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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-03-30 · 13 (30.3.1906) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
13 (30.3.1906)
Date
1906-03-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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WU.JMlffllT9 -LL»!'r«SiAWM> Seite 210 Dr. Llocb's MocbenscbrlN. 13 von den übrigen Nationen verschlungen zu werden. Ich sprach nun vom Reiche des Kaiser-Königs Franz Joseph, und o Wunder! Den Herren ging ein Licht auf: Der Herr ist aus Alemannien! Da hast du's, Oesterreich, auch dich kennt man in Kairo nicht. Die anwesenden Herren und Damen bildeten eine ziemlich starke Gemeinde, wie man sie bei uns in den Großstädten zu gleichem Anlasse selten findet. Von den unruhigen Geberden der Orientalen war wenig zu merken, auch das Gespräch unter den Einheimischen wollte nicht recht in Fluß kommen. Man brauchte einen Zeitvertreib, und so nahmen einige ältere Herren lange Perlenschnüre hervor, an denen sie sich mit den Fingern zu tun machten. Später erfuhr ich, daß das allgemeine arabische Sitte wäre; ich fürchte, es stecke ein Aberglaube dahinter. Mittlerweile ging man an die Zeremonie. In der Mitte des anstoßenden Saales war der wohlgeschmückte Elia-Sessel aufgestellt, ein hoher Thronsessel mit künstlerischer Lehne, auf dem der Gevatter saß. Das Kind wurde hereingebracht, und eine Schar Frauen folgte ihm. Junge halbwüchsige Mädchen mit Wachskerzen in der Hand umstanden den Thronsessel und sahen der Zeremonie zu, als ob es sie am meisten anginge. .. Alles Uebrige verlief in festgeregelten Formen. Das Kind wurde weggetragen und mit ihm entfernten sich auch die Frauen. Nur Frauen in Dienstesstellung kamen alsbald wieder und reichten den Gästen Süßigkeiten dar, zum Andenken wohl auch einige Myrthenzweige, die bei der Zeremonie verwendet wurden. Ohne sich zu Tische zu begeben, verzehrte ein Jeder die Süßigkeiten an seinem Orte, und Viele ließen sich auch für die Hausleute damit beschenken. Ich natürlich, der ich den größten Weg vor mir hatte, wurde erst recht beschenkt. Auf stürmischer See dachte ich daran und sagte den Glaubensbrüdern in Kairo stillen Dank. Von einem Tischgebet keine Spur. Ja, als ich dem Rabbiner gegenüber von einer Se' uda sprach, wie man schon das Ding zu nennen pflegt, lachte er sein und meinte, ich hätte bloß das Anrecht auf einen B e r i t h, nicht auf ein Mahl. Mit dem Rabbiner wurden alsbald auch ernstere Dinge erörtert, bis ich, einer der ersten, in Anbetracht des nahenden Sabbat das Lokal verließ, um die prächtige Synagoge in der Jsmalijeh aufzusuchen. Die Anderen hatten es nicht so eilig — sie kannten kleine Synagogen in der Nähe — und gewiß hatte es ein guter Teil von ihnen verabsäumt, der sabbatlichen Braut entgegenzueilen. Ein Stachel im Herzen ist mir davon bis heute geblieben. Budapest. Dr. Samuel Krauß. Korrespondenzen. Der Obmann des Polenklnbs über den Zionismus. In einer Besprechung, die vorige Woche zwischen dem Obmanne der zionistischen Landesorganisation Herrn Doktor S ch a l i t und dem Vorstandsmitgliede Herrn H. Müller einerseits und dem Obmanne des Polenklubs Grafen Dzieduczycki andererseits stattfand, äußerte sich dieser folgendermaßen über den Zionismus: „Ich anerkenne den Zionismus als eine idealistische und ethische Bewegung. Ich erkenne seine großen Vorzüge, verhehle mir aber nicht, daß er, wie jede ethische Bewegung, das Gebrechen besitzt, nicht immer praktisch zu sein. Ich sympathisiere aber mit dem Zionismus, weil er eineBewegung derWahrheit ist im Gegensatz zur Lüge des 19. Jahrhunderts, die vorgab, daß die Juden Polen, Tschechen oder Deutsche seien." Einstellung der Weiterbeförderung russischer Emigranten in Wien. Da es sich bei der Sichtung der in Wien angesammelten zahlreichen Emigranten seitens der „Israelitischen Allianz" ergab, daß ein großer Teil der Auswanderer zur Weiterbeförderung ga.rztich ungeeignet ist, so daß diese Aermsten durch die zwecklose Reise nach Wien nur in unnützer Weise ihre eigenen, letzten Mittel oder die Unterstützungen der Provinzkomitees der „Allianz" verschwenden, so hat der Vorstand beschlossen, ähnlich wie es bei der großen Emigration in den Neunziger-Jahren geschah, die Sichtungen in Wien ganz einzustellen und mit denselben die hart an der russischen Grenze befindlichen Filialen der „Allianz" zu betrauen. Dort wird es viel leichter sein, die Auswanderer nach Kategorien zu gruppieren und diejenigen, welche erwerbsfähig sind, unter Vermeidung unnützer Ausgaben auf kürzestem Wege nach den von der Zentrale der „Allianz" in Wien zu gebenden Direktiven nach den entsprechenden Reisezielen in überseeische Länder zu befördern, während die nicht geeigneten Elemente, soweit der Aufenthalt in der Heimat für sie faktisch ohne Gefahr ist, dorthin zurückkehren können, oder, soweit die begründete Furcht vor Exzessen fortbesteht, in der Nähe der Grenze für Rechnung der „Allianz" bis zum Eintritt der Ruhe verpflegt werden können. Statthalter von Triest Prinz Hohenlohe über die konfessionelle Gleichberechtigung. Man schreibt aus Triest: Freitag den 23. d. Merschien der Statthalter Prinz Konrad zu Hohenlohe in der Wohnung des greisen Oberrabbiners S. R. M e l l i und überreichte ihm persönlich den Franz Joseph-Orden. In seiner schwungvollen italienischen An-prache betonte der Statthalter, es freue ihn, den Wunsch seines lieben Freundes, des Vorstehers der israelitischen Kultusgemeinde Edlen v. R i ch e t t i, erfüllen und deni im Amte ergrauten Oberrabbiner anläßlich seines 50jährigen Jubiläums diese Auszeichnung übergeben zu können. Er als erster Beamter des Küstenlandes halte ganz besonders darauf, daß die Rechte der jüdischen Bevölkerung nicht nur auf dem Papier stehen, sondern auch in Wirklichkeit geachtet werden, womit er übrigens strenge im Sinne des Landesherrn zu handeln sich bewußt sei. In Worten tiefer Ergriffenheit dankte der greise Seelsorger für diese Auszeichnung. Bei dem festlichen Akte waren die Herren Edmondo v. Richetti, derneügewäMeG'emeinderat S a m a i a, Schwiegersohn des Herrn Melli, und Rabbiner Dr. Brettholz anwesend. Mährisch-jüdischer Landesmassafond. Die diesjährige Delegiertenversammlung fand am 19. d. M. in Anwesenheit von 44 Gemeindevertretern statt. Zum Vorsitzenden wurde einstimmig Herr Regierungsrat Dr. S. Spitzer gewählt. Derselbe verliest eine Zuschrift des Obmannes des Kuratoriums dieses Fondes, Herrn Julius Ritter v. G o m - p e r z, worin derselbe erklärt, auf seine Ehrenstelle als Mitglied und Obmann des Kuratoriums, die er seit Beginn der autonomen Fondsverwaltung, das ist seit November 1869, bekleidete, verzichten zu müssen. Der Vorsitzende hebt im Namen des Kuratoriums die außerordentlichen Verdienste hervor, die sich Herr Julius Ritter v. Gomperz durch Erwirkung der Uebergabe des Fondes in die Verwaltung der mährischen Judenschast, durch die Verfassung des Statutes sowie die Organisation und Leitung der Geschäftsführung um die mährische Judenschaft erworben habe; er beantragt, die Generalversammlung möge ihm den wärmsten Dank und die besondere Anerkennung hiefür aussprechen, diese ehrende Kundgebung im Protokolle verewigen und ihm dieselbe unter dem Ausdrucke des Bedauerns über seinen Rücktritt durch eine Abordnung des Kuratoriums schriftlich übermitteln. Dieser Antrag wird unter lebhaftem Beifalle mit Akklamation angenommen. Zum Rechnungsabschlüsse ergreift B i t t n e r (Lundenburg) das Wort, um an der Hand einer Vergleichung des Voranschlages mit den Erfolgsziffern nachzuweisen, daß mehrfache, allerdings schwer vermeidliche Ueberschreitungen bei den Subventionen für Schulen und Gemeinden stattfanden. Er wünscht deshalb, daß die sich mehrenden außerordentlichen Subventionen eingeschränkt werden mögen, damit dieselben nicht einen ständigen Charakter annehmen. Derselbe beantragt sodann namens der Revisoren, den Rechnungsabschluß zu genehmigen, dem Kuratorium das Absolutorium zu erteilen und dem Präsidium für die umsichtige Geschäftsführung sowie den Beamten für die musterhafte Buch-

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