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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-03-02 · 9 (2.3.1906) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
9 (2.3.1906)
Date
1906-03-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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feillt 136 Dr. Dlocb's Mlocbenscdrltt. Nr. 9 Gerechtigkeit entgegenkommt, überhaupt wenn man bedenkt, daß auch in den anderen Städte-Wahlbezirken ansehnliche jüdische Minoritäten vorhanden sind, zum Beispiel T a r n o w 44 Perzent Juden, Jaroslau-Rzeszow 40 Perzent Juden, Sanok-Krasno-Jaslo-Gorlice 38 Perzent Juden, Bochnia-Podgorze-Wielicka 24 Perzent Juden rc. Die Bukowina entsendete bisher zwei Juden in den Reichsrat, einen von der Stadt Czernowitz, einen von der Handelskammer. Czernowitz erhält jetzt zwei Mandate, es könnte also das Stadtmandat den Juden erhalten bleiben. Um ihren Besitzstand zu erhalten, müßten die Juden trachten, das Städtemandat Sereth-Suczawa-Radautz zu bekommen, wo sie gute Chancen haben. Im günstigsten Falle wird also die jüdische Vertretung im künftigen österreichischen Parlament eine sehr knappe sein — desto mehr müßten die jüdischen Wähler sich bestreben, nur solche Männer zu wählen, die hiezu würdig sind, die die Interessen ihrer Mandanten nach bestem Wissen und Gewissen, kraftvoll und energisch versechten werden. Es müßten ernste, mutige und unabhängige Männer sein, die kraft ihres Intellekts den Mangel an Zahl ausgleichen würden. Doch steht diese Frage heute noch nicht auf der Tagesordnung und wird später Gelegenheit sein, darauf zurückzukommen. Meran. I. K—l. Die Stellung des Rabbinerverbandes in Böhmen zur Leicheuverbrenuung. Unter diesem Titel erschien in Nr. 8 der „Oesterreichischen Wochenschrift" ein Artikel, in welchem gegenüber dem Prager Oberrabbiner Dr. E h r e n f e l d, der im „Prager Tagblatt" erklärt hatte, daß er sich in Uebereinstimmung mit den hervorragendsten rabbinischen Autoritäten wisse, wenn er die Ansicht ausspreche, „daß der Rabbiner jede Art von Mitwirkung bei der Bestattung von Toten, welche verbrannt werden, abzulehnen habe", auf Oberrabbiner Hirsch in Hamburg hingewiesen und mit Emphase geftagt wird: „Ist M. Hirsch, der ehemalige Prager Oberrabbiner, dem jetzigen Prager Oberrabbiner auch nicht genügende rabbinische Autorität?" Demnach muß man annehmen — eine andere Deutung lassen ja diese Worte nicht zu — daß dem Artikelschreiber die „tolerante" Ansicht des Oberrabbiners Hirsch bekannt sei. Nun aber höre man und staune! Jemand hier ließ sich die Mühe nicht verdrießen und wandte sich diesbezüglich mit einer direkten Anfrage an Oberrabbiner Hirsch und erhielt umgehend folgende Antwort: Auf Ihre mir vorgelegten beiden Fragen, also lautend: 1. Soll der Rabbiner bei Leichen, die der Verbrennung zugeführt werden, über Wunsch an den für jene vorher veranstalteten Trauerfeierlichkeiten, sei es durch seine Anwesenheit bei einer häuslichen Feier, sei es durch Begleitung, sei es durch Abhaltung einer Rede, sich beteiligen? 2. Soll der Rabbiner nach stattgehabter Verbrennung einer Leiche bei eventueller Beerdigung derAschenr e st e auf Wunsch eine Rede halten?" — antworte ich mit einem entschiedenen Nein. — In ausgezeichneter Hochachtung M. Hirsch. Also Oberrabbiner Hirsch stimmt hinsichtlich der Mitwirkung des Rabbiners bei der Bestattung von Toten, welche verbrannt werden vollständig mit Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld überein. Wie steht es nun mit der Ehrlichkeit und Wahrheitsliebe des Artikelschreibers? Konnte er denn bei der notorischen strengkonservativen Richtung des Oberrabbiners Hirsch über dessen Ansicht in der strittigen Frage auch nur einen Augenblick im Zweifel sein? An den Rabbinerverband aber möchte ich nun doch die Frage richten: ist ihm „M. Hirsch auch nicht genügende rabbinische Autorität?" Ben-Amihud. Konzert-Akademie zugunsten der Opfer der russischen Judenmassakres. Gleichwie der „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" mit seiner Akademie vom 17. Jänner l. I., veranstaltete nun ein Spezial-Aktionskomitee, an dessen Spitze sich die hier lebenden Russen Dr. Sokolowsky, Dr. Rotenst e r n, Dr. Brodsky u. a. samt ihren Gattinnen stellten, und dem der genannte Verein seine Unterstützung lieh, eine große künstlerische Akademie am 23. Februar l. I. im großen Musikvereinssaale. Wie nicht anders zu erwarten, fiel auch diese in jeder Hinsicht glanzvolle Leistung zur höchsten Befriedigung der Zuhörer aus. Waren einerseits die Namen im Komitee, wie: Professor Hofrat Chrobak, die Professoren I. Ehr mann, Herzfeld und Mannaberg, Professor Dr. Laurenz M ü l l n e r, Professor Hofrat S ch a u t a, Baronin Berta Suttner, Baron Doblhoff, Baron Dr. Seiller und andere Sommitäten, Bürgen für die weitverzweigte Teilnahme, so boten die mitwirkenden Sterne der Künstlerwelt andererseits die Gewähr dafür, daß nur Auserlesenes geboten werde. Allein diesmal wurden die Erwartungen durch die Tatsachen weit übertroffen. Geradezu faszinierend wirken die Wunderknaben Tscherniavsky, der jüngere, der kaum sein Cello recht umfassen konnte, der Geiger, für den es überhaupt keine Schwierigkeiten zu geben scheint, und der kleine Klavierkünstler. Ueber Meister Brülls Virtuosität und Gefühl am Klavier noch Worte zu verlieren, wäre wohl deplaziert. Die vokale Kunst entsendete ebenfalls ihre besten Vertreter: Fräulein Lilly Glaubau f, welche nicht minder durch den Reiz ihrer Stimme und Schulung, wie ihrer Erscheinung die Zuhörer und selbst die kritischesten Zuhörerinnen eroberte, dann die fremden Kunstelemente: Herr königlich rumänischer Kammersänger Max Ulanowsky mit einigen ernstgestimmten Liedern, die kaiserlich russische Kammersängerin Frau Eugenie M r a v i n a, welche in geradezu entzückender Reinheit und hinreißender Kunst ihre Lerchentriller ertönen ließ, vom Flötenvirtuosen van L e u w e n der Wiener Hofoper und dkm Klavierkünstler Dachs meisterhaft begleitet, endlich die Schwedin Frau Annie Petersen- Norrie mit ihrem volltönenden, herrlichen Organ. Betreffs des deklamatorischen Teiles genügt es wohl, den Namen Kainz zu nennen, um den Sturm der Begeisterung zu begreifen, -mit dem das Publikum den „Kampf mit dem Drachen" belohnte. Auch für die Komik war durch das rührige Komitee gesorgt. Meister K o r f f vom Hofburgtheater mußte sich zu so mancher Zugabe bequemen. In vorgerückter Stunde schloß das schöne Fest, das einen durchaus gelungenen Verlauf nahm. Ueber dem Ganzen schwebte der Geist des Vornehmen, der Adel der Gesinnung. Auflassung des Unterrichtes im Hebräischen. Der preußische Unterrichtsmimster hat eine Entscheidung von . grundsätzlicher Bedeutung getroffen, indem er den Lehrplan des Unterrichtes ohne Unterweisung im Hebräischen genehmigt hat. In Berlin besuchen 4200 Kinder jüdischen Glaubens die evangelischen Gemeindeschulen. Sie erhalten an 36 Schulen Religionsunterricht auf städtische Kosten, und die Unterweisung im Hebräischen war darin inbegriffen; die Kinder waren zur Teilnahme nicht verpflichtet. Damit hat man jetzt aufgehört; die Rektoren sind ersucht worden, Sorge zu tragen, daß der hebräische Unterricht künftig ganz wegfällt. Die Verfügung ist allgemein. General-Versammlung des Kraulen-, Witwen- und Waisen-Unterstützungs-Vereines „Chesed schel emes.“ Sonntag den 25. v. M. hielt dieser Verein im Sitzungssaale der israelitischen Kultusgemeinde seine 39. ordentliche General-Versammlung ab, welche infolge dringlicher Aufforderung der Vereinsleitung besonders zahlreich besucht war; es war nahezu die Hälfte der Mitglieder erschienen. Der Präses Herr Siegfried Beer eröffnete die General- Versammlung nach Begrüßung derselben mit einem warmen Nachruf nach den verstorbenen Vorstands- und Ehrenmitgliedern Jonas Abeles und Oberkantor Moritz Schlesinger und wurhe der Trauer um die Dahingeschiedenen durch allgemeines Erheben von den Sitzen Ausdruck gegeben. Der Rechenschafts-Bericht für das Jahr 1905 wurde genehmigt und der Vereinsleitung einstimmig das Absolutorium erteilt.

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