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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-03-09 · 10 (9.3.1906) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
10 (9.3.1906)
Date
1906-03-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 148 Dr. Dlocb's MocvenscbrtN. Nr. 10 das Niveau der kleinen Donau um 20 Klafter höher wäre, als das der Donau, teils aber, weil sie, wie auch richtig, befürchteten, daß dann die Wälder gar bald devastiert würden; allein interessant und bislang vielleicht ebenfalls ganz unbekannt ist jener Plan, mit dem damals Bouffleur in Verbindung mit diesem abratenden Gutachten hervortrat. Er riet nämlich, man möge anstatt des von Löbl Elias vorgeschlagenen Kanals lieber einen bei Preßburg von dcr Donau abzweigenden, die Leitha, die Raab und viele andere kleinere Flüße und Bäche durchschneidenden und zwischen Balaton, Fö-Kajar und Siöfok in den damals noch neuen Siökanal mündenden Kanal anlegen, wodurch zwischen der oberen und unteren Donau eine kürzere Verbindung hergestellt würde und die an der Donau und Raab Wohnenden vor den so häufigen Ueberschwemmungen geschützt werden könnten. Als ob die jüdischen Projektanten jener Zeit für Schifffahrtspläne eine besondere Vorliebe gehabt hätten, wurde im Jahre 1782 von einem anderen Juden ein ähnlicher Plan der Regierung unterbreitet, welcher dahin zielte, daß auf der Donau zwischen Pest und Wien auch bei niederem Wasser stände ein regelmäßiger Personen- und Frachtenverkehr bewerkstelligt werden könnte. Einreicher dieses Planes war der in Altofen wohnende Kameral-Schutzjude Moses Lazar Oesterreicher, dessen Sohn Manes Oesterreicher — später vulgo „Doktor Monesch" genannt — gerade um diese Zeit als Jude der erste war, der an der Pester Universität zum Doktor promoviert wurde. Eine archivalische Spur dieses interessanten Projektes findet sich im Ungarischen Landesarchiv vor, wo eine Eingabe jenes M. L. Oesterreicher vorhanden ist, der zu entnehmen ist, daß er im Oktober 1782 Sr. Majestät einen solchen Plan unterbreitete, laut welchem von der Pioniertruppe des Heeres auf der Donau eine regelmäßige Diligence-Schiffahrt zwischen Pest und Wien eingerichtet und dann einer Gesellschaft um den jährlichen Pachtschilling von 10.000 Gulden übergeben werden könnte. In Ermangelung seiner diesbezüglichen bisher unauffindbaren. Eingabe, worin er seinen Plan sicherlich ausführlich darlegt, müssen wir uns damit begnügen, was uns darüber ein Bericht aus Ofen im „Magyar Hirmondo", der damals einzigen und in Preßburg erscheinenden ungarischen Zeitung in chrer Nummer 74 des Jahres 1782 mitteilt und aus dem ersichtlich ist, daß das Schiffahrtsprojekt des Juden Lazar Moses Oesterreicher — der schon durch seinen im Jahre 1776 vorgelegten und angenommenen Plan betreffs des Einzel-Salzverschleißes dem Publikum und dem Staate nützlich war — dahin geht, zwischen Pest und Wien eine vom Wasserstande unabhängig e, regelmäßigeundbillige Schiffahrt sowohl für Personen, als auch Frachten herzu st ellen, wodurch den widerwärtigen Zufälligkeiten, denen der Verkehr aus der Donau zum Schaden des Aerars und der Handelswelt ausgesetzt ist, ein Ende gemacht werde könnte. Wer wollte in dieser, von einem Ghettobewohner aufgeworfenen Idee nicht den Keim der heutzutage so riesigen Donau-Dampfschiffahrts-Unternehmung erblicken, die erst fünfzig Jahre später von dem großen Szechenyi ins Leben gerufen wurde? Und welch' stolzes Selbstbewußtsein würde wol jenen Altofener Juden erfüllen, so er vom Grabe auferstehen und gerade vor seinem Heimatsorte das Gewühl von Schiffen erblicken könnte, von deren Fahrten er so viel geträumt und die heute, seine Träume weit übertreffend, zwischen Wien und dem Schwarzen Meere aufuud abwärts dampfen! Oesterreichers Lust, zu projektieren, blieb aber bei diesem Plane nicht stehen, er war darin unermüdlich und fast unerschöpflich. Seine obenerwähnte, im Landesarchiv noch vorhandene Eingabe erwähnt zirka zwanzig sehr interessante und darunter einige sehr praktische Projekte, von denen seitdem einige auch realisiert wurden, namentlich dasjenige, welches sich auf den Partikular-Salzverschleiß und auf die Errichtung einer Pester Pfand- und Leihanstalt bezieht. Damit aber der Leser sich auch von seinen übrigen Vorschlägen einen Begriff machen könne, heben wir aus denselben jene hervor, die er behufs Verwertung der im Siebenbürger Militärdistrikte gelegenen Waldungen, behufs nützlicher Verwendung der bei der Kavallerie vorkommenden Pferdehaarabfälle und betreffs der dem Aerar so schädlichen Einführung der türkischen Meerschaum-Tabakpfeifen machte. Ein anderes von Juden herrührendes, aber auf rein industriellem Gebiete sich bewegendes Projekt tauchte amtlich zum erstenmale in einem Gesuche auf, womit sich im Juni 1755 Joseph Angelo, ein wohl aus Italien her stammender Jude, im Namen einer Gesellschaft an die ungarische Regierung wendete. *) Um jene Zeit war dem zur Bereitung des Bagarialeders notwendigen Fischthran in dem durch Destillation gewonnenen Birkenöl (oleum betulinum) ein neuer Konkurrenzartikel erstanden, der den ersteren wirksam zu verdrängen begann. Beide, von den Gärbern stark begehrt, mußten aber aus Rußland importiert werden, wo man ihren Preis nach Willkür festsetzte. Die teils aus österreichischen, teils aus ungarischen Juden bestehenden Kompagnien kamen nun bei der Statthalterei darum ein, daß ihnen, sowie bereits in Oesterreich, auch in Ungarn gestattet werde, eine Birkenölfabrik zu errichten, wodurch die ungarischen Leder- Industriellen zum Birkenöl, deren Preis von Zeit zu Zeit behördlich festgesetzt werden könnte, viel billiger und leichter kämen, viele Hundert Leute einen neuen Erwerb finden, die Grundherren die von den Birkenbäumen abfallenden und zu anderen Zwecken unverwendbare Rinde gut verwerten und bei etwaigem Export dieses Artikels auch die Zolleinnahmen sich bedeutend heben könnten. Die ungarische Regierung zögerte ebensowenig, wie die österreichische mit der Lizenzerteilung und die Fabrik wurde noch im selben Jahre im nordwestlichen Teil Ungarns an der polnischen Grenze eingerichtet.**) Sie hatte aber gleich zu Beginn ihres Betriebes mit Widerwärtigkeiten und Hindernissen, die ihr von judenfeindlichen und neidischerr Spießbürgern in den Weg gelegt wurden, zu kämpfen. Als nämlich im Mai 1756 der Inspektor der Fabrik, der Jude Samuel Simon Oppenheimer, einige Wagen Birkenöl von Trencsin nach Wien führte und durch die Gemarkung der Stadt Tyrnau fahren wollte, ließ ihn der ehrenwerte Rat der frommen Stadt gefangen nehmen und einkerkern, weil Juden ihr Gebiet nicht betreten durften. Die Regierung kümmerte sich aber nicht um das Privilegium der Stadt und forderte unter Hinweis auf den wirtschaftlichen Nutzen des Unternehmens energisch die sofortige Freilassung des inhaftierten Oppenheimer. Das weitere Schicksal dieser Fabrik ist vorläufig noch in Dunkel gehüllt, gleichwie auch das Ergebnis eines anderen Gesuches des Joseph Angelo aus dem Jahre 1756, worin er von der Regierung unter Darlegung der ökonomischen Vorteile die Lizenz zur Errichtung einer großen, mit dem moskowitischen Leder vollständig konkurrenzfähigen Juchten-Lederfabrik ansuchte. Auch die hier vorgeführten, wohl nur wenigen, doch interessanten Beispiele zeigen uns klar, daß die ungarländischen Juden des 18. Jahrhunderts nicht alle nur in dunklen Stuben über Talmudfolianten gebeugte Weltverächter, oder den schweren erdrückenden Pack auf dem Rücken schleppende Hausierer und kleine Dorfkrämer waren. Es gab unter ihnen auch solche, die zeitgemäße Bildung und genügende weltliche Intelligenz befassen, in deren von einem aufrechten Gange getragenen Kopfe praktischer Unternehmungsgeist wohnte, der dem Lande einen Geldmarkt schaffen, auf wilden reißenden Flüssen einen ordentlichen Schiffsverkehr einrichten, Seen mit Flüssen, Städte mit Städten verbinden wollten, der das ungarische Salz dem Auslande zugänglich machte und Hunderte von Leuten beschäftigende Fabriken errichtete. Es gab aber, — wie andere Akten aus jenem Jahr hunderte erzählen — unter ihnen auch solche, in deren Hände» *) Ungarisches Landesarchiv Acta Oecon. 1755 Kad. A Pasc. 24 Nr. 10. **) U. L. Acta taxae tolerantionalis Lad A. Fase. 9.

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