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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-02-23 · 8 (23.2.1906) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
8 (23.2.1906)
Date
1906-02-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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& feite il6 Dr. Dlocv s MocbenscvrM. 'Nr. 8 noch an der ältesten Tradition fest halten 2c. Die Sekte der Ananiten ist dagegen auf Anan, den Exilfürsten, zurückzuführen, der gegen die Rabbaniten und die Bene Mikre aufgetreten ist rc. Jedes Wort dieses Berichtes trägt den Stempel der Echtheit an sich; nnr da derselbe unseren Geschichtsschreibern nicht in den Rahmen ihrer sich zurechtgelegten Hypothesen paßte, eher solchen ganz und gar widersprach, wurden diese deutlichen und klaren Angaben als Märchen hingcstellt und in die Rumpelkammer geworfen. Aehnliches äußerte auch der früher lebende Masudi (875—950), daß die Israeliten, (er meinte damit die Nachkommen der zehn Stämme), die die Mehrzahl der Nation bilden und die Ananiten sich nur auf die Bibel und deren in hebräischer und arabischer Sprache von einigen vornehmen Israeliten angefertigten Auslegung stützen; wir lernten einige von ihnen kennen, wie Jachia C. Sacharia aus Tibareni (Taberistan) und Said aus Jacob aus Fajuu?) rc. Masudi, der in Bagdad lebte und nur den Orient bereiste, glaubte, daß die Nachkommen der zehn Stämme die Majorität der Juden bildeten. Ebenso nennt Albulfarag Barhebräus (Assomani, Bibl. Orient. I 346) die Anhänger Anans Ananiten. Dagegen haben wir hier bereits nachgewiesen, daß Kaiser Justinian die Juden des Nordens in seiner Novelle 146 vom Jahre 553 schon Exegcten (n'Kap) nannte. So erwähnt Nifsi b. 9toa im VIII. Jahrhundert auch die Bale Mikre und Benjamin Nahavendi gegen 800 Bale Mikre und Karaim. Desgleichen finden sich bei den ersten ananitischen Autoren unzählige ähnliche Anspielungen, von denen wir eine Stelle als Beleg zitieren. Levy b. Jephet sagt: paapn paa naaan pa an» epbn maasn nb«a m o'sapn pa nnai pr “pa br om naai?n paa n^^pn pa nnaa onatpaa or&pa. (Likute Kadm. II 92). Diese sämtlichen Aeußerungen fanden aber nur wenig Beachtung und wurden höchstens mit einem geringschätzigen Achselzucken abgetan, wenn man schon gezwungen, zu einer billigen Erklärung zu greifen, diese nur als verschiedene Nuancen ein und derselben Sekte ausgab. Auf diese Weise hat man alle Spuren, die auf den richtigen Weg führten, verwischt, anstatt solchen nachzugehen und in Ermangelung einer sofortigen Lösung, diese Frage, wenigstens die Türen für andere offen zu lassen, einen Ausweg aus diesem Labyrinth zu finden. Sieht man also von allen irrigen Resultaten der Forschung auf diesem Gebiete ab und geht ganz objektiv von dem hier gewonnenen Gesichtspunkte aus, bei Beurteilung des vorliegenden Materials vor, bietet sich dem Auge des genauen Beobachters ein klares Bild der Entwicklung dieser verschiedenen Strömungen dar. Die Juden des Nordens, die alten Bene Hadani, anerkannten im Prinzipe die Tradition, nur wollten sie die in Palästina während des zweiten Tempels platzgegriffenen, auf ihn basierenden, grundstürzenden Aenderungen, die sie zuerst vielleicht nicht einmal kannten, auch später nicht billigen. Sie befolgten im Altertum nur die Lehren der Thora und der älteren Tradition und gelangten bei der wörtlichen Auslegung der Thora zu manchen ähnlichen Annahmen, wie manche ältere Parteien, nämlich die Sadduzäer, wobei betont werden muß, daß zwischen ihnen oder einer anderen Partei schon wegen ihrer Absonderung im Norden gar kein wie immer gearteter Zusammenhang existierte, und deshalb findet man bei ihnen auch Ansichten, denen man sonst nirgends begegnet. Sie gingen also unabhängig ihren eigenen Weg. Griechische und persische Anschauungen, mit welchen Nationen sie am meisten in Berührung kamen, gingen an ihnen nicht spurlos vorüber und sind diese ihre Lehrmeinungen und Ansichten erhalten in ihren alten schriftlichen Denkmälern, wie im Buche der Jubiläen rc. Später als sie mit den Juden anderer Länder in nähere Berührung kamen, haben sie sich viele rabbinische. für's praktische Leben unentbehrliche Bräucde angeeignet, obwohl sie ihrem Prinzipe der ausschließlichen Befolgung der Thora und der alten Tradition nicht ganz untreu wurden. Das praktische Leben hat sie mit der Zeit mit den rabbinischen Juden halb und halb amalgamiert*), je nach der Entfernung des Wohnortes von den Letzteren. Je näher sie Babylon wohnten und in je engeren Kontakt sie mit diesen Juden kamen, desto mehr nahmen sie von der mündlichen Lehre in sich auf und lebten nach derselben, während dagegen die Juden im hohen Norden, abgesondert von jedem Verkehr, fest an dem Alten hielten und hievon vielleicht nur weniges änderten. Diese Veränderung mit der Zeit gewahrt man sowohl bei den Chasaren, die das Judentum von den Juden aus dem ganz entlegenen hohen Norden anfangs annahmeu und später, als sie sich südlich und westlich ausdehnte», auch das Bedürfnis fühlten, Talmudlehrer hinzuzuziehen, wie der Ehaghan Joseph dies an Chasdai Jbn-Schoprut berichtete, und auch andere Autoren wie Nissi b. Noa, der sich in seiner Vorrede zu seinem „Bithan Maskilim" zu den Bale Mikroeth zählt, aber zugleich auffordert, Talmud und Tosefta zu studieren. Dasselbe sieht man auch bei Benjamin Nahavendi, der wohl ein Bal Mikre, aber *) Dies darauf bezughabende Material hat Pinsker in seinem Likute Kadmonijath zusammengestellt, nur stellt er alles förmlich auf den Kopf, um es gewaltsam in sein System zu fügen. Daß die Juden des Nordens sich auch in Nordafrika, genannt Maghreb, und Egypten niederließen und im IX. Jahrhundert dort die Wissenschaften und die hebräische Literatur neu belebten, werden wir in den folgenden Artikeln Nachweisen. 2) Diese und die folgenden Punkte werden wir ausführlicher beleuchten in den folgenden Artikeln. keineswegs, wie allgemein angenommen, ein Ananite war, welcher in einem „Maseth Benjamin" freistellt, bei Prozeß-Normen, die sich von Bibelversen nicht direkt ableiten lassen, nach den Vorschriften der Rabbinen sich zu richten. nbia' aba naaan annaa ca aaa® cm anivi .aa i2'in jatsnn bke 'nana anirr na *opa na laaab . Viel Aehnliches findet man noch bei anderen Schriftstellern jener Zeit, die wir später erwähnen werden und sind auch für den dort damals herrschenden Eklektizismus in Religionssachen in den Resvonsen der Gaonim Belege vorhanden. Erwähnenswert halte ich auch eine Aeußerung von Levy b. Jephat aus etwas späterer Zeit: n^a ja-inn nn* a'a«n bpi n-rn bi? naatwnn naaan urrw "öb naaan 'anrr asm 1)’’"i*"ö naaapan aKtraa aj?a® pnsa a®K n-aapna .n-nrn naaaaa naa'an arbv naaaapen i«sav “nai?a (Pinsker Likute Kadmonijoth II, 90.) Das scheint auf das Jubiläenbuch anzuspielen, daß die Juden im Norden früher in der Kalenderrechnung nach den Mondmonaten und Sonnenjahren zu zählen pflegten, was auch wirklich der Fall zu sein scheint, und sich erst später der Rechnung der Rabbinen, ihrer Richtigkeit wegen, bedienten. Der Umstand, daß die mündliche Lehre bei ihnen nicht obligate Anerkennung fand und der Spekulation freier Spielraum blieb, erklärt auch die Bildung sovieler Sekten oder eigentlich richtiger die Herausbildung sovieler Schattierungen in Religionsmeinungen in dem nahen, von religiösen Reibungen ohnehin aufgewühlten Persien, wie der Jsawiten, Jugdhaniten (nach Juda aus Persien, der die Rechnung nach Sonnenjahren beibehalten) (Jbn-Esra Exodus 12, 1) rc., auf deren Entstehen die jeweilige Strömung in der herrschenden Volksreligion des Landes entschieden von großem Einfluß war und deren Rückwirkung auch auf Häresiarchen, wie Chiwi aus Balk-Sakai rc. sich jedesmal fast bestimmt Nachweisen läßt. Der sozusagen offizielle Name dieser Juden „Bale Mikre" (arab. p’Kapbs) und die Bezeichnung der Anhänger der Traditionslehre paKaabtf durfte erst nach der Entstehung der Schiiten und Suniten in Persien aufgekommen sein und schließt der Name allein in sich schon gewissermaßen eine polemische Tendenz, obgleich dabei bei älteren Schriftstellern an keine schismatische Absicht zu denken wäre, vielmehr nur an eine Bezeichnung der Richtung, und finden sich diese auch nur bei den sozusagen aufgeklärten und radikaleren Elementen. Fast eine, ganz entgegengesetzte Richtung verfolgte Anan mit seinem Auftreten in der zweiten Hälfte des VIII. Jahrhunderts, das direkt auf ein Schisma hinarbeitete. Den Haß gegen die Rabbinen wegen seiner Nichtwahl zum Exilarchen, auf welche Würde er als nächster Verwandter des verstorbenen Exilfürsten Anspruch zu haben vermeinte, hat er auch auf den Talmud übertragen und negierte Alles, was Ueberlieferung hieß. Bar eines jeden Wissens, außer seiner Talmudkenntnis, fehlte ihm jeder Sinn, den Wert einer geschichtlichen Entwickelung der mündlichen Lehre, die die agierenden, lebenden und webenden Kräfte im Körper des Judentums bildete, deren Kreislauf sich den jeweiligen Verhältnissen wie veränderten Klimaten akkommodierte, um dasselbe vor einem sonst drohenden Marasmus zu bewahren, in der Vergangenheit und Gegenwart schätzen zu können; ebenso fehlte ihm der Fernblick in die Zukunft, um zu beurteilen, daß ein Znrückgreifen auf die Bibel unter den geänderten Verhältnissen einem retrograden Entwicklungsprozesse und Rückschritte gleichkäme, wobei die Gefahr einer Petrifizierung drohte. Er hat einen Sturm auf alte Bastionen eröffnet und Altehrwürdiges rückstchts- und vernunftlos niederreißen wollen, ohne die Befähigung zu besitzen, an deren. Stelle etwas Positives, für die Dauer Haltbares zu setzen. Er wollte an Stelle des Talmuds die wortgemäße Erklärung der Bibel wieder zur Geltung bringen, wendete aber bei deren Auslegung ein so willkürliches und sophistisches Verfahren an, das einer jeden Logik spottet, und schuf durch seine vielfach erschwerenden Bestimmungen einen eigenen Talmud, ein Monstrum ohnegleichen. Ohne Plan und Programm, ohne Wissen und Schöpfertalent, wie auch ohne Sprachgefühl und religionsphilosophische Kenntnisse mußte er Umschau halten, mit fremden Federn sich zu schmücken, und da bemächtigte er sich des Inhaltes der alten Schriften der Juden des Nordens, wo er nach dem Zeugnisse Makrizis früher weilte, um diese auszuschroten und aus diesen, wie auch anderen im Talmud von den Sadduzäern erwähnten Lehrmeinungen ein System zusammenzukleistern und als sein Glaubensbekenntnis auszugeben. Die alten Schriften der Juden des Nordens durften umso eher seinen Beifall gefunden haben, da vieles darin den im Talmud ') Hier wird mit Erez Jisroel auch gemeint Jberien und Transkaukasien (Dodanim). Obwohl wir dies bereits nachgewiesen haben und in einem weiteren Artikel noch feststellen werden, können wir jetzt nicht umhin, wenigstens einen Beweis hiefür zu erbringen, der diese Annahme klipp und klar bestätigt. Midrasch Thilim e. 137 erzählt eine alte Sage. Nebukadnezar machte mit feinem Gefolge eine Schiffspartie auf dem Euphrat und erblickte jüdische Fürsten während des Exils, die nackt an den Ufern wandelten, deren sich die Jberier und die ihnen angrenzenden Länder annahmen nwa aai nKa aa onaapb aKar naan# und dafür belohnte sie Gott no"pn baa '“i«a aa ba paaw.no .nnr’ n'2' om brraw pa« aa baa aan ombj? Die Jberier oder deren Nachkommen, die Mingrelier, sind auch bekanntlich einer der schönsten Menschentypen. Midr. Thilim ist in Kleinasien entstanden, wie wir später Nachweisen werden.

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