Mannheim
Compact Memory

Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-04-06 · 14 (6.4.1906) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
14 (6.4.1906)
Date
1906-04-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3020846-3021656-3021671--15312-3040071
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Nr. 14 Dr. Blocb's MocvenscvrM. Seite 227 für Bekleidung und Beköstigung armer Schulkinder Subventionen an Gemeinden gewährt: Für den Zweck der Bekleidung und Beköstigung wurde ein Betrag von K 75.162 99 verausgabt. Dem Zwecke: „israelitischen, insbesondere in Galizien und der Bukowina wohnhaften Mädchen, durch Errichtung von Arbeitsschulen oder durch Verleihung von Stipendien zum Besuche von Handelsschulen und Gewährung von Unterstützungen, die Erlernung und Ausübung einer Erwerbsbeschäftigung zu ermöglichen", wurde nach, verschiedenen Richtungen Rechnung getragen. Auch in diesem Berichtsjahre haben die sechs Mädchenschulen in Bohorodczany, Bursztyn, Buczacz, Kolomea, Stanislau und Tarnow. sowohl in der Ausbildung tüchtiger jüdischer Dienstboten, wie in der Heranbildung geschickter Näherinnen und Handarbeiterinnen vorzügliche Resultate erzielt. In dem Bestreben, israelitischen, insbesondere in Galizien und der Bukowina wohnhaften Mädchen die Erlernung und Ausübung einer Erwerbsbeschäftigung zu ermöglichen, hat das Kuratorium an mehr als 100 Mädchen, die zum Teile in Wien, zum Teile in ihrer Heimat verschiedene Lehranstalten besuchten und sich einem Berufe zuwandten, regelmäßige monatliche Stipendien gewährt, und teils Schulgeldbeiträge, teils das ganze Unterrichtshonorar bewilligt. Insgesamt wurden im abgelaufenen Schuljahre für Mädchen verausgabt X 61.871'04. Die seit Kreierung der Baron Hirsch-Stiftung zur Beförderung des Volksschulunterrichtes in Galizien und Bukowina durch das Kuratorium bewerkstelligte Unterbringung von Knaben beim Handwerke erfuhr erst durch die hochherzigen Intentionen der Frau Baronin Klara von Hirsch-Gereuth ihre notwendige Ergänzung. Gemäß Artikel 2, Absatz e, hat die Baronin Clara von Hirsch-Kaiser-Jubiläums-Stiftung den Zweck: „Den durch die Baron Hirsch-Stiftung zur Beförderung des Volksschulunterrichtes im Königreiche Galizien und Lodomerien mit dem Großherzogtume Krakau und im Herzogtume Bukowina zu Handwerksgesellen herangebildeten, in Galizien und der Bukowina wohnhaften israelitischen Kindern Unterstützungen zum Behufe weiterer Ausbildung in ihrem Handwerke, insbesondere durch Reisen in das Ausland zu gewähren." Das Kuratorium hat an 138 Handwerksgesellen, die schon durch einige Jahre gearbeitet hatten, Fahrkarten und Reiseunterstützüngen für das Ausland bewilligt und für diesen Zweck K 4814 64 verausgabt. Die Nachrichten, welche über diese Gesellen dem Kuratorium zukamen, lauteten durchwegs günstig. Eine gleich notwendige und höchst ersprießliche Ergänzung erfuhr die Stiftungstätigkeit durch den vierten, in: Artikel 2 der Statuten angeführten Zweck: „Israelitischen Kindern, welche zur Erlernung eines Handwerkes körperlich untauglich find, durch Erteilung von Stipendien die Erlernung eines anderen Berufszweiges zu ermöglichen." Insgesamt wurden aus diesem Fonde an 130 Knaben K 17.880 70 verausgabt. Der Gebahrungsausweis weist einen Betrag von K 205.184 (Saldo K 28.570) der Vermögensausweis einen Betrag von K 4,695.100 aus. Eine Kundgebung russischer Schriftsteller. Der „Bund der russischen Schriftsteller" hat aus Anlaß der von reaktionärer russischer Seite mit Unterstützung der russischen Polizei in vielen Städten Süd- und Nordwestrußlands getroffenen Vorbereitungen zu Exzessen gegen die Juden in den Petersburger Blättern „Rjetsch" und „Strana" einen Ausruf an die russische Gesellschaft erlassen, in welchem gegen die sträfliche Veranstaltung von Judenhetzen energisch protestiert und die ehrenhafte russische Gesellschaft aufgefordert wird, alle ihr zu Gebote stehenden Mittel anzuwenden, um das für die Osterfeiertage vorbereitete Judenmassakre zu verhindern und so von Rußland eine neue Schmach abzuwenden. Das in Moskau unter der Redaktion des bekannten russischen Novellisten Nikolai Krascheninnikow erscheinende Journal „Nowoje Slowo" veröffentlicht Daten und Belege über die unter behördlicher Assistenz getroffenen Vorbereitungen zu neuen Judenmaffakres, welche die Kundgebung der russischen Schriftsteller nur allzu sehr begründen. Danach ist es ein hoher Funktionär im russischen Ministerium des Innern, Staatsrat Lawrow, welcher die Vorbereitungen zu den Judenmaffakres leitet. Er hat mit Genehmigung der russischen Zensur in der Druckerei der Stadthauptmannschaft Proklamationen hergestellt, in welchem die „wahren Russen" zur Ausrottung der Juden aufgesordert werden. Ebensolche Ausrufe an die Soldaten wurden in der Druckerei des Stabes des Odeffaer Militärbezirkes gedruckt und in Tausenden von Exemplaren unter den Soldaten verteilt. Diese Tatsachen im Vereine init der Freisprechung der Veranstalter der Judenmaffakres von Odessa und Minsk, des Generals Neidhardt und des Gouverneurs Kurlow, haben unter der jüdischen Bevölkerung eine große Panik hervorgerufen und die russischen Schriftsteller veranlaßt, den oberwähnten Aufruf an die russische Gesellschaft zu veröffentlichen. Verband „Zion", Landeskomitee für Oesterreich Mittwoch den 28. März fand in Wien eine Sitzung der erweiterten Landeskomitees statt, an der teilnahmen: Der Präsident des Aktionskomitees David Wolffsohn aus Köln, vom engeren Aktionskomitee Dr. Alexander Marmorek (Paris), die Mitglieder des großen Aktionskomitees Architekt O. Marmorek, Kremenetzky, Dr. L. Kahn, Dr. Schnirer, das Wiener Landeskomitee und innerösterreichische D. C., ferner Dozent Dr. Mahler aus Prag u. a. Den Vorsitz führte Dr. Schalit, welcher die Diskussion mit einem ausführlichen Berichte über aktuelle Fragen der inneren Organisation und politischen Betätigung eröffnete. Dem Referate folgte eine mehrstündige Debatte, welche vollständige Uebereinstimmung der Versammlung mit den von Dr. Schalit entwickelten Grundsätzen ergab. Der Präsident des Aktionskomitees erklärte, daß die derzeitigen Bestrebungen der österreichischen Zionisten seine volle Sympathie haben und auf seine Unterstützung rechnen können. Er erblicke in der gegenwärtigen Aktion den Ausdruck kräftiger Energie. Am Schluffe der Diskussion gelangten zwei Resolutionen zur einstimmigen Annahme (bei zwei Stimmenenthaltungen): 1. Das Aktionskomitee wird ersucht, gemäß dem Baseler Organisationsstatut Schekelblocks für Oesterreich nur an das Landeskomitee abzugeben. 2. Die Vertrauensmännerversammlung gibt der Ansicht Ausdruck, daß dem Landeskomitee in allen mit der innerösterreichischen Politik zusammenhängenden Fragen jene Autonomie zu wahren sei, welche das Landeskomitee zur Führung seiner Geschäfte bedarf. Zugleich dankt die Versammlung dem Präsidenten Herrn Wolffsohn für seine Ausführungen, aus denen die volle Uebereinstimmung zwischen ihm und dem Landeskomitee hervorgeht. Rituell oder nichtritnell? Als der verewigte Wiener Hofrat Dr. Karl Weil, der bis in sein Greisenalter dem konservativen Judentum treu geblieben war, in Frankfurt a. M. zu Besuche weilte, wollte die dortige Judenschaft ihm zu Ehren ein Bankett veranstalten. Im Komitee waren die einen, die Jungen nämlich, für ein Bankett in einem nichtjüdischen Restaurant, die anderen, die Konservativen, wollten dasselbe nur in einem feinen jüdischen Restaurant veranstalten. Es kam zu keiner Einigung und mittlerweile erfuhr der Hofrat von der beabsichtigten Feier. Als die jüdische Deputation ihn bei seiner Ankunft begrüßte, sagte er, als die Bankett-Frage zur Sprache kam: „Meine Herren! Wenn die einen „trefa“ für „Koscher" ausgeben, so kann man nach den Intentionen der Antragsteller dies noch erklärlich finden, aber um alles in der Welt kann ich nicht verstehen, daß „Koscher" für „trefa“ gelten soll". Dieser Wink genügte, die Konservativen im Komitee hatten gesiegt und beim Koscherbankett fand sich die Elite Frankfurts vollzählig ein. An diese Episode mußten wir uns erinnern, als wir dieser Tage lasen, daß ein Verein, fast ausschließlich oder nur aus Juden bestehend, zu Ehren eines großen jüdischen Gelehrten von Weltruf ein Bankett in einem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.