Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 13 (30.3.1906)
- Date
- 1906-03-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 13 Dr. Vlocb's MwckensiDrikt Seite 207 unterscheidet sich von dem alten insbesondere dadurch, daß der gegenwärtige Unternehmer verpflichtet wurde, einzig und allein Lohnkonfektion zu betreiben, wodurch das Risiko der Eigenkonfektion, die überdies ein bedeutend größeres Geschäftskapital erfordert, ausgeschlossen erscheint. Der neue Unternehmer setzte die Fabrik Mitte November in Betrieb und erreichte bereits Anfangs Dezember die für das erste Subventionsjahr vorgeschriebene Minimalarbeiterzahl von 60. Mit Rücksicht auf die Auskünfte, die wir über ihn erhielten, und auf die Zahl und den Umfang der Arbeitsaufträge, die er besitzt, wollen wir für den Bestand des Unternehmens in der neuen Form das Beste hoffen. Häkelschule in Krakau. Daß der mit dem betreffenden Unternehmer auf ein Jahr abgeschlossene Vertrag im Februar 1905 in normaler Weise sein Ende erreichte, wurde bereits in unserem letzten Tätigkeitsberichte bekanntgegeben. Seither hat die an der Häkelschule angestellt gewesene Lehrerin eine gewerbsmäßige Häkelwaren-Erzeugung errichtet und uns ersucht, ihr in Wien Absatz zu verschaffen, damit sie eine größere Anzahl ihrer ehemaligen Schülerinnen beschäftigen kann. Selbstverständlich versuchen wir mit Bereitwilligkeit, diesen Wunsch zu erfüllen. Spitzenklöppelei. Diese Industrie wurde, wie bereits im Vorjahre berichtet wurde, Mitte Oktober 1904 in Kolomea eingesührt und entwickelte sich in den ersten Monaten in zufriedenstellender Weise. Aber der hiefür gewonnene Berliner Unternehmer ließ, trotzdem er vom Hilfsverein der deutschen Juden in Berlin für diesen Zweck ein unverzinsliches Darlehen erhalten hatte und nach und nach eine große Anzahl Schülerinnen ausgebildet worden war, die Sache Plötzlich im Stich. Wir lösten jedoch die Spitzenkloppelschule in Kolomea nicht auf, sondern setzten uns mit dem k. k. Zentral-Spitzenkurse in Wien in Verbindung. Diese Anstalt hat sich zur Aufgabe gemacht, die in den Gegenden, wo Spitzen geklöppelt werden, zahlreich vorhandenen -Zwischenhändler (Faktoren) aus dem Betriebe der Spitzenklöppelei so viel als möglich auszuschalten; sie tritt mit den großen Spitzenhändlern unmittelbar in Verkehr, nimmt ihre Bestellungen entgegen und gibt sie an die Arbeiterinnen weiter; Vermittlungsorgane sind dabei die k. k. Fachschulen für Spitzenklöppelei in Krain und Böhmen. Wir schlossen nun mit dem k. k. Zentral-Spitzenkurse ein Uebereinkommen, wonach er sich verpflichtete, unsere Anstalten mit Aufträgen zu versehen, die Erzeugnisse unserer Arbeiterinnen abzunehmen und uns auf Wunsch und nach Bedarf Lehrerinnen zu empfehlen, um mit deren Hilfe die Spitzenklöppelei unter der jüdischen Bevölkerung in Galizien zu verbreiten. Der Wechsel in der Person des Auftraggebers und die damit verknüpften Aenderungen im Betriebe einerseits, andererseits der Umstand, daß eine Anzahl Arbeiterinnen für Privatleute und Geschäfte in Kolomea Spitzen erzeugt, während andere aus Mangel an Geduld, die insbesondere bei dieser, nur geübteren Personen ein größeres Lohneinkommen verschaffenden Industrie erforderlich ist, vollständig zu arbeiten aushörten, hatte zur Folge, daß sich die Zahl der Mädchen, die für den Zentral-Spitzenkurs Waren lieferten, verringerte. Wir haben nun beschlossen, zum Zwecke der Heranziehung neuer Schülerinnen — sowie beim Beginne des Unterrichtes in der Spitzenklöppelei — den sich meldenden neuen Schülerinnen während der Lehrzeit kleine Unterstützungen zu gewähren, ferner zur Aneiferung der Arbeiterinnen an sie bei Erzielung eines bestimmten Lohnes innerhalb eines Monates Prämien zu verteilen, endlich in den Dörfern um Kolomea, wo Juden in größerer Menge wohnen, durch unsere Lehrerin den Unterricht in der Spitzenklöppelei erteilen zu lassen. Im November 1905 errichteten wir in Tarnopol eine zweite Spitzenklöppelei-Schule, die gegenwärtig gegen 50 Schülerinnen zählt. Spitzenhäkelei. Diese Industrie, die Erzeugung irischer Spitzen, die wir im März 1905 in Galizien einzuführen begannen, war von einem vollen Erfolg begleitet. Nach und nach wurde durch eine uns vom f. t Zentral-Spitzenkurse empfohlene Lehrerin der Unterricht in diesen Arbeiten in 7 Orten erteilt und es kommt monatlich ungefähr je ein neuer Ort an die Reihe. Wir haben die Genugtuung, daß sich die Zahl der Arbeiterinnen beinahe an jedem Orte einige Zeit nach dem Abgänge der Lehrerin vergrößert und daß immer mehr Ware aus den industrialisierten Orten an den k. k. Zentral-Spitzenkurs eingesendet wird. Die Arbeiterinnen find auch mit den gezahlten Löhnen durchwegs zufrieden. Es dürfte vielleicht möglich sein, diese Industrie auch noch durch eine zweite Lehrerin ausbreiten zu lassen; die Unterhandlungen hierüber sind jedoch noch nicht abgeschlossen. Fezquastenerzeugung. Ueber diese kleine Industrie können wir ebenfalls Günstiges berichten. Sie besteht, nachdem der Vertrag mit dem Unternehmer Mitte November 1895 in normaler Weise zu Ende ging, in dem Orte, wo er sie eingeführt hatte, weiter und es ist Aussicht vorhanden, daß die Zahl der beschäftigten Arbeiterinnen sich allmälig erhöht. Unterstützungjüdischer Gewerbetreibender in Galizien durch Verschaffung von A bs a tz. Unser Verein bemüht sich auch, jüdischen Gewerbetreibenden Galiziens hauptsächlich in Wien Absatz für ihre Erzeugnisse zu verschaffen, indem er die von ihnen eingesendeten Muster an Wiener Kaufleute weitergibt und diese veranlaßt, mit jenen unmittelbar in Geschäftsverkehr zu treten. Dies ist bis heute schon in einzelnen Fällen zur Zufriedenheit beider Teile gelungen. Lehrlingsangelegenheit. Auf Grund eines Vertrages, der zwischen unserem Vereine, dem Kuratorium der Baron Hirsch-Stiftung und dem Wiener Vereine zur Beförderung der Handwerke unter den inländischen Israeliten abgeschlossen wurde, unterzog sich der letzgenannte Verein der Aufgabe, die ihm von uns zugewiesenen Absolventen der galizischen Hirsch-Schulen bei Handwerksmeistern in Wien in die Lehre zu geben und, gegen ein jährliches Pauschale für jeden Lehrling, für ihre Bedürfnisse zu sorgen. Der Stand der zu Ende des Jahres 1905 auf unsere Rechnung in seiner Obsorge befindlichen Lehrlinge betrug 24. Außerdem trachten wir, jüdische Knaben aus Galizien, welche die Baron Hirsch-Schule absolviert haben, im übrigen Westösterreich und in Deutschland unterzubringen, und haben vorläufig 3 in Brünn und 2 in Lörrach, im Großherzogtum Baden, bei Handwerksmeistern versorgt. Die großen Schwierigkeiten, denen diese Tätigkeit in jeder Hinsicht begegnet, müssen diese an und für sich gering erscheinenden Ziffern erklären und rechtfertigen. Der Aufwand in der Lehrlingsangelegenheit wurde zur Hälfte vom Hilfsvereine der deutschen Juden in Berlin bestritten. Auch an dem Ausbau unserer Organisation waren wir im Berichtsjahre tätig. Im Jahre 1905 konstituierten sich folgende Ortsgruppen : Kolin (Böhmen), Jägerndorf (Schlesien), Neu-Sandez und Sambor (Galizien). Auch wurden zwei Frauen-Ortsgruppen (Krakau und Troppau) gegründet. Zu Ende des Jahres 1905 waren also 44 Ortsgruppen konstituiert, um 3 mehr als zu Ende 1904. Im Anschlüsse an diesen Tätigkeitsbericht entwickelte sich eine lebhafte Diskussion, an der sich nebst dem Vorsitzenden und dem Sekretär folgende Herren, die wir in alphabetischer Ordnung anführen, beteiligten: Dr. Josef Bloch (Wien), Reichsratsabgeordneter Dr. Emil Byk (Lemberg), Baurat Ritter v. Goldschmidt (Wien), Dr. Edmund Kohn (Wien), Dr. Albert Kuh (Wien), Viktor Kulka (Troppau), Dr. Wilhelm Pappenheim (Wien), Direktor Alois Schwarz (Mährisch- Ostrau), Jakob S. Straßberg (Wien) und Richard Teweles (Wien). In dieser Diskussion wurde der Vereinsleitung von mehreren Seiten unter dem Beifalle der Versammlung der Dank und die Anerkennung für ihre Tätigkeit ausgesprochen, indem hervorgehoben wurde, daß die Vereinsleitung damit den richtigen Weg eingeschlagen habe, daß sie langsam aber zielbewußt vorgehe und sich durch das Verlangen nach großartigen, in die Augen fallenden Unternehmungen in ihrem Vorgehen nicht irre machen lasse. Herr Dr. Byk spendet insbesondere der