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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-03-16 · 11 (16.3.1906) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
11 (16.3.1906)
Date
1906-03-16
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 11 Dr. Llocb's TMocbenscbrtrr. Seite 173 Vizepräsidenten der Gesellschaft, sondern auch dem Schauspieler zuteil wurde, so bitte er, die Worte zu beherzigen, welche Shakespeare durch den Mund „Hamlets" über die Schauspieler verkündigt: „Behandelt sie nach eurer eig'nen Ehr' und Würdigkeit. Je weniger sie verdienen, desto mehr Verdienst hat eure Güte." Nebst den beiden genannten Herren waren noch die Kuratoren Professor Brüll, Professor E h r m a n n. Baurat von G o l d s ch m i d t, Hofrat T a u s s i g und Dr. Bela T a u s s i g erschienen. Nunmehr gelangt eine beschränkte Anzahl von Exemplaren zum Verkaufe (in Silber 20 K, in Bronze 10 K). Reflektanten wollen sich an das Bureau der Gesellschaft, I., Krugerstraße 8, an das Jüdische Museum, II., Praterstraße 23, oder an die Buchhandlung R. L ö w i t, I., Rotenturmstraße 22, wenden. Russische Emigranten in Wien. Mit einem aus Krakau eingetroffenen Personenzuge der Nordbahn kamen 102 russische Emigranten hier an, die von dem Hilfskomitee der Israelitischen Allianz in Ezernowitz nnd Krakau der Zentrale in Wien telegraphisch angekündigt worden waren. Sie wurden vom Sekretär der Israelitischen Allianz Dr. Kaminka, in Begleitung mehrerer Beamten auf dem Nordbahnhof erwartet, und es gelang innerhalb zweier Stunden, diese Schar von gänzlich unerfahrenen, schwer verständlichen Auswanderern, Männer, Frauen und Kinder, riehst Massen von Gepäck in zehn Stellwagen nach dem Westbahnhof zu befördern und mit Fahrkarten über Buchs-Basel nach Havre zu versehen. Dort werden die unglücklichen Opfer der Massakres und der.wirtschaftlichen Zerrüttung in Rußland sich in einigen Tagen nach Argentinien einschiffen. Nachdem jeder einzelne noch eine Barspende erhalten und m den Waggons außerdem Brot verteilt worden war. verließ der Zug die Westbahnhalle Ferner sind weitere 350 Emigranten angekommen und in gleicher Weise weiter expediert worden. Wie wir erfahren, wurden von der Israelitischen Allianz zu Wien seit November 1905 bereits mehr als 2000 russische mittellose Emigranten nach überseeischen Ländern expediert und werden fast ebensoviel mittellose Flüchtlinge in verschiedenen Konzentrationspunkten für Rechnung der Allianz erhalten. Eine Aktion der jüdischen Krankenhausärzte von Prag. Oft genug hat man in den letzten Jahren in Oesterreich Gelegenheit gchabt, die traurige Wahrnehmung zu machen, daß wir noch sehr weit davon entfernt find, das bekannte Wort des großen deutschen Gelehrten zu beherzigen, der die Vorurteilslosigkeit als die erste Tugend der Wissenschaft pries. Illustrationen zu diesem traurigen Kapitel gab es bald da, bald dort gerade genug, und die bekannten Pioniere des Antisemitismus in Oesterreich, haben fürwahr wenig Grund, sich darüber zu beklagen, „als hätte ihre Lehre auch nicht in jenen Tempel Einlaß gefunden, in dem die häßlichen Auswüchse der kleinlichen politischen Kämpfe der Gegenwart nie und nimmer zum Ausdruck kommen sollten", in den Tempel der Wissenschaft nämlich. Trotz dieser trüben Erfahrung aber wird man durch eine in der letzten Nummer der „Wiener'klinischen Rundschau" enthaltene Korrespondenz aus Prag sehr überrascht. Daß es so weit kommen könne, hätte man doch nicht für möglich gehalten. Wir lesen in einem „medizinischen Brief aus Prag": Die Prager Krankenhausärzte mosaischer Konfession haben an die israelitische Kultusgemeinde-Repräsentanz eine Eingabe gerichtet, in welcher die Kultusgemeinde ersucht wird, den Neubau eines jüdischen Spitals so bald als möglich in Angriff zu nehmen und dasselbe nach dem Muster des Wiener Rothschild-Spitals zu einer modernen Krankenheilanstalt mit besonderer Berücksichtigung der operativen Fächer auszugestalten. In der Motivierung der Eingabe heißt es: „Die Zustände im Allgemeinen Krankenhause haben sich unter deutschnationalem Einfluß im letzten Jahrzehnt für die Ausbildung der jüdischen Aerzte derart ungünstig gestaltet, daß ihnen allmählich eine Klinik nach der anderen versperrt wird. Seit dem Jahre 1895, in welchem Herr Professor Wölfler die Leitung der deutschen chirurgischen Klinik übernahm, gelang es keinem Juden, eine der vier Assistentenstellen zu erlangen . . . Besonders kraß aber sind die Verhältnisse an anderen Kliniken, unter denen in erster Reihe die interne Klinik des Herrn Professors v. Jaksch und die Ohrenklinik des Herrn Profeffors Zaufal zu nennen sind. An der Klinik von Jaksch ist der antisemitische Einfluß so mächtig geworden, daß nicht nur seit einem Jahrzehnt kein jüdischer Assistent angestellt wurde, sondern auch seit mehreren Jahren kein Externarzt die Möglichkeit einer Ausbildung in diesem wichtigen Fache der medizinischen Wiffenschaft genießen konnte. Dasselbe gilt von der Klinik Zaufal, seitdem der Chef, durch eine langwierige Krankheit an der Leitung der Klinik verhindert, diese dem Dozenten Pifft übertragen mußte. Tatsächlich mußten von dem Zeitpunkte an. wo der Dozent die Führung der Klinik übernahm, sowohl der jüdische Assistent als auch der jüdische Externarzt die Klinik verlassen Seither ist den Juden die spezialistische Ausbildung in Ohren- und Nasenheilkunde in Prag unmöglich. Aus den mit den Kliniken in enger Verbindung stehenden Instituten für die Lehrfächer „Pathologische Anatomie" und „Gerichtliche Medizin" sind die Juden unter dem Einflüsse der deutschnationalen Chefs Hofrat Professor Chiari und Professor Dittrich verdrängt worden. Als nach langer Zeit Profeffor Chiari infolge Aerztemangels sich gezwungen sah, einem jüdischen Arzte eine Assistentenstelle zu übertragen, wurde letzterer kurze Zeit darauf, als sich ein arischer Arzt fand, derart zurückgesetzt, daß er seine Stelle niederlegte, da er im Gegensätze zu anderen Kollegen Ehre im Leibe hatte. Professor Dittrich wählte sogar lieber einen arischen Studenten als einen jüdischen graduierten Arzt zum Assistenten. Und selbst die wenigen jüdischen Vorstände beugen sich vor dem allmächtigen deutschnationalen Einfluß und setzen die Juden allenthalben zurück. Hofrat Professor F. I. Pick suchte für die Stelle eines zweiten Assistenten einen arischen Arzt in Prag, Wien und Innsbruck, obzwar an seiner Klinik genügend geeignete Aerzte waren, die nur den einen Fehler hatten, Juden zu sein. Daß die Assistentenlaufbahn auch den tüchtigsten jüdischen Aerzten an den nichtoperativen Kliniken verschlossen bleibt, wäre, so deprimierend es für die Betroffenen ist, schließlich noch zu verschmerzen, da in diesen Fächern auch in der untergeordneten Stellung eines Externarztes eine genügende Ausbildung erworben werden kann. Ausgeschloffen ist aber eine spezialistische Ausbildung in jedem operativen Fache, da zu den größeren Operationen, wie selbstverständlich, nur die Assistenten zugelassen werden. Unter solchen Umständen ist die spezialistische Ausbildung sowohl der jüdischen Aerzte als auch des künftigen Nachwuchses für immer unterbunden, falls nicht die Juden zur Selbsthilfe greifen Wenn nun in Prag, wo das Gros der Mediziner und Spezialärzte an der deutschen Hochschule aus Juden besteht, diese in ihrer Ausbildung verhindert sind, um wie viel mehr gilt dies für die anderen Hochschulen Oesterreichs, an denen die Juden naturgemäß nur einen geringen Perzentsatz ausmachen." Noch zu erwähnen ist die Angelegenheit der Sekundararztstellen. Jeder klinische, respektive Abteilungschef müßte, sollte man meinen, froh sein, je mehr bezahlte Stellen er für Hilfsärzte zur Verfügung hat. Die Vorstände der deutschen Kliniken im Prager allgemeinen Krankenhause aber verfolgen nichts eifriger als die Beseitigung der wenigen noch bestehenden Sekundararztstellen. Die Gründe sind klar: diese Stellen werden von der Statthalterei durch die Krankenhausdirektion besetzt und nicht durch die Professoren optiert. Das bedeutet einen Eingriff in die Selbst Herrlichkeit letzterer, ist aber vor allem deshalb für sie unerträglich, weil die Besetzung nach der Anciennität aus der Zahl der ältesten Externärzte erfolgt, die nun leider durchwegs Juden sind. Denn der arische Arzt erhält nach kurzem Spitalsdienst eine mit festem Einkommen verbundene Stelle oder einen Assistentenposten und hat es eben nicht notwendig, zwei bls drei Jahre auf einen Sekundararztposten zu warten, um sich für de« harten Konkurrenzkampf der Praxis durch vieljährige allgemeine oder spezialistische Ausbildung zu rüsten, wie es der jüdische Arzt tun muß. Und nur um der Ausbildung willen werden die Stellen angestrebt, wie jedermann weiß, der die schweren Pflichten unserer Sekundarärzte einerseits, ihre Bezahlung, Wohnungsverhältnisse usw. andrerseits kennt. Aber selbst dieser Dornenweg soll dem jüdischen Arzt versperrt werden, und unsere jüdischen Chefs tun wacker mit. — Man könnte auch noch von den Imponderabilien sprechen, unter welchen die jüdischen Spitalsärzte seit etwa fünfzehn Jahren zu leiden haben. Imponderabilien, die aber schwer zu ertragen find für einen Menschen von Selbstachtung und Feingefühl, Eigenschaften, die unseren jungen Aerzten nicht fehlen." Die Blutlüge im Ghmnasialnnterrichte. Aus Drohobycz wird uns berichtet: Bei der überaus zahlreich besuchten Versammlung der Eltern jüdischer Gymnasialschüler, zu welcher das Verhalten des Profeffors Bieganowski den Anlaß gegeben und der auch der Gymnafialdirektor Staromiejski beigewohnt hat. wurde der Umgang dieses Pädagogen mit seinen Schülern besprochen. Unter anderem wurde angeführt und unter Beweis gestellt, daß er die jüdischen Schüler als „jüdische Bastarde" zu bezeichnen und für die 13- bis 14jährigen Schüler erläuternd hinzuzuiügen pflegte, daß diese Bezeichnung vollkommen zutreffe, da die jüdischen Ehen rechtsungiltig seien. Es wurde beschlossen, gegen Bieganowski wegen Verbreitung des Ritualmordmärchens und wegen letztgenannter Aeußerung wie auch wegen Verleumdung der Gerichte durch die Behauptung, daß sie sich bei Entdeckung von Ritualmorden durch die Juden erkaufen lassen, die Strafanzeige zu erstatten und eine Deputation an den Vizepräsidenten des Landesschulrates Plazek behufs Erwirkung der Suspendierung Bieganowskis vom Lehranne zu entsenden. Sollte der Landesschulrat die Suspendierung Bieganowskis nicht sofort veranlassen, dann hätte sich die Deputation mit diesem Begehren an den Leiter des Unterrichtsministeriums zu wenden. Bis zur Entscheidung dieser obersten Unterrichtsbehörde hätte ein Schülerstreik zu erfolgen. Der bereits gewählten Deputation wurde auch nahegelegt, beim Landesschulrat zu erwirken, daß mit der Untersuchung dieser Affaire

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