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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-03-30 · 13 (30.3.1906) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
13 (30.3.1906)
Date
1906-03-30
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 13 Dr. Llocb s MocvenscbrM. Sette »15 Landesgerichtsrat Dr. Isidor Barber. Unter großer Beteiligung von Verwandten, Freunden und Berufsgenossen fand Sonrktag in Linz die Beerdigung des ob seiner seltenen Charaktereigenschaften hochgeschätzten Landesgerichtsrates Dr. Isidor B a r b e r statt. Der Verstorbene, der lange Jahre in Steyr gewirkt, dann nach Wels versetzt wurde, erfreute sich im Kreise seiner Kollegen allgemeiner Wertschätzung; er war einer der pflichtgetreuesten Beamten, ein eifriger Forscher, dem Amt und Wissenschaft heilig waren. Noch in schwerer Krankheit beschäftigte er sich mit juridischen Studien, ließ sich Prozeßakten, die der Erledigung harrten, an sein Krankenbett bringen und arbeitete, seiner Leiden nicht achtend, oft die Nacht hindurch. Wie großer Wertschätzung sich der Verewigte erfreute, ersah man aus der regen Beteiligung an der Leichenfeier. Ganz trostlos waren Gattin und Kinder; ihnen war der Verstorbene der treueste Freund und Berater; das glückliche Familienleben im Barber'schen Hause war allgemein bekannt. Frau Sidonie, eine Frau von seltenen Gaben des Geistes und Herzens, hatte es verstanden, dem Gatten auch in schweren Zeiten, wenn die Rangbeförderung davon abhängig gemacht wurde, daß Juden nicht avancieren können, zur Seite zu stehen. Barber blieb seinem Glauben treu, wiewohl die Beförderung zum Landcsgerichtsrat gerade deshalb lange aus sich warten ließ. Wien. Der akademische Bildhauer und Illustrator I. Pfeiffer hat in den Räumen des „Jüdischen Museum" II., Praterstraße 23, eine kleine Kollektion seiner Arbeiten zur Ausstellung gebracht. Unter den ausgestellten Arbeiten befinden sich eine Büste eines jungen Mannes, eine Schillerplakette, eine Plakette zu Ehren des Herrn Generaldirektors Marek, Entwürfe p Bucheinbänden, Buchschmuck ii. A. Das Museum ist jeden Samstag und Sonntag von 11 bis 1 Uhr geöffnet. Wien. Der Jüdische Humanitäre Hilfsverein „Treue Brüder Wien, II., Taborstraße 36, zur Unterstützung in Wien seßhafter Inden in Krankheits-, Not- und insbesondere in Delogierungsfällen versendet folgendes Zirkular: </R „Hie gefertigte Vereinsleitung wurde in letzter Zeit massenhaft mit Gestichen wegen Unterstützung in Krankheits-, Not- und Delogierungsfällen, insbesondere aber wegen der herannahenden Osterfeiertage derart überhäuft, daß selbe trotz bestem Willen außer Stande ist, diesen Forderungen nachzukommen, ja selbst nur infolge des bereits bis zur Neige erschöpften Vereinsfondes nicht einmal in der Lage ist, die allerwürdigsten, verschämten, armen und leidenden Petenten auch nur teilweise aus deren drückendsten Elend zu befreien. Sie richtet deshalb einen Hilferuf an edle Menschen um allerrascheste Hilfe, um ehetunlichst wenigstens den allerbedürftigsten verschämten Armen teilweise dahin helfen zu können, daß selbe nicht ganz dem Elend verfallen und zu unserer Schande zu Andersgläubigen um ein Stückchen Brot für den Hunger ihrer hilflosen Kinderchen betteln gehen müssen. In der sichersten Erwartung, daß Euer Hochwohlgeboren Ihr Scherflein zu diesem humanen Unternehmen, die Not verschämter, unglücklicher Brüder teilweise lindern zu können, durch gütige Zusendung einer beliebigen Unterstützung beitragen werden, zeichnet für die Vereinsleitung: Dr. Sigmund Kopfstein, Präsident. N. B. Allfällige gütige Spenden, Bargeld ausgenommen, sind an die Adresse des Vize-Präsidenten Herrn Lazär N 6 t h, Wien. II., Schiffamtsgasse 7, woselbst die Verteilung vorgenommen wird, zu senden und werden von daselbst allfällige Spenden gerne abgeholt. Verein Tomech Ewjonim. Am 25. März d. I. fand die XIII. ordentliche Generalversammlung des Vereines lomseb Ewjonim im Bethamidrasch des Adass Jsroel-SSereineS (Schiffschul) statt. Nachdem der Obmann Oberkantor Mayer S ch o r r die zahlreich Erschienenen freundlichst begrüßt hatte, wurde zur Tagesordnung geschritten. Der vorgelegte Rechenschaftsbericht, vom Obmannstellvertreter Sigm. Figdor verlesen, rief allseitige Befriedigung hervor und wurde dem Gesamtvorstande in Anerkennung seiner Verdienste um den Verein das Absolutorium erteilt und derselbe mit Akklamation wiedergewählt. Zum Schluffe teilte der Obmann einen Beschluß des Vorstandes mit, wonach die Ausspeisung der Armen künftighin nicht wie bisher in öffentlichen Restaurationen, sondern im eigeuen Lokale und in eigener Regie vorgenommen werden soll. Diese Neuerung, die den Zweck hat, den an den Verein gestellten Anforderungen, die sich in letzterer Zeit durch den Massenzuzug armer Durchreisender bedeutend erhöhen, vollauf gerecht zu werden, fand bei der Versammlung ungeteilten Beifall und wurde beschlossen, das zu diesem Behufe bereits acquirierte Speiselokal, II., Große Schiffgasse 21 schon am 1. Mai l. I. zu eröffnen und seiner Bestimmung zu übergeben. Kranken-, Witwen- und Waisen-Unlerftntznngs- Verein „Chesed schel emes“. Die von diesem rührigen, ehrwürdig alten V-reine am Sonntag den 25. d. M. veranstaltete Matinee im Deutschen Volkstheater hatte einen vollen und ganzen Erfolg zu verzeichnen. Lange vor Beginn der Vorstellung strömten die Besucher von allen Richtungen in das Haus und um halb 3 Uhr war das Theater buchstäblich bis an die Decke gefüllt. In den Logen und im Parqnett sah man die Honoratioren der Wiener Judenschaft, wie denn auch das ganze Haus von einem durchgeheuds distinguierten Publikum gefüllt war, welches der trefflichen Aufführung des Slückes „Gebildete Menschen", das wie eine Premiere wirkte, mit wirklichem Vergnügen folgte. Um das Zustandekommen dieser Matinee haben sich der Ehrenpräsident des Vereines Herr Adolf Hupka und dessen Sohn ganz besonders verdient gemacht und der bedeutende Reinertrag, welchen die Matinee brachte, wird den Kranken. Witwen und Waisen dieses Vereines zugute kommen. Wien. (Wohltätigkeit s-V o r st e l l u n g.) Sonntag den 25. d. M. veranstaltete der „Verein zur Bekleidung und Unterstützung armer alter Männer israelitischer Konfession" eine Wohltätigkeits- Vorstellung im k. k. priv. Carltheater. Zur Aufführung gelangte die beliebte Operette von Franz Lehar „Der Rastelbinder". Der ausgezeichnete Komiker der Bndapester. Orpheum-Gesellschaft stellte sich in den Dienst der Humanität und spielte den Wolf Bär Pfefferkorn. Herr Eisenbach, der das erstemal auf dem Theater eine größere Rolle zur Darstellung brachte, löste seine Aufgabe glänzend und wurde von dem zahlreichen Publikum mit großem Beifall ausgezeichnet. Die ganze Vorstellung war sehr animiert. Um das Arrangement dieser Vorstellung» welche de-» Vereine einen beträchtlichen Reinertrag zuführte, haben sich besonders die Herren Vizepräsident Karl Fnchs und der Kassier Herr Edmund H o f f m a n n. sowie die Vorstandsmitglieder Herren Philipp Finkler, Ignatz Beckmann hervorragend verdient gemacht. I- L. Johannesburg. Für die vielen Wiener Freunde des Hdrrn Dr. I. L. Landau, Rabbiner der „Johannesburg Hebrew Congregation" dürfte es von Interesse sein, daß die Universität der „Cape of Good Hope" ihm den Titel „M. A. (1ln^i8ter Artiam) verliehen hat. Der Titel „M. A." ist ein hoher, akademischer Grad, den diese Universität nur selten ausgezeichneten Persönlichkeiten verleiht. Warnung! Herr Rabbiner Dr. S. Mühsam in Graz ersucht uns, vor einem Manne öffentlich zu warnen, welcher sich Joses Rosen feld, „gewesener Inhaber einer Wechselstube und Gutsbesitzer", nennt und als Empfehlung Visitkarten des Grazer Rabbi nates vorzeigt. Diese Empfehlungskarten sind gefälscht und der Mann offenbar ein Betrüger. Olmütz. Herr Professor Dr. Eduard Frank wurde zum Direktor der hiesigen Landeskrankenanstalt ernannt. Derselbe erfreut sich allgemeiner Beliebtheit in allen Kreisen unserer Stadt und weit hinaus über die Grenzen derselben infolge seiner außerordentlichen Tüchtigkeit und seines freundlichen Wesens. Als Mitglied der Kultusgemeinde-Vertretung nimmt er auch regen Anteil an dem jüdischen Gemeindeleben. Olmntz (Ein schöner Human itäts a kt.) In voriger Woche hat sich hier ein jüdischer Korporal der Sanitätsabteilung in Kloster Hradisch D. R, ein Galizianer, erhängt, da er info'ge eines Vergehens Strafe fürchten mußte. Seine Vorgesetzten, bei denen er sich bisher allgemeiner Beliebtheit erfreut hat, suchten beim Stationskommando um einen militärischen Kondukt an, welcher auch bewilligt wurde. Die Herren Offiziere und ferne Kameraden begleiteten die Leiche nicht bloß, wie üblich, bis zur Stadtgrenze, sondern bis zum Friedhof, wo sie der Zeremonie beiwohnten. In seiner Ansprache dankte Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Oppenheim den Herren Offizieren in herzlichen Worten für diesen edlen Zug echter Humanität. Ties ergriffen verließen alle den Ort des Friedens und der Gleichheit, nachdem die letzte Erdscholle ins Grab gerollt war. Von den Angehörigen des Verstorbenen war niemand anwesend. Neutitschein. Sonntag den 8. April d. I. findet im israel. Tempel in Olmütz die Trauung von Fräulein Kamilla Körner, Tochter des Herrn Isidor Körner, Neutitschein, mit Herrn Hugo B e l l a k. Chemiker und Betriebsleiter der Spiritusfabrik der Herren S. Adler und Söhne in Schönau Sohn des Herrn Jakob B e l l a k in Odrau, statt.

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