Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 10 (9.3.1906)
- Date
- 1906-03-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr 10 Dr. Dlocb's Mocbenscdrm. t- ~ \->:.-as Ai■*■.'— iAsfeÜÄJ,. Fragt sich nun, was mit den Auswanderern geschieht, auf deren Schicksal weiterer Einfluß genommen werden kann. Es muß Sorge der Allianz sein, möglichst wenige von ihnen im Jnlande zu lassen im wohlverstandenen beiderseitigen Interesse. Man merkt es bei uns, daß wir die Nachbarn Rußlands nicht nur der Grenze nach sind. Der Judenhaß ist auch bei uns kein geringer. An Interpellationen und Forderungen der Antisemiten gegen die jüdische Einwanderung hat es nicht gefehlt. Das stetig strammere Vorgehen der staatlichen Organe gibt den Beweis, daß das Aergste, die Grenzsperre/wohl zu erwarten wäre, wenn der Hintergrund der antisemitischen Klagen allzu lebhaft würde. Er ist es wohl schon genug an den Einwanderern, die auf eigene Rechnung und Gefahr gekommen sind und hier Arbeit suchen. Auch gegen mittellose Emigranten ist man nicht herzlos und sucht auf inländischen Arbeitsplätzen das Menschenmögliche für sie zu tun. Aber daraus erwächst für die Einheimischen eine ebenso große Gefahr durch die Bevölkerung, wie für die Auswanderer durch den Staat. Abgesehen von dem Umstande, daß die Juden im wirtschaftlichen Leben zum großen Teile aufeinander angewiesen sind und neue Teilhaber bei Tische nicht eben willkommen geheißen werden, vermehrt jeder neue Ankömmling die Reibnngsfläche mit der Bevölkerung, erhöht die Aufmerksamkeit, die mit Feindseligkeit gegen uns gleichbedeutend ist. Die Armenämter in den Knltnsgemeinden werden ein Lied davon zu fingen wissen. Hinaus also sollen und müssen sie, wenn es geht. Natürlich können das nur Länder sein, in welchen der Auswanderer sein einziges Kapital, seine zwei Arme, in einer reichen Industrie verwerten oder seine paar Groschen in einen Zwerghandel unter vielen und wohlhabenden Leuten möglichst oft rotieren lassen kann. In Deutschland werden die Wenigen, die sich hereinstehlen, als lästige Ausländer wieder hinaus geworfen, in Frankreich ist die Sprachenfrage ein unüberwindliches Hindernis, Italien hat.Ueberschuß an Arbeitern, Spanien ist bettelarm — bleiben also in der Hauptsache nur die überseeischen Länder, Vereinigte Staaten, Kanada, Argentinien und England. Die Wirtschaftsmöglichkeiten Asiens, Afrikas und Australiens sind erst — leider zu schwach — Gegenstand der Erforschung. Man weiß nun, daß alle diese Staaten sich hinter Einwanderungsgesetzen verschanzt haben, daß sie nur dem besten Material unter schwersten Bedingungen den Eintritt gestatten und daß auch die Hilfsvereine über See durch einen zu starken Strom der jüdischen Einwanderung in arge Verlegenheit geraten. Auch hier muß also die Allianz eine für den ersten Schein allzustrenge Vorsicht walten lassen, wenn sie nutzlose und törichte Experimente verhüten und das Zweckmäßigste am billigsten erreichen will. Mängel in der Ausführung gereichen nicht ihr zur Last, sondern fallen auf das Konto der ungelösten Generalfrage der Judennot. Im Rahmen des Möglichen tut der Vorstand der Allianz in mühevoller angestrengter Arbeit seine Pflicht, und er wird mehr tun, wenn ihm ein besseres und größeres Feld praktischer Hilfstätigkeit offenstehen wird. Was die Art der Ausführung anbetrifft, so wird im Verkehr mit den Emigranten alle Geduld und Güte in Anspruch genommen. Der erste Grund davon ist, daß sich die Ankömmlinge aus revolutionären Gegenden einen aufgeregten Verkehr mit den Behörden auch hier führen möchten, weiters ist Schuld an Mißhelligkeiten das Geschäft, das unlautere Elemente mit einer kostenlosen Ueberfahrt machen und durch lügenhafte Angaben erzielen wollen, und endlich das Treiben gewissenloser Verbrecher in Wien, die sich aus den frischen Neulingen Gesellschaften zusammenstellen, an deren Spitze dann terrorisierend auftreten und die armen Auswanderer für die geleistete Hilfe brandschatzen. Des öffentlichen Aufsehens willen wird auch gegen diese die Polizei nicht angerufen. Aber ein scharfes Auftreten ist in derlei Fällen Gebot, und daß hie und da ein Unschuldiger mitleidet, ist unvermeidlich. Hier muß Seite 147 man nur noch erwähnen, daß der Vorstand oft unter schweren und gar nicht spaßhaften Drohungen der Revolutionäre seinen schweren freiwilligen Dienst versieht. Es soll im Ausgeführten kein Vorwurf für unsere armen russischen Brüder enthalten sein. Ihre Not ist groß und die Zeit ist schwer. Ein Bösewicht, wer nicht gerade jetzt seine Menschlichkeit die härtesten Proben bestehen läßt. Aber einsehen sollte mau, daß der Vorstand der Allianz mit aller gebotenen Nüchternheit, gemildert durch die möglichste Bruderliebe, gerade gegen den arneu Juden seine schöne Menschenpflicht voll erfüllt; daß er bestrebt ist, seine Maßnahmen niemals härter ausfallen zu lassen, als es im allgemeinen Interesse notwendig ist, daß er diese Maßnahmen mit Umsicht - und Verständnis ins Werk setzt. Er darf nicht allznviele über die Grenze hereinkommen lassen, soll hier die Wohltätigkeit nicht bankerott werden. Er darf nicht allznviele hier lassen, wenn nicht ein Unglück daraus werden soll. Er darf nicht allznviele über's Meer lassen, damit man nicht vor den Nachkommenden die Tore schließe. In seinem Rahmen tut der B rstand das Seinige. Wer mehr verlangt, muß andere Wege und höhere Mittel beistellen. Indische volkswirtschaftliche Projektanten in Ungarn während des XVIII. Jahrhunderts. Von Bernhard Mandl (Budapest). (Schluß.) Vierzig Jahre später, im Dezember 1774, trat ein anderer seines Volkes, der in Dombovar ansässige Löbl E l i a s mit einem ähnlichen, doch viel originelleren und weit kühneren Projekte auf, welches er in einem an Josef II., dem Mitregenten Maria Theresias gerichteten Majestätsgesuche darlegte?) Projektant, seines Zeichens Pottaschefabrikant, leitete seinen Plan folgendermaßen ein: „Nachdem ich in denen, theils auch zum Veszprimer Bisthumb, dann gewesten Jefuiten-Gütern gehörigen und im Veszprimer Comitat situirten fast ohnerschöpflichen Waldungen 10 Jahre hindurch Pottasche gebrannt habe und die Situation dergestalt in genauen Augenschein genommen und beobacht habe, daß wenn aus dem im Rücken dieser Waldung bis in den Raaber Donau-Arm, so von derWaldung ohnegefähr 8Stunden entfernt ist, ein Canal geführt würde, man das Holz, so dermahlen fort nicht anzubringen und in dieser Gegend zu verkaufen ist, in die Städte an der Donau flößen und mit guten Nutzen verkaufen könnte." Von richtigem ökonomischen Geiste diktiert, hebt der Gesuchsteller noch hervor, daß der geplante Kanal nicht nur für die Verwertung des Holzes vorteilhaft wäre, sondern daß durch denselben auch die Kleine Donau schiffbarer gemacht werden könnte, wodurch die Möglichkeit gegeben wäre, auch bei niederem Wasserstande Getreide und andere Naturprodukte auf derselben befördern zu können. Schließlich bittet er noch: „die Situation von einem der Hydraulik kundigen Ingenieur in Augenschein nehmen zu lasten", da sein „weniges Erachten keineswegs zur Ausführung des Werkes hinlänglich fei." Dem Kaiser mag die Bitte des bescheidenen Juden mit dem kühnen Gedankenfluge wohl gefallen haben, denn er würdigte sie seiner Beachtung und bald darauf, schon am 20. Dezember desselben Jahres ließ er die Weisung ergehen, daß man über den unterbreiteten Plan von Bouffleur, dem Administrator der Vörösberenyer Kronenherrschaft, von Magyarossy, dem Veszprimer Salzinspektor und — „da dies Projekt auch die politische Sphäre streift" — auch von der Veszprimer Komitatsbehörde Gutachten einholen möge. Sowohl Bouffleur, als auch das Komitat gaben ihre Meinung gegen das Projekt ab, teils weil nach ihrer Eingabe ') Ungarisch, s Laadesarchw, Acta Oeconom. Lad. E>. Fa*c. 8. Nr. 3l.