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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-03-30 · 13 (30.3.1906) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
13 (30.3.1906)
Date
1906-03-30
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Dr Lwcb s TWlocDenscbrtti. Nr. 13 Seite 218 Witwe am Leben war, war die Bibliothek zur allgemeinen Benützung beststnmt gewesen, zu welchem Behufe die edle Frau noch Neuanschaffungen vorgenommeu hatte. Ich selbst zum Beispiel, als ich nach Palästina reiste, hatte von ihr ein Mandat in diesem Sinne. Diese Pläne wurden durch den Tod der Frau Kaufmann zunichte, und die ganze Bibliothek, mit Ausnahme einiger besonders prächtig illustrierter Handschriften, die im Besitze der Frau G o m p e r z, der Schwiegermutter des verstorbenen Professors, verblieben sind, ist in den Besitz der ungarischen Akademie der Wissenschaften übergegangen Eines jedoch hat Frau Kaufmann noch bei Lebzeiten besorgt: die Herstellung eines Kataloges der Handschriften und Bücher David Kaufmanns. Zwar gingen ihre Pläne auch hier weiter: sie wollte von den prächtigsten Illustrationen einige Muster reproduzieren lassen. Dies ist unterblieben, und es wäre im Nahmen eines Kataloges gar nichtpaffend gewesen. Dafür ist der Katalog selbst aus der Hand des Retigionsprofeffors Dr. M. Weiß um so gediegener und in erfreulicher Genauigkeit hervorgegaugen. Weiß beschreibt 594 Handschriften, 1066 hebräische Druckwerke, zirka 575 Judaica, 29 spaniolische Judaica, 285 Bände Zeitschriften u dgl., 127 Orientalia und 157 Werke verschiedenen Inhaltes. Den Grundstock derselben bildet die Marco Mortara'sche Bibliothek, die Kaufmann 1895 in Mantua erworben hat. Die illustrierten Handschriften stammen zumeist aus der T r i e st e'schen Büchersammlung zu Padua. Die Anschaffung dieser Schätze aus dem Auslande ging nicht ohne Schwierigkeiten ab, und wie glücklich der gelehrte Professor sich fühlte, als die Schätze dennoch in seine Hände fielen, zeigen seine Eintragungen in die einzelnen Codices, Eintragungen, die sich mitunter in hebräischen Poemen bewegen. Im Kataloge sind manche dieser Aeußerungen, die freilich kaum für die Oeffentlichkeit bestimmt waren, reproduziert. Ebenso reproduziert, und zwar meines Erachtens in allzu freigebiger Weise, der Katalog einige von Kaufmann selbst herrührende Beschreibungen, seiner Codices, wie er sie in seinen verschiedenen Arbeiten, zum Beispiel in der Schlosser- Müller'schen Arbeit: Die Haggada von Sarajevo (.Wien 1898) geliefert hat. Der Weiß'sche Katalog geht durch solche Einschaltungen über den Rahmen eines trockenen Registers wert hinaus, und ebenso erhält die Arbeit den Charakter eines Oataloxus r a i s o n n 6 durch die cinz ln ausgezähltcn Stücke der Codices, z. B. bei Anführung der Pijjutim aus den Gebetbüchern, ein Terrain, auf dem sich Weiß besonders zuhause fühlt. * Dagegen bedauern wir es, daß im Katalog die vorhandene Literatur, die das eine oder das andere Produkt bereits beleuchtet, nicht zur Genüge ausgenützt wurde; viele geographische Namen sind nicht identifiziert, ja selbst der Versuch dazu ist unterblieben; ebenso viele Autorennamen, die jetzt als unbekannt uns entgegenstarren, wo sie doch bei eingehender Forschung zu gutem Teil hätten bekannt gemacht werden können. Es sei ferner bemerkt, daß die in einem Katalog so sehr erwünschte Präzision des Ausdruckes oft vermißt wird, so zum Beispiel S. 6, Nr. 19 a, wo es von einem anonymen Kodex heißt, es werden darin gewlffe Bücher „teils namentlich, teils wörtlich" angeführt, was ziemlich schief ausgedrückt ist. Gleichwohl begrüßen wir den Katalog mit Freuden; aus ihm erst, ersehen wir deutlich, welche Schätze der Gelehrtensinn und der Knnstgeschmack eines einzelnen Menschen aufspeichern kann, und wird dieses fein ehemaliges Eigentum für ewige Zetten seinen verklärten Namen führen. Gewisse unerguickliche Zustände haben es leider verhindert, daß die Bücher in dm. Besitz eines öffentlichen jüdischen Institutes gelangen sollen, was doch, so will es uns scheinen, allein im Sinne Kaufmanns gelegen wäre. Auch ein Angebot seitens der Frankfurter Stadtbibliothek, die jetzt eine Zentrale Sammelstelle für jüdische Bücher ist, schlug fehl, und so blieben die Bücher zwar in Budapest, aber ob in passendem Milieu, wird erst die Zukunft zeigen. B u d a p e st. Dr. Samuel Krauß. Neue Bücher. Baeealaureus Bernardus Piseator. Psychologische Studien in Briefen, aus der Hölle. 1.—3. Auflage. Preis Mark 2.—. Teutonia-Verlag, Muhlgajse 10, Leipzig. 1906. Rabbiner PH. Lederer. Schulchan-Aruch. I. Teil.^ Die religiösen Satzungen, Vorschriften, Sitten und Bräuche des Judentums in Synagoge, Schule und Haus, nebst vollständigem System des synagogalen Kalenders. Zum Handgebrauche für Rabbiner, Lehrer, Kantoren, Synagogenvorsteher und alle, welche sich mit den Gesetzen und Normen der Religion vertraut machen wollen. Zweite inhaltlich vermehrte und verbesserte Auslage. In deutscher Sprache verfaßt und nach Quellen neu bearbeitet. Selbstverlag. Rosenberg in Böhmen, 1906. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Begründet von Dr. Z. Frankel, fortgesetzt von Profestor Dr. H. Graetz und Dr. P. F. Frankl, neue Folge, im Verein mit Professor Dr. David Kaufmann ins Leben gerufen und herausgegeben von Dr. M. Braun. Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Fünfzehnter Jahrgang. Jänner Februar 1906. Breslau. Koebnersche Verlagsbuchhandlung. (Barasch und Riesenfeld.) Inhalt von Heft 1/2: Der Anteil der jüdischen Freiwilligen an den Befreiungskriegen. Von Martin Philippson. Die Juden in Nordafrika bis zur Invasion der Araber. Von M. Rachmuth. Eine sprachvergleichende Studie. Von A. Schmidt. Der Siffre sutta nach dem Jalkut und anderen Quellen. Von S. Horowitz. Der südarabische Siddur. Von L. Grünhut. Zur Geschichte der Juden in Münster (Westfalen). Von A. Lewinsky. Der Konvertit Friedrich Christian Christhold. Von M. Weinberg. Mathematik bei den Juden (1551—1840) (Fortsetzung). Von Moritz Steinschneider. Besprechung: Dr. A. S. Mhuda: Prolegomena zu einer erstmaligen Herausgabe des Litab al-Hidäja ’ila Faräie al Qulüb von Baehja ibn Joseph ibn Pabüda aus dem ’Adalüs nebst einer größeren Textbeilage. Von S. Eppenstein. Dritter Jahresbericht der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Protokoll über die Sitzung des Ausschusses der Gesellschaft vom 27. Dezember 1905. Kriefkastr«. I. M. In einer Rede, die Lord Rothschild in Chatham gegen die Verweigerung des Asylrechts ausländischen politischen Flüchtlingen gegenüber gehalten hat, behaupttte er. Beweise dafür zu haben, daß in England nicht aufgenommene russische Flüchtlinge sofort nach ihrer Rückkehr nach Rußland an der Grenze erschossen worden waren. Die Petersburger Telegraphenagentur ist amtlich ermächtigt, gegen diese Behauptung in der kategorischsten Weise zu protestieren und sie für positiv unwahr zu erklären. Die Ableugnung der Petersburger Telegraphenagentur pflegt in den allermeisten Fällen der sicherste Beweis für die Richtigkeit der von ihr abgeleugneten Tatsachen zu sein. Ben Tora. Selbstverständlich betraf es lediglich^das,Kadldischsagen, was angefragt wurde. — L. Die Praxis der europäischen Antisemiten hat auch in Amerika schon Schule gemacht. Da jeder Lump nach Amerika geht, wie es in einem alten Witze heißt, so dürfen Sie sich nicht wundern, daß es auch drüben schon Antisemiten gibt. Einer von ihnen hat es nun mit einer saftigen Verleumdung . versucht, hat aber dabei eine falsche Rechnung gemacht. Er dachte nämlich, Präsident Rooseveldt habe mit Regierungsgeschäften genug zu tun, so daß man eine kleine Lüge auf sein Konto machen könnte. Und so sagte der Archidiakon I. Torousend Russell von der Protestant.Episcopal-Kirche in Brooklyn, Präsident Rooseveldt hätte ein wenig Statistik studiert und sich geäußert, 82 Perzent von Verbrechern gegen die Moral seien Juden und 65 von ihnen unter 75 Taschendieben. Diese Aeußerung wurde dem Präsidenten hinterbracht und dieser ließ in allen Brooklyner Abendblättern erklären, er habe nie eine solche Untersuchung gemacht und nie eine solcheBehauptung aufgestellt. In Amerika halten die staatlichen Funktionäre eben noch darauf, jede Verdächtigung ihrer Sitte und Moral energisch zurückzuweisen. R. in W. Einen guten Spaß haben jetzt die Berliner, aber sie wissen ihn nicht zu würdigen. Kaum 100 Leute sind zum Vortrag des verkrachten Rektors aller Deutschen, Ahlwardt, in den Germaniasälen erschienen. Der Biedere hat jetzt die alte Leier, nach der niemand mehr tanzen will, mit neuen «.aiten bespannt. Er predigt jetzt gegen die Jesuiten. Diese wittert er jetzt überall, halb Berlin gehöre ihnen. Die großen Warenhäuser, die Bolle'schen Milchanlagen, die Aschinger'schen Lokale, der Lokalanzeiger, alles sei ihr Eigentum. Diese Entdeckung habe er in Amerika gemacht, als dort eines schönes Tages die von ihm gegründeten 17 Vereine auf Befehl eines Priesters wie Butter an der Sonne zusammenschmolzen. Damals sei ihni klar geworden, daß die großen Schlächtereien in Chicago, die großen Dampferlinien, die Petroleum- und Getreidetrusts usw. in den Händen der Jesuiten seien. Auch in der antisemitischen Partei seien Jesuiten, sogar unter den antisemitischen Reichstagsabgeordneten. Früher waren es die Juden, die an allem schuld, jetzt sind es die Jesuiten. Damit aber die Juden nicht ganz frei ausgehen von der Schuld an der Geheimverschwörung gegen das Vaterland, erklärt er sie als Werkzeuge und Handlungen der Jesuiten. Einer, bei dem die allgemeine antisemitische Verrücktheit immer deutlicher wird. Dr. F. Sie behaupten mtt Recht, daß ein solches Milieu, wie es der Fall Prügel zeigte, in einer jüdischen Familie ganz einfach undenkbar wäre. Bei den Juden ist die Massenarmut notorisch, aber em Mord aus Geldgier oder Not mit dem Einverständnis der Fran ist noch niemals erhört worden. Hier liegt die tiefe Differenz zwischen j jüdischer und christlicher Ethik.

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