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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-02-09 · 6 (9.2.1906) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
6 (9.2.1906)
Date
1906-02-09
Page
– (sequence 13)
Language
German
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tflt. 6 Dr. Llocb's MocbenscdrM Settk 93 9 Uhr. Musik der Kapelle des k. u. k. Jnf.-Reg. König Karol von Rumänien Nr. 6. Karten im Vorverkauf ä K 2.40 sind zu haben bei Cafe Spann und bei den Vereinsmitgliedern. Für Fahrgelegenheit nach Wien wird bestens gesorgt. Jüdische Parlamentarier. In Nr. 5 dieses Blattes schreibt unser Londoner Korrespondent unter der Aufschrift: „Jüdische Parlamentarier im englischen Unterhause": „Mit Ausnahme des Rabbiners Dr. Josef Bloch, der einige Jahre hindurch eine der markantesten Erscheinungen des österreichischen Reichsrates bildete, hat noch kein Parlament aus Erden einen Rabbiner zum Mitglied gehabt". Diese Mitteilung beruht auf einem Irrtum. Bereits vor Dr. Bloch waren im österreichischen Abgeordnetenhaus zunächst sein unmittelbarer Vorgänger der Krakauer Rabbiner Schreiber und noch vor diesem zählte für kurze Zeit das österreichische Abgeordnetenhaus zu seinen Mitgliedern die berühmten Rabbinen M e i s e l s aus Krakau und Jsac Noe Mannheimer aus Wien. Deutsch-Freisinnige Partei im IX. Bezirke. In der am 5. d. M. abgehaltenen Versammlung hielt Herr Reichsratsabgeordneter Konstantin N o s k e ein Referat über die Wahlrechtsreform. Er wies mit Hilfe eines reichen stalistischcn Materiales auf die schreiende Ungerechtigkeit des gegenwärtigen Wahlkatasters hin, welche vermöge derbeispiellosen Bevorzugung namentlich des Großgrundbesitzes und der agrarischen Bevölkerung zum Nachteil der änderen Stände unbedingt zur Remedur herausfordere. Sein von gründlichem Studium der Frage zeugender Vortrag wurde stürmisch akklamiert. Nach diesem Punkt der Tagesordnung beantragte sodann Herr Oberinspektor Engel, den Dank jenen unerschrockenen Männern, vor allem dem Reichsratsabgeordneten Schumeier, auszudrücken deren unermüdlichem, jahrelang andauerndem Wirken es endlich gelungen ist, durch Ausforschung des Aufenthaltsortes des von einer Lehrerin (B ü ch l) mißbrauchten jungen Mannes Licht in diese mysteriöse Angelegenheit zu bringen, in der verschiedene Klöster eine hervorragende Rolle als Schlupfwinkel spielen. Dieser Antrag erfreute sich der einstimmigen Annahme und wurde dem Vorstand zur Durchführung überwiesen. Weiters beantragte Herr Oberinspektor Engel, in der ebenfalls noch ungeklärten Angelegenheit H i l s n e r die Initiative behufs Revision des Polnaer Prozesses zu ergreifen, weniger weil es sich um die Person des Genannten handle, als um eine Entlarvung Jener herbeizuführen, durch deren Terrorisierung und Machenschaften ein so wenig befriedigendes Verdikt zustande kommen konnte. In Ausführung dieses Antrages, der ebenfalls mit Stimmeneinhelligkeit zur Annahme gelangte, wurden sofort die Reichsratsabgeordneten N o s k e und W r ab e tz durch das Präsidium ersucht, im Wege von Interpellationen die Revision in Gang zu bringen, was von denselben auch bereitwilligst zugesagt wurde. Nach einem Plaidoyer eines Herrn S ch m i d e k für die Einführung jüdischer Kurien anläßlich der Wahlrechtsreform, auf welches Reichsratsabgeordnete N o s k e sofort mit dem Hinweis auf die Gefahr dieser neuerlichen ghettoartigen Absonderung ablehnend antwortete, schloß die vom Gemeinderat A l lmeder geleitete Versammlung, in welcher fast alle Gemeindcräte liberaler Richtung anwesend waren, in vorgerückter Stunde. Aus der zionistischen Bewegung. Am 30. Jänner d. I. fand im großen Saale des „Hotel Post" eine überaus stark besuchte konstituierende Generalversammlung des neuen „Zion, Zentralverein" in Wien statt. In einer sachlichen und gediegenen Rede setzte der Referent Herr Fabrikant Adolf Böhm auseinander, daß bei der Zersplitterung, welche die bisherige Agitation mit sich gebracht habe, die Gründung eines Zentralvereines dringend notwendig gewesen sei. Er entwickelte die Grundlagen des Zionismus, zeigte, daß die Assimilation Schiffbruch gelitten habe, daß die bloße Wohltätigkeit kein Prinzip der jüdischen Politik abgeben könne, und sprach in warmen Worten für Palästina, wobei er den Territorialismus heftig bekämpfte: denn eine Heimat könne man nicht künstlich schaffen. Nach einer ausführlichen Besprechung der Organisation, der Kolonial-Bank und des National-Fonds sagte er, daß der Zionismus nichts anderes sei als der Wille des jüdischen Volkes, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Selbst Nicht-Zionisten müßten die großen Erfolge des Zionismus, der das Judentum neu belebt und das Selbstbewußtsein in außerordentlicher Weise gehoben hat, zugeben. Da alle hervorragenden Elemente, die Intellektuellen, die Idealisten, die Jugend und das arbeitende Volk, sich dieser Bewegung größtenteils angeschlossen haben, so könne man schon heute den Zionismus als Auslese des jüdischen Volkes betrachten. Der Verein konstituierte sich sofort mit einigen Hundert Mitgliedern und wählte folgende Herren in den Vorstand: Dr. I. Margulies, Obmann: Markus V a n-A o u n g, Obmanstellvertreter: Böhm, Stein, Schriftführer; Lederer, Kassier; G e w i t s ch, Dr. G o t t l i e b, Dr. Littmann, Dr. M e i s e l, Dr. W e i s e n g r ü n. Zuschriften und Anfragen find zu richten an das Sekretariat des „Zion, Zentralverein", Wien, IX., Türkenstraße 9. St. Pölten. (Js raelitischer Frauen- Wo h ltätigcitsverein.. In der am 21. Jänner stattgehabten Generalversammlung wurden die Herren Rabbiner Dr. Adolf Schächter und Ehewra-Kadischa- Obmann Siegfried Schwarz in Würdigung ihrer hervorragenden Verdienste um die Gründung und Förderung des Frauenvereins einstimmig zu Ehrenmitgliedern desselben erwählt. Györ. Der hiesige israelitische Frauenverein hat auch im letztverflossenen Jahre durch dessen hochherzige Präsidentin Frau Johanna Herzl-Keppich auf dem Gebiete der Wohltätigkeit ebenso segen-reich gewirkt, wie während der langen Zeitdauer, als sie der Leitung der Vereinsangelegenheiten alle ihre seelischen Kräfte, unterstützt durch unsere Ausschußdamen, zur Linderung der Not unserer Hilfsbedürftigen erfolgreich gewidmet. Wieder wurden an 120 arme Schulkinder komvlette, tadellose Winteranzüge verteilt, wieder wurden 150 arme Familien mit Holz für den Winter versehen und wieder erhalten für die ganze, kalte Winterszeit 40 der ärmsten Schulkinder warmes Frühstück, bestehend aus Milch und Semmeln. Die von Jahr zu Jahr sich steigernde Not hiesiger Kranker, Witwen und Waisen und der aus der Umgegend einwandernden Armen nehmen die verfügbaren Mittel unseres Vereines in ungewöhnlichem Maße in Anspruch, so daß wir zur Arrangierung von Konzerten und Bällen greifen müssen. Und in dieser Folge wurde am 28. Jänner d. I. durch die Präsidentin im Vereine mit dem Ausschüsse ein Kostüm-, und Maskenball abgehalten, welcher einen seltenen Zuspruch, animierten Erfolg und eine brillante Einnahme zum Resultate hatte. Agram. Am 28. Dezember hielt Herr Dr. M. M a r g e l, Rabbiner in PoLega, im hiesigen literarischen Verein einen sehr lehrreichen Vortrag über die „rabbinische Poesie". In seinem einstündigen Vortrage führte er etwa Folgendes aus: Die rabbinische Poesie ist das treueste Abbild der psychologischen Geschichte des jüdischen Volkes und deckt sich vollkommen mit dem Begriff seiner Religion als reinster und erhabenster Ausfluß der gottbegnadeten Poesie der gewaltigen Propheten. Schon die Agada, die gleichsam eine Poesie in Prosa bildet, bedingt eine tatsächliche, vorhandene rabbinische Poesie. Referent schildert sodann den Geist der Agada und bespricht die Mittel der Dichtung als Kunst, deren Hauptträger die Sprache bildet. Die Merkmale des inneren Verhältnisses zwischen Dichtung und Sprache liefern zwei in ihrer Eigenart verwandte, wenngleich in ihren Beziehungen unter ganz verschiedene Kategorien fallende Erscheinungen: die Mythologie und die rednerischen Tropen und Figuren. Zur eigentlichen rabbinischen Poesie übergehend, findet er in den vielen Liedern, die in der Ursprache zitiert und wörtlich übersetzt werden, ausgebildete metrische Kunstformen. Im Lichte der biblischen, griechischen, lateinischen und arabischen Poesie zeigt sich die rabbinische in einem herrlichen Licht. Die rabbinischen Geburts-, Wander-, Promotions-, Hochzeits-, Volks- und Klagelieder u. s. w. finden höchst bewundernswerte Parallelen in der Weltpoesie, die der Vortragende eingehend berücksichtigt. Auch in der rabbinischen Fabelliteratur wird dieser Zusammenhang ausführlich geschildert. Die rabbinische Gnomologie wurde nur gestreift, da über den Rahmen der ihm zugemeffenen Vortragsdauer nicht hinausgegangen werden konnte. Dürrmaul. Bei der am Sonntag den 28. v. M. nachmittags vorgenommenen Wahl der Chewra-Kadischa wurden gewählt: Joses Doktor als Vorsteher zum fünften Male; Sigmund Doktor als Stellvertreter; als Beisitzer Josef Lauscher, Rudolf Strauß und Ernst Fleischner; als Ersatzmänner Daniel Löwy und Natan Fleischner.

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