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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-03-09 · 10 (9.3.1906) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
10 (9.3.1906)
Date
1906-03-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 156 Dr JBlocb’s Mocbenscbrttr. Nr. 10 Wien Der Wiener S y na zogen sänger- Verein veranstaltet Montag den 12. März 1906, 9 Uhr abends, in Herlinger's Festsaale „zum goldenen Widder" II., Taborstraße 36, eine intime Purim-Feier. Zur Aufführung gelangen Männerchöre von Sulzer, Weintraub und Mozart, ferner Vokal-Oktette, Terzette, Duette und humoristische Einzel-Vorträge unter Mitwirkung des Herrn Richard Waldemar, Mitglied des k. k. priv. Carlthcaters. Zum Schluffe Tanzkränzchen. Wien. Dem Vereine „Israelitische Kind erbe w a h r a n st a l t", II., Schiffamtsgasse 15, fehlen in seinem Archive die Jahres- und Rechenschaftsberichte der Jahre 1844, 45, 46, 47, 49, 51. 52, 54, 66. 67, 68, 71 und 82. Falls einer der geehrten Leser dieses Blattes im Besitze eines der angeführten Berichte sein sollte, so wäre ihm die Anstaltsleitung sehr dankbar, wenn er ihr einen solchen zur Verfügung stellen wollte. Wie«. (Berichtigung.) Der vorzügliche Violinspieler, welcher am 24. Februar in der jüdischen Toynbeehalle, XV., Turnergaffe Nr. 22, einige Piecen zum Besten gab, heißt nicht Paul König, sondern war der 12jährige Paul Engländer. Berichtigung. An das Präsidium des „Vereines zurHebung der Gewerbe in Wien", I. Wir erklären hiermit, daß unsere am 2. Februar d. I. in der „Oesterr. Wochenschrift" ausgestellte Behauptung : Wir haben einen jüdischen Baumeister bei Vergebung der Bethausarbeiten der Konkurrenz beigezogen, uicht den Tatsachen entspricht. Derselbe war kein B a u m e i st e r, sondern ein Bauunternehmer. Somit konnte auch der jüdische Baumeister nicht zweimal so teuer wie der Ersteher sein. Wir bedauern also im vorliegenden Falle schlecht informiert gewesen zu sein und zeichnen hochachtungsvoll für die Leitung des Vereines „Ansche Emes", X., Favoritenstraße 106, Heinrich G o l d st r i ch, Obmanu. Max Theumann, Samuel Kraus, Vorstand. Vorstand. St. Pölten. (Jüdischer Literaturverein.) Am 4. d. M. sprach hier Herr Adalbert I u n g tv ir t h - H e e r.t r o st, ein christlicher junger Philologe aus St. Pölten, über „Jereniia, sein Leben und seine Schriften". Auch Stücke von Emil Frida und Henrik S i n k i e w i c z brachte derselbe zu Gehör. Einleitend gab der Präsident Herr Rabbiner Dr. Schächter ein übersichtliches Bild von der altisraelitischen Literatur und würdigte in der Diskussion eingehend die Verdienste nichtjüdischer Gelehrter um die Hebung des jüdischen Schrifttums. Das überaus zahlreiche Auditorium, in welchem sich diesmal sehr viele Christen befanden, lohnte Herrn pbil. Jungwirt durch Ueberreichung eines Kranzes und einer prachtvollen Schreibgarnitur. — Am Purim veranstaltet der Literaturverein eine» Theaterabend mit anschließendem Tanzkränzchen. Die Mitwirkeuden sind sämtlich Mitglieder des Literaturvereincs. Kolin. (Wahle n.) Das gesamte Leben in unserer Stadt bewegte sich in den letzten Wochen im Zeichen der Wahlen. Nach der Ersatzwahl, welche durch die Uebernahme des Dr. Forät in den Staatsdienst notwendig wurde, folgte die Wahl in die Bezirksvertretung. Das Resultat dieser beiden Wahlen brachte die vollständige Niederlage der jungtschechischen Partei. Es wurde ihr übrigens von den Alttschechen, welche sie seinerzeit mit elementarer Gewalt weggefegt haben, genau dasselbe Schicksal bereitet. Bei den Kommuualwahlcn, die vor der Türe sind, dürfte es ihnen voraussichtlich ebenso ergehen. Trotz stattgefundencr, energischer Gegenwehr der jungen dürfte vorläufig „alttschechisch — radikal-tschechisch" - so nennt sich die Koalition — Trumpf bleiben. Wir Koliner Juden eben diesmal erfreulicherweise gezeigt, baß wir aus derlei Vorkommnissen etwas gelernt und nicht vergebens schweres Lehrgeld gezahlt haben; denn, während wir sonst bei früheren gleichen Anlässen einheitlich und geschloffen mit der einen oder der anderen Partei, deren Werben wir gerade nicht widerstehen konnten, zur Urne gingen, dafür aber stets den nachhaltigen Groll der Unterlegenen über uns ergehen lassen mußten, vom Sieger dagegen alles eher als Anerkennung ernteten, wählten wir diesmal — von der einzigen richtigen Ansicht ausgehend, daß wir nicht das Zünglein an der Waage abgeben müssen — jeder nach seinem Belieben, der Eine jung, der Andere alt, der Dritte sozialdemokratisch, und die Folge? — wir haben einen reinen Gottesfrieden. Ungleich ruhiger und ohne jeden Wahlkampf spielten sich unsere Knltusgemeindewahlen ab. Zufolge eines Kompromisses, ^welches zwischen der zionistischen Gruppe und den hiesigen Mitgliedern der Benai-Berith zustande kam, ziehen neue Männer in die Gemeindestube ein, die dadurch ein ganz verändertes Gesicht zeigt. Der nunmehrige Vorstand besteht bloß aus Mitgliedern dieser beiden Vereine. Es wird den breiten Leserkreis dieses Blattes nicht interessieren, all die Namen kennen zu lernen, allein es ist nicht zu viel gesagt, wenn man der Ueberzengung Ausdruck gibt, daß die letzten Wahlen Männer in die Gemeindestube einziehen lassen, welche bis jetzt wohl aus purer Bescheidenheit kein öffentliches Ehrenamt annehmen wollten, aber im stillen bekannter Weise stets aufopfernd nicht allein für ihre nahen und entfernten Verwandten wirkten, sondern auch stets dem Nächsten hilfreich in jeder Lage beigesprungen sind, und daß diese Männer, nach allen Seiten beliebt und auf eine ehrenvolle Vergangenheit zurückblickend, eine Garantie bieten, daß die Geschicke der Gemeinde in ihren Händen gut geborgen sind. Glaubensstark, rechtschaffen, das Herz voll Liebe zum Nächsten, das sind die Attribute, welche ihnen allgemein zuerkannt werden. Heinrich Pollatschek. Feuilleton. Binu al seh! Begebenheit aus der Regierungszeit Josefs II. Von Ignaz Krampflieek. (Fortsetzung.) Etwa um die Zeit, als der Morgen schon zu dämmern begann, pochte mein Großvater am Haustore der Rande (Branntweinschank) in Birnbaum, welcher Ort in der Entfernung einer halben Stunde von Scharatitz in der Richtung gegen Austerlitz liegt. Dort wohnte sein Gevatter Reb Schlomeh Außer mit dem neuangenommenen Namen Hamlisch, welcher außer der Branntweinbrennerei auch das Fleischergewerbe betrieb. Nachdem er die letzten Erlebnisse des Großvaters angehört hatte, beurteilte er die Situation mit folgenden Worten: „Mein lieber Gevatter, das Malchus ist der Geistlichkeit aufsässig, haben sie eines darübergetan, alles so stehen und liegen gelassen, und sind bei Nacht und Nebel durchgegangen, zuerst gehen Sie nach Hause, beruhigen Sie die Gevatterin, dann kommen Sie her, wir gehen miteinander nach Scharatitz." So tat es auch der Großvater, verwahrte das vom Prior erhaltene Paket und langte in Gesellschaft Reb Schloimes, welcher seine Gesellen und seinen Brenner mitgenommen hatte, um 8 Uhr morgens im Kloster an. Pasek übergab ihnen alles Hornvieh, alle in den Kellern vorhandenen Weine und gebrannten Getränke, welche nach Birnbaum in die Rande geführt wurden. Das Getreide ließ der Großvater in von Bauern geborgten Säcken fassen und in die zunächst gelegenen Mühlen abführen. Eine größere Anzahl Fässer mit getrockneten Zwetschken, Birnen und Kirschen ließ er in seinem Hause in Austerlitz unterbringen. Diese Bergungen verursachten Mühe und nahmen einige Tage in Anspruch, jedoch Freitag mittags war er schon wieder zu Hause, wusch sich wie gewöhnlich, ging in Schul, und obwohl er sichere Aussicht auf Verdienst hatte, konnte er dieses Geschäftes nicht froh werden. Aber und wieder beschlich ihn ein unheimliches Gefühl, eine böse Ahnung. Samstag nachmittags besuchte ihn sein Schwager Reb Josef Stiaßny, welcher der Sohn einer aus Deutschland eingewanderten Familie war, weshalb sie auch die Aschkenes genannt wurden. Er galt als ein sowohl im Deutschen als auch im Hebräischen gebildeter Mensch, als ein tüchtiger Schreibkundiger, wahrscheinlich damals der einzig Deutschschreibende in der Judengemeinde. Diesem erzählte der Großvater feire Erlebnisse der verflossenen Woche, welche Reb Josef aufmerksam anhörte. „Also eine geweihte und höchst heilige Sache ist das Paket, hat der Herr Prior gesagt?" fragte Reb Josef. — „Ja," sagte der Großvater, „und du sollst das Heiligtum nicht angreifen und nicht entweihen hat er auch gesagt." — „Ja," war die abermalige Erwiderung. Reb Josef erhob sich, neigte sich zum Großvater mit den Worten: „Weißt du nun Mordche, was in dem Paket darin ist?" — „Nein," sagte ahnungslos der Großvater. — „Das sind die Monstranzen," sagte Reb Josef, „welche nur die Geistlichkeit besitzen darf, und ich fürchte sehr, daß diese Geschichte zu einem -Geresch (Judenvertreibung) führen kann." Der Großvater blieb vom Schrecken

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