Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 12 (23.3.1906)
- Date
- 1906-03-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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- Aleppo 2× ep/1047811
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Seite 184 Dr JSiocb a MocbenscbrlN. zumeist Kurden und Chaldäer. Berühmt ist seine Gebirgswafferleitung, hat vier Kasernen mit einem Regiment Militär. Der Zuarekfluß bespült die große Ebene. Von hier weiter an den Städtchen Dar und Nisibin vorbei, gelangen wir in das von Chabur-tschaj (Fluß) durchflossene weite Chabur-Tal, eine große und fruchtbare Talebene, wo das sogenannte Tanya-Shstem wie im ungarischen Tieflande, vorherrscht, d. i. ein einsames Haus von Obstbäumen umgeben, welches inmitten des Landbesitzes seines Eigentümers sieht. Von hier gelangen wir nach Feisch-Chabur, ein an der Einmündungsstelle des Chabur in den Tigris gelegenes Städtchen. Ter Tigrisstrom hat hier eine Breite von nahezu 500 Meter. Von hier bis Djezireh sind an beiden Ufern des Tigris der prächtigste Ackerboden, im saftigsten Grün und mit Blumen besäet in allen Farben prangende Fluren, welche sich bis Mofful (Niniveh) und darüber hinaus ausdehnen. Mossul mit seinen 50.000 Einwohnern ist eine hochinteressante Stadt schon wegen seines ganz besonderen orientalischen Gepräges und seiner entwickelteren Kultur, besonders interessant jedoch wegen der Ruinen Ninivehs, welche man, über die lange Holzbrücke schreitend, in einer halben Stunde erreicht. Inmitten besten Kulturbodens breiten sich die Ruinenhügel aus, auf einem derselben steht die Grabmoschee des Propheten Jonas, zu welcher die göttesfürchtigen Araber scharenweise wallfahrten. Bon Mossul südwärts erreichen wir, durch bestes Kulturland wandernd, das tiefe Tigris-Talbecken, welches dem größten Nebenfluß des Tigris dem Zarb-el-Kebir seine Fruchtbarkeit verdankt. Das ganze Gebiet ist im Frühjahr stundenweit überschwemmt. Auch das Erbil-Tal mit dem gleichnamigen Städtchen, das Arabela der Alten und Kermelis mit seinen Ruinenhügeln (Gaugamela, wo Alexander seinen großen Sieg errungen) und die Stadt Altyn-Köprü (goldene Brücke) und deren Umgebung strotzen von Fruchtbarkeit. Vom hochgelegenen Arbela am Fuße des Randgebirges weiterschreitend, gelangen wir in die mesopotamische Tiefebene, in die Niederung Bagdads, welche, nebst dem Tigris von kleinen Flüssen und zahlreichen Kanälen durchzogen, an Fruchtbarkeit dem Nrlgebiete gleichkommt. Beweis hiefür ist das Landgut Diala (das einzige, Europäern gehörige in Mesopotamien) der Schweizer Firma Wartmann und Roggen in Bagdad, das ich auf freundliche Einladung der Eigentümer zu wiederholtenmalen besuchte. Vier Stunden von Bagdad, am Flüßchen Diala gelegen, in der Nähe der Ruine des einstigen FeenpalasteS der Saffaniden- Ktesiphon, hat es nebst Weizen-, Gerste- und Durrha-Anbau ausgedehnte Reisfelder und Baumwollpflanzungen. Anfangs waren große Schwierigkeiten zu überwinden, auch mußte die Ernte in den ersten Jahren gegen die Raubzüge der Beduinen verteidigt werden, erst später wurde ein wirksamer Schutz der türkischen Behörde erlangt und liefert seither ein bedeutendes Reinerträgnis. Weiter wandernd durch das Überschwemmungsgebiet des Bagdader Tieflandes sehen wir viele Kanäle teilweise versandet, doch jetzt im Frühjahr noch genügend Wasser und üppige Vegetation, hingegen im Sommer versengt die tropische Sonne alles Leben; auch heute brennt der Boden wie Wüstensand und die schweren Dunstnebel zaubern in die Lüste — Fata morgana — das heißersehnte Reiseziel, bis endlich am Horizont die in Palmen gelegene Khalifenstadt Bagdad auftaucht. Die dritte Route von der syrischen Meeresküste, welche ich im November 1874 zurücklegte, geht auf die mesopotamische Hochebene, entweder von Tarabulus über Homs nach Deir oder über Aleppo — Balis — Zenobia (eine Burgruine der Königin Zenobia) nach Rakka, den Euphrat entlang nach Deir bis Bagdad. Nachdem diese Euphrat-Distrikte Mesopotamiens, trotz ihres meist gut kultivierten Bodens, zur Gründung von Kolonien kaum in Betracht kommen, weil die Eisenbahn auf dieser Strecke nicht gebaut werden dürste, will ich doch der Vollständigkeit halber auch diese kurz skizzieren. Von Homs führt die Karawanenstraße an der sehenswertesten Ruine Palmyras vorbei in die syrische Wüste, eine öde Sandsteppe, welche, von Gebirgszügen unterbrochen, die mühseligste Reisetour bildet, weil keine Quelle, nur salzige Lachen, dem Wanderer Labung bietet. Erst in Deir erreicht man den Euphrat und das mesopotamische Hochplateau. Vorzuziehen ist die Route von Aleppo aus, wo kulturfähiger Boden bis Rakka am Euphrat und bis Deir sich erstreckt. De'ir, ein Lehmhüttennest mit 3000 Einwohnern, liegt in einer wasserreichen, grünen Oase der mesopotamischen ' Ebene, von einem fruchtbaren Landgebiet begrenzt, auf welchem die Reisfelder, Baumwollpflanzungen und Zuckerrohre üppig gedeihen. Wenige Tagereisen weit ist Mayadin — an der Einmündungsstelle des Chabur-Flusses in den Euphrat und in dessen unmittelbarer Nähe auf einer steilen Bergkuppe die Burgruine Rehabba — das Rehoboth der Bibel — welche das weite Talgebiet beherrscht. Auch die weitere Route über Salachie und die Ruinen-Citadelle Kan-Kalleh (Blutburg) zeigt allenthalben fruchtbare Täler, welche zur Regenzeit, als ich sie passierte, von dem hochangeschwollenen Euphrat ganz unter Wasser gesetzt waren. Eine Tagereise von hier auf der mesopotamischen Seite des Euphrat, auf einem flachen Gebirgsrücken beim Dorfe el-Bäus, sind die imposanten Trümmerreste des Balessi der Bibel sichtbar. Mehrere Tagereisen weit ist ein hügeliges und gebirgiges Terrain, bis sich der Euphrat im großen Bogen wendet und ein weites Talbecken mit bedeutenden Kulturflächen sichtbar wird, welche schon die Nähe einer größeren Stadt ahnen lassen. Es ist dies Anakh, welches, von den hohen Ufern des Euphrat eingeengt, nur eine Gasse bildet, die zwei Stunden lang sich hinzieht. Wohl hat Anakh nur 4000 Einwohner, aber jedes Haus, zumeist aus Stein gebaut, steht abgesondert inmitten eines Gartens aus Palmen, Granaten, Orangen, Feigen, welches dem Städtchen einen eigenartigen Reiz verleiht. Das Produkt der Baumwollpflanzungen wird mit Wolle vermengt im Orte selbst zu Burnus-Mäntel verarbeitet und zeugt von dem Gewerbefleiße seiner Bewohner. Unterhalb Anakh ist noch immer dieselbe schöne Kulturlandschaft, hie und da von gebirgigem Terrain unterbrochen. Einige Stunden von Hitt sehen wir schon die Bittumenhügel und der übelriechende Rauch der Naphtha-Quellen verrät die Nähe der Naphtha-Stadt Hitt. Die Naphtha-Gewinnung wird nicht industriell betrieben, sondern in den Abflüssen der Quellen einfach mit kleinen Eimern aufgeschöpft und in Schläuchen auf Kameele und Esel verladen. Interessant ist, daß sämtliche Häuser der 2000 Einwohner, selbst die Moschee aus Asphaltsteinen gebaut sind, auch das Straßeupflaster bilden Asphaltsteine. Hitt hat auch seinen berühmten Schiffbau, hier werden aus Schilf und Tamariskenzweigen die Schiffkörbe gebaut, welche von innen und außen mit Asphalt verpicht sind, ähnlich wie zu Zeiten Moses Geburt. Von Hitt wandern wir längs eines alten versandeten Kanals, landeinwärts durch die Ebene, auf welcher die zahlreichen Zeltlager der Beduinen-Araber und ihrer Herden ein feffelndes Bild geben. Am rechten Ufer des Euphrat breitet sich der „Saklawieh "-Distrikt aus, nebst seiner größeren Kultur berühmt durch die edle Raffe seiner Pferde und seine gute Baumwolle. 'Bei Feludja setzen wir über den Euphrat, durchwandern die Tiefebene, welche, mit zahlreichen Kanälen durchzogen, in schönster Vegetation prangt. Von Weitem ist schon sichtbar die hoch in die Lust ragende Turmruine Ager-Kuuff, deren Ziegel mit Keilinschrift den uralten Ursprung andeuten. Unter strömendem Regen schlagen wir hier unser letztes Nachtquartier auf. Wer noch nicht in Bagdad gewesen, erwartet mit pochendem Herzen den nächsten Morgen. Ueber Steine und Ziegeltrümmer der Ruine geht's durch Reis- und Durrahfelder über den letzten großen Kanal, wo Pelikane und Flamingos majestätisch einherschreiten, und bald erscheinen in der nebelgrauen Ferne die phantastischen Umrisse der vielgepriesenen Palmenhaine. Schon glitzern im Purpur der sich senkenden Sonne die Goldknäufe und Majolikadächer der Minarets und Moscheen, noch eiue Stunde durch Palmengärten und wir sehen bereits den rauschenden, hochangeschwollenen Tigris, überschreiten hiss