Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 7 (16.2.1906)
- Date
- 1906-02-16
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 7 Dr. Bloih's Wochen fchrrfk. Seite Talmud und ein wenig Polnisch und Deutsch. Mit 18 Jahren heiratete er und ging nach Holland, dann nach London, dann nach New-Iork. Ueberall arbeitete er in dem berüchtigten Sweat- Shops als armer, nie rasten könnender Schneidergeselle von Tagesgrauen bis in die sinkende Nacht. Eine menschliche Maschine, saß er hungernd und fiebernd am Rade. Kein Elend wurde ihm erspart. Oder er begab sich in die fast noch schwerere Sklaverei am Schreibpulte und wurde von einer Jargonzeitung zur anderen gejagt, immer stöhnend, immer leidend unter den Schlägen der Not. Aber die Göttin der Not trägt nur in einer Hand eine Peitsche; in der anderen hält sie eine silberschimmernde Schale, die sie jenen reicht, die sie am heißesten liebt und am härtesten züchtigt. Manche trinken aus der Schale der Göttin das Vergessen des tiefsten, des letzten Schlafes, andere den bittersüßen Trank der Liebe, sehr wenige und sehr Begnadete den Rausch der Kunst..Die Not macht sie zum Dichter. Und zu ihnen gehört Morris Roscnfeld. Er ist der wahre Dichter der Not, der Arbeiternot, der Judennot, der Menschennot. Die jüdische Kunst lebt, aber einen Dichter der Freude hat sie uns noch nicht geschenkt, konnte sie uns noch nicht schenken. Das ist ein Traum wie so vieles andere, an dessen Verwirklichung jeder nach seinen Kräften mithelfen und mitarbeiten soll. Der schmerzliche Ton, der in Morris Rosenfelds Versen erklingt, er tönt wieder in den Liedern und Erzählungen unserer anderen jüdischen Dichter, deren wir viele und bedeutende haben, wenn sie auch nicht so allgemein gekannt sind wie Rosenfeld, und er zittert auch durch die Schriften unserer Humoristen, denn so seltsam es klingt, auch die besitzen wir. Aber nicht von ihnen soll jetzt die Rede sein. Heute galt es Morris Rosenfeld und mit ihm möchte ich schließen. Schließen mit Bewunderung für ihn, mit Dank an ihn und mit Hoffnung auf ihn. Denn noch hat er sein letztes Wort nicht gesprochen. Sein Tagewerk liegtnoch vor ihm, noch kann und wird er schaffen; schaffen an sich, schaffen an seiner Kunst und schaffen an der Zukunft seines, unseres Volkes. Literatur. Studien zum Pseudo-Jonathan Targum. I. Das Targum und die apokryphe Literatur von A. M a r m o r st e i u, Pozsony 1905. Das Pseudo-Jonathan Targum zum Pentateuch ist keine wortgetreue Uebersetzung des Textes in gewöhnlichem Sinne des Wortes, sondern ist vielmehr teilweise auch eine Paraphrase, die in ihrer Lizenz keine Schranken kennt, in diesen Exkursionen alle Gebiete der Halacha und Agada streift und aus verschiedenartigen Quellen schöpft; daher verdient solches nicht nur als Denkmal in linguistischer Beziehung eine Würdigung, sondern bildet auch eine Fundgrube für den Forscher, in der manches wertvolle Element als Geschichtsbehelf ans dem Gebiete der Halacha, wie auch Hagada konserviert wurde, deren Quellen uns jetzt nicht mehr zugänglich sind. Während die aramäische Uebersetzung des Onkelos sozusagen unter den Augen der babylonischen Lehrhäuser entstand, und gepflegt wie eine Zierpflanze, gegen eine jede fremde Einwirkung geschützt, sich entwickelte, blieb das palästinensische Targum wie ein wilder Garten ohne Aufsicht und fanden auch fremde Pflanzen Eingang. Auch im Gegensätze zur Onkelos-Uebersetzung, die frühzeitig geschlossen und an der Wiege schon mit einem gewissen Grade von Autorität ausgestattet, infolge dessen vor späteren und fremden Zutaten geschützt war, entbehrte das palästinensische Targum einer jeden Autorität, währte seine Weiterentwicklung bis zum Abschlüsse längere Zeit, deshalb fanden verschiedene. Elemente ohne sorgfältige Prüfung da Annahme. Umso eher war dies da möglich, als die Schlußredaktion des Pseudo-Jonathan zum Pentateuch, nach unserer Ansicht in späterer Aeit in Kleinasien, (im Pontus), ferne von dem Brennpunkte der lüdischen Lehrtätigkeit und ohne Kontrolle der Lehrhäuser, vor sich ging. Es bleibt daher eine anerkennenswerte Aufgabe, den Einfluß der apokryphen Literatur auf das Pseudo-Jonathan Targum zum Pentateuch sicher festzustellen, den Weg der vielverzweigten Agadas aus den apokryphen Schriften, die da Aufnahme fanden, aufzudecken und quellenmäßig nachzuweisen. Mit begreiflichem Interesse habe ich darum nach dieser eben erschienenen Dissertation gegriffen, in der Hoffnung, diese Aufgabe hier wenigstens teilweise gelöst zu finden, muß aber leider sofort eingestehen, daß solche mich ganz enttäuschte. Eine solche Arbeit erfordert in erster Reihe eine genaue Kenntnis der auf dieses Thema bezughabenden Quellen, dann eine kritische Umsicht, und ein näheres Eingehen in jedem Falle auf die Entstehung der verwandten Legendenbildungen bei Prüfung des darauf bezüglichen Stoffes; anstatt dessen gewahre ich hier, daß der Autor sich die Beweisführung sehr leicht macht, indem er kaum verwandte Aehnlichkeiten, die bekanntlich bei Legendenbildungen aus den heterogenste» Gebieten anzutreffen sind, als sichere Prämissen, daß der Stoff entlehnt worden ist, hmstellt, um daraus mit allgemein gehaltenen Redensarten Schlüsse zu ziehen, die in Wirklichkeit einer jeden Grundlage entbehren. Ein Beispiel wird genügen, dieses Vorgehen zu charakterisieren und weise ich z. B. darauf hin, wie er aus dem Umstande, daß Pseudo-Jonathan (Gen. 8. 4) „Ararat" mit „Kardo" wiedergibt, schließt, dies sei eine Entlehnung aus den Adambüchern, die für „Ararat" auch „Kardo" haben. Onkelos, dem unser Pieudo-Jonathan unzählige Male folgt, hat ja hier auch Kardo, und liegt es nahe, daß er ihm auch hier folgte. Uebrigens bringt Josephus (Antiq. I, 3, 6) schon eine solche Relation im Namen Berosus. Ebenso heißt es S. 18: „Nach Targum (Gen. III, 21) waren es kostbare Gewänder von der Haut der Schlange verfertigt. In der Schatzhöhle liefert die Rinde des Baumes das Material zum Kostüm. Das Adambuch widmet diesem Gegenstand ebenfalls dieAufmerksamkeit.(?) (S. 44) Die Hauptsache, worauf es hier ankommt, ist, daß die Objekte der Sünde, hier wird der Baum als solches, dort die Schlange betrachtet, die Kleider liefern. Varianten ein und derselben Sage." Es sind wohl Varianten ein und derselben Sage, die aber nicht als Beweise dienen sollen und können, daß Pseudo-Jonathan, der hier den rabbinischen Quellen folgt, die Adambücher benützte, wo nicht einmal ein Scheinbeweis hiefür vorhanden ist. Nebenbei bemerke ich noch, daß die zur „Baumrinde" der externen Quelle herangezogene Analogie aus Pirke R. Elieser, Kap. 20 (jb'Kn ja > falsch wiedergegeben ist, um eine Aehnlichkeit herzustellen. Die Stelle lautet dort: isamw jb*«n jö "D'bj?n inpb vnnn nw — Diese wenigen Beispiele genügen schon, den Gang der oberflächlichen Beweisführung zu illustrieren. Und diese Beweise sollen, nach der Ansicht des Autors dartun, daß Pseudo-Jonathan die Adambücher benützte, und folglich bestätigen, daß auch jüdische Adambücher existierten! Man muß ja eine solche Logik unbegreiflich finden, denn wenn auch die Annahme richtig und klar erwiesen wäre, daß Jonathan die Adambücher benützte, muß denn dies auch die Existenz jüdischer Adambücher voraussetzen? P'eudo-Jonathan kann ja auch externe Quellen benützt haben, wie nachweisbar sicher feststeht, daß er die neutestamentlichen Schriften benützte. Ich abstrahiere davon, ans weitere Details einzngehen, will aber nicht unterlassen, einige beim Durchgehen dieser Schrift gemachte Notizen hier mitzuteilen, vielleicht h eten solche einiges Interesse. Zum besseren Verständniffe der folgenden Notizen und dieser Frage, ob Jonathan die apokryphe Literatur überhaupt benützte, erachte ich es als nötig, vorerst eine Bemerkung über dre Komposition des Pseudo-Jonathan Targums vorauszuschicken, da diese in sich auch die Lösung der ersteren Frage involviert. Die Alten zitieren nicht zwei Rezensionen, wie sie uns unter dem Namen „Jeruschalmi" und „Jonathan" vorliegen, sondern nur ein palästinensisches oder jerusalemitisches Targum, deren Zitate sich gewöhnlich in einem der beiden, nämlich ini Jeruschalmi oder Jonathan, vorfinden. Daraus ist zu schließen, daß ursprünglich nur ein palästinensisches Targum, etwa gegen Ende des VIl. oder Anfangs des VIII. Jahrhunderts eingestanden existierte, an dem später, ungefähr gegen Anfang des IX. Jahrhunderts, in Kleinasien mehrere Aenderungen vorgenommen und viele Zusätze gemacht wurden. Es kursierten wohl zwei Rezensionen, die aber überall, weil sie zum großen Teile fast gleichlautend waren, für ein und dasselbe jerusalemische Targum gehalten und so zitiert wurden, was noch Esaria de Rossi in seinem „Meor Enajim", Kap. 9, bestätigt, der sich auch wundert, daß die beiden fast gleichlautenden Targumim verschieden betitelt werden, nämlich eines „Jeruschalmi" und das zweite „Jonathan". Erst seit dieser Zeit und seit der Drucklegung der Targumim haben Abschreiber und Drucker, um nicht zweimal dasselbe zu wiederholen, die letzte spätere und ausführlichere Rezension vollständig abgedruckt und von der früheren sogenannten jeruialemitischen nur die größeren Varianten gegeben, d. h. nur diese Stellen, die Varianten aufweisen, separat abgeschrieten oder gedruckt, da die fast gleichlautenden Stellen im späteren Targum bereits enthalten waren. DaS ältere jerusalemische Targum bestand also nicht in bloßen Fragmenten, sondern in diesen Fragmenten sind die wesentlicheren Varianten beibehalten und wiedergegeben. Eine solche Annahme lost die vielen sich hier darbietenden Schwierigkeiten, die Zitate betreffend (Vergl. Zunz, Gottesw. Vortr. p 69 rc.), und kann noch beigefügt werden, daß der letzten Schlußrezension zum Unterschiede von der ersten der Name Jonathans, des Uebersetzers der Propheten, beigelegt wurde. Um mich kurz zu fassen, da hier diesbez 'gliche weitläufige Auseinandersetzungen unmöglich sind, will ich wich nur auf einen Beweis beschränken und kann man schon an der Hand dieses einen Beispieles ersehen, daß das erste Targum, nämlich „Jeruschalmi", in Palästina, das zweite aber sogenannte „Jonathan" in Kleinasien verfaßt wurde und läßt sich auch ans demselben ungefähr die Abfassungszeit beider eruieren. Zu Numeri 24. 18 lautet Jeruschalmi: kub TH' 0"iB »,Tl •fj'pn brn p-cina btnw'i prram ’bmb »barr Hier bestätigt also, natürlich ein Palästinenser, der mit der Geschichte seiner Zeit und seines Landes gut vertraut war, die Beteiligung der Juden an dem Feldzüge Chorrus II. von Persien gegen die Byzantiner oder Christen Palästinas und die Eroberung dieses Landes im Jahre 614 Derselbe Targumist erwähnt auch weiter