Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 12 (23.3.1906)
- Date
- 1906-03-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 194 Dr. Blocb s MlocvenscvrM. Nr. 12 gesetzt Männer erstanden wären, welche diese Lehren, also die Lehren des reinen Judentums fortgesetzt gepredigt und kundgetan hätten, wenn nicht, durch das tägliche Morgengebet dazu angeregt, der Gedanke in uns festgewurzelt wäre, daß das Studium der Gotteslehre alle anderen Pflichten überragt, wenn nicht diese Männer durch den innigen ständigen Verkehr mit dem jüdischen Volke Gelegenheit gehabt hatten, diese Anschauungen in das Tiefinnerste der Juden zu säen. In diesen Personen, in diesen Lehrern der Wiflenschaft, in den Rabbinern liegt also der feste Halt, die Propagation der altehrwürdigen Grundsätze der Chewra-Kadischa. Ohne sie blieben auch die geschriebenen, wichtigsten Gesetze der allgemeinen Brüderlichkeit ohne Erfolg, wenn nicht der Theorie das Wort und die praktische Tat gefolgt wären. Das entscheidende Moment liegt darin, daß das Zusammentreffen sämmtlicher Wiffenschaften in einer einzigen Universal-Wiffenschaft in der Erkenntnis der „reinen Wahrheit", in der Gotteslehre ihren Kulminationspunkt findet, daß ein Dissens zwischen Wiffenschast und Gotteslehre in unserem Glauben nicht obwaltet und daß wir in der glücklichen Lage sind, keine Wahl treffen zu müssen zwischen Wissenschaft und Glaube. Die hehre Aufgabe, welche unseren Lehrern seit den ältesten Zeiten bis zum heutigen Tage gegeben, ihre hohe Stellung und ihr Wirken in der Gesellschaft hat den Bestand der Chewra-Kadischa bis nun gesichert. Angesichts der Gelehrsamkeit und Bildung der Rabbiner der gesamten Judenschaft und ihrer auch fürderhin nicht erlahmenden Bestrebungen, mit den Fortschritten der Kultur und der Wissenschaft gleichen Schritt zu halten, wird es gelingen, in kommenden Zeiten das, was bis heute erreicht, in Zukunft festzuhalten und auszubauen. Redner apostrophiert nun die an der Tafel teilnehmenden ausgezeichneten Männer, und feiert in schwungvollen Worten den Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann und Herrn Rabbiner Dr. Schmied! als die geistig hochstehenden hervorragenden religiösen Führer. Er gedenkt weiters der Schar aller in Wien fungierenden Rabbiner, mögen sie auf dem eigentlichen Boden der Kultusgemeinde zu wirken berufen oder im Schooße freier Vereinigungen von Glaubensgenoffen tätig sein. Er gedenkt ferner der in den letzten Jahren des abgelaufenen Jahrhunderts ins Leben gerufenen israel.-theologischen Hochschule, wodurch der Fortschritt erzielt wurde, den Nachwuchs der rabbinischen Gelehrten in unserem Vaterlande auf heimische Basis zu stellen und vom Auslande ziemlich unabhängig zu gestalten. Ein hervorragender Leiter der Anstalt unterstützt durch tüchtige Kräfte, hat anerkennenswerte Resultate in dieser Richtung erzielt. — Er hofft, daß es den jüngeren Kräften gelingen werde, im Geiste ihrer großen Meister den Rabbinerstand allezeit erhaben zu halten und ihren hehren Aufgaben voll und ganz gerecht zu werden. Er erhebt den Becher und bringt auf den Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann, Rabbiner Dr. Schmied! und alle anderen Rabbinern ein dreifaches Hoch aus. (Lebhafter Beifall.) Präsident der Chewra-Kadischa Herr Salo Cohn: „Die Reche der offiziellen Toaste ist nun zu Ende und ich habe nych die angenehme Pflicht, die eingelangten Entschuldigungen und Begrüßungen zur Verlesung zu bringen. Zunächst schreibt der leider durch Unwohlsein verhinderte hochverehrte Präsident unserer Kultusgemeinde Herr Dr. Alfred Stern wie folgt: Hochgeehrter Herr Kolleg a! Zu meinem sehr, sehr lebhaften Bedauern gestattet mir mein Gesundheitszustand nicht, an der heutigen Chewra-Sude teilzunehmen. Ich habe bis jetzt, bis zur letzten Stunde die Hoffnung gehegt, daß mir dies möglich sein werde; aber das strenge ärztliche Verbot, dem ich mich fügen muß, macht meine Hoffnung zu Nichte. Ich beklage dies umso lebhafter, als gerade jcht, dringender denn je eine Aussprache in einem größeren Kreise unserer Glaubensbrüder über mancherlei unser gemeinsames Jntereffe berührende Angelegenheiten Wünschenswert wäre und hiezu vielleicht diese Zusammenkunft einen willkommenen Anlaß hätte bieten können. Nun muß ich mich damit bescheiden, meine herzlichsten Grüße schriftlich zu übermitteln und bitte Sie höflichst, dieselben der hochverehrten Versammlung bekannt zu geben. Mit glaubensbrüderlichem Gruß ergebenst Dr. Alfred Stern. Ich glaube, in Ihrem Sinne zu handeln, wenn ich den Herrn Präsidenten benachrichtigen werde, daß wir unendlich bedauern, daß er dem heutigen Brudermahle nicht anwohnen konnte. (Zustimmung.) Ich werde in diesem Sinne handeln und ihm darüber schreiben oder persönlich berichten. Weiters beehre ich mich, eine Zuschrift des hochgeschätzten Gemeinderates und Baumeister Herrn Zifferer zur Verlesung zu bringen. Der Brief lautet: Hochgeehrter Herr Präsident! Es schmerzt mich tief, daß mein so langes Leiden mich verhindert, an dem schönen Feste, welches heute die Wiener Glaubensgenossen unter Ihrem Präsidium begehen, teilnehmen zu können, ich würde sonst gewiß nicht fehlen; ist es mir doch ein Bedürfnis, der Solidarität aller jüdischen Bewohner unserer schönen Stadt Ausdruck zu leihen. Möge die Chewra-Kadischa unter Ihrem tatkräftigen Präsidium wachsen, blühen und gedeihen, würdig der hehren Traditionen dieses altehrwürdigen, verdienstvollen Vereines, möge aber vor Allem der Gedanke dieser Vereinigung, der wahrhaften Brüderlichkeit aller Glaubensgenossen, der Verbrüderung zu allem Guten, Schönen, Edlen und Menschlichen Wurzel fassen in den Herzen aller Mitglieder unserer großen Gemeinde, damit wir Kraft und Stärke finden, den schweren Kampf, den uns unsere mächtigen Gegner ob unseres Glaubens und unserer Zugehörigkeit zum Judentume aufzwingen, siegreich bestehen und vollenden zu können. Werden wir ein einig Volk von Brüdern! Mit diesem Wunsche begrüße ich Sie und alle Festgenossen der heiligen Bruderschaft. Ihr hochachtungsvoll ergebener Z i f f e r e r. Sie ersehen aus diesem Schreiben, in welch hohem Grade sich hier Herzlichkeit und Treue zum Judentum in wenigen Zeilen ausdrücken. Ich bitte auch da um Ihre Erlaubnis, dem Verfasser unsere volle Sympathie aussprechen zu dürfen. (Lebhafte Zustimmung.) Nun werde ich den Inhalt der eingelaufenen Drahtgrüße bekanntgeben: Beste Grüße zu Ihrem Feste, Ihrem Bruderverein sowie jedem einzelnen Mitgliede ruft zu ein Lechajim unter dem Motto: „806M68 wehascholomn ahewu“ Die Chewra-Kadischa von Prag, gegründet 1564. Anläßlich Ihres heutigen Brudermahles empfangen Sie den Ausdruck unserer innigsten Sympathie. Das edle Band, welches unsere Vereinigungen verbindet, möge stets gekräftigt werden, auf daß unsere gleichen Bestrebungen von Erfolg gekrönt sind. Brüderliche Grüße an alle, die im Bunde treu vereinigt sind. Pester Chewra-Kadischa: Dr. Franz M e z e y, Anwalt; Jakob B 0 s ch a n, Präsident. Wir beteiligen uns im Geiste an Ihrer ehrwürdigen pietätvollen Versammlung, wünschen Ihnen Gesundheit und langes Leben für den schweren Humanitätsdienst; korporative Teilnahme ist uns leider unmöglich, weil wir der traurigen Verfolgungen unserer Brüder wegen heuer jeder offiziellen Festlichkeit entsagt haben. Präsidium der Chewra-Kadischa, Krakau. Wir danken Ihnen herzlichst für die uns übersandte Einladung zu Ihrem Brudermahl, an dem teilzunehmen uns leider nicht möglich ist und wünschen, daß dieses Mahl zur Hebung der Brüderlichkeit und Nächstenliebe in Ihrer Mitte beitrage. Mit glaubensbrüderlichem Gruße Vorstand der israel. Kultusgemeinde Brünn: Dr. F i a l l a. Vorstand der Chewra-Kadischa: Siegmund Schnabl.