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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-02-23 · 8 (23.2.1906) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
8 (23.2.1906)
Date
1906-02-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 8 L)r. Llocb's Mocdenscbrm. Lette 115 Bestattung der Asche von verbrannten Leichen betreffenden Frage von Rabbinern der eigenen Richtung scharf angegriffen wurde. Ist M. Hirsch, der ehemalige Prager Oberrabbiner, dem jetzigen Prager Oberrabbiner auch nicht genügende rabbinische Autorität? Oder ist uns immer nur jene Autorität die hervorragende, die mit der eigenen Meinung übereinstimmt? Es hätte mehr imponiert, wenn Herr Dr. Ehrenfeld nur gesagt hätte! „Meine wohlerwogene Meinung verbietet mir, der Resolution zuzustimmen," das Wort von den hervorragendsten rabbinischen Autoritäten, das den Verband hätte treffen sollen, ist eine stumpfe Waffe. Die Mitglieder des Verbandes kennen alle Gründe pro und contra, entscheidet sich nun die Majorität für oder gegen die Resolution, muß man den Mitgliedern zuerkennen, daß sie die Gründe und die Folgen genügend erwogen haben und daß sie als ernste Männer und berufene Führer der Gemeinden in religiösen Angelegenheiten sich der Verantwortung bewußt sind, die sie zu tragen haben. Der Rabbinerverband in Böhmen soll sich aber auch bewußt bleiben, daß die Augen der Juden in Böhmen auf ihn gerichtet sind und daß eine Menge Fragen, die durch die veränderten Zeitverhältnisse auftauchten, seiner Beantwortung harren. Möge er zu allen diesen Fragen so taktvoll Stellung nehmen wie zur Frage der Leichenverbrennung. Die Juden in Böhmen nehmen die Beantwortung mit dankbarer Befriedigung zur Kenntnis. X. Die „Kene Hadani" i» der jüdischen Literatur des IX. und X. Jahrhunderts. VII. Folgen wir den aufgedeckten Spuren an der Hand des einmal aufgenommenen Fadens weiter, gewahren wir, daß. die Entwicklung, die das Judentum hei den „Bene Hadani" im Osten im Altertum genommen hatte, nicht ohne Folgen für das gesamte Judentum nach vielen Richtungen hin blieb. Bevor wir aber den Gang durch die verschiedenen Gebiete weiter antreten, können wir nicht umhin, einer Erscheinung, die von einschneidender Wirkung in der Geschichte der Juden war, nämlich dem Karäismus, unsere Aufmerksamkeit zuzuwenden, nicht nur weil dessen Ursprung trotz der vielen Aufklärungsversuche in neuerer Zeit noch in tiefes Dunkel gehüllt ist, sondern deshalb, weil die Geschichtsforschung diesbezüglich auf falsche Wege geraten und diesem fälschlich ein Verdienst um die Neubelebung der hebräischen Sprache vindiziert, das ihm gar nicht zukommt. Da der Entwicklungsprozeß der Bene Hadani im hohen Norden, ferne von dem eigentlichen geschichtlichen Schauplatze, vor sich ging und diese alte Kulturstätte wie eine Rose still in einer entlegenen Wüste blühte, war es im Gewirre der Zeitereignisse in dieser.überaus dunklen Periode einem andern, mit vielem Lärm und Eklat 'auftretenden Rivalen möglich, durch Fälschungen und Trübung der geschichtlichen Tatsachen ein Chaos anzurichten, um ein fremdes Erbe am hellichtem Tage anzutreten, sich dessen zu bemächtigen und solches als sein rechtliches Eigentum auszngeben. Der Ananismus, später fälschlich Karäismus genannt, verquickte sich mit dieser vom Norden ausgegangenen Strömung, um sich mit einem fremden Blütenkranze zu schmücken und hiebei seine eigene Geistesarmut zu verdecken. Wenn diese Tatsache bis jetzt als geschichtliche Wahrheit noch nicht anerkannt wurde, liegt die Ursache nicht darin allein, daß man ein Kulturzentrum im Norden überhaupt nicht ahnte, sondern vielmehr in der Anwendung von falschen Regeln zur Ermittelung der Wahrheit blieb. Bei der Lösung geschichtlicher Fragen gilt es als Kardinalbedingung, etwa später sich herausgebildete Begriffe oder solche infolge einer gewissen Entwicklung entstandene Schlagworte bestimmten Sinnes älteren oder jüngeren Datums nicht auf ähnliche Erscheinungen anderer Art zu übertragen und diese dadurch zu verwechseln, da man durch ein derartiges Vorgehen die Quellen trübt. Anstatt bei richtiger Anwendung der Urkunden der Wahrheit auf den Grund zu kommen und den Ursprung, wie die Quellen jeder Erscheinung aufzudecken, muß man durch falsch angewendete Begriffe auf Irrwege geraten und verschüttet sich den Weg, der zum Ziele führen kann. Diesem Fehler sind alle bei der Erforschung des Ursprunges, respektive der Entstehung und Bildung des Karäismus verfallen, weil sie sich von der späteren unrichtigen Anwendung dieses Wortes gefangen nehmen, überdies sich auch von absichtlichen und unabsichtlichen Fälschungen der Karäer auf Abwege verleiten ließen und dagegen alle anderen dem widersprechenden, aber auf die Spur der Wahrheit sicher führenden Beweise von vorneherein als irrelevant verworfen haben, da sie sonst aus diesem Dilemma keinen Ausweg finden konnten. Ist Vorsicht bei Benützung von älteren Nachrichten auf jedem dunklen, schlüpfrigen Boden unaufgeklärter Geschichtspartien geboten, so ist sie hier erst recht am Platze, weil alle Nachrichten über den Karäismus und die verwandten Erscheinungen von rabbinischer Seite größtenteils erst aus späterer Zeit und vom Hörensagen herrühren, die von karäischer Seite wiederum bei der bei ihnen ans Schritt und Tritt zu Tage tretenden Unkenntnis der Geschichte nnd bei der überwiegend polemischen Tendenz ihrer meisten Schriften fast wertlos sind. Außerdem zeigt sich bei den Karäern, daß sie in der Hitze des Streites äußerst parteiisch Vorgehen, alle ans sie kaum im entferntesten bezughabenden Nachrichten fälschlich darstellen und die Manie haben, jede freie Strömung in alter Zeit, wie alle frei denkenden Männer in der Geschichte, für sich zu reklamieren; darum kein Wunder, wenn sie und die ihnen Folgenden eine Verwirrung anrichteten, aus der kaum ein Answeg zum hellen Tageslicht noch zu finden ist. Um den ganzen Komplex der auf dieses Thema bezughabenden Fragen erschöpfend behandeln zu können, müßte man eigentlich ein ganzes Werk schreiben, wenn ich aber nichtsdestoweniger versuchen will, in dem Nahmen eines Artikels in kurzen Umrissen diese zwei verschiedenartigen Erscheinungen zu zeichnen, muß ich mich nur darauf beschränken, ein Schema dieser Vorgänge zu geben, um mit wenigen Worten anzudeuten, wie sich dieser Prozeß vollzogen, um daraus die Konsequenzen für unseren Zweck zn ziehen. Ich habe zu wiederholtenmalen hier nachgewiesen, wie ein Teil der Inden in grauer Vorzeit ans dem Exil in Babylon auswanderte und sich im hohen Norden niederließ. Der Entwicklnugsgang mußte dort unbedingt ein anderer als der der Juden Palästinas in der Zeit des zweiten Tempels gewesen sein, wo der Ausbau des Gesetzes im Zentrum des jüdischen Lebens eine ungeahnte Entwicklung und einen großartigen Aufschwung erfahren hatte, dem praktischen und religiösen Leben des unabhängigen Staates sich anpassend, während die Inden, im Norden unter Barbaren lebend, sich nur auf Konservierung des Althergebrachten beschränkten. Da eine jede Kohärenz in alter Zeit zwischen ihnen und dem früheren Mutterlande fehlte, blieben sie der in Palästina entwickelten Traditlvnslehre fremd und haben dieselbe später auch nicht ganz als glltig und bindend anerkennen können.') Ein beredtes Zeugnis hiefür bildet das Buch der „Jubiläen", wo in den vorgeschriebenen Lebensnormen grögtenteils nur der „heiligen Schrift" in ihrem nackten Wortlaute und Sinne Rechnung getragen wird, außer in einzelnen Fällen, wo von altersher manche Sitten und Gebräuche in prakuschem Leben sich einbürgerten, die sogenannte alte Halacha. Dem Prinzipe nach waren sie keine Gegner der Traditionslehre, wie dies aus dem Buche der Jubiläen klar hervorgeht, wo eine solche als von Adam herrührend und von einem auf den anderen Nachkommen übertragen angenommen wird, und findet sich sogar für gewisse Normen eine feststehende Formel, a'ötfn mr6 by rvnn, die dem -o-co rwzh rabn in der Tradktion gleichkommt. Wir werden noch sehen, daß sie später, als sie mit den Juden anderer Länder in rege Verbindung kamen, auch vieles von der mündlichen Lehre herübergenommen haben, trotzdem aber diese ganze Entwicklung nie voll und ganz anerkannten. Es konnten deshalb Streitigkeiten und Reibungen mit rabbinischen Autoritäten späterer Zeit nicht ausbleiben und sieht man daher nicht einmal hier sprühende Funken ausspringen. Sie bildeten keine besondere Sekte, und wenn sie zuweilen mit Q'fcnp bezeichnet werden, geschah dies mehr im wörtlichen Sinne dieses Wortes, wie es im Talmud. Midrasch und später sogar bis ins IX. Jahrhundert gebraucht wird, als Bezeichnung für Personen, die sich ausschließlich mit der Bibel befassen. In Mißkredit ist dieses Wort erst später durch die Ananiten, die sich diesen Namen zur Irreführung Fernstehender beilegten, geraten. Daß Karaim und Ananiten zwei ganz verschiedne Parteien waren, beweisen nicht nur objektive, externe Quellen, sondern auch manche Notizen der ersten Ananiten und daß dieser Nameu auch schon vorkommt, noch bevor die Anhänger Anams als Sekte sich bilden konnten. Makrizis Bericht (de Sacy, Chrestomathie Arabe I. p. 1O0 ff.) wenn man von dem Nebensächlichen darin, was er aus seiner Zeit in ältere Verhältnisse hineingetragen hat, absieht, bringt mit wenigen Worten einen Begriff über das Wesen der Bene Mikre und der Ananiten bei. Dies scheinen Mitteilungen auf Grund älterer Aufzeichnungen zu sein, die in allen Details sich als authentisch bestätigen. Er sagt nämlich: Die Bene Mikre stützen sich nicht auf während des zweiten Tempels entstandene Gebräuche, sondern erkennen nur die Institutionen des ersten Tempels an und tun so, als wären sie allein im Besitze des alten, wahren Glaubens, indem sie nur an der Thora» dem wörtlichen Sinne derselben und außerdem auch ') Die Juden in Palästina scheinen im Altertum die Ansichten der Juden des Nordens in Betreff der Traditionslehre gekannt und perhorresziert zu haben, darauf dürfte ihre Aversion gegen die zehn Stämme und besonders gegen Dan zurückzuführen zu sein. Schon Zunz (Gotttesd.-Vortr. p. 32) findet es auffallend, daß der Verfasser der Chronik (Dibre Hajamim) gegen 250—300 vor übl. Zeitr.), sie nur kurz erwähnt und Dan geflissentlich mit Stillschweigen übergeht. Von einem Verfasser, der seine Schrift ausschließlich der Verherrlichung des Königreichs Juda und der Traditionslehre widmet, darf dies nicht Wunder nehmen. Dies beweist aber auch andererseits, daß er die Denkungsweise der Bene Hadani kannte. Das Wort *r?n scheint auch bei den rabbinischen Juden in alter Zeit als Inbegriff der Ungläubigkeit gegolten zu haben, und als später der Sinn dieses Wortes abhanden gekommen war, erklärte es R. Jehuda u. A. (Jerus. Talmnd Schabb. 6, 9) mit dem Vers: uatt "nc '."«X'i ttäfsn *6 1’3-n rum

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