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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-03-02 · 9 (2.3.1906) · page 14

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Sette 142 Dr. Mocvs Mocbenscvrm. Sir. 9 ein reicher Born von ein- und mehrstimmigen Kompositionen, und mit aufrichtiger Freude begrüßen wir die erste Schöpfung Hellers, die den Komponisten zum Musiker und Kenner der urjüdischen Gesänge comme il faut stempelt. Schon der Umstand, daß dieses Werk vom musikhistorischen Institut der k. k. Universität zu Wien erworben wurde, spricht für den außerordentlichen Wert desselben. Von den mehrstimmigen Kompositionen sind hervorzuheben: Nr. 1 L’cho dodi (v-Dur 2/4-Takt) überaus stimmungsvoll, musikalisch wie melodisch brillant aufgebaut. Nr. 7, Lo s6woschi (v-Moll 6/8) trägt die Prägung einer glücklich erfundenen jüdischen Komposition — im Takte 8 dürfte es dem Tenor statt e vorgeschrieben sein. — Auch das zweite L’cho dodi zeichnet sich durch viel musikalischen Geschmack aus. (Die Verdoppelung der Tonika in der Orgeleinleitung ein wenig herb.) Nr. 51 Slogan owöä (v-Moll) ist eine Prachtkomposition und hat bereits die Runde durch fast alle mährischen Gemeinden, noch ehe das Werk: „Köi t’hillo“ in Druck gelegt wurde, gemacht. Nr. 58. Adon olom (ö-Dur */♦) ist melodisch und schön, sein Kantorsolo (Es-Dur) gerade herrlich zu heißen. Eine vollständige fachliche Besprechung an dieser Stelle erscheint leider unmöglich, doch sei uns noch zu bemerken gestattet, daß zu den gediegensten der mehrstimmigen Kompositionen die Lsdusedatd gezählt werden müssen. Im Echod der Keduschath II. führt uns im Orgelsatz der Tondichter den Künstlerchasan vor, der unsere Herzen erweicht und uns an langvergangene Zeiten erinnert. Oberkantor Heller spricht in seiner Vorrede von Chasanus, allein seine Schöpfungen sind hochmoderne, künstlerisch fein ausgestattete Gesänge und können den besten unserer Synagogenmusikstücke angereiht werden, sie alle haben das alte Chasanuswesen von Neuem belebt und haben außerdem den Vorzug, daß sie streng grammatikalisch und formvollendet sind. Wir wünschen, daß Herr Heller in seinem begonnenen Werke nur weiter fortfahre zur Ehre Gottes und unserem Nutzen. Zum Schlüsse wollen wir noch bemerken, daß es im Interesse der Entwicklung unserer Synagogenmusik wäre, daß im jüdischen Hause auch unsere Tempelgesänge sorgsam gepflegt werden, daß ans diese Weise sich ferner hochstehende jüdische Musiker zur Schaffung weiterer Werke angespornt fühlen werden. Neue Bücher. Bänöezi Jözsef, E v k ö 11 y v. Dr. Wellesz Gyula. Rasi elete es müködese. Az Izr. Magyar Irodalmi Tärsulat XXI. es XXII. Budapest, IV., Egyetem-utcza 4. sz. Prof Dr. Adolf Biach, Rabbiner und Prediger in Brüx. Zur Erinnerung an den 700jährigen Todestag des jüdischen Geisteshelden Moses Maimonides. Dritte Auflage. Preis 40 Heller. Verlag von Julius Ach & C 0., Brüx 1906. Rudd. Dr. Heppner s jüd.- liter. Abreißkalender für das Jahr 1906 (5666/67). 7. Jahrgang. Ko sch min 1906. Dr. N. Samter. Judentaufen im 19. Jahrhundert. Verlag von M. Poppelauer, Berlin 1906. Prof. Dr. H. Steiuthal: „Ueber Juden -und I u d e n t u m". Vorträge und Aufsätze. Herausgegeben von Gustav Karpeles. Verlag von M. Doppelauer, Berlin, 1905. Dr. Ludwig Veuetianer: „Ezekiels Vision und die Salomonischen Wasserbecken". Friedr. Kilians Nachf., königl. Ungar. Universitätsbuchhandlung, Budapest, 1906. „Attneuland". Monatsschrift für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas. Herausgegeben von F. Oppenheimer, Dr. S. S v s k i n, Berlin W 15, Pfalzburgerstraße 83 III. Jahrgang. Heft Nr. 1, Jänner 1906. Inhalt: Dr. S. S 0 s k i n: Zum neuen Jahr. Julius Becker: Kolonisation und Kolonisationspolitik, Palästina und Nachbargebiete. Vermischtes. Neue Literatur. Dr. 3N Margel: „Deutsch-hebräisches Wörterbu ch". Vollständig in etwa 40 Heften. Preis eines Heftes 50 Heller 50 Pfennige. Subskriptionspreis 15 Kronen 15 Mark. Preis des vollständigen Werkes nach Erscheinen 20 Kronen 20 Mark. Schlußheft 35—40. Kommissionsverlag von Leopold Klein, P 0 z e g a, 1904. Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden. Herausgcgebcn vom Bureau für Statistik der Juden, Berlin-Halensee, Westfälische Straße 46. Redattion: Dr. Arthur Ruppin. II. Jahrgang, Heft 1. Jänner 1906. I. Abhandlungen. 1. Dr. Arthur Ruppin, Berlin: Die russischen Juden nach der Volkszählung von 1897. 2. Dr. I. Thon, Berlin: Kriminalität der Christen und Juden in Oesterreich. 3. M. Lawin, St. Petersburg: Beitrag zur Beleuchtung des Elends und der Wohlfahrtspflege der Juden in Rußland. 4. Rudolf Wassermann, München: Der Selbstmord unter den bayrischen Juden. 5. Die Juden in Algier. Dr. AN Braun Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums. Begründet von Dr. Z. Frankel, Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Verlag von Wilh. K 0 e b n e r, Breslau. 49. Jahrgang, Heft 11/12, November— Dezember 1905. Inhalt: W. Bacher: Zwei Abothkommeutare. S. Krauß: Lexikalisches zur Mechiltha di R. Simeon ben Jochai. Heinrich Groß: Die kabbalistische Traditionskette. Hermann V 0 g e l st e i n: Zu Wellesz' Isaak ben Mose Or Sarua. Isaak Markon: Die slavischen Glossen bei Isaak ben Mose Or Sarua. Moritz Steinschneider: Mathematik bei den Juden (1551—1840) (Fortsetzung.) L. Lewin: Judaisiereu in Polen. A. Lewinsky: Regesten zur Geschichte der Juden in der Provinz Sachsen während des Mittelalters. Besprechungen: Schiaparelli Giovanni: Die Astronomie im Alten Testament. Von Richard Prager. — Regener E. A., E. M. Lilien. Ein Beitrag zur Geschichte der zeichnenden Künste. Von Julius Braun. M. Braun: Bibliographische Uebersicht. Krieskajtr«. A. P. G. Es bleibt Ihnen nichts übrig, als durch persönliche Intervention die Rücksendung zu reklamieren. Bürg. Kasino in V. Wenden Sie sich an die Buchhandlung R. Löwit, Wien, I., Notenturmstraße 22. Dr. K. Versuchen Sie es vielleicht vorderhand mit einer persönlichen Anssprache, stützt diese nichts, so ist eine (persönliche) Beschwerde bei der Vorgesetzten Kirchenbehörde am Platze. Anonym. Wir konstatieren auf Ihr Verlangen, daß ein jüdischer Religionslehrer seine Schüler am Samstag schreiben läßt. Hoffentlich genügt dieser Hinweis. Rußland. Die Bergjuden bilden einen geschlossenen Volksstamm des Kaukasus nach ihrer ganzen Art und Lebensweise wie eine tscherkessische Völkergruppe, doch mit starkem jüdischem Gefühl und großer Frömmigkeit. Ihre Tapferkeit machte den Russen bei der Eroberung des Kaukasus viel zu schaffen. Sie fallen nicht unter Ausnahmsgesetzc. Soweit unsere Informationen reichen, hat die Revolution ihr Gebiet nicht erreicht. Der Hauptstamm der Aufständischen sind die Georgier um Kutais herum, wo aber auch sehr viele Juden wohnen. B. Der Prozeß Hraba ist ein ganzes Kapitel für einen Wiener Sittenroman aus dem Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Das sind Wiens Götter! Dieser Mann, von dem bekannt wurde, daß er selten nüchtern in der Oeffentlichkeit auftritt und bei solchen Gelegenheiten sich die unflätigsten Bemerkungen gegen Frauen herausnimmt und Manieren hat wie ein Pennenbruder, ist nicht nur Gemeinderat der Stadt Wien, sondern auch ihr Finanzreferent. Unter der Devise „In vino veritas" hat er auch ein paar Amtsgeheimnisse ausgeplaudert, darunter das Faktum, daß Wien finanziell an lauter Festen zugrundegehe. Da die Christlich-Sozialen wissen, daß sie nicht allzu lange leben werden, so wollen sie wenigstens lustig zugrundegehen. Gegen die liberale Finanzwirtschaft aber hat man nicht genug Entrüstung aufgetrieben. Interessant ist übrigens, woher Hraba eigentlich die Befähigung zum kommunalen Finanzminister hat; er ist nämlich Kompagnon des Juden Landauer, der sich mit Hraba associierte, um ein Lokal im erzbischöflichen Palais zu erhalten, wodurch sein Bankgeschäft ein christliches Aussehen gewinnen sollte. Außerdem ist Hraba Chefredakteur der „Neuen Fortuna", also ein direkter Zutreiber für die Börse, die von den Antisemiten gemeiniglich als jüdischer Giftbaum bezeichnet wird. So viel über seinen persönlichen Charakter. Außerdem wurde anch noch durch die Aussagen des Bürgerschuldirektors Kreibich und der Zeugen ein prachtvolles Bild des Politikers entworfen, das mit deni bewiesenen Vorwurf „schamloser, christlichsozialer Heuchler" am treffendsten gekennzeichnet ist.-- Hraba war immer eine echte Radfahrernatur: nach oben gekrümmten Rücken, nach unten Fußtritte. Dabei aber machte er hinter dem Rücken der hohen Personen, denen er schmeichelte, die rohesten Bemerkungen. Kläger und Geklagter waren einander überdies würdig. Dieser Kreibich, der aus egoistischen Zwecken vor hoben und höchsten Personen immerfort auf dem Bauche lag und gegen Hraba ingrimmig wurde, weil dieser ihm im Stadtrat Umstände bei Subventionen für den Empfang von Mitgliedern des Kaiserhauses

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