Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 6 (9.2.1906)
- Date
- 1906-02-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Dr. Dlocb's MocbenscbrM. Seite 89 find in jeder Beziehung unzulänglich geworden. Aus diesem Grunde hat der Kultusvorstand, welchem stieftbriefgemäß die Leitung des Institutes obliegt, in der Plenarsitzung vom 12. März 1905 den Beschluß gefaßt, das Institut in andere geeignete Lokalitäten zu verlegen und zu diesem Zwecke dem Institute, dessen Mittel bei Aufrechthaltung des Standes von 18 Zöglingen die Bezahlung eines höheren Mietzinses als den bisherigen nicht gestatten würden, eine größere, jährliche Subvention bewilligt. Diese Subvention erwies sich jedoch im Hinblicke auf den hohen Zins, welcher für geeignete Räumlichkeiten verlangt wurde, als unzulänglich; andererseits war eine entsprechende Erhöhung der bewilligten Subvention nicht durchführbar. Das Mitglied des vom Kultusvorstande zur unmittelbaren Leitung des Institutes entsendeten Kuratoriums, Herr Vertreter S a l o Cohn, hat in Würdigung der ausgezeichneten Erziehungsresultate dieses Institutes und um die Angelegenheit einer gedeihlichen Lösung zuzuführen, ein im II. Be-. zirke,. Valeriestraße, gelegenes Haus käuflich erworben, dem Institute die im Hoch- und Tiefparterre dieses Hauses gelegenen, in jeder Beziehung vollkommen geeigneten Lokalitäten statt um den normierten jährlichen Mietzins von K. 7400 gegen Entrichtung einer Jahresmiete von K. 5000 überlassen und diese in Form einer Zinsermäßigung gewidmete hochherzige Zuwendung als eine bleibende erklärt. Weiter hat Herr Salo Cohn zu den Kosten der teilweisen Neueinrichtung des Institutes einen Betrag von K. 4000 gewidmet und dem Institute eine ansehnliche Bibliothek gespendet. Durch diese bedeutsamen Zuwendungen wird es ermöglicht, daß das Institut bereits im Mai 1906 ein neues Heim bezieht. Die obigen Mitteilungen werden von der Plenarversammlung mit lebhafter Genugtuung begrüßt und Herrn Vertreter Salo Cohn für seine Munifizenz der wärmste Dank votiert. Gleichzeitig wird in teilweiser Abänderung des Plenarbeschlusses vom 12. März 1905 beschlossen, dem Institute aus dem Erträgnisse des für israelitische Wohltätigkeits-Institute in Wien, vorzugsweise Lehranstalten bestimmten Dr. H. S. Goldschmidt'schen Legates für das Jahr 1906 eine Subvention von 2000 X, für weitere 5 Jahre ab 1907 eine solche bis zum Betrage von 5000 X im Falle des Bedarfes zu bewilligen, wobei die Maximalzahl der Jnstitutszöglinge mit 20 angenommen wurde; eine weitere Erhöhung dieser Anzahl könnte nur nach Maßgabe der im Sinne des Testators etwa von dritter Seite diesem segensreich wirkenden Institute gewidmeten Zuwendungen erfolgen. Dem Obmanne des Stiftungskuratoriums Herrn Vertreter k. k. Baurat Theodor Ritter von Goldschmidt wird bei diesem Anlasse für die ausgezeichnete Leitung des Institutes der Dank votiert, desgleichen dem Vorstandsmitgliede Herrn Architekten Oskar Marmorek für seine in dieser Angelegenheit entwickelte, opferwillige Tätigkeit. Antrag des Architekten Oskar Marmorek auf Einführung einer obligatorischen 10 Kronen-Steuer. Ueber den von Herrn Architekten Marmorek gestellten Antrag, behufs Studium der in Rede stehenden Angelegenheit ein besonderes Komitee einzusetzen, hat das Plenum beschlossen, das Vertreterkollegium mit der Vorberatung und Antragstellung zu betrauen. Dasselbe hat in seiner Sitzung vom 4. Jänner d. I. nach eingehender Beratung den Beschluß gefaßt, dem Plenum zu beantragen, eine Herabsetzung des gegenwärtigen obligatorischen Steuerminimums per X 20.— nicht vorzunehmen, bezw. den Antrag auf Einführung einer obligatorischen 10 Kronen- Steuer abzulehnen. Diese Beschlußfassung wurde seitens des Vertreterkollegiums insbesondere damit begründet, daß im Sinne des Kultusgemeinde-Statutes durch die freiwillige Entrichtung einer Kultussteuer im Betrage von X 30.— genau dieselben Rechte erworben werden, wie durch die Entrichtung einer höheren Kultusfteuer. Weiters wurde darauf hingewiesen und an der Hand von Berechnungen und statistischen Vorlagen dargetan, daß die Herabsetzung des Minimums der obligatorischen Kultussteuer auf X10.— mit einer erheblichen finanziellen Schädigung der Gemeinde verbunden wäre, ferner, daß es im Hinblicke auf moralische und administrative Erwägungen mißlich wäre, wenn die Kultusgemeinde gegen mit einer Kultussteuer von X 10.— belegte Steuerträger mit Exekution Vorgehen würde, wozu sie besonders in den in Betracht kommenden Kreisen gewiß in zahlreichen Fällen genötigt wäre; endlich wurde darauf hingewiesen, daß der zur Motivierung der Einführung einer obligatorischen Zehnkronen-Steuer in erster Linie angeführte Grund, daß das bisherige angeblich zu hohe Steuerminimum weite bisher unbesteuerte Kreise daran hindere, ihr Interesse für die Kultusgemeinde zu betätigen, deshalb als nicht stichhältig angesehen werden könne, weil seit der vor vier Jahren erfolgten Einführung der freiwilligen Zehnkronen- Steuer sich nur eine ganz geringe Anzahl von Personen zur Entrichtung dieser Steuer bereit erklärt hat. Nach längerer Debatte, an welcher fich die Herren Marmorek, Wilhelm Kuffner, Dr. Gustav Kohn, Wilhelm Pollak, Dr. Steiner, kaiserl. Rat Hirsch und Dr. Rappaport beteiligen, wird der vom Vertreterkollegium gestellte Antrag und die Motivierung desselben angenommen; gleichzeitig wird beschlossen, in entsprechender Weise zu publizieren, daß durch die freiwillige Entrichtung einer Kultussteuer von X 10.— seite ns solcher Personen, welche nicht zu einer höheren Steuerleistung herangezogen werden, alle im Statute angeführten Rechte als Kultus st euerträger erworben werden können. Nach Gewährung von Gnadengaben im Gesamtbeträge von X 35.967.— und periodischen Unterstützungen von X 52.232.— für das Jahr 1906 wird die Sitzung geschlossen. Wie«. Wir erhalten folgende Zuschrift mit dem Ersuchen um Abdruck: In den letzten Wochen werden seitens großpolnischer Blätter alarmierende Nachrichten über angeblich geplante Maffakres von Juden und Polen seitens der ruthenischen Landbevölkerung ist Ostgalizien vorbereitet. Diese alarmierenden Nachrichten haben in manchen Gegenden auch zu besonderen Maßnahmen seitens der Staatsbehörde, sogar zu Truppensendungen geführt. Auf Grund einer genauen Kenntnis der Sachlage können wir dem gegenüber feststellen, daß zwar in den meisten Bezirken Ostgaliziens infolge der von der Regierung inaugurierten Wahlrechtsreform unter der ruthenischen Landbevölkerung eine sehr starke Strömung für die ruthenischen nationalen Interessen zutage getreten ist, daß aber auf allen von den Ruthenen veranstalteten Versammlungen fich keinerlei feindseliger Geist gegenüber der jüdischen Bevölkerung bemerkbar macht. Im Gegenteil haben sämtliche ruthenischen Versammlungen sich für die Schaffung einer nationalen jüdischen Wahlkurie, respektive zu Gunsten eines' besonderen Schutzes der jüdischen Interessen bei der Wahlreform ausgesprochen; auch war auf diesen Versammlungen keinerlei Neigung zu Gewalttätigkeiten überhaupt bemerkbar. Wir waren sogar in der Lage, durch unsere Vertrauensmänner zu konstatieren, daß die ruthenische Landbevölkerung, insbesondere die an den einzelnen Orten maßgebenden Ruthenenführer mit aller Energie gegen etwaige Hetzagitatoren aufgetreten und sie als Provokationsagenten von noch nicht festgestellter Provenienz demaskiert haben. Es müssen daher die alarmierenden Nachrichten der großpolnischen Preffe auf den Wunsch zurückgeführt werden, die nationalen Bestrebungen der Ruthenen und Juden bei der Wahlreform vor der Oeffentlichkeit zu diskreditieren und insbesondere den Juden Angst einzujagen, um sie von politischen Selbständigkeits-Bestrebungen abzuhalten. Mit Hochachtung Das zionistische südgalizische Distriktskomitee. Preßburg. Der hiesige israelitische Lehrerverein, dem jüngst auch sämtliche Professoren wie Direktoren der israelitischen Knaben- und Mädchen-Bürgerschulen als ordentliche Mitglieder beigetreten find, wodurch die Mitgliederanzahl eine erhebliche Steigerung erfuhr, hielt jüngst seine Generalversammlung ab, bei welcher Gelegenheit die Neuwahl der Vereinsfunktionäre vorgenommen wurde. Es wurden gewählt zum Präses der bisberige Prä'cs Direktor Wilhelm Kohn, Vizepräses Moriz E h r e n t h a l