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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-03-16 · 11 (16.3.1906) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
11 (16.3.1906)
Date
1906-03-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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iv.zmj- 41X. 11 dient. Sie: altrömische Wasserleitung, auf weiten gemauerten Bogen oft drei Stockwerke übereinander, über welche die Karawanenstraße führt, sprudelt noch heute aus dem benachbarten Felseninnern das krystallklare Wasser für die 1500 Bewohner Beilans und deren Gärten, welche die Häuser umsäumen. Gegen Südosten zwischen schwarzen Basaltfelsen mit tiefen Schluchten gelangt man auf ein Gebirgsplateau, mit einem herrlichen Naturpark bewaldet, den die Kunst nicht schöner zu schaffen vermag. Doch weiter gegen Osten, als das Schattenbild dieses Gebirgspanorämas, erscheint die trübe Dunstatmosphäre des Baluk-Göl (Fischteich) von einem öden, trostlosen, etwa 200 Quadratmeilen umfassenden Sumpfgebiet — El Amek — umrahmt, welches, von den stagnierenden zahlreichen Gewässern erzeugt, nur Röhricht, Wasserwild und die zahllosen Büffelherden der Araber birgt. Dem Sumpfgebiet ausweichend, wandern wir weiter auf der Gebirgsstraße nach Antakia, dem alten Antiochien, einstmals eine mächtige Metropole, mit Hundertausenden von Einwohnern, macht es heute mit seinen meist elenden Holz- und Quadernhäusern einen bemitleidenswerten Eindruck, trotz der schönen Natur, welche mit den schönen Gärten, voll mit prächtigen Ohstbäumen, blühenden Granaten-, Oliven- und Maulbeerbäumen, den vielen Wasserfällen und seinen immergrünen Hainen mit Pinien, Cypressen und Oleandern, wilden Feigen-, Weinlauben und wilden Rosensträuchern, die schöne Griechenzeit vergegenwärtigt, wo Dryaden und Faune ihr munteres, neckisches Spiel getrieben haben und die sorglosen Bewohner einem heidnisch fröhlichen Wohlleben stöhnten. Der Orontes, welcher früher die Stadt selbst durchflossen und mit Waren beladene Schiffe hierher getragen, fließt jetzt außerhalb des.Weichbildes der Stadt, und überschwemmt im Winter die Ebene, welche, im Sommer in einen Sumpf verwandelt, dichte Schwärme von Mosquitos entsendet. Mir geringen Kosten, könnte der versumpfte Fluß bei der Einmündung des Baluk-Göl ein größeres Gefälle erhalten und nach entsprechender Regulierung seines Laufes kultivierbare Bodenflächen mit gesundem Klima und bis an seine Mündung ins Mittelmeer unweit Suwaidie schiffbar gemacht werden, wenn, ja 'wenn die Regierung Sinn und Geld für derlei Kulturarbeit hätte. Längs des Orontes gelangen wir zwischen überaus wildschönen, mit Feigen und wilden Rosen überwucherten Felsen, über welche Kaskadenbäche herabstürzen, in den Gebirgsrayon der rauhen Nasairier (Jslamiten) mit hochaufragenden Burgruinen aus der Kreuzfahrerzeit und alten Stadttrümmern nebst vielen phönizischen und römischen Denkmälern, als Zeugen der verschiedenen Glanzepochen und Kulturvölker, welche dieses Land einstens beherrscht hatten. Von hier bis zur Meeresküste betreten wir die große und fruchtbare Taleöene des Orontes, dessen üppige Grasflächen das Auge des Wanderers erfreuen, und die wenigen Ackerfelder, Maulbeergärten, Zuckerplantagen und Olivengärten in der Umgebung der Dörfer zeugen von der Fruchtbarkeit des Bodens, wo der größte Teil noch brach liegt. Erst gegen Südost, in der Nähe von Ham ah und Ho ms, den Grenzstädten an der syrischen Wüste, geben die primitiven Bewässerungsanlagen — Schöpstäder mit Toneimern, von der Strömung des Orontes in Bewegung gesetzt — Zeugnis von regerer Kultur. Homs (Emesa) ist die bedeutendste Stadt bis zur Meeresküste. An beiden Ufern des Orontes gelegen, zählt sie etwa 40.Y00 Einwohner, ist der Sitz eines Mutessarifs (Vizegouverneurs) und eines Bischofs, hat große Garnison, jedoch elende, meist aus Lehm erbaute Häuser, wie alle türkischen Städte winkelige Gassen, von Pflaster keine Spur, im Sommer voll Staub, in der Regenperiode voll Kot. Die Bewohner treiben Handel und Ackerbau; berühmt ist ihre Rohseide, welche sie in ansehnlicher Menge erzeugen, und die aus ihr erzeugten Kuffies (Turbantücher) find in ganz Arabien beliebt. Von Homs zur Hafenstadt Tarabulus ist es noch etwa 100 Kilometer. In der Mitte dieser Wegstrecke durchstreifen wir die kleine Beka'a, ein nahezu brachliegendes, zwei Meilen langes und eine Meile breites Talbecken, von drei kleinen Gebirgsbächen durchflossen, welches zur Kultur besonders geeignet wäre. Seite 169 Eine ebenso fruchtbare Ebene bildet die Mündung des Orontes und das ganze flache Küstengebiet von Tarabulus bis zu dem „Nahr-el-Kebir" genannten Gebirgsstrom, welcher aus dem hier aufsteigenden Libanon-Gebirge hervorstürzt. Wenn wir von Homs gegen Norden an den Ufern des Orontes entlang, dort wo der Orontes den Kedes-See durchfließt, weiterziehen, bis zu dessen Quellen, gelangen wir zum berühmten Sonnentempel, der Tempelburg des Königs Salomo — Baalbek — dessen Ruinen Zeugnis geben von der einstigen imposanten Pracht und Macht, welche diese Gegend belebte. Hier ist bereits die breite, fruchtbarste Hochebene, die große Beka'a — Cölesyrien — zwischen dem Libanon und Antilibanon, die Kornkammer Syriens. Dieses Gebiet, bewohnt von den christlichen Maroniten und den moslimischen Drusen, ist der Schauplatz ewiger Fehden, welche von den im Libanon zerstreuten, in zahlreichen Klöstern wohnenden Mönchen — Jesuiten, Lazzaristen, Kapuzinern —, andererseits von den fanatischen Muselmanen geschürt, zu vielem Blutvergießen Anlaß geben. Aus diesem Grunde wäre eine Anfiedlung dieser fruchtbaren Ebene, welche von den kampflustigen Bewohnern gar nicht gestattet würde, zur Kolonisation gar nicht geeignet. Dieselben unerquicklichen Verhältnisse herrschen im ganzen Libanon und Antilibanon, bis Damaskus, auch gegen Süden hin bis Palästina. Aus denselben Gründen wäre auch eine Kolonisation im nördlichen Palästina nicht ratsam. Höchstens daß, wie es jüngst verlautet hat, die bereits in Palästina angesiedelten jüdischen Auswanderer, die jetzt in müßigem Nichtstun ihr elendes Leben verbringen und mit Bettelbriefen die ganze zivilisierte Welt überschwemmen, zu Kolonien vereint, zum Ackerbau herangezogen würden. Auch wäre es ratsam, eine Handwerkerschule zu Jerusalem zu gründen, wie dies Midhat Pascha in Bagdad getan, der Meister der verschiedensten Handwerke aus Wien nach Bagdad kommen ließ, und nach absolvierter Normalschule die Kinder der armen Bewohner zwang, eines der Handwerke: Tischler, Schlaffer, Spengler, Uhrmacher rc., zu erlernen, und weil an geübten, tüchtigen Handwerkern in allen größeren Städten Palästinas und Syriens große Not, könnten dieselben reichlich und ehrlich ihr Brot verdienen und statt ihres jetzigen Parasitentums nützliche Mitglieder der Gesellschaft werden. Wie wir wissen, ist das Quellgebiet des Orontes im Libanon, er fließt sodann in einer Talebene durch Hamah und Homs, den Antin-See hindurch bis Ansurie, macht hier eine flache, kreisförmige Schwenkung bis zum Kara-Szu (Schwarzwasser). welcher den Abfluß des Baluk-Göl in den Orontes vermittelt, und fließt nun parallel an Antakieh vorbei, bis zu seiner Mündung nächst Suwaidie ins Mittelmeer. Dieses große, weite Orontesgebiet wäre meines Erachtens für die gedachte Kolonisation besonders geeignet und möchte ich dasselbe der Kommission zum Studium empfehlen. Der größere Teil des noch brachliegenden Bodens ist kultivierbar und bei der spärlichen Bevölkerung, etwa 600 auf die Quadratmeile, könnte der Boden leicht erworben und beffer ausgenützt werden; vorzüglich ist es der Orontes und deffen zahlreiche Zuflüffe und Kanäle, welche durch günstigere Bewässerungsanlagen den Ertrag vervielfachen würden. Es können jährlich zwei Ernten erzielt, außer Durrha, Weizen, Gerste auch Reis, Baumwolle, Sesam gebaut werden; überdies gedeiht die Weintraube und Tabak in vorzüglicher Qualität; Südftüchte: Granaten, Feigen, Zitronen, Orangen und Pistacien; ferner Aprikosen, Pfirsiche, Nüsse geben eine abundante Ernte und könnten veredelt, durch Maulbeeranlagen die Seidenzucht vermehrt werden und die ausgedehnten Weideflächen im nahen Gebirge würden viel zur Hebung der Viehzucht beitragen, die Schaf- und Ziegenherden die Wolle in Quantität und Qualität verbessern. Die Nähe der Meeresküste, des bedeutenden Hafenortes Tarabulus und des noch näheren, jetzt wohl versandeten Hafens von Suwaidie, würde, wenn der Orontes wieder schiffbar gemacht wird, die Ausfuhr sehr begünstigen, überdies der Karawanenweg, welcher jetzt die beschwerliche Postroute über das schwer passierbare, zerklüftete Gebirge über Beilan nach Alexandrette einschlägt, müßte mit der Zeit, wenn mehr Sicherheit geboten ist, L)r. Llocv's Mwcvenscvnrr

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