Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 13 (30.3.1906)
- Date
- 1906-03-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 13 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 211 führung den Dank auszusprechen. Dieser Antrag wird einstimmig angenommen. Der Voranschlag beziffert die Einnahmen mit 99.168°39 K, die Ausgaben mit 98.280 K. — Die Einnahmen werden unverändert angenommen, bei den Ausgaben werden einige Abänderungen beschlossen. Bei der Post: Beitrag zur Versicherung der Angestellten, wird diese unter Streichung der Dotation des Reservefondes per 4000 K um den gleichen Betrag erhöht und wird beschlossen, die Ersparnisse bei dieser Post als Spezialreserve für diesen Zweck zu hinterlegen. Da den bisher der Versicherung nicht beigetretenen Gemeinden, beziehungsweise deren Beamten, die Anrechnung der vollstreckten Dienstzeit nur bis zum Jahre 1904 gestattet werden könnte, wird auf Antrag des Dr. Hilf beschlossen, jenen Beamten, die noch im Jahre 1906 ihre Versicherung anmelden, die Einbeziehung der drei weiteren Jahre in die Versicherung zu gestatten. Die Post Kuratoren-Reisekosten wird auf Antrag der Herren P o l l e n z und Hauser gestrichen. Unter „Bildungs¬ und Humanitätsanstalten" werden folgende neue Subventionen bewilligt: dem Vereine zur Verpflegung israelitischer Brustkranker in Wien 100 X, Mädchen-Ferienheim in Brünn 50 K und dem israelitischen Hospiz in Karlsbad die Erhöhung auf 100 K. Bei der hierauf vorgenommenen Neuwahl des Kuratoriums werden gewählt: Aus den sechs Gruppen: Berth. Münch (Triesch), Philipp Kohn (Nikolsburg), Dr. Ludwig Körner (Göding), Karl Löw (Prerau), Dr. Alois Hilf (Mährisch-Ostrau) und Sigmund Hofmann (Wischau); aus dem Plenum: Dr. Salomon Spitzer, Dr. Hieronymus Fialla Brünns Dr. Siegmund Weiß (Boskowitz), Heinrich Bitiner (Lundenburg) und Dr. Jakob Eben (Olmütz); zu Ersatzmännern: Jul. Löwenthal, Gustav Tandler (Brünn), Josef Pollenz (Mißlitz) und Alois Löbl (Eiwanowitz); endlich zu Revisoren: Tandler, Pollenz und Dr. Theodor Wlach. Mit dem Danke des Vorsitzenden an die Delegierten und nach einer Erwiderung durch den Delegierten Pollenz wird die Versammlung geschlossen. Die nengewählteu Kuratoren wählten Herrn Dr. Spitzer zum Obmann und Herrn Dr. Fialla zum Stellvertreter. Krakau. (Eine Judeudebatte im Gemeinde rate.) Anläßlich der jüngsten Budgetdebatte im Krakauer Gemeinderate nahm der jüdische Gemeinderat Dr. Adolf Groß Anlaß, in längerer Rede gegen die Zurücksetzung der Juden im Gewerbe wie auch im Lehrerstande Stellung zu nehmen. Er wies darauf hin, daß die Krakauer Innungen keine Juden aufnehmen, obgleich das Gesetz religiöse Innungen nicht kenne. Ern Jude kann in Krakau nicht Schustcrmeister werden. „Ich kann meinen Sohn zum Advokaten ,Arzt oder Professor erziehen", ruft Dr. Groß aus, „und die Advokatenkammer, bezw. die Aerztekammer wird ihn aufnehmen, aber Schustermeister kann er nicht werden, weil ihn die Schusterinunng als Lehrling nicht aufnehmen will." Der Jude kann in Krakau eventuell UniversitätSprofcssor oder Gymnasiallehrer werden, aber als Volksschullehrer findet er keine Anstellung. Ja sogar im jüdischen Viertel von Krakau werden die jüdischen Lehrer allmählich anS den Schulen verdrängt. Dr. Groß verwahrt sich gegen die gewaltsame „Verchristlichung" der Volksschule besonders in den Stadtteilen, wo die Majorität der Schüler Juden sind. Dr. Bonkowsky bemüht sich in seinen gegen Dr. Groß gerichteten Ausführungen, die von diesem gerügten Zustände zu rechtfertigen, und gab unverblümt zu, daß alles aufgewendet werde, um die Juden von einem selbständigen Kleingewerbe fernzuhalten, (^n scharfer Rede wendete sich Dr. I. Birnbaum gegen die antisemitischen Ausführungen des Dr. Bonkowsky, die gegen das Gesetz der bürgerlichen Gleichheit auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens, so auch im Handel und Gewerbe verstoßen. Er fordert den Bürgermeister auf, diesem Gesetze Geltung zu verschaffen und die ungesetzlichen Zustände in den gewerblichen Korporationen abzustellen. Hiermit war das Intermezzo vorüber. Berlin. (Jüdische Auswanderung aus Ost- Europa.) Infolge der ungünstigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Rußland und Rumänien ist in den letzten Jahren bekanntlich eine ständige jüdische Auswanderung aus diesen Ländern im Gange, die zuletzt pro Jahr eine Ziffer von etwa 100.000 Seelen erreichte. In den meisten Fällen war das Ziel dieser Auswanderung die Vereinigten Staaten von Nordamerika, und unter diesen in erster Reihe New-Iork und die östlichen Staaten der Union. New-Iork ist zur Zeit die größte jüdische Gemeinde der Welt, mit einer Seelenzahl von über 750.000 Juden, und es steht zu befürchten, daß eine weitere Verschärfung der Ansprüche in Ellis Island seitens der Regierung der Vereinigten Staaten eintreten könnte. Seit längerer Zeit find daher Bestrebungen im Gange, einen größeren Teil dieser Auswanderer nach anderen Gegenden abzulenken. In New-Iork arbeitet seit einigen Jahren ein jüdisches Komitee in diesem Sinne. Unter diesen Umständen ist es im Interesse der durch die bekannten Zustände im Zarenreiche zur Auswanderung gezwungenen russischen Juden dringend geboten, neue Einwanderungsmöglichkeiten für diese zu schaffen; als solche kämen in erster Reihe in Betracht die Südstaaten der Union, sodann aber auch einige Staaten des gemäßigten Südamerika. In voller Würdigung dieser Sachlage hat fich in Berlin ein Komitee gebildet, dem u. a. angehören: die Herren Direktor Oskar Oliven, Dr. Alfred Klee, Chefredakteur Dr. I. Landau, Professor Doktor Otto Marburg, Dr. Hildesheimer, Redakteur I. Wiener, Doktor Sobernheim, Rabbiner Dr. Rosenak in Bremen rc. re., das es sich zur Aufgabe gemacht hat, die zur Auswanderung entschlossenen Elemente in Osteuropa über die Verhältnisse in den neuen Einwanderungsgebieten zu informieren, und eine Auskunftsstelle für jüdische Auswanderer nach den südlichen Ländern zu gründen, welche zuverlässig Anfragen beantwortet und durch die Presse reformatorisch wirken will. Das Bureau soll die Auswanderung nicht fördern, im Gegenteil, alle diejenigen vor der Auswanderung warnen, die sich nicht absolut hierfür eignen. Nur denjenigen sollen die Informationen dienen, die vermöge ihres Berufes und ihrer Intelligenz als Landwirte, Handwerker, qualifizierte Arbeiter rc. sich für diese Länder eignen und von denen anzunehmen ist, daß sie in ihrem Bestimmungslande fich leicht eine Existenz werden gründen können. Im Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Berlin sprachen vor einer nach vielen Hunderten zählenden Zuhörerschaft Dr. H o u b e n über Rahel Levin-Varnhagen und ihren Salon und Dr. Hirschberg über Karl Löwe und seine alttestamentlichen Kompositionen. Der erste Vortragende entwarf ein recht reizvolles und anschauliches Bild von den gesellschaftlichen Zuständen Berlins im Ausgang des achtzehnten und im Beginn des neunzehnten Jahrhunderts. In scharfen Silhouetten traten die markanten Persönlichkeiten aus dem Rahel-Varnhagenschen Zirkel hervor. Neben dieser mehr individuellen Betrachtungsweise wandte fich Herr Dr. Houben aber auch der allgemeinen Beurteilung des gesellschaftlichen Lebens in dem genannten Kreise und einer Darlegung der ethischen Bedeutung zu, die unmittelbar aus dem rein menschlichen Verkehr so hervorragender, den verschiedensten gesellschaftlichen und beruflichen Klassen angehörigen Männer und Frauen für die Hauptstadt fich ergeben mußte. — Dr. Hirschberg wußte die Zuhörer durch seinen lichtvollen Vortrag über Karl Löwes Kompositionen alttestamentarischer Stoffe förmlich zu enthusiasmieren. Die Spezialität dieses Vortragenden beruht auf der glücklichen Vereinigung des gesprochenen und gesungenen Wortes. Herr Doktor Hirschberg erläuterte seine Ansichten über den unsterblichen Stettiner Balladenmeister durch Vorträge einzelner Balladen und Gesänge aus den bekannten und ungedruckten Oratorien, so unter anderem aus „Jephthas Tochter", aus dem Vokaloratorium „Hiob", aus dem „Hohen Liede Salomonis". Dr. Hirschberg regte ,am Schluffe seines äußerst gelungenen Vortrages die Herausgabe des bisher ungedruckt gebliebenen Oratienwerkes durch den Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur an. Berlin. Die Großloge des B'ne Brith-Ordens für Deutschland, welche, wie wiederholt berichtet, eine Kommission zur Herausgabe von jüdischen Jugendschriften eingesetzt hat (Vorsitzender Herr Dozent Dr. E l b o g e n), erläßt ein mit 500 Mark dotiertes Preisausschreiben für das beste jüdische Märchenbuch. Die Arbeiten find an Herrn Generalsekretär D. Wolfs (Berlin, Wilhelmstraße 118) einzureichen. Hamburg. Zur Veranstaltung einer würdigen, dem Andenken Gabriel Rießers gewidmeten Jahrhundertfeier hat fich hier ein Komitee gebildet, dem Mitglieder der verschiedensten Körperschaften angehören, so der Vorsitzende des Vorstandes und Mitglieder des Repräsentantenkollegiums der Deutsch-israelitischen