Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 10 (9.3.1906)
- Date
- 1906-03-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 154 Dr. Llocv's Miocvenscvclru Glaubens, Justizrat Dr. H o rw i tz-Berlin, erklärte sich im Namen seines Vereines mit den Ausführungen Dr. Barths vollkommen einverstanden. Er würde es als ein Unglück betrachten, wenn der Verein zur Abwehr des Antisemitismus seine Selbständigkeit verlöre. Er freue sich, daß der Verein blühe und gedeihe. Hierauf wurden Dr. Th. Barth, Professor Dr. Wilhelm Förste r-Berlin, Stadtrat H. F l i n s ch und Privatier Charles L. Hallgarte n-Frankfurt a. M. wieder in den engeren Vorstand gewählt und der aus 80 Personen, die sich über ganz Deutschland verteilen, bestehende erweiterte Vorstand bestätigt. Bon de« Leiden der marokkanischen Juden. (Aus einem Schreiben des Direktors der Alliance - Schule, Herrn Gu 4 ron, in Casablanca.) Die Juden von M'zab. Vier Tagesmärsche nordöstlich von Casablanca liegt der Flecken M'zab, auch „Stadt des Riti Jzon Amasl" genannt, rings umgeben von Beduinendörfern wie z. B. Beni Hof Quardiga, wo zahlreiche Juden leben, zumeist Hausierer oder Schuhflicker, die von den Märkten und Messen, die in diesen Küstengegenden häufig sind, hierher gezogen wurden. Das Ausbleiben der Ernte hat die Araber in diesem Jahre besonders anspruchsvoll gemacht, der Hunger peitscht alle ihre räuberischen Instinkte auf, so daß sie unsere armen Glaubensgenossen ohne Gnade mißhandeln. Der Maghzen, wegen der Rivalitäten der Mächte an keine Rücksicht gebunden, setzt seine Drangsalierungen fort; unaufhörlich werden unsere Glaubensgenossen durch neue Schreckensnachrichten beunruhigt. Viele, die die Angriffe der Araber auf Leben und Habe nicht länger ertragen können, verlassen ihre Dörfer, um sich in den Städten an der Küste zu zerstreuen, wo sie bei ihren Brüdern Zuflucht zu finden hoffen. Ein trauriger Exodus hat begonnen. Meist werden die Unglücklichen auf dem Wege all ihrer Habseligkeiten beraubt und gelangen in schauderhaftem Zustande am Ziel ihrer Reise an. So ging es einigen Unglücklichen, aus deren Munde ich das Folgende vernahm: Die Schuhflickerfamilie Zenou bewohnte seit langem M'zab. Da sie keine Arbeit mehr fand, so entschloß sie sich, nach Casablanca zu gehen. Der Vater, 3 Söhne, ihre Frauen, 2 Schwestern und 2 kleine Kinder machten sich auf die Reise. Kaum hatten sie M'zab verlassen, als eine Räuberbande sich auf sie stürzte und sie ausplünderte. In Quardiga stoßen sie auf einen Araber, dem sie eine Geldsumme schulden und der nun die Schuld von ihnen einfordert. Umsonst erzählen die Flüchtlinge ihr Abenteuer. Der Araber verhindert die Beerdigung des auf dem Wege vor Schreck gestorbenen Familienvaters und behält als Geisel eine der Frauen zurück, die im 8. Monat schwanger ist; er droht, sie zwansweise dem Islam zuzuführen, wenn man ihm nicht seine 40 Duros gibt. Jetzt hat sich der Trupp in unserer Schule eingefunden. Ein und einen halben Monat hatte er für die Reise von M'zab nach Casablanca gebraucht. Ich gab den unglücklichen Kost und schrieb dem englischen Konsul, er möge sich bei dem Kaid verwenden, damit man die Frau zurückgebe. Konsul Mac Lean schickte mir einen seiner persönlichen Freunde, der mich zum Kaid begleitete. Wir erhielten ein Schreiben an den Kaid von Quardiga und veranstalteten eine kleine Sammlung. Die Flüchtlinge marschierten zurück, um die junge Frau zurückzuholen, und ich erfahre soeben, daß sie ihren Angehörigen übergeben worden ist. Gefangene Inden in Casablanca. Im April 1905 setzte folgender Vorfall die jüdische Gemeinde von Casablanca in Bewegung. Ein arabischer Trunkenbold hatte die Gewohnheit, täglich in dem Laden eines unserer Glaubensgenossen zu betteln, Eines Abends, voller noch, als gewöhnlich und erbittert durch die Abweisung, die er erfuhr, wollte er aus dem Laden eine Flasche Getränk gewaltsam wegnehmen. Der jüdische Budiker entriß sie Nr. 1Ö ihm. Ein Handgemenge folgte. Die Einen sagen, daß der Budiker den Trunkenbold stieß, so daß er rücklings hinfiel und auf der Stelle einem Schlaganfalle erlag. Andere meinen, daß der Jude ihn auf den Kopf schlug und der Araber an den Folgen dieser Schläge starb. Wie dem auch sei, die Bevölkerung fand darin eine schöne Gelegenheit, auf die Juden loszugehen. Mehrere wurden schwer, andere leichter verwundet. Während einiger Tage herrschte Panik. Auf meine Anregung schritt der französische Konsul energisch ein. Die Unruhen legten sich allmählich, aber der Kaid sperrte den angeblich Schuldigenum den Forderungen der Menge ein wenig entgegenzukommen, ein. Die Zeugen, auf welche dieser sich berief, wurden festgeinommen und ebenfalls ohne irgend ein Prozeßverfahren auf brutalste Weife eingekerkert. Von dieser Zeit an verblieben die Aermsten im Gefängnis trotz aller zu ihren Gunsten unternommenen Schritte. Erst vor wenigen Tagen wurden sie in Freiheit gesetzt dank dem neuerlichen Eingreifen des französischen Konsularsekretärs, der sich auf mein Betreiben beim Gouverneur für sie verwendete. Einer der bisher gefangen gehaltenen verfiel soeben in schwere Krankheit. Der Kvnsularsekretär begab sich darauf zum Gouverneur und erklärte ihm, daß er ihn persönlich verantwortlich mache, wenn der Kranke sterben sollte. Darauf befahl der Gouverner, daß man für die Wiederherstellung des Gefangenen Sorge trage. VermLscbtes. Verein zur Hebung der Gewerbe. Am Samstag den 24. Februar hielt der Verein eine Plenarversammlung, verbunden mit einer improvisierten Ausstellung, ab. Der Saal war dicht gefüllt und alle Zuhörer waren ob des Gesehenen und Gehörten voll des Lobes. Ueber die Ausstellung selbst folgt ein ausführlicher Bericht. Der Präsident B r o d eröffnete die Versammlung, die einzelnen Vereiusmitglieder sprachen über ihre Objekte und sodann hielt Schriftsteller Herr Jaques J^eger einen glänzenden Vortrag . „U e b e r die geschäftl rächen Verhältnisse in Amerikas der allgemeinen Beifall fand. A u s st e l l u n g : 1. Sp^elwarenfabrikant Franz Frankl brachte eine reiche Kollektion Wiener Spielzeug zur Ausstellung, welche er seinen für die diesjährige Leipziger Qstermesse bestimmten neuesten Mustern entnahm. Mit berechtigter patriotischer Befriedigung erfüllte uns der Nachweis in dem instruktiven Vortrage dieses Ausstellers, der auch Mitglied der Ausstellungskommission für die bevorstehende Londoner Ausstellung ist, daß Wien mit seinen durchwegs besseren, geradezu erstklassigen Spielwaren im Bezug ans Geschmack und gediegene Ausführung Hervorragendes leistet und daß Wiener Spielwaren mit Vorliebe im Auslande verlangt und getauft werden. Frankl hat sich durch seine 35jährige Tätigkeit auf dem Gebiete der Spielwarenindustrie und deren Exportförderung hohe Verdienste erworben und kann sich der Verein zur Hebung der Gewerbe nur freuen, einen solchen wichtigen Mitberater für gewerbliche Angelegenheiten in seinem Vorstande zu haben. 2. Die Firnia B. B u ch w a l d & C o. stellte sehr nett ausgeführte Gegenstände in Ledergalanterie und Bronze aus. 3. Die Firma Emanuel L ö w y, Uhrenerzeuger, repräsentierte sich in einer überraschend glänzenden Weise. Nebst einer reichen Anzahl selbstverf.rtigter Pendeluhren mit reinem, kräftigem Turmglockenton, modern stylgerechten Gehäusen, Standuhren aus Metall und Glas, war eine Uhr in mehr als 1 Meter Höhe ausgestellt, die nach Mitteilung seitens des Demonstrierenden in dieser Ausführung und Größe das einzige in Wien vorhandene Spezialstück ist. Auch die Taschenuhren des Ausstellers sollen sich wegen ihres exakten Ganges allgemeiner Beliebtheit erfreuen Die Firma besteht seit 25 Jahren. 4. Die bekannte Firma Michael Winkler & Sohn brachte eine Sammlung moderner Stockwerkstafeln, Briefeinwürfe, Tür nummern rc. zur Ausstellung und repräsentierten sich diese Objekte sehr vorteilhaft, wie sie auch dem modernen Geschmacke Rechnung trugen. 5. Das Atelier für Wohnungseinrichtungen und Dekoration, Siegmnnd Spitz, stellte! Herrenfauteuil mit Gobelin-Bezug, 1 Bücherdrehtisch aus politiertem Spiegeleichenholz mit Korallenholzeinlagen, 2 Wiener Fauteuils, 1 reizenden Sessel iin Biedermeierstil aus Ebenholz mit Metalleinlagen, weiters 1 modernen Speisezimmer-Varhang aus. In seiner Erklärung zu dieser sehr gelnngenen Exposition bekannte sich Herr Spitz als entschiedenen Anhänger der Moderne und wies dies auch an seinen Arbeiten nach.