Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 12 (23.3.1906)
- Date
- 1906-03-23
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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Seite 202 Dr. Blocb’s ocbenscfovift Nr. 12 daß wir in genau denselben Gegenden, wo in den Ortsnamen die Stammsilbe Dan zu erkennen ist, überall in gleicher Weise die Anzeichen eines uralten Schlangenkultus finden? An den Donlluuferu hat ganz kürzlich erst wieder die russische archäologische Gesellschaft Tempel ausgegraben mit Götzenbildern in Schlangengestalt. In Dänemark zieht man noch heute für Schmucksachen die Schlangengestalt allen anderen vor. Nun, woher Dan dieses Symbol hatte, ist unschwer zu erkennen: es war eine Erinnerung an die eherne Schlange, die Moses in der Wüste errichtete; und daß gerade Dan zum Götzendienst geneigt war, sagt uns die Bibel selbst. Das Wichtigste für uns aber ist dies, daß sich an der ganzen Küstenlinie entlang, an der die Schiffe Dans auf ihren Fahrten in die Nord- und Ostsee vorbeikamen, z. B. in Spanien, gewaltige, offenbar künstlich geformte Erdhügel befinden, deren Kamm die Gestalt einer Schlange wiedergibt. Das Kopfende, auf dem anscheinend ein Tempel stand, ist stets nach Osten gerichtet." Er erhob seine Stimme: „Und nun richten Sie den Blick zu jenem Hügel dort am Horizont! Sie können den Kamm nicht sehen, da er bewaldet ist. Aber sch in an den Baumwipfeln können Sie die Schlangengestalt erkennen. Auch Archäologen, die von meiner Theorie nichts wissen wollen, geben zu, Laß jener Hügel seine Schlangengestalt Menschenhänden Verdankt. Sie sehen auch, daß das Kopfende nach Osten gerichtet ist: — dort stand der Tempel Dans!" Ich hatte mir vorgenommen, ihn nicht zu unterbrechen. Aber nun entschlüpfte die Frage doch meinen Lippen, wie denn wohl Dan so weit von der Küste weg mitten ins englische Land gekommen sei. Er schüttelte ungeduldig den Kopf: „Aber das ist doch sehr einfach. Daß die Phönizier aus Cornwall Zinn holten, ist Ihnen bekannt. Daß die Handelsstraße, auf der dieses Metall nach London hin befördert wurde, hier vorbeiführte, wissen wir auch. Befand sich also Dan im Gefolge der Phönizier, so liegt da doch keine Schwierigkeit vor. Und wenn ich vollends hinzufüge, daß in der Lokaltradition, wie Sie sie noch von alten Leuten hier hören können, jener Hügel merkwürdigerweise auch mit den Phöniziern in Verbindung gebracht wird, — schließt sich da nicht alles zu einem einheitlichen und überzeugenden Bilde zusammen?" Ich suchte einer Antwort auszuweichen, indem ich das Gespräch ans den Anglo-Jsraelismus brachte. Aber da wurde et fcsfe. Mit solchen Phantcchereirn habe er nichts zu' schaffen, und mit solch vagen Speknlationen wolle er seme streng wissenschaftliche Theorie nicht verknüpft wiffen! „Aber solche Betrachtungen", so schloß er mit Salbung, „bringen die Vergangenheit und die Einheit der Geschichte unserem Verständnis näher, und man glaubt die Wege der Vorsehung in so wunderbarem Zusammenhänge zwischen den Nationen zu erkennen!" Neue Bücher. ,,Ost «nd ffiefh'. Illustrierte Monatsschrift für modernes Judentum. Verlag von „Ost und West", Berlin N. W. 23. Preis des Heftes 60 Pf. Inhalt des Jänner-Heftes: Jüdische Autonomie" von Matias Acher. „Die russische Revolutivn und die Judenfrage." Von einem russischen Juden. Mit zwölf Märtyrerbildern aus den letzten Judenverfolgungen in Rußland. „Das Lied der Judennot". Wehruf eines russischen Juden (Chorlied). „Die Makkabäer, Gedicht von A. Nossig. „Juda, der Makkabäer ruft die Juden zur Freiheit auf". (Skulptur.) Von A. Nossig. „Heinrich Heine". Zum 16. Februar 1906. Von Gustav Karpeles. Mit Illustrationen: Nr. 1. Heinrich Heine, Zeichnung von Ludwig Grimm; 2. Faksimile eines von der Mutter Heinrich Heines mit jüdischen Lettern geschriebenen Briefes; 3. Porträt des Großvaters Heinrich Heines; 4. Handschriftlicher Entwurf von Heinrich Heine; 5. Ein jüdischer Globus des Großoheims Heinrich Heines; 6. Amulet gegen das Fieber des Großoheims H. Heines. 7. Porträt der Anna Kaula, eine durch ihre Schönheit berühmte Verwandte Heinrich Heines. „B etrachtungen überden modernen Synagogenbau" (mit acht Illustrationen) vom dipl. Ing. E. Hiller. „Lina Morgenstern" (mit einer Illustration) von Dr. A. Kohut „Heinrich Redlich" (mit vier Illustrationen) von Lina Morgenstern. „Der Littauer u n d d er Z a d d ik". Von I. L. Perez. „Hanns". Von Grete Masse. „Die Hexe von Endor". Von K. „Heinrich Heine über Judenund Judentum" (Notizen aus seinen Schristbriefen und Gesprächen). „Hebräische S p r u ch w e i s h e i t". Von Viktor Klemperer. „Jüdische Parlamentarier in E n g l a n d" (mit sieben Illustrationen) Miszellen Das Heft enthält 43 Illustrationen. Dr. Max Weisz. K a t a l o g der hebräischen Handschriften und Bücher in der Bibliothek des Professors Dr. David Kaufmann s. A. Verlag I. K a u f f m a n n, Frankfurt a. M., 1906. Leopold Landesberg, Bezirks-Rabbiner, Szegi halom (Ungarn). Chikre Lew I. und II. Teil I. R. Abuhu in Cäsarea-Palästina. II. R. Seire, beide in drei Jahrhundert. Kriefkafte«. D. S. Dr. Fromer, der als Bibliothekar der Berliner Ge-' meinde in der „Zukunft" unter dem Pseudonym Elias Jakob einen Artikel veröffentlichte, der riesiges Aufsehen erregte, weil darin , zur Massentaufe aufgefordert wurde, hat die Stirne gehabt, die jüdische Gemeinde durch alle Instanzen zu klagen, weil diese ihn wegen dieser „wissenschaftlichen Arbeit" entlassen hatte. - Er ist durchgefallen mit der Begründung, daß er den Zwecken der Gemeinde: „Aufrechthaltung und Förderung des Judentums", entgegengearbeitet habe. Der Klage hätte wohl eine Untersuchung des Geisteszustandes des Klägers Nachfolgen sollen. Er wollte die Vernunft mit Paragraphen erschlagen. Vielleicht hätte ihn die Gemeinde auch behalten sollen, wenn er „wissenschaftlichen" Antisemitismus getrieben hätte, jlun kann er die Medizin einnehmen, die er verschrieben hat und wie er den Juden liebevoll zuredete, verschwinden. I. K- Die Anstellungsbedingungen eines Rabbiners sind ausschließlich der privaten Vereinbarung durch einen Vertrag überlassen. Ein Gesetz über den Inhalt der Vertragsbestimmungen existiert leider nicht. Eine unerfahrene Waise. Das Trauerjahr dauert bloß, 11 Monate. Der Grabstein kann neben der hebräischen auch eine' deutsche Inschrift tragen. Zur Abfassung wird Ihnen in der Kanzlei der israelitischen Kultusgemeinde ein Fachmann empfohlen werden. Teut. Die Duellforderung an Schönerer seitens feines Klubgenoffen Wastian ist entschieden sehr ergötzlich. Schönerer tut Wastian in den tiefsten Bann (jüdische Rachsucht), weil dieser trotz Gebot (jüdische Herrschsucht) noch nicht romfrei geworden ist (jüdischer Fanatismus). Wastian folgt nicht, aus Rücksicht auf seine Mutter (jüdische Humanitätsduselei), sondern läßt den Parteigott, fordern, (jüdische Frechheit). Dieser weicht der Forderung aus (jüdische Feig-, heit) und nimmt den Verdammten lieberin Gnaden wieder auf (jüdischer Opportunismus). Beide Teilnehmer sind Arier, bis auf die fatale Geschichte mit Schmul Leeb Kohn, Loki möge ihn verdammen l Notiz. Union-Bank. Die XXXVI. ordentliche Generalversammlung der Aktionäre der. Union-Bank findet Freitag den 30. März 1906 um 11 Uhr vormittags in den Banktokalltäten, Wien, I. Renngaffe Uir. 1 statt. Tagesordnung: 1. Bericht des Verwaltungsrates und Vorlage des Bilanz-Abschluffes pro 1905. y. Bericht des Revisions-Ausschusses und. Beschlußfassung hierüber. 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Reingewinnes. 4. Wahlen in den Verwaltungsrat. 5. Wahl des' Revisions-Ausschusses für das Jahr 1906. — Die stimmberechtigten Herren Aktionäre, welche an der Generalversammlung teilzunehmen wünschen, wollen ihre Attien in Gemäßheit des 27) der Statuten spätestens am 24. März 1906 deponieren, und zwar: in Wien bei der Liquidator der Union-Bank, in Triest bei der Filiale der Union-Bank, in Berlin bei der Berliner Handels-Gesellschaft, bei dem A. Schaffe hauseNschen Bankverein, in Frankfurt a. M. bei der Deutschen Effekten- und Wechsel-Bank.. DANKSAGUNG. Für die mir anlässlich des Leichenbegängnisses meines unvergesslichen Mannes erwiesene herzliche Teilnahme fühle ich mich gedrängt, den verehrl. Vorständen der isr. Kultusgemeinde und Chewra-Kadischa, dem löbl. ßethausvorstande der israel. Kultusgemeinde, den ehrw. Herren Obenabbiner Dr. Güdemann und Rabbiner Dr. Schmied 1, den Herren Oberkantoren Josef Singer und Bela Guttmann, dem Herrn Chordirektor Prof. Joseph Sulz er, dem geehrten Kantoren-Vereine, allen Berufskollegen meines verblichenen Mannes und allen Freunden‘und Bekannten meiner Familie auf diesem Wege tiefgefühlten Dank zu sagen.' Wien, im März 1906. Witwe Kantor Moriz Blatt. Für ein nervenkrankes Fräulein über 25 Jahre alt, wird eine jüdische Familie gesucht, bei der es gute, kräftige Kost und ein möbliertes Kabinet und Gartenbenützimg, ohne irgend welche besondere Bedienung, haben kann. Um sofortige Antwort und Preisangabe wird unter „S. K.“ Nordbahnhof, Wien, postlagernd, gebeten.