Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 12 (23.3.1906)
- Date
- 1906-03-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 12 Dr. Bloch's Wochen fckirift. Seite 189 Das DrutkrmM der Cbewraslkadiscba in Men. Im Stile der großen englischen Festbanketts wurde das Brudermahl der Wiener Chewra-Kadischa abgehalten, zu welchem für Sonntag den 18. d. M., 6 Uhr abends, Einladungen ergangen waren. Dem Rang der Feier entsprach die Pünktlichkeit, mit welcher die Gäste sich einfanden. Schon der äußere Rahmen war mit geschmackvoller Freigebigkeit hergestellt. Ein großes Aufgebot von Blattpflanzen und Palmen war vor dem Prospekt einer französischen Gartenlandschaft an der Stirnseite mit effektvoll dekorativer Wirkung aufgestellt, mitten drin die Marmorbüste des Kaisers auf hohem Postament. Das satte Grün der Bäume, der weiße Glanz der Tafel und die rote Maskierung des äußeren Rundganges im Parterre machten in der Flut von Licht einen harmonischen Eindruck, der noch durch die fünf erhöhten Riesenbuketts im Saale erhöht wurde. Außer der gewöhnlichen Festbeleuchtung des Sofiensaales war die Decke noch mit gleichlaufenden Drahtgehängen überzogen, an welchen Hunderte von Glühlampen niederhingeu. Auch die anheimelnde Wirkung der Kerzenbeleuchtung an einer Festtafel war geschickt herbeigezogen. Die fünfarmigen Leuchter standen zwischen den Tafelaufsätzen in geschmackvollen Blumenkörben. Der Aufwand an Blüten erstreckte sich auch auf die Verwendung zahlreicher Schnittblumen, die in reicher Menge zwischen den Gedecken verstreut waren. Vor dem Palmenarrangemeut war eine Estrade für die Kapelle errichtet, welche die Tafelmusik besorgte. Quer über stand die Ehrentafel, daran anschließend vier Tischreihen durch den ganzen riesigen Saal mit einer Mittelpassage. Die Tische waren vollbesetzt, in den Logen im ersten Stock waren elegant gekleidete Damen als Zuschauerinnen erschienen. .Würdevoll, doch mit warmer Herzlichkeit verlief das Brudermahl, das im gegebenen Moment von wohlgesetzten Reden unterbrochen wurde, die man mit großem Beifall anhörte. Trotz der langen Dauer (bis halb 10 Uhr) wurde die gute Ordnung nicht einen Moment lang unterbrochen, und im Zeichen des Kardinalpunktes in den Vereinszwecken, der prunkhaft schönen jüdischen Nächstenliebe, befanden sich Mitglieder und Gäste in einem aufrichtigen, behaglichen Gefühl der Zusammengehörigkeit. Als Zeichen dafür mag sprechen, daß viele sich die Teilnahme am Abend nicht entgehen ließen, obwohl sie aus verschiedenen Gründen beim Mahle nicht mithalten konnten. Die vollbesetzte Kapelle Müller brachte ein reiches Programm meist jüdischer Autoren ausgezeichnet zu Gehör. Das Diner war vom Restaurant Tonello beigestellt. Nach der markig vorgetragenen Präsidentenrede des Herrn Salo Cohn, trug Herr Oberkantor Singer mit schöner Stimme den Segensspruch vor. Unter den Anwesenden, die den besten Kreisen der Wiener jüdischen Gesellschaft angehörten, befanden sich alle Sommitäten von Rang. Schriftsteller, Maler, Musiker, Männer der Kunst und Wissenschaft, Vertreter der Finanz und Kaufmannschaft usw. In Folgendem geben wir die vorgetragenen Bankeltreden wieder: Der Präsident der Chewra-Kadischa, Herr Salo Cohn, eröffnete den Festabend mit solgender Begrüßungsanrede: HochgeehrteFe st Versammlung! Seit nahezu 150 Jahren versammeln sich die jeweiligen Mitglieder unserer Chewra-Kadischa in kürzeren und längeren Zeitabschnitten zu einem Brudermahle. Heute wird mir die Ehre zuteil, Sie, verehrte Brüder und. Festgenossen, im Namen des Vorstandes unserer Chewra- Kadischa auf das Herzlichste zu begrüßen. Im Jahre 1764 wurde unsere Chewra gegründet. Ich bin jedoch in der Lage, Ihnen aus den Archiven nach Dr. Gerson Wolf mitteilen zu können, daß bereits im Jahre 1320 unter der Regierung Friedrich des Schönen in dieser Stadt ein Brudermahl der Chewra-Kadischa stattfand, und ich erlaube mir. Ihnen die Einladung in deutscher Uebersetzung — sie wurde seinerzeit in hebräischer Sprache abgefaßt — vorzulesen: „Die rührigen Führer und Leiter geben kund, daß das fromme Festmahl der heiligen Versammlung am Dienstag des Wochenabschnittes Schemini des Jahres 5080 — nach gewöhnlicher Zeitrechnung 1320 — stattfinden wird. *) Josua Eliochim Enditheim, Jehuda Ben Rafael, Josef Ben Simon Wertheim, Moses Ben Hillel Koref, Moses Ben Chaim Melach, Abraham Sofar." Ernste Ereignisse find seitdem an uns vorübergezogen, doch — und dies verdient hervorgehoben zu werden — weder die Stürme der Zeit, noch die Wechselfälle des Lebens haben es vermocht, den Sinn für alles Gute und Edle, der so tief wurzelt in den Satzungen unserer Religion, abzuschwächen, und wir können mit Stolz behaupten, daß wir das Wort des großen deutschen Dichters: „Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen" zur Wahrheit gemacht haben. (Lebhafter Beifall.) Aber auch Ihr Vorstand ist sich den Pflichten wahrer Nächstenliebe stets bewußt und es mag Ihnen, sehr geehrte Herren und Brüder, zur Befriedigung gereichen, wenn ich Ihnen mitteile, daß wir seit dem letzten Brudermahle, das vor zirka 5 Jahren stattfand, einige hunderttausend Rezepte, Bandagen und Kurbeiträge unentgeltlich verabfolgten und daß wir auch dem ärmsten unserer Glaubensgenossen, entweder durch Mitglieder des Vorstandes oder durch Delegierte die letzte Ehre erwiesen. (Lebhafter Beifall.) So will ich denn hoffen, daß auch das heutige Brudermahl ein glänzendes Beispiel für diejenigen sein wird, die uns Nachkommen, daß es uns neue Mitglieder zuführen und ein Ansporn sein wird, wie bisher im Dienste reiner Wohltätigkeit zu wirken. (Lebhafter Beifall.) Indem ich Ihnen, hochgeehrte Herren, für Ihr überaus zahlreiches Erscheinen, das in der jetzigen, trüben Zeit umso wohltuender wirkt, verbindlichst danke, habe ich nur noch den Wunsch auszusprechen, daß Ihnen das Brudermahl wohl bekommen möge. (Lebhafter Beifall.) Kaisertoast, gesprochen von dem ersten Vizepräsidenten der Kultusgemeinde, Herrn Landesschulrat Dr. Gustav Kohn. Sehr geehrte Herren! Hochansehnliche Versammlung! Es ist ein altehrwürdiger Brauch, daß die Chewrot- Kedoischos, die heil. Bruderschaften, allerorts am 7. des Monats Adar ein gemeinschaftliches Seelengedächtnis abhalten und daß sich in bestimmten Zeiträumen an dieses Seelengedächtnis das Brudermahl anschließt. Am 7. des Monates Adar, als Gedenktag unseres großen Lehrers Moses, welcher nach der alten Legende an diesem Tage gestorben, aber auch geboren worden ist. Dem Todestage entspricht das Seelengedächtnis, dem Geburtstage das fröhliche Brudermahl, als Gedenktag unseres Lehrers, der uns das Buch der Bücher, die heil. Bibel, als sein Vermächtnis hinterließ und durch dieses Vermächtnis in gewissem Sinne als der eigentliche Schöpfer des Judentums erscheint. nyL '2'Lv NV2V saff ymnbi yrb (* rrnn nwnpn jrnanrt b® rrusa n-nyon "3 robi .'S D'sbrr *n oyn vnn ncb no "D id bssw dts