Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 10 (9.3.1906)
- Date
- 1906-03-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 10 Dr. Mocb's MocbenscbrLN. Seite 155 6. Die bekannte Geschäftsbücher-Fabrik A. Grünsfeld & Co. brachte eine Kollektion Geschäftsbücher, die in einem Gewerbebetriebe unbedingt vorhanden sein sollen. Aus den einfachsten Büchern konnte man sehen, mit welcher Sorgfalt in dieser Fabrik gearbeitet wird und so ist es begreiflich, daß die Erzeugnisse dieser Firma großen Ansehens in Wien und der Provinz sich erfreuen. 7. Einige Garderobestücke für Herren aus dem Atelier der Firma S. Moskowitz, Tailor, fanden allseitiqen Beifall. 8. Kunst- und Möbeltischler Friedrich Weldler stellte ein Zimmerbuffet aus Nußholz aus. Der Marmor bildet eine Spezialität. Das Unterteil ist viertürig, in Kupfer getrieben, Beschläge Messing und patiniert. Die Füllungen sind eingelassen, alles daran sauber ausgearbeit. 9. Herr Anstreichermeister Hermann Biß stellte einige Holzimitationen aus, die den Beifall der Versammlung fanden. Wien-Josefstudt. Samstag, den 3. b. M. feierten Herr Samuel Hirsch und seine Ehegattin Julie das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Eine ansehnliche Zahl von Verwandten und Bekannten versammelte sich aus diesem Anlasse im Josefstädter Tempel VIlL, Neudeggergasse 12. In Vertretung des Herrn Bürgermeisters war Herr Magistratsrat Asperger erschienen. Als der Jubilar zur Thora gerufen wurde, rezitierte Herr Oberkantor Kwartin einen von Herrn Rabbiner Dr. Bauer verfaßten, dem Anlasse entsprechenden Llisebebsraeb. Nach Schluß des Mussaphgebetes begab sich auch die Jubilarin mit den weiblichen Festgästen in die Männersynagoge und wurde von den Vorstandsdamen Frau Amalia Beck und Frau Berta Rosenbaum zum Altäre geführt. Herrn Hirsch führten die Herren: Hermann Beck und I. Vizepräses Jacob Modern. Während Herr Kwartin und der Tempelchor „Gepriesen sei die Stunde" exekutierten, nahmen die Jubilanten auf nlit Rosen geschmückten Sesseln Platz. Herr Rabbiner Dr. Bauer hielt an das Jubelpaar eine Ansprache und erteilte demselben den Segen. Wien. Im Bethause „Spiegelschule" II., Hammer-Purgstallgasse wird demnächst Herr Rabbiner Michael Leopold G o l d st e i n. dem ein guter Ruf vorausgeht, sein Amt antreten. Seine Wahl fand am 25 Februar nach einem zur allgemeinen Zufriedenheit ausgefallenen Probevortrage statt. Jüdische Toynbee-Halle, XX., Othmargasse 46. Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Beginn der Vorträge an Wochentagen halb 8 Uhr abends, Samstag und Sonn- und Feiertage um 7 Uhr abends. Wochenvrogramm: Samstag den 10. März: Konzert. — Sonntag den 11. März: „lieber Röntgenstrahlen" (mit Demonstrationen). Assistent Herr Dr. N. Pohan. — Montag den 12. März: Bilder aus der Volkswirtschaft. Herr Leopold Spitzer. — Dienstag den 13. März: „Das nervöse Jahrhundert". Herr Dr. S. Kornfeld. — Mittwoch den 14. März: Literarischer Abend. Herr Adolf Weiße, Direktor des Deutschen Volkstheaters. — Donnerstag den 15. März: Neue Philosophie. Herr Dr. Bernh. Wachstem. - Freitag den 16. März: Bibelvortrag. Herr H. Löw-Vogel. — Samstag den 17. März: Konzert. — Samstag den 3. März d. I. fand in der Toynbee-Halle ein Konzert statt, das einen glänzenden Verlauf nahm. Die Vortragenden Frau Raja Barbe r-W a l d b e r g (Gesang), Fräulein Helene Wood (Gesang), Herr Professor M e l i o n (Violine) und Herr Alfred Brecher (Deklamation) ernteten für ihre ausgezeichneten Darbietungen stürmischen Beifall. Jüdische Toynbeehalle, Fünfhans. Am 3. März hielt Herr Prof. Kafföwitz seinen angekündigten Vortrag „lieber die Alkoholfrage", natürlich im Sinne völliger Abstinenz, und wußte seine Ausführungen mit treffendsten Argumenten, vom ärztlichen und rein menschlichen Standpunkte aus, zu belegen. Er erntete lebhaften Beifall. — Herr Lissau sang mit Begleitung des Herrn Werner 4 Lieder mit schöner Stimme und mußte eine Zugabe spenden. — Am Samstag den 10. März bespricht Herr Ing. Fischer einige interessante Eisenbahnfragen, den Schluß bilden humoristische Gesangsvorträge des Herrn Direktors Sigwart Lippa. Kranken-, Witwen-, Waisen-Unterftützungsverein „Chesed schel emes“. Im Präsidium dieses Vereines ist eine Veränderung eingetreten. Der bisherige Präsident Herr Siegfried Beer, welcher den Verein durch eine Reihe von Jahren in musterhafter Weise leitete, sah sich infolge beruflicher Ueberbürdung veranlaßt, seine Stelle zurückzulegen. Herr Siegfried Beer hat als Präsident dieses Vereines allzeit das Wort „Cheled" im edelsten nnd wahrsten Sinne hochgehalten und geübt und mit lebhaftem Bedauern und schwerem Herzen sieht der Vorstand diesen bewährten Mann aus seiner (Stelle scheiden. Der Vorstand hat sich denn auch in Würdigung der großen Verdienste, die sich Herr Siegfried Beer um den Verein erworben, Vorbehalten, Herrn Beer in besonderer Weise zu ehren. An Stelle des abtretenden Präsidenten wurde der bisherige Kassier des Vereines Herr Adolf Popper, welcher sich auch um die Schaffung des neuen Statutes verdient gemacht hat, einstimmig zum Präsidenten und das Vorstandsmitglied Herrn Josef Peterselka zum Kassier gewählt. Gleichzeitig wurde dem Schriftführer des Vereines Herrn Jakob Wachster für seine ersprießlichen und den Verein fördernden Leistungen einstimmig das Ehrendiplom zuerkannt. Der Verein „Chesed schel emea“ veranstaltet wie alljährlich auch heuer zur Kräftigung seines Fonds eine Matinee, welche am 25. März d. I. Nachmittag 3 Uhr im Deutschen Volkstheater unter Aufführung des seinerzeit mit großem Beifalle aufgenommenen Stückes „Gebildete Menschen" mit Herrn Dr. Tyrolt in der Hauptrolle und sonstiger erstklassiger Besetzung stattfinden wird und wäre im Interesse der Kranken. Witwen und Waisen dieses Vereines ein volles Gelingen dieser Veranstaltung lebhaft zu wünschen. Der Mädchennnd Franen-Berein Krankenbesuch (Bikur-Chaulim) kann zu seinen bisherigen guten Leistungen nun auch eine glänzend durchgeführte „Künstlersoiree", welche am 6. d. M. im groben Festsaale des Hotel Continental abgehalteu wurde, mit Befriedigung verzeichnen. Aus der regen Anteilnahme an der stattgefundenen künstlerischen Veranstaltung war deutlich zu erkennen, welch großer Sympathien sich dieser Hnmanitätsverein erfreut. Lange vor Beginn des Festes waren alle Karten ausverkauft und der Saal bis aufs letzte Plätzchen vom distinguiertesten Publikum gefüllt. Doch nicht nur die zahlreichen Gönner und Freunde dieser Vereinstendenz fühlten sich bewogen, ihr Schärslein beizutragen, sondern auch hervorragende anerkannte Künstler und Künstlerinnen stellten freudig ihre Leistungen in den Dienst der humanen Sache. Es ist nun erwiesen, daß das verstandene Wort „Krankenbesuch" zum Herzen geht, während das unverstandene unbeachtet und unberücksichtigt bleibt. Ganz besonderes Verdienst um das Gelingen des Ganzen erwarben sich: Fräulein Lea Bondi, Fräulein Betty Leuchtmann und der Oberregisseur des Deutschen Volkstheaters Herr Richard Vallentin, der dem Vereine sein besonderes Interesse bewies durch Heranziehung der anderen bedeutenden Künstler. Aufruf. Noch lebt in aller Angedenken die peinigende Erinnerung an die entsetzlichen Mordtaten, denen Tausende unserer armen jüdischen Brüder in Rußland zum Opfer fielen. Zum Ziele ausersehen für die planmäßig entfesselten Sklaveninstinkte eines bestialischen Mobs, der den Namen „Mensch" schändet, wurden die Juden Rußlands um so furchtbarer überrascht, als das Manifest des Zaren ihnen vorzeitig einen Jubel entlockte und sie auf alles andere eher gefaßt waren, als auf das tierische Morden bezahlter Wüteriche. Eine der wichtigsten Lehren aus de« namenlos traurigen Ereignissen ist die: stets gerüstet zu sein. Denn der russische Pöbel im Amt und in der Gosse dürstet nach mehr Judenblut; in den großen Judenzentren, in den kleinen Städten nicht minder, lebt man in beständiger Furcht vor neuen Pogromen. Man hat in Rußland längst eingesehen, daß die einzige Hilfe gegen den von der Regierung aufgehetzten Mob der Selbstschutz ist, und zahlreiche junge, mutige Juden sind bereit, das Leben ihrer Angehörigen mit den Waffen in der Hand zu verteidigen. Sie gründeten die jüdische S lbstwehr, die bereits glänzende Beweise von Mut und Aufopferung gegeben und viel Unglück verhütet hat. Unsere, der Westjnden, heilige Pflicht ist es aber, den tapferen Kämpfern die Mittel zum Kampfe zu gewähren, ihnen die Möglichkeit zu bieten, jüdisches Gut und Blut zn schützen. Zugunsten de < jüdischen Selbstwehrfonds veranstaltet das gefertigte Komitee am 18. März, 3 Uhr nachmittags, im „Hotel Post", I., Fieischmarkt 16, eine Matinee. Ihre gefällige Mitwirkung haben zugesagt: Herr Adolf LLeifse, Direktor des Deutschen Volkstheaters; Herr Wilhelm Popp, Regisseur des Raimundtheaters; Frl. Vally Thenmann, Konzertsängerin; Herr Bela Guttmann. Oberkantor. Das Komitee zur Unterstützung der jüdischen Selbstwehr. Karten sind zu haben: Cafe „Stephanie". II., Stephaniestraße 2, Cafe „Zentral", II., Taborstraße, Cafe „Zur Börse", I., Wipplingerstraße 35. Jüdisches Museum. Donnerstag, den 1ö. März 1906, Präzise 7l/2 Uhr abends, findet im Festsaale des Oesterreichischen Jngenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Univerfitätsprofessors Dr. S. Ehrmann über: „Marannen-Aerzte aus Spanien und Portugal im XVI. und XVH. Jahrhundert" (unter Vorführung von Skioptikonbildern) statt. Die unentgeltlichen Eintrittskarten find im Museum, II., Praterstraße 23, von Samstag den 10. bis Dienstag den 13. März von 11 — 1 Uhr mittags erhältlich.