosten beitragen werden, da es ja auch in ihrem Interesse gelegen ist, daß' die jüdischen Soldaten, geradeso wie die christlichen, dem Gottesdienste beiwohnen können. In erster Reihe aber hat die gesamte Judenheit Ungarns die Aufführung des Tempels zu ermöglichen, da ja die jüdischen Soldaten, die ins Pilis-Csabaer Lager gelangten, sich aus dem ganzen Lande rekrutieren. Max «nd Johanna Rosenthal sche Armenhausftiftung in Brünn. Der Vorstand dieser Stiftung veröffentlicht seinen zweiten Verwaltungsbericht für das Kalenderjahr 1905, aus dem deren geregeltes Gebühren und aufsteigende Prosperität zu entnehmen ist. In dem Stiftungshause Nr. 104 der Neugasse wurden im abgelaufenen Jahre durchschnittlich elf Stiftlinge vollständig verpflegt und betrugen die Kosten der Erhaltung eines Stistlings im Durchschnitte K 706, die Tageskosten für die Verköstigung einer Person 89 Heller. Da die Stiftung, abgesehen