Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 10 (9.3.1906)
- Date
- 1906-03-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Blocb s Mocbens drm. Seite 151 Nr. 10 lind nunda heute der letzte Stein, auf dem heiligen Boden unserer Gottesstadt gebrochen, gleichsam als Eck- und Schlußstein dieses Hauses dem Gemäuer desselben eingefügt wird, erfülle ich eine Herzenspfücht, indem ich in meinem und meiner Mitarbeiter Namen dem geehrten Vorstande für das Vertrauen danke, das er in so reichem Maße in uns gesetzt hat. Möge dieses Hans, dem Sturm, dem Wetter und allen Unbilden der Zeit widerstehend, durch lange, lange Jahre seinem ernsten Zwecke erhalten bleiben. Mögen Alle, die einen teuren Dahingeschiedenen, ans seinem letzten Wege hierhergeleiten, den Trost finden, welchen sie suchen, indem sie mit dem Psalmisten ausrufcn: Mimakim korosaicho Adouai! „Aus dem tiefsten Grunde meines Herzens erhebe ich mich zu Dir, o Herr!" Möge der fromme Glaube- Laß den Seelen der Dahingeschiedenen zuteil wird: Llennedo needono d^'esebiivo eh'ono taebas kaufe haschechino! „Ewige Ruhe am himmlischen Wohnsitz unter den Fittichen des erhabenen Urhebers aller Dinge l"; möge dieser fromme Glaube, wie ein wohltuender und heilenderBalfam in die Wunden träufeln, die von Leid und Schmerz geschlagen wurden. D e s s' walte Gott!" Nunmehr übergab Baurat Stiaßny das Gebäude dem Vorstande der Kultusgemeinde und der Chewra-Kadischa, indem er sie um ihren Schutz für dieses Bauwerk bat, worauf Kultusvorsteher Herr Moriz L e i t n e r dem Erbauer mit herzlichen, warmen Worten für seine aufopferungsvolle Tätigkeit und für das im Ganzen, sowie in allen seinen Teilen vollendete Kunstwerk dankte; ebenso dankte er seinem getreuen Mitarbeiter Herrn Architekten Reiser für dessen werktätige Unterstützung. Diese Worte fanden allseitipe Zustimmung und nun hielt Rabbiner Wilhelm Reich folgende Weiherede: „Wir haben soeben einen sehr ernsten Gang zurückgclegt; wir standen zuerst auf dem alten Gottesacker, von welchem uns die Denksteine einer ganzen Generation entgegenlenchteten; wir betraten dann den anderen, welcher der Kommenden Gräber harrt, um nuu diese monumentale Halle aufznsuchen, die eine Verbindung beider, der Vergangenheit und der Zukunft, darstellt. Lange zögerten wir mit der Schlußsteinlegnng, in dem niederdi lickenden Bewußtsein, daß der Tag der Uebernahme der Zeremonienhalle aus den Händen der Bauleitung, trotz der Befriedigung über das gelungene Werk dennoch ein erschütternder sein wird. Wie bei dem Baue des zweiten Heiligtumes das Weinen derjenigen, die das erste noch gekannt hotten, die Freudenstimmen des anderen Geschlechtes übertönte, so übertönt heute das Schluchzen derjenigen, die ein teures Wesen in dem alten Friedhose zur Ruhe gebettet haben, die Frcudeirstimmen der Genugtuung, daß wir nun im Besitze einer künstlerisch anfgebauten Halle für die neuen Ruhestätten sind. Mit der Errichtung derselben sind wir Dank schuldig dem ausgezeichneten berühmten Baukünstler Herrn k. k. Banrat Wilhelm Stiaßny, der hier ein großartiges Kunstwerk der Pietät für die kommenden Geschlechter errichtet hat. Nicht minder dem altbewährten Präsidenten unserer Kultusgemeinde Herrn Moriz L e i t n e r. der sowohl die Idee des Baues selbst proponiert/ als auch die Mittel zu demselben herbeigeschafft hat, gleichwie sein Name mit allen Institutionen kirlturellen und wohltätigen Charakters eng verknüpft ist." In Bezug auf die Bedeutung der Zeremonienhalle im jüdischen Leben wurde vom Redner auf die Schilderung des Begräbnisses des Patriarchen Jakob im I. B. M. hingewiesen, wo bereits eine solche in dem Sinne erwähnt wird, daß sich in derselben die Leidtragenden gesammelt haben und die Trauerreden abgehälten wurden. Am Schluffe des 2. B. Sam. wird uns anklingend an dieselbe hebräische Bezeichnung erzählt, daß nach einem großen Sterben in Jerusalem auf das Gebet Davids dem dort thronenden Todcsengel Einhalt geboten wurde und diese Halle dann als eine heilige angesehen wurde. So möge auch von dieser Halle, über deren Kuppel der Todesengel schwebt, Einhalt demselben geboten werden und der unvermeidliche Tod uns nach erfüllter Lebensaufgabe erscheinen als ein Erlöser für das Himmelreich." Die Worte des verehrten Rabbiners übten einen mächtigen Eindruck auf die Anwesenden. Hierauf nahm Baurat Stiaßny in üblicher Weise die Schlußsteinlegung vor. Der Schlußstein, welcher in Jerusalem gebrochen ist, deckt die in einer Metallkapsel ruhende Urkunde, die von dem Gemeindesekretär Herrn Jnfeld in schwungvollen Worten verfaßt ist und in Kürze die Geschichte der Chewra-Kadischa und der später entstandenen Knltusgemeinde Baden enthält. Zum Schluffe rezitierte der Oberkantor einen Trauerpsalm und das Kadisch-Gebet, womit die Feierlichkeit ihr Ende erreichte. Abends versammelten sich die hervorragendsten Gemeindemitglieder und Gäste im Hotel Rausnitz zu einem Chewra-Mahle, welches bis in die späten Abendstunden seinen harmonischen Verlauf nahm und bei welchem dem Kultusvorsteher Herrn 8 ei tn er, Herrn Baurat Stiaßny und der Gattin des letzteren die herzlichsten Ovationen dargebracht wurden. Eingesendet. Verehrliche Redaktion der „Oesterreichischen Wochenschrift" in Wien. Der gefertigte Ausschuß der Nikolsburger Kultusgemeinde gestattet sich die höfliche Bitte um Aufnahme folgender Zeilen: In der „Jüdischen Nationalzeitung" erschien in der jüngsten Zeit eine Serie von Artikeln, in welcher das Gebühren des Kultusausschuffes einer ungerechtfertigten Kritik unterzogen und dessen Vorsteher in gehässiger Weise, sogar persönlich angegriffen wurde. Nachdem kurz vorher in einer von der Gegenseite veranstalteten Versammlung der Kultusmitglieder sämtliche Anwürfe, teils als unwahr, teils als tendenziös entstellt, von der überwiegenden Majorität entschiedenst zurückgewiesen wurden, so daß die Versammlung mit einem kläglichen Fiasko ihrer Arrangeure endete, würdigte man oberwähnte Artikel auch fernerhin der verdienten Nichtachtung. Man weiß zu gut, daß der Ruf unserer altehrwürdigen Gemeinde durch Zeitungsartikel, die von Unwahrheiten und Entstellungen strotzen, nicht erschüttert werden kann. Jene Artikel schienen vielmehr einige Streber zu Urhebern zu haben, die unter dieser wenig ehrenvollen Flagge ein Mandat bei den vorstehenden Wahlen für den Kultusausfchuß erzwingen wollen. In einer jüngst stattgefundenen Sitzung des verstärkten Kultusausschusses wurden daher dem allgemein verehrten Kultusvorsteher, Herrn Philipp K o h n, deffen Person weit über die Grenzen unserer Vaterstadt rühmlichst bekannt ist, für sein nahezu 40jähriges öffentliches Wirken zum Wohle unserer Knltusgemeinde und deren Mitglieder einstimmig das unwandelbare Vertrauen, Dank und Anerkennung ausgedrückt. Da es der Kultusausschuß ablehnt, sich in eine Preßfchde einzulassen, so möge dieser Bericht als einmalige Aufklärung und endgiltige Abwehr gegen oberwähnte Angriffe dienen. - Genehmigen Sie den Ausdruck des verbindlichsten Dankes für die freundliche Aufnahme dieser Zeilen, nebst der Versicherung besonderer Wertschätzung. Kultusgemeinde der Israeliten-St adt Nikolsburg. Für den Kultusausschuß: Gustav P i s k m. p. Kaltusvorsteherstellocrtreter. Ni olsburg. Sonntag den 4. März d. I., als dem Sterbetage unseres großen Lehrers Moses, um 5 Uhr abends, fand in der hiesigen festlich beleuchteten Altschulsynagoge ein vom Vorstande der Chewra-Kadischa veranstalteter feierlicher Gottesdienst, verbunden mit einer Seelengedächtnisfeier für die verstorbenen Vereinsmitglieder, statt. An diese schöne Tempelfeier schloß sich die statutenmäßige Generalv r ammlung der Chewra-Kadischa im Sitzungssaals der israelitischen Kriltusgemeinde an. Unter dem Vorfftze des Vereinsobwanues Herrn Nathan Oser wurde der Bericht über die Gebahrungsergebnisse im abgelaufenen Vereinsjahre 1905 zur Kenntnis gebracht und von der Versammlung mit dem Ausdrucke vollster Befriedigung genehmigt. In besonders gehobene Stimmung wurden die Teilnehmer durch das Erscheinen des altehrwürdigcn Herrn Rabbinats Assessors Josef Knöpfmacher in dieser Generalversammlung versetzt — welcher trotz seines hohen Alters es sich nicht nehmen ließ, unter Erörterung der Worte ..Chessed schel Emes“, die seitens der Vereinsmitgli der und ihres Vorstandes mit wahrer Liebe und aufopfernder Hingebung geübt wird, unserer heiligen Bruderschaft für ihr gemeinnütziges Wirken und Schaffen und insbesondere dem Vereinsvorstande für sein tatkräftiges Walten Dank und Anerkennung auszusprechen. Freudig bewegt lauschten die Erschienenen den ausgezeichneten Worten des hochbetagten Redners und waren voll des Dankes und Lobes für den tief verehrten Greis. Nachdem noch Bürgermeister Moritz Abeles namens der Generalversammlung und Kultusvorsteher-Stellvertreter Gustav Pisk namens der Kultusgemeinde dem Vorstande der Chewra-Kadischa und deren tüchtigen Beamten für ihre ersprießliche Tätigkeit gedankt hatten, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Budapest. (R e n e g a t e N-A r r o g a n z.) Am 2. v. M. speiste Herr Simon Krauß im „Hotel Continental". Da bemerkte er, wie ein fremder Herr mit seinem — des Krauß — Paletot am Arme im Saale herumspazierte. Er nahm von vornherein einen Irrtum an, weshalb er den elegant gekleideten Fremden höflich ansprach: — Sie scheinen sich geirrt zu haben, der Rock gehört mir! Der unbekannte Herr wurde schon durch die Vermutung, daß er sich geirrt haben konnte, erregt. Wütend schrie er Krauß an: — Ich werde mich doch nicht in meinem Winterrock irren, Sie Esel! Bald mußte er jedoch einsehen, daß der Rock, den er am Arme hielt, nicht der seinige war. Anstatt sich zu entschuldigen, wurde er noch wütender und rief dem Krauß zu: