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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-02-16 · 7 (16.2.1906) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
7 (16.2.1906)
Date
1906-02-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 7 Dr. Llocb's MocbenscbrM. Seite 103 den 'vereinsärztlichen Untersuchungen, die vier Tage währten. 328 Aufnahmswerber eingefunden haben. Nachdem es uns mangels der erforderlichen Mittel leider versagt blieb, alle würdigen Petenten in unseren Schutz zu nehmen, haben wir 190, d. i. fast 60% der Hilfesuchenden schweren Herzens abweisen müssen. Wir verausgabten für 138 Pfleglinge (gegen 128 im Vorjahre) in zusammen 4864 Verpflegstagen X 19.562.—. Trotz der gesteigerten Einnahmen des Vereines schließt die Gebahrung abermals mit einem Defizit in der Höhe von X 480.— das wir auf neue Rechnung vortragen müssen. Den detaillierten Berichten unseres Chefarztes, des Herrn Kurarztes Dr. Johann Perl, belieben Sie zu entnehmen, daß die Heilresultate außerordentlich günstige waren und 67'3'70 der in Behandlung gewesenen Patienten ihre volle Erwerbsfähigkeit wiedergewonnen haben. Es ist uns gelungen, in RoLnau, dem Verpflegsorte unserer Kranken, einen Komplex von Wald, Wiesen und Aeckern preiswert zu erwerben. Das angekaufte Terrain erstreckt sich in einem Ausmaße von über 11 Joch auf einem Plateau, das staubfrei und gegen Wind geschützt ist. Wir errichten auf dem ausgedehnten Besitze Liegehallen nach dem berühmten Muster der Liegestätten in Davos, deren Kosten mit X 28.000.— veranschlagt sind. Die Liegehallen gelangen in der nächsten Kursaison zur Benützung Es ist dies ein kleiner Anfang zu jenem großen Ziele, das wir seit mehr als einem Jahrzehnt anstreben: den armen Lungenkranken eine den Anforderungen der Jetztzeit entsprechende Heilanstalt zu erbauen." Budapest. Ein vielbewegtes Leben hat seinen Abschluß gesunden. Anton I. Horn, der Bruder des einstigen Staatssekretärs Eduard Horn, ist hier im Alter von 72 Jahren gestorben. Anton Horn (Einhorn) kam 1847 aus seiner Geburtsstadt Waag-Neustadtl nach Pest, wo er Schüler der IV. Klasse dB evangelischen Gymnasiums wurde. - Als die österreichische Armee 1849 hier einmarschierte, verließ er mit seinem Bruder die Hauptstadt. Am 9. Juli trat er, noch nicht 16 Jahre alt, in das Honvedbataillon Nr. 102 ein und nahm an den Gefechten bei Szöreg und Temesvar teil. Er geriet in Gefangenschaft und wurde zu einjähriger Festungshaft verurteilt; nach Abbüßung dieser Strafe wurde er in das 61. Bukavina-Regiment eingereiht und auf den italienischen Kriegsschauplatz geschickt. 1856 erhielt er mit dem Range eines Feldwebels den Abschied. Er begab sich zuerst nach Pest und dann nach Paris zu seinem Bruder Eduard und wurde dessen Sekretär und Mitarbeiter. Gleichzeitig betrieb er auch volkswirtschaftliche Studien. 1859 engagierte ihu der damals in Paris weilende Herausgeber des „Journal de St. Petersbourg“, Dufour, zu seinem Blatte als Leiter der deutschen und italienischen Rubrik. In diesem Blatte publizierte er auch seine größere Arbeit „Revue economique de l’6tranger“. 1864. wurde er provisorischer und 1871 verantwortlicher Redakteur dieses Blattes. Es erregte »nicht geringes Aufsehen, daß ein Jude an die Spitze des offiziösen Organs der russischen Regierung gestellt wurde; allerdings hatte sich Horn durch seine hervorragende journalistische Tätigkeit, seinen lauteren Charakter und seine urbanen Umgangsformen binnen wenigen Jahren das Vertrauen und die Sympathien der maßgebenden Kreise errungen. Fast zwanzig Jahre blieb er in seiner hervorragenden Stellung, auf welche er 1890 verzichtete. Er kam nach Budapest, wo er seither in stiller Zurückgezogenheit, von der Mitwelt fast vergessen, lebte. Nur hie und da gab er durch eine publizistische Arbeit in ausländischen Blättern ein Lebenszeichen von sich. Er schrieb ins „Journal des Economistes“ Berichte unter dem Titel „Lettres d’Autriche-Hongrie“, in die Jahrgänge von 1894 und 1895 des in Paris erscheinenden „Marche" Abhandlungen über die finanziellen Verhältnisse Ungarns, 1894 in die „Revue de Paris", „Re marlage civil en Hongrie“, in die „Revue politique et parlamentaire“ eine größere Studie unter dem Titel „25 ans de rkgime financiers en Hongrie“ rc. Das Leichenbegängnis fand am Montag statt. Aufruf! An die jüdische Bevölkerung! Die israel. Kuttusgemeinde in Czernowitz beabsichtigt, auf dem ihr gehörigen in der Rothkirchgasse gegenüber dem neuen Stadttheater gelegenen Grunde ein Gemeindehaus in welchem die Repräsentanz der Czernowitzer israelitischen Kultusgemeinde, der ersten Kultusgemeinde der Bukowina und einer der größten Kultusgemeinden Oesterreichs, eine ihrem Wirkungskreise würdige Stätte finde» soll, zu errichten. Dieses Gemeindehaus soll in der Zeit der nationalen Wiedergeburt unseres Volkes ein wahrhaft jüdisches Nationalhaus, eine Pflegestätte jüdischer Kultur, jüdischer Wissenschaft und Kunst, eine Sammelstätte, woselbst sich das nationale, kulturelle und gesellige Leben der jüdischen Bevölkerung konzentrieren soll, werden. Die jüdische Tradition verlangt stürmisch nach einer jüdischen Volkslesehalle und Volksbibliothek, und diese sollen in unserem Gemeindehause ihr Heim finden. Gleichwie in der Schule unserer Vorfahren, sollen wir in dem jüdischen Gemeindehause unser Herz bilden und unsere Kraft schöpfen. Und wie jene Schulen einen Kahal geschaffen haben, der alle Krisen des Judentums überwunden hat, so soll uns das Gemeindehaus verhelfen, eine Generation heranzubilden, welche dem jüdischen Namen Ehre machen soll. Das Gemeindehaus soll echt jüdische Gesinnung pflegen, den reinen jüdischen Geist Hochhalten und wahre jüdische Gesittung verbreiten. Das jüdische Gemeindehaus soll das Bindemittel sein, welches alle unsere Gemeindegenoffen zusammenhält; es soll das Zentrum sein, woselbst wir uns vereinigen sollen; es soll aber auch den Mittelpunkt bilden, von dem aus wir das ganze Leben und Wirken der Juden der Bukowina überwachen, leiten, unsere Zusammengehörigkeit und engeren Zusammenschluß bekunden, es soll der Hebel sein, mit Hilfe deffen wir alles Morsche niederreißen und uns eine neue, eine beffere Zukunft schaffen. In Freud und Leid soll es uns vereinigen — nichts Jüdisches soll ihm fremd sein! Das Gemeindehaus soll ein würdiges Symbol jüdischer Gesittung, ein weithin sichtbares Wahrzeichen jüdischer Kraft, ein glänzendes Denkmal jüdischer Größe sein und künftigen Geschlechtern von der Fürsorge der Vorfahren Zeugnis geben. An Euch Juden ist es daher, ein solches Werk zu vollführen; die jüdische Tradition gebietet es Euch, ein solches wahrhaft jüdisches Haus zu erbauen! Steuert dazu nach Kräften bei! Durch jeden Beitrag werdet Ihr einen Baustein zu diesem großen und schönen Werke legen; jede Gabe wird tausendfach Früchte zeitigen — zur Hebung unseres Volkes, zur Verschönerung Euerer Gegenwart und zur Sicherung Euerer Zukunft beitragen! Czernowitz im Jänner 1906. Der Kultusrat der israelitischen Kuttusgemeinde Czernowitz. Der Vizepräses: Der Präses: Samuel Lnttinger. Dr. Straucher. Italien, das gelobte Land! Im Land der Sonne und der Blumen blüht Alles, nur die Giftpflanze des Antisemitismus findet hier keinen Boden. Erzählt man den Italienern, wie bei uns grimme Fehde, ja ein Vernichtungskrieg zwischen Christ und Jud ausgebrochen, so schütteln sie ungläubig die Köpfe und fragen naiv: „Ja, warum? War unser Herr Jesus Christus nicht auch ein Jude?" Ein Priester, Padre Casola, mit dem ich von den bei uns herrschenden Zuständen sprach, sagte ohne zu überlegen: „Solch einen Raffenhaß würde der heilige Vater bei uns nicht dulden; der heilige Vater predigt, daß alle Menschen Brüder sind und einander lieben sollen!" „Und liebt Ihr die Ebreos wie Eure Brüder?" fragte ich „Sofern sie gute Menschen find, sicher", antwortete der Geistliche, „und gut und klug find sie" fuhr er fort; „sie geben viel Geld für die Armen, unterstützen einander, bauen schöne Tempel, halten ihre Feiertage, und wenn sie studieren, so bringen sie es zu etwas! Ich habe einen gewaltigen Respekt vor der Intelligenz der Ebreos. Haben Sie gelesen", fuhr er leuchtenden Auges fort, „welches Programm Sonnino aufgestellt hat? Freiheit aller Konfeffionen und Kirchen! Und Sonnino ist der Mann, sein Programm durchzuführen!" So sprach Padre Casola! Als ich einige Tage später Gelegenheit hatte, einen Namensvetter des italienischen Minister-Präsidenten, den Rabbiner Sonnino in Neapel, zu sprechen, vernahm ich begeistertes Lob auch über all das, was Minister Luzatti für seine Glaubensbrüder geleistet.

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