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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-03-09 · 10 (9.3.1906) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
10 (9.3.1906)
Date
1906-03-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 152 Dr. Mocb s MLocbenscvrM. Nr. 10 — Sie dummer Jude! — Kaum hatte er die Beleidigung ausgestoßen, stellte er sich auch in aller Form vor: — Georg Pick, Grundbesitzer. Krauß brach die unangenehme Auseinandersetzung ab, indem er sich an den Hotelier mit dem Ersuchen wendete, den beleidigenden Gast zu entfernen. Dies geschah auch. Beim Ausgange trafen die beiden wieder zusammen. Als Pick wieder provozierend dem Krauß zurief: „Ich habe Sie beleidigt, nun können Sie sich Genugtuung verschaffen", da versetzte ihm jener eine Maulschelle, wobei der Zwicker des Pick zerbrach. Die Sache kam vor Gericht und da benahm sich Herr Pick auch sehr herausfordernd. Im Uebrigen gab er die beleidigenden Worte: „Dummer Jude!" zu. — Sie haben diesen Ausdruck auch wiederholt? — frug der Richter. Kläger: Nein, ich habe ihn nicht wiederholt, denn ich bemerkte, daß im Speisesaal lauter Juden saßen. Richter: Sie befürchteten also eine Christenverfolgung! (Heiterkeit im Auditorium.) Kläger: Davor hatte ich keine Angst, denn wir Christen sind gottlob doch noch in der Majorität. (Schallende Heiterkeit.) Nun trat der Geklagte Simon Krauß hervor und konstatierte, daß Herr Georg Pick vor einem Monate noch der — Minoritätskonfeffion angehörte. (Anhaltende Heiterkeit.) Das Urteil lautete auf eine Gesamtstrafe von zehn Kronen gegen Simon Krauß und zufolge eingebrachter Gegenklage auf fünfzig Kronen gegen den auf sein Christentum stolzen Pick. In der Urteilsbegründung hebt der Richter besonders hervor, daß er es bedauere, daß das Strafgesetzbuch eine völlige Freisprechung des Simon Krauß nicht zulasse, obgleich es offenkundig ist, daß ihm ohne Grund eine Beleidigung zugesügt wurde, welche ein gebildeter Mensch nicht ungeahndet lassen kann. Graz. Die diesjährige Neuwahl des Kultusrates in unserer Kultusgemeinde war deshalb bedeutsamer, weil der bisherige Präses Herr Bernhard Biller, der seit 8 Jahren an der Spitze der Kultusgemeinde stand, ein. Mandat nicht wieder anzunehmen erklärte. Derselbe hat sich während seiner Amtstätigkeit durch sein rastloses Bemühen, die Gemeinde auf jedem Gebiete zu heben, das allseitige ungeschmälerte Vertrauen und die Achtung der Gemeindemitglieder in höchstem Maße erworben. Der Kultusrat, sowie überhaupt die ganze Gemeinde vernahm daher mit größtem Bedauern die Erklärung und allseitig wurde der Wunsch geäußert, daß eine solche unentbehrliche Kraft der Gemeinde erhalten bleiben möge. Es gelang auch zur Freude aller, Herrn Biller zur Wiederannahme der Präsesstelle zu bewegen, welche Wahl am 11. Februar d. I. mit Akklamation erfolgte. In den Kultusausschuß wurden die altbewährten Kräfte wiedergewählt und zwar die Herren: Ignaz Adler, Armin Birman, Ad. Fürst, Max Mayer, Bernhard Neumann, Ignaz Pollak, Max Reisner (IJ. Präses-Stellvertreter) und David Stern (l. -Präses-Stellvertreter). In den Kultusrat wurden gewählt die Herren: Ernst Bettelheim, Michael Dicker, Adolf Feuerstein, Adolf Hoffmann, Jakob Kohn, Jenö Koppstein, Markus Orovan, Anton Pollak, Siegmund Reisner, Adolf Rendi, Simon Rendi, Samuel Rosenberg, Adolf Weiß, Dr. Siegmund Weiß mO Joachim Zilz. Zur Wahlreform. Krakau. Am 4. März fand in Krakau eine Versammlung von jüdischen Vertrauensmännern aus den galizischen Städten statt. Den Vorsitz führte der Obmann der zionistischen Organisation Dr. Schallt. Die Besprechung galt der Beratung über den vorliegenden Wahlreformentwurf der Regierung. Die Versammlung gab ihrer Meinung Ausdruck, daß die Interessen der jüdischen Bevölkerung Oesterreichs und speziell Galiziens in diesem Entwurf nicht in entsprechendem Maße berücksichtigt wurden und beauftragte ihre Bevollmächtigten, diesbezüglich alle notwendigen Maßnahmen zu treffen. Die Konferenz erklärte aber auf das Entschiedenste, daß sie als Repräsentanz einer demokratischen Partei die Ankündigung des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechtes aufs freudigste begrüßt und keineswegs gesonnen ist, di^ Machinationen zu unterstützen, die gegenwärtig gegen das allgemeine Wahlrecht im Gange sind. Geleitet von der Erwägung, daß Oesterreich als Nationalitätenstaat nur auf dem Prinzipe des vollen Selbstbestimmungsrechtes aller Völker aufgebaut werden soll und als Verfassungsstaat die volle Gleichberechtigung aller Nationen durchzuführen hat, erklärt sich die Versammlung für die nationale Autonomie unter Anerkennung der jüdischen Nationalität und beschließt einstimmig, den Kampf um die Erreichung der vollen, staatsgrundgesetzlich gewährleisteten Gleichberechtigung mit allen Mitteln aufzunehmen. Die Konferenz erklärt schließlich in Erfüllung ihrer Postulate, die berechtigten Interessen keiner Nation irgendwie beeinträchtigen zu wollen. Die Stellung des Rabbinerverbandes in Böhmen zur Leichenverbrennung. Die Notiz Ben Amihuds in Nr. 9 d. Bl. soll dahin richtiggestellt werden, daß die Resolution des Rabbinerverbandes in einem wichtigen Punkte mit der bekannten Entscheidung des Hamburger Oberrabbiners übereinstimmt und zwar darin, daß die Asche einer verbrannten jüdischen Leiche auf einem jüdischen Friedhofe beigesetzt werden muß. Wegen dieser Entscheidung wurde der strengkonservative Oberrabbiner von konservativen Amtsgenosfen scharf angegriffen, denen also auch der Hamburger Oberrabbiner noch nicht genügend konservativ und nicht genügend hervorragende Autorität zu sein scheint. Was die Assistenz des Rabbiners bei Bestattung der Asche betrifft, stimmt freilich die Resolution des Verbandes nicht mit der Meinung des Hamburger Oberrabbiners überein, aber nicht weil er nicht genügende Autorität ist, sondern nur darum, weil der Verband bei dem Umstande, daß ein Verbot der Assistenz weder aus der Bibel noch aus dem Talmud zu deduzieren ist, den strengkonservativen Standpunkt verlassen mußte. Die Frage endlich, wie es mit der Ehrlichkeit und Wahrheitsliebe des Artikelschreibers steht, bleibe lieber der öffentlichen Beurteilung überlassen. Y. Der Präsident des böhmischen Rabbiner-Verbandes, Herr Professor Dr. A. Kurrein, Rabbiner in Teplitz, betraute mich als Referenten mit folgender Richtigstellnng: 1. Die Ausführungen des in der „Oesterreichischen Wochenschrift" vom 23. Februar 1906 veröffentlichen Artikels „Die Stellungnahme des Rabbiner-Verbandes in Böhmen zur Leichenverbrennung" decken sich nicht völlig mit der beantragten Resolution. 2. Die Frage der Leichenverbrennung im Allgemeinen und der Stellungnahme des Rabbiners im Einzelfalle und zur -Teilnahme an der Leichenfeier in irgend einer Form und zur Beerdigung der Asch nmne wurde in der Generalversammlung des Rabbiner-Verbandes vom rein wissenschaftlichen Standpunkte erörtert und als eine vorläufig interne Angelegenheit behandelt; eine Resolution wurde nicht angenommen und der Rabbiner-Verband als solcher wollte über die Verhandlungen nichts in die Oeffentlichkeit gelangen lassen. 3. Der Rabbinerverband anerkennt keine anderen Autoritäten als Bibel, Talmud und Decisoren, soweit deren Meinungen in Bibel und Talmud Begründung finden; im Uebrigen ist der Rabbiner-Verband sich selbst Autorität genug. Die Thora ist von Niemandem für sich allein gepachtet worden. 4. Schließlich wird, um jede weitere Polemik zum Schweigen zu bringen, bekannt gegeben, daß der in der Generalversammlung gehaltene Vortrag in kurzer Zeit sämtlichen Mitgliedern des Verbandes zugeschickt werden wird, damit sich alle äußern und ihre Meinung begründen können. Nach einer sorgfältigen Prüfung des gesamten Materiales wird dann der Rabbiner-Verband seine Entscheidung treffen und diese, da nun einmal die Sache unnötigerweise in die Oeffentlichkeit gezerrt worden ist, zur allgemeinen Kenntnis bringen. Dr. I. K r e n g e l. Prag. (Prediger-Installation im Neuen Tempel in der Geistgasse.) Im isr. Tempel in der Geistgaffe fand in feierlicher Weise die Installation des Herrn Dr. Emanuel Schwarz zum Prediger statt. Vor dem Beginne des Morgengottesdienstes begrüßte der Präsident des Vereines für geregelten Gottesdienst Dr. Ludwig Bendiener im Sitzungssaale in Anwesenheit des gesamten Vorstandes den neuen Prediger in längerer Rede, in der er darauf hinwies, daß der

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