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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-03-30 · 13 (30.3.1906) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
13 (30.3.1906)
Date
1906-03-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 13 Dr. Blocb’s MocbenscbrM Seite 209 eigenen Bedarf der Ansiedler würde das Ackerland wohl ausreichen, zumal alle Feldsrüchte fortkommen dürsten, die auch in England gedeihen, im übrigen müßte der künftige Ansiedler vornehmlich Viehzüchter sein. Für Schafe und Ziegen dürften sich nur die Striche im Westen und Norden eignen, dagegen sei die Rindviehzucht überall vielversprechend. Da Gibbons wilde Strauße angetroffen hat, denkt er auch an die Zucht dieser Vögel. Anderes Wild gibt es heute in Menge, so zahlreiche Antilopenarten, Giraffen, Zebras, Rhinoceros, Löwen in den niedrigeren Teilen, viele Elefanten besonders in den Wäldern. Von größter Wichtigkeit sind natürlich die Vorbedingungen für das gesundheitliche Wohlergehen der Ansiedler. Die Reife fiel, wie bemerkt, noch in die Trockenzeit, und damals fehlten die Moskitos; aus der ganzen Beschaffenheit des Landes aber, die diesen Krankheitsträgern keine Entwicklungsmöglichkeiten gewähren soll, glaubt Gibbons schließen zu dürfen, daß sie überhaupt fehlen, und daß Guas Ngischu malariafrei ist. Auch die Temperaturbeobachtungen konnten fich nur auf kurze Zeit erstrecken. Das Maximum war sehr stabil und schwankte zwischen 21°6 und 23*3° Celsius, das Minimum zwischen 3 und 8'3° Celsius; in einer Nacht sank die Quecksilbersäule einige Grad unter den Gefrierpunkt. Unter Berücksichtigung aller Verhältnisse und aus dem Vergleich mit den Beobachtungen aus anderen ähnlich hoch gelegenen Gebieten unter dem Aequator nimmt Gibbons das mittlere Maximum für die kalten Monate auf 20 bis 21*', für die heißen auf 24", das Minimum auf 2 8 bezw. T2° Celsius an. „Danach beeinträchtigt die Temperatur von Guas Ngischu in keiner Weise die Aussichten der Kolonisation." Die meisten Vorschläge zur Besiedelung tropischer Gebiete Afrikas durch Weiße Pflegen außer Acht zu lassen, daß diese, soweit sie wirklich fruchtbar, bereits von der eingeborenen Bevölkerung besetzt sind, die man doch nicht vertre'.ben darf. Diese.Schwierigkeit scheidet allerdings für das Guas Ngischu- Plateau aus; denn es ist heute, wie gesagt, so gut wie unbewohnt. Daß das -nicht immer so gewesen ist, kann man aus den gelegentlich anzutreffenden Ruinen von Steinmauern schließen, die ohne Verwendung von Mörtel errichtet worden sind. Bauten solcher Art sind in Afrika außerordentlich selten, und es wäre interessant zu wissen, wer jene alten seßhaften Bewohner waren. Massai sind es sicherlich nicht gewesen. Die Traditionen der Nachbarstämme besagen nur, daß von Norden und Süden gekommene Massai hier eingedrungen seien, die Urbewohner vernichtet, dann selber zusammengestoßen seien und einander fast ganz aufgerieben hätten; die spärlichen Reste wären den Waldstämmen der Nachbarschaft zum Opfer gefallen, und so sei das Hochland zur Wildnis geworden. Gibbons ist davon überzeugt, daß der Weiße, selber arbeitend, auf diesem Plateau leben und gedeihen könne, daß er hier als Ackerbauer und Viehzüchter eine Zukunft habe. Er meint, damit gebe er sich als großer Optimist zu erkennen; aber ein bedeutendes Werk sei noch nie ohne ein gehöriges Teil Optimismus zustande gekommen. Seine Gedanken beschäftigen sich dann schließlich mit den Wegen, die es dem künftigen Ansiedler ermöglichen würden, seine Ausfuhrprodukte an Vieh und Nutzhölzern zu verwerten, und seine Hoffnung gilt hier natürlich der nahen Ugandabahn und dem Nil. In der dem Vortrage folgenden Diskussion sprach u. a. Sir Charles Eliot, der aus Anlaß der zionistischen Kolonisationsbestrebungen häufig genannt worden und als früherer Kommissär von Britisch-Ostafrika mit dem Guas Ngischu-Hochland ebenfalls bekannt ist. Er drückte sich etwas vorsichtig aus, indem er sagte, die Hochländer des Protektorats seien „schön und anziehend", und der Europäer könne dort „angenehm leben"; aber er meinte auch, er hätte vor Gibbons Ausführungen nie gedacht, daß das Guas Ngischu-Plateau „einer der besten Teile Ostafrikas" sei. Gin Familienfest in Kairo. Ein Jahr ist es her, daß es mir vergönnt war, die mächtig aufblühende Stadt Kairo in Egypten zu sehen. Der Fremde, den die Gunst des Schicksals in eine fremde große Stadt bloß zu dem Zwecke führt, dort Umschau zu halten, kann die äußeren Konturen einer Stadt, ihr Straßenleben und auch die etwaigen Sammlungen im Fluge kennen lernen, vorausgesetzt, er sei von beweglicher Natur und auch mit Geldmitteln einigermaßen versehen. Nicht so das Familienleben, das fich doch dem Fremden nicht eröffnet, am allerwenigsten in den orientalischen Städten, in denen die Frauen den Blick der Oeffentlichkeit so sehr scheuen. Ich erinnere mich, wie ich es einmal in Venedig angestellt habe, etwas von dem Inneren der berühmten Paläste der Dogenstadt erhaschen zu können. Ich habe zufällig erfahren, daß ein Grimani-Palais zu verkaufen sei; ich ging mit den anderen Kauflustigen hinein und konnte auf diese Weise den Speisesaal, das Kinder- und Spielzimmer einer alten venezianischen Patrizier- Familie sehen. In Kairo sollte es mir besser gehen. Dank der Fürsorge meiner dortigen Bekannten, die es eben wußten, daß ich jede Seite des jüdischen Lebens gerne studieren möchte, wurde ich von Seiten einer mir sonst unbekannten Familie zu einem Beschneidungsfest geladen. Die Familie heißt N e ch m a d und weckt schon mit diesem echt hebräischen Namen Gefühle der Pietät für altvergangene Zeiten. Herr Nechmad, seines Zeichens ein Kaufmann, ein starker robuster Herr, hatte eben nach einem bereits ziemlich erwachsenen Töchterchen nun ein Söhnchen bekommen. Also ist die Freude groß. Dies sollte ich gleich merken. Denn vor dem Toreingang des stattlichen stockhohen Hauses empfing mich eine etwa zwanzig Mann starke Mufikbande mit einem mächtigen Tusch, und ich kam mir vor wie ein Potentat, dem man zu huldigen pflegt. Ich habe erfahren, daß das in Kairo in jedem besseren Hause Sitte ist, und gebührt der schallende Empfang jedem eintretenden Gaste. Ob auch Frauen, vergaß ich zu ergründen. In Büchern findet man auch diese Sitte verzeichnet, ich selbst habe sie aber erst da erfahren. Die Musiker sind nicht Juden, sondern Christen, wie es scheint Italiener und Griechen. Es war Freitag, den 14. April 1905, nachmittags um 5 Uhr. Hier zu Lande würde unmittelbar vor Einzug des Sabbat eine solche Feier nicht zugelasien werden. Und so fragte ich ängstlich, ob auch die Rabbiner anwesend sein werden? Diese pflegen zwar, so sagte man, an den häuslichen Festen ihrer Gläubigen teilzunehmen, dennoch sei heute der Oberrabbiner nicht zu erwarten, wohl aber der zweite Rabbiner N. E u t e b i, der auch in der Tat erschienen ist. Dieser Rabbiner ist der Vater des Direktors des Kellers in Rischon le-Zion, mit dem modernen Judentum also gewissermaßen verknüpft. Er sckeint in der Tat eine beträchtliche weltliche Bildung zu besitzen. Die Konversation ging französisch, wobei sich auch Damen beteiligten. Die Damen sind durchaus modern europäisch gekleidet und unterscheiden sich, wenigstens in diesem Hause, in nichts von ihren Schwestern in Europa. Wenn durchaus etwas Besonderes vermerkt werden soll, so wäre es ihre brünette Farbe und eine etwas unschöne Korpulenz. Nur die älteren Herren sprachen etwas hebräisch, darunter auch der Mohel, der, noch ein junger Mann, gleichwohl eine große Praxis hinter fich hatte, denn er rühmte sich, auch von Mohammedanern mit gleicher Funktion betraut zu werden, ja sogar von Christen griechischer Nationalität. So erfuhr und sah ich schon manches, noch ehe die Herren mit mir recht bekannt waren. Ich sagte ihnen vergebens, ich sei aus Budapest, auch mein Vaterland Ungarn ist für sie ein unbekannter Begriff, und als Einer gescheidter sein wollte als die Anderen, fragte er recht wichtigtuend, wie viel Soldaten wir denn im japanischen Kriege stehen hätten? Also Rußland ist es, das die Leute in Kairo beschäftigt. Ich verbiß mein patriotisches Gefühl, zumal wir in Ungarn daran gewöhnt find,

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