Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 8 (23.2.1906)
- Date
- 1906-02-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 118 Dr. 3BiocD's MoevenscvctN. Nr. 8 und 1829 in den Grafenstand erhoben worden. Sein Vater wiederum war der Sekretär des Grafen Brühl, aus Flandern nach Warschau gekommen und lebte dort zuletzt als Vorsteher eines Erziehungsinstituts; seine Mutter aber war eine Deutsche, hieß mit ihrem Mädchennamen Schweppenhäuser und war die Tochter des Heinrich Wilhelm Schweppenhäuser, Pfarrers zu Groß-Rechteren im Kreise Wetzlar. Dieser ist der Ur-Ur-Ur-Großbater von Spaniens künftiger Königin. — Prinzessin Battenberg, wollen wir noch hinzufügen, wird nun Katholikin und Königin von Spanien. Es dürfte wohl allgemein bekannt sein, daß in Spanien und in Portugal der hohe Adel nicht ganz blaublütig ist, da er einen starken Einschlag jüdischen Blutes aufzuweisen hat. Das ist aber weiter keine Schande, denn auch der preußische Adel hat es nicht verschmäht, öfters das verrostete Wappen mit jüdischem Gelbe — natürlich durch Heirat mit reichen Jüdinnen — zu vergolden. _ Non ölet. Die Juden in China. Ueber Zahl und Geschichte der Juden in China macht im Dezemberheft der „North Amerikan Review" I. Singer einige interessante Angaben. Die jüdische Ansiedlung in China, deren Dasein unter Juden und Christen gleichermaßen wenig bekannt sein dürfte, ist sehr alt; sie geht in ihren Anfängen nach der Ueberlieferung bis auf die Han-Dynastie, genauer auf die Regierung Hang Ming (68— 76 n. Chr.) zurück. Ueber ihre Geschichte im Mittelalter sind nur wenige Einzelheilen bekannt, so z. B. daß sie im Jahre 884 zusammen mit Mohammedanern, Christen und Persern in die Revolte von Baichu verwickelt waren; ferner ist es wahrscheinlich, daß zwischen 690 und 1126 eine neue jüdische Siedelung zur See von Indien nach China gekommen ist. Marco Volo berichtet 1286 über die einflußreiche politische und geschäftliche Stellung der chinesischen Juden. Im Jahre 1354 wurden wegen mehrerer Ausstände die Juden aufgefordert. sich in die Hauptstadt zu begeben und Heeresdienst zu leisten. Während des ganzen Mittelalters hatten die europäischen Juden von dem Dasein ihrer Glaubensgenossen in dem fernen asiatischen Reich keinerlei Kenntnis; erst durch katholische Missionäre wurde wieder vom Vorhandensein einer 5000 bis 6000 Mitglieder zählenden jüdischen Gemeinde in Kai-Fung-Fu und anderen chinesischen Städten etwas bekannt. Inschriften in chinesischer Sprache aus dem Jahre 1489, 1512 und 1663, die man in der alten Synagoge von Kai-Fung-Fu fand, warfen ein unerwartetes Licht auf diese früher ganz unbekannte Seite der jüdischen Geschichte. Die Geschichte zwischen dem Jesuitenpriester im Anfang des 17. Jahrhunderts, Pater Matteo Ricci, und dem chinesischen Judenknaben, der, als ihm jener das Bild der heiligen Jungfrau mit dem Jesuskinde zeigte, es für Rebekka mit Elan oder Jakob hielr, gehört sicher zu den interesiantesten Fällen religionsgeschichtlicher Ueberraschungen. Im Jahre 1760 richtete der Londoner Rabbiner Isaak Rieto einen hebräischen Brief an die Juden in China, worin um Aufklärung über ihren Ursprung und ihre augenblickliche Lage bat; die angeblich in Chinesisch und Hebräisch geschriebene Antwort ist leider nicht erhalten. Ein Brief, den der britische Konsul in Jerusalem, James Finn, im Jahre 1870 von China erhielt, berichtete von der Auflösung der wenigen jüdischen Reste in Cbina in gesellschaftlicher und religiöser Beziehung; auch einige ftühere Versuche englischer und amerikanischer Juden hotten keinen Erfolg aufzuweisen. Jnr Jahre 1900 zählte die Gemeinde von Kai-Fung-Fu nur noch 140 Mitglieder ohne Vorsteher, Synagoge oder ein ordentliches Schulwesen. Doch spricht Singer die Hoffnung aus, daß es der Society for the Rescue of the Chinese Jews gelingen werde, in diesen Zustand des Verfalls wieder Besserung zu bringen. „Der Ritualrnord bei den Talmud-Juden." Unter diesem Titel veröffentlichte soeben der Pfarrer vr. theol. Karl Mommert in Schweinitz, Ritter des heiligen Grabes, eine Broschüre, welche Dr. theol. Karl Blasel aus Grünberg in Schlesien in der katholischen „Neisser Zeitung" (25. Oktober) einer sehr eingehenden Besprechung unterzieht. Einleitend sagt der Referent: „Da gerade die Stellung des Verfassers als katholischen Priesters geeignet erscheint, jenem Aberglauben auch im katholischen Volke weiteren Boden zu schaffen und von unseren Gegnern gegen die katholische Geistlichkeit ausgenutzt zu werden, so ist eine öffentliche Stellungnahme zu dieser Broschüre nicht nur angebracht, sondern auch notwendig. Von vornherein soll bemerkt werden, daß der Referent die Frage selbst aus seiner Besprechung vollständig ausschaltet: der in den letzten Jahrzehnten des vergangenen Jahrhunderts ausgefochtene Kampf hat bereits wissenschaftlich bewiesen, was einem jeden verständigen Menschen nur begreiflich erschien, nämlich, daß die Annahme, der Ritualmord sei eine Jnstitituion des Judentums, gefordert von den Schriften und der Tadition der Rabbinen, welche bis zur Jetztzeit noch sortdauere, völlig unhaltbar ist." Das erste Kapitel, überschrieben: „Der Kannibalismus bei den alten Hebräern", zerpflückt der Referent in allen Einzelheiten und kommt zu dem Schluffe, daß von diesem ganzen Kapitel auch nicht ein einziger Satz, auch nicht ein einziger Beweisgrund übrig bleibe, welcher nicht zu beanstanden sei. Auch das zweite Kapitel, betitelt: „Ritueller Blutgenuß bei den Christen", nimmt der Referent unter das Seziermesser. Gegen die dort angewendete Logik, meinte er, kämpften Götter selbst vergebens. Mit den folgenden Worten aber schieße der Verfasser selbst den Vogel ab: „Pflegen die Christen nun aber (ich schreibe vom röm. kath. Standpunkte. aus) mit der größten Andacht und Frömmig*' feit zu dem Genüsse des Fleisches und Blutes Jesu in dem heiligen Abendmahle hinzutreten, ohne etwas Kannibalisches in diesem Genüsse zu finden, so läßt es sich wohl begreifen, daß auch die Juden Christenblut in ihrem Oster-Mazzes, in ihrem Osterwein und bei anderen religiösen Anlässen mit derselben Andacht genießen, ohne sich des Kannibalismus, den sie damit begehen, bewußt zu werden. Im übrigen besteht bei dem rituellen Genüsse von Menschenblut zwichen Christen und Juden der ganz gewaltige und nicht zu übersehende Unterschied, daß die Christen ohne Rechtsverletzung und auf vollkommen legitimen Wege zu diesem Blute gelangen, indem Christus aus eigenem freiem Antriebe und vollkommen freiwillig sein Blut ihnen darreicht — während die Juden, wie wir weiter unten eingehend darlegen werden, bei der Beschaffung des für ihre rituellen Zwecke erforderlichen Menschenblutes, wenigstens nach christlichen Rechtsbegriffen, der himmelschreiendsten Rechtsverletzungen sich schuldig machen." (S. 9 f.) Nein, Abscheu war es nicht, bemerkt hiezu Dr. Blasel, Entsetzen war es, was den Referenten beschlich, als er diese Worte las, in denen der Verfasser selbst vor Blasphemien nicht zurückschreckte, um in den Kot zu treten, was einem jeden katholischen Christen das Hehrste, das Heiligste ist!!!. Wenn man nicht auf dem Titelblatt den Charakter des Verfassers finden würde, wenn er nicht bei Beginn dieses Satzes selbst seinen römisch-katholischen Standpunkt betonen würde — man müßte meinen, einer jener Winkelschreiber, die von katholischchristlichen Dingen keine Ahnung haben, wolle mit giftigem Geifer besudeln, was Andersgläubigen Herzenssache und Herzensüberzeugung ist!! — O, es würden sich viele Fragen in die Feder des Referenten drängen, die alle mehr oder weniger persönlicher Natur wären; um aber streng sachlich zu bleiben, bricht er ab, das Urteil getrost dem einzelnen Leser überlassend und — dem Gewissen des Autors! Nur zwei Fragen mögen hier eine Stelle finden: Wie kann der Verfasser es wagen, das — auch seiner Ueberzeugung nach — rein Göttliche überhaupt erst in Vergleich zu stellen mit dem, was, wenn es überhaupt der Fall wäre, die größte Schandtat der Menschheit, das furchtbarste Verbrechen am Gottesbegriff und am Wesen der Religion darstellen würde? Sollte Pfarrer Mommert wirklich keinen Unterschied kennen, keinen wesentlicheren, als jenen „ganz gewaltigen und nicht zu übersehenden Unterschied der Rechtmäßigkeit und Unrechtmäßigkeit, und sollte er wirklich keine Ahnung haben von dem Wesen der hl. Eucharistie im allgemeinen und der Transsubstantition im besonderen?? Die übrigen Kapitel werden von dem Referenten summarischer behandelt, da sie vielfach eine eigene Arbeit des Verfassers nicht darstellen, sondern mehr oder weniger eine einseitige Kompilation aus andern Schriften sind. Der Referent resümiert sich dahin: „Fassen wir kurz unser Urteil über die neueste Broschüre des Herrn Pfarrer Dr. Mommert zusammen, so hat dieser durch die Mangelhaftigkeit seiner Methode, mit der er Unbewiesenes neben Bewiesenes stellte und gleichartig verwertete, durch die Nichtberücksichtigung und Verwertung der gegnerischen Literatur, durch die Verleugnung einer jeden sachgemäßen Kritik, durch solch grobe Verstöße gegen die Geschichtsforschung, welche die Wahrheit nicht dort findet, wo sie sie sucht, sondern