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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-02-23 · 8 (23.2.1906) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
8 (23.2.1906)
Date
1906-02-23
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 126 Dr. Blocb ö Mocvenscvrm. Nr. 6 wurden fragmentarische Nezitative ergänzt und fehlende ersetzt, alles dies selbstverständlich nach vorhandenen Notizen und Aufzeichnungen des Meisters. Auch wurve dem Tenor-Kantor durch Transpositionen und stilgemäße Bearbeitung mancher Rezitative und Soli mehr Berücksichtigung zuteil, als dies in der alten Ausgabe der Fall war." Die Durchführung all dieser Arbeiten, auch derjenigen, bei welchen der Herausgeber selbständig zu Werke ging, ist über jedes Lob erhaben. In letzterer Beziehung sind folgende Bearbeitungen ganz besonders hervorzuheben: Nr. 124, S. 115, (naarizoch), S. 208 (w’seorew) ebenfalls mit einer Orgelbegleitung, die ein unübertreffliches Muster inbezug auf die Behandlung der synagogalen Tonarten repräsentiert. Von sonstigen kleinen Retouchen, welche der Herausgeber im Interesse der anspruchsvoller gewordenen Klangbedürfnisse höchst diskret, niemals auch nur im geringsten die Melodie verändernd vornahm, sei ein Beispiel angeführt, welches zwar nur zwei Takte umfaßt, aber dennoch genügt, um in Joseph Sulzer den kongenialen Sohn des Altmeisters zu erkennen. Es ist die Stelle mösimj’chajeh el in Nr. 175, S. 154, (Jigdal), welcher Joseph Sulzer durch das chromatische Aufwärtsschweben der Mittelstimmen im geheimnisvollen xianissimo ein schauriges, das Walten einer Tote belebenden Macht charakterisierendes Gepräge verlieh. Bei dieser, wie bei allen derartigen Varianten, ist auch die ältere Lesart angegeben. Vollste Anerkennung gebührt auch den der neuen Ausgabe einverleibten Kompositionen Joseph Sulzers, welche außer den ihnen innewohnenden großen Vorzügen auch den besitzen, zweifellos unter dem Vorbilde der Meisterwerke des großen Vaters emporgeblüht zu sein. Für besonders wertvoll.halten wir Nr. 11, S. 24, (Hisöreri), ein schwungvolles, sich der Freitagabend-Hymne (1’cho dödi) äußerst logisch angliederndes Stück, die vortreffliche Komposition lnichomöchoh für Sukkoth, (Nr. 164, S. 147) mit traditionellen Anklängen, und den lieblichen Trauungsgesang mi aädir, Nr. 471, S. 361, Kompositionen, die auch in Bezug auf ihren mustergiltigen Chorsatz und ihr echt synagogales Gepräge bemerkenswert sind und in jeder Beziehung eine äußerst willkommene Bereicherung des Werkes repräsentieren. Eine wichtige Aufgabe erfüllte der Herausgeber, indem er eine Anzahl von Chorgesängen, deren Aufführung bislang große Schwierigkeiten verursachte und deshalb nur erstklaffigen Tempelchören zugängig waren, wesentlich vereinfachte, wodurch diese Gesänge, welche zu den vollendetsten des Altmeisters gehören, nunmehr auch durch bescheidenere Chorkraste wirkungsvoll zu Gehör gebracht werden können. Es ist allcnthalten bekannt, daß die von Salomon Sulzer selbst herrührende, leichtere Bearbeitung ursprünglich für die Veröffentlichung im II. T. S ch i r Zion bestimmt war, daß jedoch infolge Irrtums der Hilfskräfte, welche der Altmeister wegen seines geschwächten Sehvermögens zur Anfertigung der Reinschrift des Manuskriptes heranziehen mußte, die kompliziertere Fassung der erwähnten Gesänge in das Werk geriet, wodurch sich auffallende Differenzen zwischen den Aufführungen in den Wiener Synagogen und der gedruckten Partitur ergaben. Diesen Lapsus hat der Herausgeber nunmehr in dankenswerter Weise aus der Welt geschafft. Wenn wir noch mit freudiger Genugtuung erwähnen, daß der kantorale Teil der neuen Ausgabe in so überaus reichem Maße bedacht ist, daß der Kantor den ganzen Gottesdienst sozusagen, „vom Blatt weg" rezitieren könnte, daß ferner alle die hunderte von Rezitativen und Kantorsoli echt Sulzer'sches Gepräge aufweisen, leicht erkennbar durch die unübertreffliche spezifisch Sulzer'sche illustrative Vertonung des Wortes und die mit feinstem künstlerischen Verständnis vollzogene Säuberung der traditionellen Weisen von dem durch die Ueberlieferung von Mund zu Mund entstandenen, sie überwuchernden gesanglichen Unkraut, so sind wir uns bewußt, ein nur höchst unvollständiges Bild von den bewundernswerten Vorzügen der neuen Edition entworfen zu haben, die in uns die Ueberzeugung von der Unentbehrlichkeit des Werkes „Schir Zion" im Interesse der gottesdienstlichen Weihe und der Heranbildung zeitgemäßer Kantoren aufs Neue gekrästigt hat. Budapest, im Februar 1906. Adolf Lazarus. KriefkaKe«. Russe. Der Wolf hat nun das Schafsfell wieder abgeworfen, als ihm der Fang mißglückte. Man hörte vom Grafen Witte überströ'mende Zärtlichkeitsgefühle, als er die Popularität in Amerika und eine neue Anleihe brauchte. Nun hat man aber sein Verlangen nach Geld schnöde zurückgcwiesen und das moskowitische Herz kehrte sich ohne Europens übertünchte Höflichkeit wieder den ursprünglichen Genüssen zu. Die Pogroms in Homel fanden wieder mit Patronanz einer hohen Regierung statt und sind trotz der pompös angekündigten Untersuchung ohne jede Sühne geblieben. Auch die Kontre-Revolution der Reaktionären wütet gegen die Juden. Die administrativen Todesurteile gegen jüdische Studenten und Arbeiter sind an der Tagesordnung, und jüdisches Blut fließt jetzt in Rußland wie in den Zeiten der Syrer. Bezeichnend ist übrigens, daß sich Wittes Gemahlin, ursprünglich eine Jüdin, nun nach mannigfachen Wandlungen im Schoß der allein selig machende» orthodoxen Kirche eingefunden hat. <5*. XX. Wieso es dazu kam, daß die englischen Journalisten in Wien ausschließlich in antisemitischen Kreisen verkehrten, erhellt aus Folgendem: Aus Sorge um die Hebung des Fremdenverkehrs hatte das Eisenbahnministerium die Journalisten nach Wien eingeladen. Sektionschef Dr. Roll bekam Auftrag, den Empfang der Gäste durch Wiener Journalisten zu veranlassen. Er setzte sich mit dem „Klub der Wiener Presse", der antisemitischen Konkurrenz der Konkordia, in Verbindung, und so kam es. daß die Engländer von den Redakteuren der „Deutschen Zeitung", Deutsches Volksblatt" und „Reichspost" begrüßt wurden. Man unterhielt sich in fließendem Englisch über den neuesten Ritualmord und die anläßlich der bevorstehenden jüdischen Ostern bevorstehende Gründung einer Spezialfabrik für Schächtmesser. Zum Andenken bekamen die Gäste als Zeichen antisemitischer Kultur die Photographie jenes Stadtvaters mit, der bei der vorletzten Sitzung des Gemeinderates das berühmte Zitat aus „Gö'tz von Berlichingen" vollständig unverkürzt herausjubelte. Z. O. Der Brief des Oberrabbiners von Tanger an die Konferenz ui Algeciras, es sei keine Intervention für die marokkanischen Juden nötig, da sie sich in der besten Lage befinden, ist entweder eine reine Erfindung oder unter dem Eindrücke einer Pression geschrieben worden. Denn sowohl die Berichte aus den Schulen der Alliance als auch die von Reisenden stimmen darin überein, daß die Verhältnisse der marokkanischen Juden geradezu als mittelalterliche bezeichnet werden müssen. Sie leben in einer besonderen Judenstadt, Mellah, die bei Nacht gesperrt wird, die Männer müssen durch Abzeichen an den Kleidern kenntlich sein und die Weiber dürfen keinen Schleier tragen. Eine Plünderung der Mellah ist ein sehr gewöhnliches Vorkommnis und wurde anläßlich der Streitigkeiten mit dem Prätendenten von Freund und Feind sehr oft ins Werk gesetzt, so daß jetzt die Not unter den Juden Marokkos sehr groß ist. Auch müssen sie besondere Kopfsteuern und Kriegsabgaben bezahlen. Es wäre sehr wichtig, zu erforschen, welche Bewandtnis es eigentlich mit dem Brief des Rab-- biners wirklich hat. Denn es war ja tatsächlich eine Aktion für die' marokkanischen Juden bei der Konferenz gedacht. Der österreichische Bevollmächtigte Graf Welsersheimb sagte einem Interviewer, er wolle mit der Glaubensfreiheit für Katholiken auch die der Juden verlangen und man hörte auch vom italienischen Vertreter Grafen Visconti Venosta die Bereitwilligkeit, derartige Schritte zu unterstützen. Wenn der Rabbiner sein Schreiben unter einem Druck von oben verfaßte, dann beleuchtet dieser Umstand erst recht das Elend der marokkanischen Juden. Lehrer. Die sozialdemokratischen Organe von Wien und Floridsdorf haben anläßlich der neuen Gehaltsregulierung für Lehrer Zusammenstellungen gebracht, aus welchen die schamlose Protektionswirtschaft der Christlich-Sozialen klar hervorgeht. Es sind auch Hunderte von Rekursen dagegen beim Landesschulrat eingelaufen. Dort ist natürlich dafür gesorgt, daß die christlichsoziale Herrschaft nicht verkürzt wird. Nur der eine Trost bleibt übrig, daß Gewaltmaßregeln eines Parteiregimes der Anfang vom Ende sind. N. Lueger schimpft weidlich auf den fürchterlichen Zustand der Wiener Straßen und fahrt dann nach Abbazia (auch um kluger Weise der Wahlreformdebatte auszuweichen). So schaut es aus, als hätte man etwas getan, und es kommt billig. Natürlich rührt sich kein Finger. Man braucht das Geld für Ausstellungen, Bankette rc. Ja, die liberale Korruption. B. M. Der italienische Schatzminister Luigi Luzatti ist Jude. Ehrwürden Rabbiner Dr. G. in M. nnd Schriftsteller A. M. in Wien: Wir bedauern, die Diskussion nicht nochmals eröffnen zu können. An unsere geschätzten Abonnenten! Wir sind bei der Drucklegung der Adreßschleisen und ersuchen unsere P. T. Abonnenten, Aenderungen der Adreßschleisen umgehend bekamtt geben z« wolle». §ie Administration. Notiz. Allgemeine Depositen-Bank. Der Verwaltungsrat beehrt sich hiemit, die stimmberechtigten Aktionäre der Allgemeinen Depositen- Bank zur vierunddreißigsten ordentlichen Generalversammlung, welche Samstag den 3. März 1906, vormittags 11 Uhr, im Sttzungssaale des Anstaltsgebäudes (I., Schottengasse 1) stattfinden wird, einzuladen. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht und Bilanz für das Geschäftsjahr 1905; 2. Bericht der Revisoren; 3. Beschlußfassung über die Verwendung des Reingewinnes; 4. Wahl eines Mitgliedes des Verwaltungsrates; 5. Wahl des Revisions-Ausschusses, bestehend aus drei Mitgliedern und einem Ersatzmanne; 6. Statutenänderung. Die Herren Aktionäre, welche ihr Stimmrecht ausüben wollen, werden eingeladen, nach § 18 der Gesellschaftsstatuten ihre Aktien wemgstens acht Tage früher, d. i. bis spätestens inklusive 23. Februar 1906, bei der Allgemeinen Depositen-Bank in Wien (I., Schottengasse 1)' zu hinterlegen. Der Rechnungsabschluß pro 1905 wird den zur Generalversammlung legitimierten Herren rechtzeitig zugesendet werden. i e n, 15. Februar 1906. Der Verwaltungsrat.

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