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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-03-30 · 13 (30.3.1906) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
13 (30.3.1906)
Date
1906-03-30
Page
– (sequence 8)
Language
German
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ffnimnn nr. tr ~ *K^^gaeM3»*a4^BMte:--JHagg. .JKtBHSt»»T Seite 212 Dr. BLoch's Wochenschrift» Nr. 13 Gemeinde, ein Angehöriger des Vorstandes der Portugiesischjüdischen Gemeinde, Delegierte der Henry Jones-Loge II. 0. B. B., des „Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" u.a. Die Feier soll am 2. April abends stattfinden und mit Beethovens „Ouvertüre zur Weihe des Hauses", ausgeführt vom Orchester des „Vereins der Musikfreunde" unter Leitung des Herrn Prof. Dr. Barth eröffnet werden. Nach einem von Frau Salomon Goldschmidt für die Feier verfaßten Prolog soll Mendelsohns Chor aus dem „Elias" unter Leitung des Herrn Musikdirektors Heute mit Orchesterbegleitung vorgetragen werden. Alsdann wird der bekannte hiesige Poet Herr Schuldirektor Dr. I. L o e w e n b e r g, der sich von jeher mit der Erfaffung des Geistes Gabriel Rießers liebevoll beschäftigt hat, die eigentliche Festrede halten und eine als Chorgesang unter Orgelbegleitung ausgeführte Hymne M. H e n l e s den Schluß der Feier bilden. — Außerdem hat das hiesige Komitee für die Veranstaltung von Vorträgen über die Wissenschaft des Judentums eine Feier in Aussicht genommen. Nach einem Prolog wird Herr Rektor Feiner einen Vortrag über Rießers Leben und Wirken und Herr Rabbiner Dr. Leimdörfer eine Ansprache über die Mahnung, die in dem Wirken Rießers an unsere Zeit liegt, halten. Moskau. Seltsame Abenteuer einer Künstlerin in Rußland werden in der ruffischen Wochenschrift „Ruffkij Prowodnik" (Russischer Wegweiser) erzählt, Erlebnisse der berühmten russischen Pianistin Wera Czernetzka. Einige Details klingen geradezu märchxnhaft, aber schließlich wundert man sich doch nicht, da es sich um Rußland handelt, wo so manches Unmögliche möglich ist. Frau Wera C'ernetzka, die übrigens auch schon in Berlin in mehreren Konzerten gewirkt hat, stammt aus dem sagenhaften Kaukasus und ist jüdischer Konfession. Nachdem die Pianistin in der Provinz an die zweihundert Konzerte gegeben hatte, wurde die hauptstädtische Presse auf ihre Erfolge aus» merksam, und an die Künstlerin ergingen Einladungen, sich in Moskau und Petersburg hören zu lassen. Sic leistete dem schmeichelbaften Ruf Folge Aber das sollte ihr übel bekommen. Nachdem in Moskau alles zum Konzert vorbereitet war, erhielt die Pianistin eines schönen Tages vom Oberpolizeimeister Trepow, den späteren Diktator, Befehl, die Stadt Knall und Fall zu verlassen. Es wurde ihr erklärt, sie dürfe in Moskau nur dann ihre Kunst ausüben, wenn sie ein Diplom aus einem „inländischen Konservatorium" besäße, während sie jedoch Zögling des Wiener Konservatoriums war. Da die Künstlerin nicht gleich dem Befehl Folge leistete, wurde sie verhaftet. Inzwischen hatte Wera Ezernetzka auch noch in Petersburg Vorbereitungen zu einem Konzert treffen lassen. Aber es war ihr klar, daß sie auch von dort ausgewiesen werden würde. Da ersann die Künstlerin, um sich zu helfen, einen lustigen Streich. Sie erbat sich von ihrer Schwägerin, die sich in Rußland überall aufhalten durfte, ihren Paß. Auf dem Paß war aber auch der sechzehnjährige Sohn der Frau angeführt. Und gerade dieser Umstand kam der Künstlerin, die 18 Jahre zählte, zu statten. Flugs schlüpfte sie in die Uniform eines Gymnasiasten, und ihre ältere Schwester Nadeschda, die jetzt alS Sängerin der Moskauer Oper angehört, übernahm es, dem Paß gemäß die Rolle ihrer Mutter zu spielen. So fuhr das Schwesternpaar nach Petersburg. Dort gelang es der smarten Pianistin, sich und ihrer Schwester mit Beihilfe eines einflußreichen Professors das Recht zu freiem Aufenthalt in ganz Rußland zu erwirken. Glückstrahlend legte nun die Künstlerin die Gymnasiastenuniform ab. Aber nun mußte ihr erst recht ein Malheur zustoßen. Als der Hauswart des Hauses, in dem die Künstlerinnen wohnten, die Verwandlung des Gymnasiasten in eine junge Dame merkte, fand er, daß so etwas uicht in Ordnung sei. Er zeigte seine Wahrnehmung bei der Polizei an, und die Künstlerinnen wurden wegen Benutzung eines ftemden Paffes in Strafe genommen. Sir Samuel Moutagu und das englische Oberrabbinat. Sir Samuel Montagu, der Vorsitzende der Federation of Synagogues im Londoner Ostend, führt schon geraume Zeit mit dem dortigen Oberrabbiner einen Kampf, der auch für die nichtenglische Jndenheit von Interesse ist. Ein Mitglied der Londoner Religionsschulverwaltung hatte in öffentlicher Versammlung die Grundprinzipien des Judentums verleugnet, ohne jedoch die Konsequenz dieses Verhaltens zu ziehen und aus dem Verwaltungsrate auszutreten. Der Chief-Rabbi Dr. Adler schwieg zu dem Vorfall. Sir Samuel Montagu erhob nun bei dem Oberrabbinat Protest gegen das weitere Verbleiben des betr. Herrn in der Leitung der Religionsschulen; aber der Chief-Rabbi reagierte nicht darauf. Die unbequeme Interpellation einer einzelnen Person konnte Dr. Adler unbeantwortet lassen. Aber Sir Samuel gab sich nicht zufrieden, sondern brachte die Sache vor die Synagogenvereinigung und diese beschloß, an das Oberrabbinat ein Schreiben zu richten, in welchem die Frage gestellt wird, ob es zulässig sei, daß eine Person, die öffentlich das Religionscesetz einschließlich der Zehngebvte negiert habe, der Verwaltung der Neligionsschulen als Mitglied angehöre. Diese Frage, die nicht übergangen werden durste, beantwortete der Oberrabbiner in einem höchst sonderbaren Briefe, worin er einen Unterschied macht zwischen solchen, die dem jüdischen Gesetze den Gehorsam aufkündigen, und solchen, die die Göttlichkeit der Thora leugnen. Ein Mann, der das erstere tue, könne allerdings nicht Mitglied der Schulverwaltung sein, das gibt Herr Oberabbiner zu; aber er erklärt es für unmöglich, daß das fragliche Mitglied so weit gegangen sei. Die Tatsache, daß der Betreffende sich bereit finden lasse, einer Institution zu dienen, die den Unterricht der Jugend in der Religion bezweckt, beweise, daß er das Gesetz und die Zehngebote nicht praktisch verworfen haben könne. Wer aber sich darauf beschränke, über den Ursprung der Thora „eine mit der traditionellen Ansicht nicht übereinstimmende Meinung zu hegen", der habe noch immer die Qualifikation zum Mitglied der Schulverwaltung, sofern er nur nicht darauf ausgehe, seine Anschauungen in den Unterricht selbst hineingetragen zu sehen.. Die Satzungen der Religionsschulverwaltung bestimmten ja, daß der Unterricht nach den von den geistlichen Autoritäten der jüdischen Gemeinschaft in England gebilligten Grundsätzen erteilt werde, so daß derartige Versuche nicht zu befürchten seien. Darum könne gegen das Verbleiben des betr. Herrn in seinem Amt nichts eingewendet werden. Sir Samuel und die Synagogenvereinigung beruhigten sich nicht mit dem Schreiben des Oberrabbiners und setzten den Kampf fort. In der letzten Versammlung der Federation erklärte man, daß die Antwort des Chief-Rabbi durchaus unbefriedigend sei. Sir Samuel führte aus, daß die Bewohner des East-End in ihrer großen Mehrzahl gesetzestreue Juden sind und sich nicht von den Neologen des Westends in religiösen Fragen am Gängelband führen lassen wollen. Die Juden des Ostens' wissen selbst, wie sie ihren Pflichten als Juden nachzukommen haben, und jene können von ihnen in dieser Hinsicht vieles lernen. Die gesetzestreue Bevölkerung sei bereit, für ihre Ideale jedes Opfer zu bringen, und empfinde es als skandalös, wenn Leute, die sich leichthin über die Grundlagen der Religion hinwegsetzen, eine führende Rolle in der jüdischen Verwaltung zu spielen suchen. Man wolle lieber auf die materielle Unterstützung solcher Kreise verzichten, als auch nur ein Tüpfelchen von dem heiligen Vätererbe unter ihrem Einflüsse verlieren. Sir Samuel schlug vor, nochmals in nicht mißzuverstehender Weise an den Chief-Rabbi zu schreiben, und gab der Hoffnung Ausdruck, daß diesmal eine befriedigende Antwort einlaufen werde. Der Antrag wurde einstimmig angenommen. „Israelit." Die Juden im englischen Reich. London. Das eben erschienene Blaubuch über die Ergebnisse der letzten Volkszählung im britischen Reiche gibt auch über die Zahl der Juden in den englischen Kolonien einige interessante Daten. Bis vor Kurzem herrschte fast überall die Abneigung gegen die Rubrizierung der Bevölkerung nach Religion. Seit 1901 beginnt man jedoch im Interesse eines genaueren statistischen Ergebnisses von diesem Skrupel abzusehen. In Irland und den 28 englischen Kolonien wurden im Jahre 1901 resp. 1904 319 Millionen Einwohner nach ihrer betreffenden Religion gezählt, während bei der Zählung der Bevölkerung von England und Transvaal auf die Religion keine Rücksicht genommen wurde. Dennoch kann man annehmen, daß die Bevölkerung des englischen Weltreiches aus 208 Millionen Hindus, 94 Millionen Mohammedanern, 58 Millionen Christen, 12 Millionen Buddhisten und 23 Millionen Angehörigen anderer Religionen besteht. Juden wurden überall, wo die Religion in Betracht gezogen wurde, gezählt: In Irland 3898, in Malta 58, in Cypern 118, in Indien 18.228, in Kapland (1904) 19.537, in Natal 1496, in Orange River 1616, in ganz Südafrika also mit Ausnahme von Transvaal zusammen 22.649. In Sierra Leone wohnen 7, in Mauritius 5, in Kanada

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