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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-03-16 · 11 (16.3.1906) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
11 (16.3.1906)
Date
1906-03-16
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 172 Hfi JBiocb s Miocbenscbrttt. Nr. 11 Und da war das Amt nur Spiegelbild des Lebens. Es war nicht bloße Würde fürs Amt; er war stets im Amte, legte mit dem Ornate nicht zugleich den Beruf ab. Ueberall im Leben hatte er bei aller Einfachheit ein Auftreten, dem man ansah, feine Beschäftigung führe ihn zu Höherem. Er war freundlich, ohne je banal zu werden. Er sprach und schrieb noch lieber in witzreichen Worten; nie aber ward, selbst in intimem Kreise, Anstößiges von seinen Lippen vernommen. Er hatte eben von feinem Berufe jene hohe Meinung, die der „Abgesandte feiner Gemeinde" haben soll, und er handelte auch danach. Und Blatt als Freund! Er hat nicht allzuschnell Freundschaft geschlossen. Das ist die wahre Freundschaft nicht, die allzu rasch und allzuvielen die Freundeshand reicht. War er es aber einmal geworden, dann war er es ganz, war zu allem bereit und scheute keine Mühe, sich als Freund zu bewähren. Was die Welt an ihm zu schätzen wußte, das vertausendfachte sich ihm im Kreise der Familie. Seiner Gattin gegenüber eine Liebe, eine Zärtlichkeit, die sich selbst in kleinsten Dingen äußerte, eine so volle Hingebung, wie man sie schöner und reiner kaum antreffen kann. Für seine Kinder hcft er sich aufgeopfert, in seinen Enkeln verjüngte sich der ernste Mann. Die letzten Lichtstrahlen bot ihm das Leben kurz vor seinem schmerzvollen Leiden, als er die zweite Tochter mit ungewöhnlicher Schnelligkeit die Stufen zur Größe hinaufeilen sah. Aber auch der ganzen weiteren Familie war er geliebtes Oberhaupt. Er war da der wahre Friedensstifter stets gewesen; das schöne Wort vom einigen Sinne unter Verwandten wußte er zur Wirklichkeit zu machen. Nun ist er tot. Der Tod trat ihn an als Erlöser von qualvollen Schmerzen. Die Familie mag weinen, die Freunde mögen klagen; der Kantorenstand aber verhülle trauernd sein Haupt: er hat einen seiner Besten, seiner Edelsten verloren! Der Herr hat gegeben, der Herr hat genommen, der Name des Herrn sei gebenedeit! Wien, 13. Marz 1906. J. M. B. Rudolf Auspitz gestorben. Freitag den 9. d. M. ist hier nach längerer Krankheit der Kultusvorsteher Großindustrieller Rudolf A u s p i tz gestorben. Auspitz wurde im Jahre 1837 in Wien geboren. Nach Absolvierung der Mittelschule besuchte er die Wiener Technik, um sich dann der industriellen Tätigkeit zuzuwenden. Dem mährischen Landtage gehörte er zunächst als Vertreter der Städtegruppe Gaya seit 1871 an. Von 1884 bis 1890 vertrat er die Brünner Handelskammer im Landtage. Dem Abgeordnetenhause gehörte er seit dem Jahre 1873 durch mehrere Legislaturperioden an. Am 5. Juli 1885 neuerlich vom Städtebezirke Nikolsburg in den Reichsrat entsendet, wurde seine Wahl am 27. März 1890 über Betreiben der Tschechen annulliert. Nach der Berufung des Abgeordneten R. v. G o mp e r z ins Herrenhaus wurde Auspitz an dessen Stelle von der Brünner Handelskammer in das Parlament entsendet. Vor einigen Jahren zog fich Auspitz vom politischen Leben zurück. Er gehörte dann durch mehrere Jahre dem Vorstande der israelitischen Kultusgemeinde und der israelitischen Allianz an und war Mitglied des Kuratoriums für den israelitischen Kolonisations-Verein. Der Verblichene war ein gewandter Redner und galt in allen wirtschaftlichen Fragen, besonders aber auf dem Gebiete des Steuerwesens als Fachmann ersten Ranges. Der Verstorbene hat testamentarisch 470.000 Kronen für Wohltätigkeits- und Volksbildungszwecke bestimmt. Die Verwendung dieses Betrages, von welchem alsbald 2500 Kronen durch den Bürgermeister der Stadt Wien und 2500 Kronen durch den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde zur ^Verteilung gelangen werden, ist im Testament genau vorgeschriebe«. — Der Familie ist eine große Zahl Beileidskundgebungen zugekommen; es kondolierten namentlich viele Abgeordnete, Herrenhausmitglieder und hohe Beamte, überdies viele Stadt- und Gemeindevertretungen sowie Vereine. Manschreibt uns aus Straßnitz: Dem am 9. März d. I. in Wien Hingeschiedenen Großindustriellen Herrn Rudolf Auspitz, welcher durch mehrere Jahre die Stadt Straßnitz als Abgeordneter im Reichsrate und Landtage vertreten, ferner als hierortiger Realitätenbesitzer und Pächter des zur hiesigen Herrschaft gehörigen Graf Magnyschen Gutes um die Stadt und israelitische Kultusgemeinde Straßnitz und deren Armen, Hilfsbedürftigen, Witwen und Waisen sich hochverdient gemacht hat, widmete Samstag den 10. d., 10 Uhr vormittags, in der von einem zahlreichen Publikum frequentierten großen Gemeindesynagoge der Gemeinde- und Bezirksrabbiner Herr Dr. A. Friedmann in seiner Sabbatpredigt einen tief empfundenen Nachruf. In diesem hob er den großen Verlust in ergreifenden Worten hervor und pries den großen Toten als unseren verdienstvollen, hervorragenden, dem Judentume zur Ehre gereichenden Abgeordneten und als edlen, bescheidenen und wohtätigen Menschen, welchem die Kultusgemeinde und deren Arme ein ehrendes und dankendes Andenken stets bewahren werden. Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums. Anläßlich des 70. Geburtstages Adolf v. Sonnenthals hat das Kuratorium der Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums beschlossen, eine Plakette seines Vizepräsidenten anzufertigen. Diese Plakette, die vom Bildhauer Eduard T e l c s in Budapest meisterhaft ausgeführt wurde, ist nunmehr vollendet und gibt die Züge des Künstlers mit überraschender Ähnlichkeit wieder. Nun hat die Ueberreichung des kleinen Kunstwerkes durch das Kuratorium in der Wohnung des Künstlers stattgefunden. Es wurde Herrn v. Sonnenthal der erste Abdruck in Silber, seiner Tochter, der Dichterin Hermine v. Sonnenthal, der erste Abdruck in Bronze überreicht. In einer kurzen herzlichen Ansprache würdigte der Präsident der Gesellschaft, Baurat Stiaßny, die Verdienste Sonnenthals um die Kunst und um die Gesellschaft in folgender Rede: „Verehrter Meister. Als vor länger als Jahresfrist die gebildete Welt fich vereinigte, um einem der größten Meister aller Zeiten zu seinem 70. Geburtstage den Tribut der Bewunderung und Verehrung darzubringen, haben auch wir, welche der Ehre teilhaftig sind, an Ihrer Seite die Verwaltung des „Jüdischen Museums" zu führen, uns diesem Huldigungsakte angeschlossen. Den Beschluß, die verehrten und geliebten Züge des teuren Meisters durch Künstlerhand festzuhalten und dieselben in Dankbarkeit den kommenden Geschlechtern zu überliefern, haben wir erst jetzt zur Vollführung gebracht. Dank den umsichtigen Bemühungen unseres verehrten Kollegen, des Herrn Hoftates Politzer ist nun das kleine, vornehme und gelungene Kunstwerk vollendet und wir überbringen Ihnen dasselbe als bescheidenes Zeichen unserer unvergänglichen Dankbarkeit. Für die reinen Kunstgenüsse, die Sie den Zeitgenossen geboten, danken Ihnen die Gebildeten aller Nationen. Was Sie durch die unvergleichliche Darstellung des „Nathan", des edlen, biederen, braven, alten ^Juden, um mit den Worten des höchsten Richters in unserem Lande zu sprechen, zur V e rherrlichungunseresVolksstammes, seiner Ethik und Moral beigetragen haben, dafür dankt Ihnen die Gesamtheit der Juden. Was Sie endlich durch Ihre schönen, formvollendeten Darbietungen zur Erhöhung des Ansehens unserer Gesellschaft vollbracht haben, das dankt Ihnen diese durch unseren Mund. Mögen Sie noch durch eine lange, lange Reihe von Jahren, in voller Gesundheit, in dem Glücke ungetrübten Familienlebens und mit noch vielen, herrlichen Leistungen Ihrer Kunst wirken und schaffen. Möge dieser Wunsch in Erfüllung gehen!" In ähnlicher Weise sprach der Vizepräsident Hoftat Prof. Politzer. Connenthal war durch die Ovation tief gerührt und äußerte wiederholt sein Entzücken über die ihm erwiesene Ehre, sowie über die Schönheit des von Meister Telcs ausgeführten Kunstwerkes. Da aber die Ehrung nicht nur dem

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