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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-03-30 · 13 (30.3.1906) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
13 (30.3.1906)
Date
1906-03-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 208 Dr. Blocb’s Mocbenscbrttt Nr. ] 8 Einführung der Spitzenerzeugung in Galizien das wärmste Lob. Mehrfach wird der Wunsch ausgesprochen, es möge die Vereinsleitung im Laufe des Jahres öfters Mitteilungen an die Ortsgruppen und an die Oeffentlichkeit gelangen lassen, damit die Vereinsmitglieder auch in der Zwischenzeit von dem Wirken des Vereines Nachrichten erhalten. Dagegen wurde von einzelnen Mitgliedern der Vereinsleitung auf die Eigenartigkeit der Tätigkeit des Hilfsvereines hingewiesen, die es oft schwer, wenn nicht unmöglich, mache, diesen Wunsch zu befriedigen. Der Vorsitzende erklärt aber, Veranlassung treffen zu wollen, daß ihm nach Möglichkeit und Tunlichkeit Genüge geleistet werde. Herr Kulka (Troppau) gibt die Anregung, daß der Verein in einem der Steinbrüche des Redners eine Steimetzschule zur Heranbildung von Juden zum Steinmetzgewerbe errichte. Nachdem verschiedene Anfragen, die von Sitzungsteilnehmern gestellt wurden, von dem Vorsitzenden beantwortet worden waren, erstattete der Obmann des Aufsichtsrates Herr Dr. Wilhelm Knöpfmacher über die finanzielle Gebarung der Vereinsleitung einen eingehenden Bericht, der in dem Anträge gipfelte, ihr das Absolutorium zu erteilen. Dieser Antrag wurde seitens der Generalversammlung einstimmig genehmigt. Hierauf wurde ebenfalls einstimmig beschlossen, die Statuten in dem Sinne zu ändern, daß der engere Ausschuß anstatt aus 9 aus 11 Mitgliedern zu bestehen habe und daß 5 davon zur Beschlußfähigkeit hinreichen. Bei den sodann vorgenommenen Wahlen wurden mit Stimmeneinhelligkeit gewählt, und zwar a) in die Vereinsleitung die Herren: Med.-Dr. S. Ehrmann, k. k. Professor; Jur.-Dr. Gustav Ko hu, Mitglied des Landesschulrates; Wilhelm K u-x, Direktor; Paul Lemberger, kais. Rat; Siegmund Mayer, Heinrich P ö l l a k, Richard T e w e l e s, sämtlich aus Wien; ferner aus Galizien die Herren: Jur.-Dr. Emil Byk (Lemberg), Reichsrats-Abgeordneter, Anton Rudolf F l e i s ch l (Lemberg), Med.-Dr. Hermann Hirsch (Krakau). Ferner b) in den A u f s i ch t s r a t die Herren: Julius Granichstädten, Jur.-Dr. Wilhelm Knöpfmacher, Jur.-Dr. Leopold Ko h n, Ferdinand Löw y, Wilhelm Pappenheim, Med.-Dr. Isidor Samuely, Theodor Want och; endlich c) in das Schiedsgericht die Herren: Wilhelm Anninger, kais. Rat, Michel, Benies, Jur.-Dr. Julius B e rm a n n, k. k. Notar, Phil.-Dr. Moriz Güdemann, Oberrabbiner, Jur.-Dr. Alois Klemperer, Isidor Popper, Leopold Sachs, kaff. Rat, Jur.-Dr. Alfred Stern, Julius Wolf, Josef Zucker. Zu bemerken ist, daß die in die Vereinsleitung gewählten Herren nur den dritten Teil dieser Körperschaft ausmachen, da jährlich bloß eine Drittel-Erneuerung derselben stattfindet. Hierauf wurde die Generalversammlung geschlossen. Die Redaktion kann aber nicht umhin, die Aufmerksamkeit der Leser auf das eminent wohltätige Wirken des galizischen Hilfsvereines zu lenken; nur dadurch, daß den 600.000 armen galizischen Juden Arbeit und Verdienst zugeführt wird, werden diese unsere Glaubens- und Stammesgenossen nicht nur auf ein besseres materielles, sondern zugleich auch auf ein höheres kulturelles und moralisches Niveau gebracht. Dieser großartige Gedanke, den der galizische Hilfsverein in die Tat umzusetzen sich bestrebt, bedarf zu seiner Verwirklichung sowohl einer fortgesetzten unermüdlichen Tätigkeit der Vereinsleitung, als auch der reichlichen Unterstützung der Juden in ganz Oesterreich. Wir litten daher unsere Leser ohne Unterschied des Geschlechtes, diesem Vereine als Mitglieder beizutreten und auf diese Weise dieses segensreiche Werk zu fördern. Der mindeste Mitgliedsbeitrag beträgt jährlich vier Kronen; Beitrittserklärungen sind an die Adresse des Hilfsvereines Wien, IX., Berggasse Nr. 4, zu richten. Uganda Von H. Singer (Berlin.) Die englische Regierung bot 1903 bekanntlich dem Zionistenkongreß zur Bildung einer autonomen Provinz unter jüdischer Verwaltung und englischer Oberhoheit einen Landstrich in Britisch-Ostafrika an unter der Voraussetzung, er solle eine Expedition entsenden, die das Gebiet auf seine Eignung für eine europäische Ackerbauer- und Viehzüchter-Kolonie zu untersuchen hätte. Es handelte sich um das im Nordosten des Victoriasees liegende, unbewohnte Guas Ngischu-Plateau, das jene Eignung zu haben schien. Das Anerbieten fand, wie man sich erinnern wird, durchaus nicht den ungeteilten Beifall des Kongresses, er wählte aber doch mit Stimmenmehrheit eine Kommission, die eine solche Expedition vorbereiten sollte. Anfang 1905 wurde sie in der Tat ausgeschickt. Sie stand unter der Führung des Majors A. St. Hill Gibbons, eines Afrikanders, der sich durch seine Forschungen am oberen Sambesi und im Kongoquellengebiet einen Namen gemacht hatte; außerdem nahmen noch zwei Europäer daran teil, darunter als Botaniker und Geologe ein Deutscher, Alfred Kaiser, vorteilhast bekannt als wissenschaftlicher Begleiter Dr. Schoellers auf dessen ostafrikanischen Reisen. Mitteilungen über diese Expedition sind schon durch die Presse gegangen. Nun hat Gibbons im Jänner d. I. über sie in der Londoner Geographischen Gesellschaft einen Vortrag gehalten, der in authentischer Form und vor allem unter Beigabe einer guten Karte — der ersten überhaupt — eben im Märzheft des Organs der Gesellschaft, des Greographical Journal, erschienen ist. Wir halten diese Veröffentlichung aus verschiedenen Gründen für wichtig, u. a. mit Rücksicht darauf, daß die Stimmen sich mehren, die auch einzelne Teile des deutschen Ostafrika zur europäischen Siedelung für geeignet halten — wie jüngst wieder Geheimrat Koch — und für entsprechende Projekte agitieren. Wir selber stehen diesen Ideen allerdings sehr skeptisch gegenüber und meinen, daß die Erfahrungen hier noch ganz ungenügend sind: mögen diejenigen, die einer Besiedlung tropischer Gegenden Afrikas durch Weiße so eifrig das Wort reden, selber damit den Anfang machen und so die Richtigkeit ihrer Ueberzeugung praktisch dartun; andere Leute dürfen nicht als „Versuchskaninchen" in Frage kommen. Gibbons begab sich im Jänner 1905 mit der Ugandabahn nach Nakuro und trat von da den Landmarsch nach Norden an. Er machte auf dem Plateau eine sechswöchige Rundreise, kartierte und studierte es so genau, als Zeit und Hilfsmittel es erlaubten, und kehrte im März zur Küste zurück. Das Ergebnis seiner Ermittlungen ist kurz folgendes: Die Guas Ngischu genannte Landschaft reicht vom Elgonberge, einem erloschenen Vulkan mit einem Riesenkrater von 15 Kilometer Durchmesser, bis zum Westrand des ostafrikanischen Grabens und liegt etwa unter 1" n. Br., d. h. so gut wie unter dem Aequator. Die Größe wird auf 6000 engl. Quadratmeilen angegeben (zirka 15.500 Quadratkilometer; also Areal der Provinz Hessen-Nassau). Die Meereshöhe schwankt zwischen 1800 und 2400 Meter. Der Boden besteht zumeist aus Laterit oder lateritartigem Lehm und zeigt im allgemeinen wellige Formen mit einigen 50 bis 100 Meter herausragenden Granitkuppen. Zu einem Drittel ist das Plateau gebirgig. Den Ost- und Südrand nimmt dichter, schwer durchdringlicher Urwald ein, im übrigen zeigt Guas Ngischu entweder Parklandschast oder Savannen mit Akazien oder Grasweiden. Die ganze Waldbedeckung wird mit 1000 Quadratkilometer angenommen. Nutzbäume sind eine Juniperus — eine Riesenceder mit wohl 30 Meter gerade ansteigendem Stamm — und Podokarpusarten. Ueberrascht war Gibbons, der in der Trockenzeit reiste, von dem großen Wasserreichtum: Guas Ngischu ist das Becken des weitverästelten Flußsystems des zum Victoriasee gehenden Nsoia. Das Weideland ist vortrefflich. Für den Ackerbau kämen jedoch nur die Flußtäler in Betracht; auf dem roten Lateritboden dringt das Regenwasser oft wenig ein, sondern fließt infolge der Wellenform des Geländes sehr schnell ab. Für den

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