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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-03-02 · 9 (2.3.1906) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
9 (2.3.1906)
Date
1906-03-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sr. Llocv's Mocvenscvrltt. Heile 13Ü Methode und wir könnten es wohl mit unserem bischen Kraft versuHen, ehe unsere Schwäche hilflos wird. Größtenteils auf uns selbst angewiesen, müssen wir jüdische Pclitik treiben, müssen jedem Juden die Regel geben, wie er seine Kraft zum Wohle des Ganzen und seiner selbst am besten verwertet. Das erste Wort auf der ersten Seite einer politischen Fibel für Anfänger heißt „Organisation". Sollte man es glauben, daß wir österreichischen Juden noch immer nicht organisiert sind? Ja — gegeneinander vielleicht, gegen den gemeinsamen Feind nie. Schauen wir doch einmal nach Deutschland hinüber, wo die Juden lange keine so drängenden Zeit- und Streitfragen halten, wie wir, und doch einen prächtigen Verband der deutschen Juden schufen, in welchem der Löwe friedlich neben dem Lamme grast, der Zionist neben dem eifrigsten Assimilanten ftiedlich an der Lösung gemeinsamer Fragen arbeitet. Wir haben schon viele Ansätze in dieser guten Art gehabt, freilich waren alle, wie der bekannte Diener in den „Pickwikiern", der ini Gehen und Stehen einschläft. Eine der besten Ideen, der Oesterr.-isr. Gemeiudebund hat die Erwartungen nicht erfüllt, die man in ihn gesetzt hat. Aber wir haben noch lebendige Glieder des Judentums genug, die sich mühelos zu einem kräftigen Körper zusammeufügeu ließen. Man brauchte nicht erst nach neuen Formen umständlich zu suchen. Wenn Vertrauensmänner aller großen Korporationen und Gemeinden über eine wichtige Frage gewissenhaft beraten und beschließen, so ist die Sache schon erledigt. Denn fast jeder Jude gehört irgend einem jüdischen Vereine au. Der Vertrauensmann braucht nur eine Konferenz der Vereinsobmänner einzuberufen, die daun ihrerseits auf irgend eine Art Gelegenheit suchen müßten, ihren Mitgliedern die Wichtigkeit der Sache dringend ans Herz zu legen. So kann vielleicht nicht alles, aber vieles erreicht werden und der willige Fleiß der Beteiligten sowie die Not der Zeit werden es den Juden schon beibringen, sich zu fügen und einheitlich vorzugehen. Schneller als schnellsollte sich irgend eine angesehene Korporation finden, welche die ersten Schritte in dieser Sache macht, damit uns die nächsten Ereignisse nicht überrumpeln. Man wird eine große Tagesordnung haben, wenn man will, muß aber derzeit die ganze Tätigkeit auf die Wahlen richten. Die neue Organisation fände da Aufgaben verschiedener Art Die erste wäre die Verfolgung jüdischer Juteressenpolitik in den einzelnen Wahlbezirken. Diese sind zwar national abgegrenzt, aber innerhalb eines jeden werden sich Kandidaten verschiedener Richtungen gegenüberstehen, die Gelegenheit haben werden, durch Versprechungen jüdische Stimmen zu erhalten. Eine mächtige Organisation kann wohl auch leicht mit ganzen parlamentarischen Parteien verhandeln und so z. B. die Verlegenheit der mährischen Katasterfrage aus der Welt schaffen. Schließlich kann die Organisation darüber schlüssig werden, was mit den erreichbaren jüdischen Mandaten zu geschehen habe. Die Wahlreform hat außer den wahrscheinlichen Mandaten der Juden Straucher in Czernowitz, Ellenbogen in der Leopoldstadt und vielleicht auch Verkauf, von denen letztere zwei Sozialdemokraten sind, noch fünf galizische jüdische Wahlbezirke, einen in der Bukowina und einen im Wiener Kaiviertel gebracht. Von diesen waren schon einige unser, haben uns aber wenig Nutzen gebracht, weil die betreffenden Vertreter nicht die notwendige Energie und Rücksichtslosigkeit aufbrachten. Man sage nicht, daß dies auch in Zukunft nutzlos sei, weil die Abgeordneten in der Menge verschwinden würden. Außer dem Gemeinplatz von „das Seinige tun" rc. möchten wir noch bemerken, daß entschlossene Vertreter auf privatem Wege sehr viel bei der Regierung erreichen können, die ja doch die Gesetze zu wahren habe und daß ihre geringe Zahl im offenen Hause doch die Kultur und Gesittung Westeuropas zu Bundesgenossen hat, die aber laut augerufen werden müssen, wenn sie sich Nr. 9 melden sollen. Auch kann in den Ausschüssen durch kluges und zielbewußtes Auftreten sehr viel erreicht werden. Es hängt also sehr viel davon ab, ob die Vertreter des Judentums energisch und mit dem Herzen bei der Sache sind, ob im zukünftigen Parlament jüdische Juden unsere Sache führen werden. Viele werden einwerfen, daß die galizischen Wahlen mehr einem Diktat als einer Abstimmung unterliegen. Auch hier kann eine starke Organisation das gesetzliche Recht der Juden mächtig schützen. Wenn sie erst geschaffen ist. Es ist eine große aber notwendige Arbeit für das Judentum zu leisten. Irgend eine gtoße Korporation kann sich den aufrichtigen Dank von anderthalb Millionen österreichischer Juden erwerben. _ I. Uprimn y. Jean Kodin tmfe die Maearrrren. Jean B o d i n war unstreitig eine der merkwürdigsten und hervorragendsten Gestalten des 16. Jahrhunderts, die auf zahlreichen Gebieten menschlichen Wissens bahnweisend gewirkt hat. Als Staatsrechtslehrer preist ihn Bluntschli, als Nationalökonomen feiert ihn Rosche r; die Engländer Buckle und Hallam stellen ihn als Geschichts- und Völkerkenner auf gleiche Linie mit Aristoteles und Macchiavelli. Jean B o d i n besaß aber auch eine erstaunliche Kenntnis der jüdischen Religion und Literatur, er hegte für das Judentum eine schwärmerische Verehrung. Vor mehr als einem Vierteljahrhundert, am 29.Jänner1881, durch einen im Saale der Prager Handelsakademie zur Gedächtnisfeier des 100. Sterbetages von Gotthold Ephraim L e s s i n g gehaltenen Vortrag hat Schreiber dieser Zeilen die Aufmerksamkeit jüdischer Gelehrter auf Bodin gelenkt. 25 Jahre sind vergangen, ohne daß sich auch nur ein einziger unter den jüdischen Gelehrten gefunden, der an die Aufgabe herangetreten wäre, die Beziehungen Bodins zum Judentum einer- 'wissenschaftlichen Untersuchung und Würdigung zu unterwerfen. Umso dankenswerter und verdienstlicher ist eine eingehende, interessante Studie, welche der gelehrte Breslauer Rabbiner Herr Dr. Jakob Guttmann „Ueber Jean Bodin in seinen Beziehungen zum Judentum" in der von Dr. Brann herausgegebenen „Monatsschrift für die Geschichte und Wissenschaft des Judentums" soeben publiziert hat. Diese gelehrte Untersuchung durch einige winzige Bemerkungen zu ergänzen, welche das Verhältnis Bodins zu den Marannen betreffen, ist die Aufgabe nachstehender Zeilen. Von den großen Werken Bodins kommt hier nur jenes in Betracht, welches nicht für die Oeffentlichkeit geschrieben, in seinem Nachlaß als Handschrift sich vorfand, ein Vierteljahrtausend als Manuskript wanderte, und wenn auch, wie zu Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts das Verlangen nach Abschriften immer dringender wurde und jeder Gelehrte um hohe Kosten ein Exemplar zu erlangen sich bemühte, — infolge allgemeiner Aengstlichkeit ob seines gefährlichen Inhaltes erst im Sturmjahre 1849 in Druck erscheinen konnte — das Heptaplomeres. Coronäus, ein reicher, venetianischer Kaufmann, welcher gelehrte Unterhaltung leidenschaftlich liebt, vereinigt unter dem Schutze freiheitlicher Gesetze seiner mächtigen Vaterstadt in seinem gastlichen Hause Gelehrte und Philosophen, Männer des Wissens und des Talentes aller Völker und Zungen, aller Anschauungen und Bekenntnisse. Zu den intimen Bekannten und Hausgenossen des frommen Katholiken zählt ein Lutheraner Friedrich, ein reformierter Zwinglianer Curtius, ein Muselmann Octavius, ein Jude Salomon bar Cassüs, ein Philosoph und Supernaturalist, Toralba, der mit keiner Religion, und der indifferente Epikuräer Senamus, der mit allen Religionen gemeinsame Sache macht. Diese philosophischen Gespräche, welche eiil Sekretär des Hausherrn für einen Freund aufzeichnet, enthält das Heptaplomeres.

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