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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-02-16 · 7 (16.2.1906) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
7 (16.2.1906)
Date
1906-02-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 102 Dr JBiocb's Mlocvenscbrttr. Nr. 7 mäßig gelieferten Nachweises in der Schrift Dr. Nußbaums gewiß ist, daß die Geschwornen und Zeugen voreingenommen und beeinflußt, unter Vorurteilen und Wahnvorstellungen gestanden und gehandelt haben und daß die zur Ausübung eines gerechten Richteramtes notwendige Unparteilichkeit bei der Prozeßführung und bei der Fällung des Verdiktes gänzlich gefehlt habe. So ist der wegen angeblicher zweier Morde zum Tode verurteilte, aber bezeichnenderweise zu lebenslänglichem Kerker begnadigte Verurteilte Leopold Hilsner das Opfer eines furchtbaren Justizmordes geworden. Das öffentliche Rechtbewußtsein ist aufgerüttelt, und was früher die Ansicht vieler gewesen, daß nämlich Leopold Hilsner unschuldig verurteilt wurde, ist jetzt zur Gewißheit geworden. Die Revision ist unabweisbar geworden und wird im Nymen der Gerechtigkeit gefordert. Die Aufhellung vieler dunkler Punkte und unaufgeklärter Vorgänge bei der Einleitung und Durchführung der Strafuntersuchungen in «ausa Agnes Hruza und gegen Leopold Hilsner muß endlich erfolgen. Die österreichische Justiz darf ihr Ehrenschild nicht beflecken lassen, muß vielmehr solches blank erhalten! Man darf nicht ungestraft die Amtsehre eines österreichischen Justizministers verunglimpfen! Ein österreichischer Justizminister kann auch 'nicht die gegen seine beschworene Amts- und Dienstpflicht gerichteten schweren Anschuldigungen ruhig hinnehmen oder vornehm ignorieren. Der Grund oder Ungrund, die Stichhältigkeit oder die Grundlosigkeit der von dem Abgeordneten Ernst Schneider gegen den ehemaligen k. k. Justizminister Dr. Ignaz Edlen v. Ruber in den offenen Sitzungen des niederösterreichischen Landtages wiederholt (vom 28. April 1899 und vom 5. November 1905) erhobenen schweren Beschuldigungen muß erhoben und beweiskräftig festgestellt werden. Diese Beschuldigungen haben auch in den öffentlichen Blättern („Neue Freie Presse" vom 26. Jänner 1906, Dr. Blochs „Österreichische Wochenschrift" vom 11. und 4. Februar 1906 und mehrere andere Nummern) Verbreitung gefunden, und die „Neue Freie Presse" wirft die folgende Frage auf: „Sollte eine Einwirkung aus jener höheren Sphäre auf den Gang des Prozesses erfolgt sein?" Das ist ein dunkler Punkt, welcher noch der Aufklärung bedarf und sie vielleicht dereinst finden wird. An der Spitze der Justizverwaltnng stand damals der Justizminister Dr. v. Ruber". Die Interpellation zitiert sodann im Wortlaute den in der „Neuen Freien Presse" vom 11. d. veröffentlichten Artikel des Oberlandesgerichtsrates a. D. Krall über den Hilsner- Prozeß und fährt fort, daß laut bestimmter Zeitungsmeldungen, welche auch vom Verteidiger Dr. Auredniczek bestätigt wurden, der Kreisgerichtepräsident Winter nach Fällung des Urteils versichert hat, daß er, der Kreisgerichtspräsident und Vorsitzende der Verhandlung, von der Unschuld Hilsners überzeugt sei. Da in einem Rechtsstaat das öffentliche Rechtsbewußtsein respektiert, der Rcchtssinn der Bevölkerung gefördert werden soll, stellen die Unterfertigten die Anftage an den Justizminister: Ist derselbe geneigt, eine gründliche und objektive Prüfung aller Strafakten in dem Prozesse gegen Leopold Hilsner im Wege der Staatsanwaltschaft und eine Revision dieses Strafprozesses ehestens verfügen und durchführen zu lassen? — Unterzeichnet ist die Interpellation unter andern von den Abgeordneten: Doktor Straucher, Dr. Byk, Rapoport, Rieger, Hybe'ch, Cingr, Eldersch, Pernerstorfer, Nikolai Ritter v. Waffilko, Dr. Kos, Dr. Kolischer, Breiter, Pihuliak, Basil Ritter v. Jaworski, Romanczuk, Seitz, Wrabetz, Dr. Ofner. Aufruf. Die Massakrcs in der jüdischen Bevölkerung Rußlands treten in grauenerregender Häufigkeit auf. Wiewohl für eine kurze Spanne Zeit scheinbar Ruhe eingetreten ist, greift der Pöbel unbekümmert weiter das Eigentum der jüdischen Mitbürger an und bedroht sie am Leben. In letzter Zeit sind in H o m e l, in vielen Orten Bessarabiens und T a u r i e n s furchtbare Exzeffe gegen Juden vollführt worden und zahlreiche ftüher wohlhabende Familien sind zu Bettlern geworden. Die rerzweiselte. Lage der jüdischen Bevölkerung wird noch verschärft durch vollständige Stockung des Handels sowie die herrschende starre Kälte, während gleichzeitig infolge des Eisenbahnerstreiks die Heizmaterialien im Preise gestiegen find. Die Briefe, welche in jüngster Zeit viele in Wien ansässige Ruffen von angesehenen russischen Publizisten und Vorkämpfern der fteiheitlichen Bewegung erhalten haben, schildern die verzweifelte Lage der frierenden und hungernden jüdischen Bevölkerung, der kranken Kinder und hilflosen Frauen und betonen, daß, wenn auch andere russische Nationalitäten unter den Zuständen leiden, die Juden durch den im Volke von oben her entfesselten Haß gewiß am grausamsten getroffen sind! An Ort und Stelle haben sich Männer und Frauen aller Gesellschaftsklassen ohne Unterschied der Nationalität und Konfession zu einem zirka hundertgliedrigen Komitee vereinigt, um die Hilfsaktion in Wien zu organisieren. Leider ist unter den Weltstädten gerade die Hauptstadt der Monarchie bisher in zweiter Linie gestanden, was die Hilfsaktion für die russischen Märtyrer betrifft. Doch hoffen wir durch eine zweckmäßige Organisation und bei dem weitgerühmten Wohltätigkeitssinn unserer Stadt das erhabene Ziel, welches wir uns gesetzt, nach Kräften zu erreichen. Das neugegründete Komitee veranstaltet am 23. Februar l. I. imgroßenMusikvereinssaale eine Konzertakademie unter Mitwirkung hervorragender Kunstkräfte, zu welchem Karten im Konzertbureau Hugo K n e p l e r, I., Habsburgergasse 2 zu haben sind. Das Aktionskomitee erlaubt sich ferner die Bitte, ein Scherflein für die Zwecke der Vereinigung beizusteuern, vorzubringen. Jede, auch die kleinste Gabe wird mit innigstem Dank entgegengenommen und die Namen der Spender werden in den gelesensten Tageszeitungen erscheinen. Die eingelaufenen Beiträge werden direkt und ohne bureaukratische Umwege nach Rußland an Personen gesandt, welche vielen Komiteemitgliedern genau bekannt sind, so daß den Spendern über die s ch n e l l e und r a t i o n e l l e Art der Verwendung volle Garantie zuteil werden kann. Das Komitee. Aktionskomitee zur Veranstaltung einer Konzertnkademie zu Gunsten der Opfer der Judenmasfakres in Rußland. I., Rudolfsplatz 4/22. Ihre Mitwirkung haben in liebenswürdigster Weise auf's bestimmteste zugesichert: Die Damen: Hofopernsängerin Frau Theo D r i l l-O r r i d g e und Frau Anna Petersso n-N o r r i e, Liedersängerin aus Stockholm. Die Herren: Professor Ignaz Brüll, Hofburgschanspieler Josef Kainz, Hofburgschauspieler Korff, Gregor Czerny- Tscherniavsky, Violinvirtuose aus Petersburg, Mischa Tschernia vsky, 8jähriger Cellovirtuose,und Max Ulanowsky, Königl. rumän. Kammersänger. Die Karten sind zum Preise von K 20, 10, 6, 4 und 3 in der Musikalienhandlung Hugo Knepler, I., Habsburgergasse 2, bei der Kassierin Frau Manja Goldstern, IX., Lazarethgasse 20 (Telephon 12296) und bei allen Komiteemitgliedern zu haben. Verein zur unentgeltlichen Berpstegung Brustleidender auf dem Lande. Präsident Dr. meä. H o f f m a n n, I., Hoher Markt 11, Kanzlei: I., Neutorgasse 20, Postsparkassenkonto Nr. 802.311. Aufnahmsgesuche vom 15. Februar bis 15. April. Formularien in der Kanzlei. Dieser rührige, in seinen Zwecken notwendige und äußerst unterstützungswürdige Verein, dem die besten Kreise der Residenz angehören, schickt uns seinen ausführlichen Jahresbericht, aus dem eine zielbewußte und großangelegte Tätigkeit zu entnehmen ist. Wir bringen eine kurze Uebersicht der humanitären Tätigkeit der Gesellschaft, welch letztere wir der allgemeinen Aufmerksamkeit dringend empfehlen. Der Schluß aus dem Vorstandsberichte lautet: „Betreffs unserer Fürsorge für die in Verpflegung genommenen Brustleidenden haben wir zu berichten, daß sich zu

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