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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-03-02 · 9 (2.3.1906) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
9 (2.3.1906)
Date
1906-03-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 9 Dr. Blocb’s Mlocbenscbrm. Seite 137 Bei der nun erfolgten Neuwahl in den Vorstand wurden die statutengemäß ausscheidenden Herren Siegfried Beer, Leopold Blaß, Jonas Haas, Adolf Popper, Salom. Neufeld, Josef Neumann, Moritz Stärk, Leopold Weinwurm und Julius Wottitz xsr acclamationeiii wieder- und die Herren Leopold Klein und Oskar Mautner neu in den Vorstand gewählt. Als wichtigster Punkt der Tagesordnung wurde nun der General-Versammlung der neue Statuten-Entwurf, welcher bereits im Vorjahre von der Versammlung genehmigt, jedoch wegen zu geringer Teilnahme der Mitglieder der Statthalterei nicht überreicht werden konnte, neuerdings vorgelegt und einstimmig angenommen und werden die neuen Statuten nach voraussichtlicher Genehmigung der Statthalterei zum Wohle der Mitglieder sofort in Kraft treten. Mit einem warmen Appell des Vorsitzenden an die Mitglieder, dem Vereine junge Mitglieder zu werben, um dem alten Stamme neue Reiser aufsetzen zu können, schloß die Versammlung. Baden. Der israelitische Frauen-Wohltätigkeitsverein in Baden hat am 24. Februar seine Generalversammlung abgehalten. Wie aus dem Rechenschaftsberichte zu entnehmen ist, hat dieser seit mehr als sechzehn Jahren hervorragend auf humanitärem Gebiete wirkende Verein auch im abgelaufenen Jahre sehr viel Wohltätigkeit geübt und so mögen einige Posten hier besonders erwähnt werden, daß im Jahre 1905 an Brautausstattungsbeiträgen K 700,—, für Bekleidung armer Schulkinder, an Wöchnerinnen und an arme kranke Frauen, die zum Kurgebrauche hier weilten, Unterstützungen im Betrage von K 2363*40 ausgegeben wurden. Zu diesen Ausgaben hat wohl eine Anzahl gutherziger fremder Kurgäste Beiträge geleistet, was dankbarst anerkannt wird. Da aber diese Beiträge viel zu gering sind, um allen, wie es in einem Kurorte doch nicht anders möglich ist, an uns herantretendeu Anforderungen zu entsprechen, so ergeht ein Appell an alle Gönner und Freunde dieses Vereines, sowie an alle, die den schönen Kurort Baden besuchen, demselben beizutreten und nach Möglichkeit werktätig zu unterstützen. Brünn. Die nach Plänen des verstorbenen Wiener Architekten Baurates Max Fleischer durch die hiesige Kultusgemeinde in der Ottgasse erbaute zweite Synagoge ist bereits unter Dach. Mit Beginn der besseren Jahreszeit wird unter Leitung des Architekten Johann M i e d l, Fleischers langjährigen Mitarbeiters und Nachfolgers, an der inneren Einrichtung des Gotteshauses gearbeitet werden, das im August vollständig fertiggestellt sein wird. Manche Gemeindemitglieder wünschen Fenster mit Glasmalereien und andere gottesdienstliche Gegenstände für den frommen Zweck oder zur dauernden Erinnerung an teuere Dahingeschiedene zu spenden, und es find auch schon mehrere derartige Widmungen sichergestellt. Sämtliche Spenden sollen aber dem Stile des monumentalen Gebäudes und den künstlerischen Intentionen des genialen, leider allzufrüh verblichenen Schöpfers entsprechen. Es werden darum alle, die für das Bethaus einen Gegenstand zu spenden beabsichtigen, ersucht, ihre Absichten und Wünsche in der Kanzlei der Kultusgemeinde ehetunlichst bekannt zu geben, woselbst bereitwilligst die erforderlichen Auskünfte erteilt werden. Prag (ZentralvereinzurPflegejüdischer Angelegenheiten.) Bei dem am 21. d. M. stattgehabten Vereinsabende hielt Herr L. II. Dr. Ed. Fischt einen Vortrag über „Religion und Fortschritt". Nach einer eingehenden Erläuterung des Religionsbegriffes selbst verwies der Redner in knapper Zusammenfassung auf die wesentlichsten Einwendungen „ die seitens der Rationalisten gegen die Vereinbarkeit von Religion und Wissenschaft erhoben werden und wandte sich sodann nach einem historischen Rückblicke auf den Götterglauben der alten Völker der Darstellung der. fortschreitenden Evolution der Religon zu, indem er deren Einwirkung auf die kulturelle Entwicklung der Menschheit betonte. Die Religion legt das Fundament einerseits zur sittlichen Erziehung der großen Massen und dient andererseits zur Befriedigung des in der Seele selbst der Intellektuellen schlummernden Hanges zum Metaphysischen. Wenn nun auch allen Religionen mehr oder weniger ein gewisser Idealismus zu Grunde liegt, bedingt doch der Fortschritt im menschlichen Denken die Annäherung der Religionslehren an die Anforderungen des realen Lebens, da das Streben der modernen Menschheit in ihrer überwiegenden Zahl nicht auf Entsagung, sondern auf ungehinderte Betätigung auf Erden, sonach auf vollständige Erfüllung des eigentlichen Lebenszweckes gerichtet ist. Je mehr daher die Religion sich mit den Erkenntnissen der Wissenschaft und den Erfordernissen der Lebenden in Einklang zu setzen sucht, umsomehr entzieht sie ihre Bekenner der Gefahr einer psychischen Trübung, die sich in letzter Folge auch in religiösen Wahnvorstellungen, wie sie manchmal bei ganzen Sekten auftreten, äußert. Deshalb ist die Art der Religionslehre von großer Wichtigkeit, und dies insbesondere auch für die jüdische Jugend und derjenige Religionsunterricht wird sonach zur Erhaltung des Judentums und seiner Glaubenssätze am meisten beitragen, der das Unwesentliche ausschaltet, dafür aber, ohne Bevorzugung des Ueberfinnlichen, die Fundamente der Ethik, auf denen der jüdische Glauben beruht, dann aber auch die Geschichte des Judentums und seiner Größen dem Kinderheimen einzuprägen weiß. Der in freier Form vermittelte und auch wirksamer Pointen nicht entbehrende Vortrag machte auf die äußerst zahlreich erschienene Zuhörerschaft tiefen Eindruck und fand beifällige Aufnahme. An den Vortrag schloß sich ein sehr animierter Gesellschaftsabend, zu dessen Beginn der Vereinsobmann Herr kais. Rat Falkowicz dem Vortragenden den wärmsten Dank für seine genußreiche Darbietung ausdrückte und hiebei Anlaß nahm, in gewohnter, scharfsinniger und formvollendeter Weise an einzelne Fragen des Vortrages anzuknüpfen und diese von seinem Standpunkte aus zu beleuchten. Hierauf besprachen die Herren Professoren Dr. Kisch und Grün einzelne für sie maßgebende Gesichtspunkte in allgemein interessierender Weise und beteiligten sich des weiteren die Herren Dr. Deutsch, Dr. Stern, Leipen, Lederer und Dr. Weltsch an der überaus lebhaften Debatte, die auch der orthodoxen Richtung Gelegenheit zur Entfaltung ihrer Ansichten bot. Herr M. U. Dr. Fischt erwies sich in seinem Schlußworte als schlagfertiger und launiger Debatter und so schloß der anregungsreiche Abend zur Zufriedenheit der zahlreichen Teilnehmer, die sich auch in wiederholten Dankeskundgebungen für den Ausschuß äußerte. Die Ehre und das Judentum. Dieses Thema behandelte am 15. v. M. Herr Prof. Dr. Hofmann, Rabbiner in Reichenberg, im Verein zur Förderung und Verbreitung der Wissenschaft des Judentums „Afike Jehuda". Ausgehend von der historischen Entwicklung des Ehrbegriffes bei den Kulturvölkern des Altertums, namentlich den Griechen und Römern, beleuchtete er in trefflicher Weise die wichtigsten Stellen der biblischen und talmudischen Literatur, welche für die Bedeutung kennzeichnend find, die man innerhalb des Judentums der Ehre stets zugewiesen hat. Besonders interessant waren seine glücklich gewählten sprachpsychologischen Beweise zur Bestimmung dieses Begriffes. Die mit viel Wärme und feinem rhetorischem Kunstsinn vorgetragenen Werke machten auf alle Anwesenden tiefen Eindruck und fanden lebhaften Beifall. Budapest. Im Gotteshause des Landesrabbinerseminars wurden in der Vorwoche folgende absolvierte Seminaristen in feierlicher Weise zu Rabbinen geweiht: Dr. Joseph Bor so di, Dr. Jakob Drobin ß k y, Dr. Sigmund Großmann, Dr. Moriz Richtmann, Dr Aron Schön feld und Dr. Samuel Weiß. Die Feier begann mit einem Gesangsvortrage des Oberkantors Lazarus, worauf der Präsident der Prüfungskommission Dr. Moriz Klein, Oberrabbiner in Groß-Becskerek, eine formvollendete, gedankenreiche Rede hielt, in welcher er die jungen Rabbinen zu religiöser und patriotischer Tätigkeit aneiferte. Erhebend war es, als er im Verlauf seiner Rede in geistvoller Weise auf die russischen Judenverfolgungen und auf die hinfälligen Resultate der babylonischen Forschungen hinwies. Die Rede wurde von den Anwesenden mit Ergriffenheit angehört. Im Namen

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