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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-03-30 · 13 (30.3.1906) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
13 (30.3.1906)
Date
1906-03-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 13 Dr. Dlocv s eAocbenscbrm. Seite 213 16.401 Juden. Australien zählt 16.850 Juden. Rechnen wir noch für Transvaal etwa 25.000 Juden, so zählen die 28 englischen Kolonien 102.754 Juden; davon wohnen in Asten 18.404, in Afrika zirka 50.000, in Amerika 17.500, in Australien 16.850, davon in New-South Wales 6447, Viktoria 5907, Neu-Seeland 1611, West-Australien 1259, Süd-Australien 768, Queensland 733 und Tasmania 107. Rechnen wir dazu etwa 1 Viertel Million Juden, die in England und Irland selbst leben, so weist das gesamte englische Weltreich unter 398 Millionen Einwohner 352.754 — 0 08 Perzent Juden auf. Walther Rothschild über die Fremdenbill. London. Am 15. März sprach das konservative Mitglied für Chatham, Mr. Walther Rothschild, in einer großen Volksversammlung zu Chestham über die Wirkung der Fremdenbill, wobei er u. A. ausführte: Die konservativen Blätter tun so, als wenn die von Mr. Herbert Gladstone an den Bestimmungen zur Ausführung der Fremdenbill vorgenommenen geringfügigen Aenderungen die ganze Bill völlig wertlos gemacht hätten. Dieses ist nicht wahr. Das Gesetz hatte den Zweck, Verbrecher, kranke und mittellose Fremde von England fernzuhalten. Niemals hat es aber beabsichtigt, auch diejenigen zu treffen, die vor politischen und religiösen Verfolgungen geflohen waren. Eine solche Absicht würde den Ruhm des englischen Volkes, allen Verfolgten eine sichere Zufluchtsstätte gewährt zu haben, zerstören. Selbst die Vertreter der Arbeiterpartei haben im Unterhause erklärt, daß das Asylrecht in England unter allen Umständen hochgehalten werden muß. Wenn aber das Gesetz auch niemals die Absicht gehabt hat, politischen Flüchtlingen das Landen in England zu erschweren, so ist dieses durch die Handhabung des Gesetzes zweifellos geschehen. Eine große Anzahl Personen, die während der letzten zwei Monate aus Rußland geflohen waren und in England Schutz suchen wollten, wurden zurückgeschickt. Dieselben mußten, falls sie mit einem russischen Schiffe ankamen, . mit demselben Schiffe zurückreisen und wurden so ihren Verfolgern direkt ausgeliefert. Er habe Beweise, daß einige dieser Flüchtlinge bei ihrer gezwungenen Rückkehr nach Rußland an der Grenze ohne Untersuchung oder Gerichtsverhandlung erschossen worden sind. Als Engländer müsse er feierlichst erklären, daß niemand fortan das Recht habe, sich über die Greueltaten im Kongostaat oder die Einfuhr von Chinesen in Südafrika zu beklagen, solange politische hilflose Flüchtlinge von Engländern direkt in die Hände ihrer Mörder gespielt werden. Alles, was Mr. Gladstone in Angelegenheit der Fremdenbill bis jetzt getan hat, beschränkt sich nur darauf, die Einwanderungsoffiziere in den Häfen anzuweisen, sich, bevor sie einen Auswanderer zurückweisen, sorgfältig davon zu überzeugen, ob dieser etwa kein politischer Flüchtling sei. Die Mitteilung des Mr. Rothschild hat selbstredend in England großes Aufsehen erregt. Eine Anzahl liberaler Zeitungen, darunter die „Tribüne", die „Chronicle", der „Star" und die „Westminster Gazette", hat der Angelegenheit große Artikel gewidmet. Die Folge war, daß das Reutersche Bureau am 17. März folgendes Dementi aus Petersburg verbreitete: „In einer Rede, die Lord Rothschild im Chatham gehalten hat, wurde behauptet, daß Beweise dafür vorliegen, wonach in England nicht aufgenommene russische Flüchtlinge nach ihrer Rückkehr an der russischen Grenze erschossen wurden. Die Petersburger Telegraphenagentur ist ermächtigt, diese Behauptung für positiv unwahr zu erklären." Abgesehen von der kleinen Verwechslung des Herrn Walter Rothschild mit Herrn Lord Rothschild ist das ganze Dementi der verlogenen russischen Regierung selbstredend von Anfang bis zu Ende unwahr. Mr. Walter Rothschild erklärte zunächst im „Star": „Das Dementi überrascht mich nicht. Leider kann ich aus wichtigen Gründen nicht näher darauf eingehen." Dem Vertreter der „Tribüne" gegenüber erklärte er noch einmal, daß tatsächlich russische Flüchtlinge auf ihrem Rücktransport nach Rußland an der russischen Grenze erschossen worden sind. Dieselben waren keine Anarchisten, sondern entweder Deserteure, die. als Soldaten sich geweigert haben, auf das Volk zu schießen oder sonstige politische Verbrecher. Natürlich beeilte sich der bekannte Major Evans Gordon seinerseits in der „Times" zu erklären, daß er den Angaben der russischen Regierung mehr Glauben beimißt, als einem Herrn Walter Rothschild. Die Antisemiten aller Länder, gleichviel ob sie Major Evans Gordon oder Graf Pückler heißen, erblicken eben in Rußland ihr Ideal. — Am 19. März kam die Sache im Unterhaus zur Sprache. Allein Mr. Gladstone erklärte, über die Wahrheit oder Unwahrheit der Behauptung des Herrn Rothschild keine Auskunft geben zu können. Seit dem 12. März, dem Tage, an dem die Presse zum erstenmal zu den Verhandlungen des Einwanderungsgerichtshofes zugelassen wird, kam in London kein einziger Fall einer Zurückweisung von Fremden vor. Im Uebrigen hat das Unterhaus auch in der letzten Woche fast täglich sich mit der Fremdenbill besaßt. Zu nennenswerten Auseinandersetzungen ist es jedoch wicht gekommen. Ottawa. Das Unterhaus des Dominion of Canada hat sich am 15. März mit den Judenkrawallen in Rußland beschäftigt. Mr. Macdonell, Abgeordneter für Toronto, beantragte eine Resolution, in welcher die Massakres in Rußland beklagt und verdammt und den Juden die Sympathien des Parlaments ausgesprochen werden. In der Verteidigung seiner Resolution führt Redner aus: „Fast jede zivilisierte Nation hat gegen das ungeheure Blutvergießen in Rußland protestiert. Eine feierliche Kundgebung des kanadischen Volkes könnte der englischen Regierung das Rückgrat stärken und sie ermuntern, alles aufzubieten, um die Zustände in Rußland zu bessern. Premierminister Sir Wilfried Laurier wiederholte seine innigsten Sympathien mit den Angehörigen der jüdischen Raffe, hält es jedoch für fraglich, ob die Annahme einer solchen Resolution ratsam sei. Wohl darf das kanadische Parlament eine nicht kanadische Völker betreffende Resolution annehmen, insofern dieselben innerhalb des britischen Weltreichs wohnen. Mit ganz fremden, außerhalb der englischen Machtsphäre stehenden Völkern hat sich aber das Parlament nicht zu befassen. Der Premierminister beantragt schließlich, die Debatte zu vertagen. Mr. Borden, der Führer der Opposition im Parlament, wies darauf hin, daß die vorgeschlagene Resolution viel sanfter ist als die, welche vom Kongreß der Vereinigten Staaten von Nordamerika angenommen worden ist. Auch hat das Parlament das Recht, dem König von England eine Bitte zu unterbreiten, ganz unbekümmert darum, wen diese Bitte betrifft. Dennoch stimmt er dem Premierminister zu, daß es unklug wäre, hastig vorzugehen. Mr. Burassa sagte: „Es wäre gefährlich für das kanadische Parlament, sich in die häuslichen Angelegenheiten einer fremden Nation zu mischen. Redner bemüht sich, zu beweisen, daß die Juden finanziell und sozialpolitisch die Krawalle wenigstens zum Teil selbst verschuldet haben. Nach einigen weiteren Reden wurde die Debatte über den Antrag Macdonell vertagt. Vermischtes. Unsere Künstler auf der Jahresausstellung iw Kunstlerhaufe Zu unserem Leitartikel in der vorigen Nummer unter obigem Artikel haben wir noch nachzutragen, daß auch der junge und vielversprechende Maler Emil Spiegel Jude ist. Der talentierte junge Künstler wurde Heuer zum erstenmale zur Ausstellung zugelaffen. Er brachte eine feintönige, glücklich komponierte Landschaft, die bei dem Rundgang des Kaisers dessen volles Lob fand. Aufruf! Am 15. d. M. ist das Gesetz über „Gesellschaften mit beschränkter Haftung" erschienen, von dem eine segensreiche Einwirkung auf die Entwicklung von Handel, Gewerbe und Industrie zu erwarten ist. Die Gesellschaften können zu jedem gesetzlich zulässigen Zwecke errichtet werden, und wenn das Anlagekapital 1 Million Kronen nicht übersteigt, bedürfen sie keiner staatlichen Genehmi-

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