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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-02-09 · 6 (9.2.1906) · page 10

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Seite 90 Dr. Llocv's Mocbenscbritt. Nr. 6 Schriftführer FrL. Aranka Winkler, Bürgerschullehrerin, Kassier Professor Josef I e l e n i k und Kontrollor B. Feuer. Ausschußmitglieder: Prof. A. Sebestyen, Armin Buchsbaum, Frl. Julie Grünwald und Frl. Sz. Reich. Nach stattgehabter Neuwahl wurde das in Angelegenheit der Dienstes-, resp. Gehaltspragmalik redigierte Memorandum verlesen und beschlossen, dasselbe bei den hiesigen israelitischen Gemeinden einzureichen. Breslau. Das jüdisch-theologische Seminar beging am 28. Jänner zum zweiundfünftigstenmale die Gedächtnisfeier für seinen Stifter, den verewigten Kommerzienrat Jonas Fränkel. Bei dieser Gelegenheit wurden die Kandidaten Doktor Ludwig Levy und Dr. Georg Wilde, nachdem sie die theologisch-wissenschaftliche und talmudisch-rabbinische Prüfung vorschriftsgemäß bestanden haben, als Rabbiner entlassen. Am 27. Jänner vorigen Jahres wurden die Kandidaten Doktor Jsmar Freund und Dr. Arnold Lazarus entlassen. Zur Bewerbung um den Joses Lehmannschen Preis ist für das abgelaufene Jahr die Aufgabe: „Der Einfluß Al-Gazzalis auf Chasdai Kreskas" wiederholt worden. Mit dem Preise wurde der Kandidat Dr. Phil. Julius Wolfssohn bedacht. Die für das lausende Studienjahr gestellte Aufgabe: „Die Schule des R. Isaak aus Dampierre" hat einen Bewerber nicht gefunden. Zur Bewerbung um den Dr. David Rosinschen Preis ist die Aufgabe: „Darstellung der Ethik des Bachja ibn Pakuda" wiederholt worden. Der Bewerbungstermin läuft am 31. Juli 1906 ab. Das Seminar zählte im letzten Studienjahre 34 Hörer. Neu eingetreten sind: Abraham Schlesinger aus Mergentheim, Dr. Chaim Obstler aus Wischnitz, Siegfried Gelles aus Krotoschin, Max Simonsohn aus Breslau, Dr. Israel Horn aus Juzupol und Richard Grünfeld aus Kremfier. Von ehemaligen Hörern des Seminars sind im verflossenen Jahre folgende in Aemter berufen worden: die Herren Rabb. Dr. Fried, bisher Vorsteher der Lesehalle der Synagogengemeinde in Breslau, als stellvertretender Rabbiner und Religionslehrer nach Stockholm, Rabbiner Dr. Julius Guttmann aus Breslau als Verwalter des Stadtrabbinates nach Kasiel, Rabbiner Dr. Arnold Lazarus aus Breslau als zweiter Rabbiner an die Hauptsynagoge in Frankfurt a. M., Rabbiner Dr. Reach, bisher Rabbiner in Raudnitz a. d. Elbe, als Rabbiner nach Gaya, Rabbiner Dr. Schornstein, bisher Rabbiner in Leitmeritz, als Rabbiner nach Kopenhagen. Am 28. September legte Herr Seminarrabbiner Prof. Dr. Lewy laut § 3 des Regulativs über die Befugnisse des Lehrerkollegiums vom 3. November 1882 den Vorsitz im Lehrerkollegium nieder. Es übernahm ihn Herr Dr. Brann. Dem Seminar sind wie in ftüheren Jahren zahlreiche Spenden von Privaten, Gemeinden und Stiftungen zugeflossen. Die Seminarbibliothek, welche nach dem letzten Abschluß 17.165 Druckwerke in 22.952 Bänden und 212 Handschriften in 248 Bänden umfaßt, hat außer durch Ankauf auch durch Schenkungen einen Zuwachs erhalten. Berlin. Die „Jüdische Lesehalle und Bibliothek E. 33." hielt am 23. Jänner l. I , abends 6 Uhr, in den Vereinsräumen, Oranienburgerstraße 28, die XII. Generalversammlung ab. Der Vorsitzende Herr Dr. Max Ginsberg begrüßte die Erschienenen und erstattete den Jahresbericht. Die Bibliothek umfaßt 5207 Bände; 67 jüdische Zeitungen liegen im Lesesaal auf. Der Besuch des Institutes war ein überaus starker: 24.202 Personen benutzten die Lesehalle im Jahre 1905. Von den Bibliotheksbeständen waren 2571 Bücher (etwa 50"/„) entliehen. Der Vorsitzende gedachte mit herzlichen Worten der verstorbenen Mitglieder des Vereines, insbesondere des Herrn Konsuls A. M. Simon (Hannover!, Martin Simon und Justizrat Dr. Heinr. Meyer-Cohn. Die Anwesenden ehrten das Andenken der Entschlafenen durch Erheben von den Sitzen. Der Schatzmeister Herr Benas Levy erstattete den Kassabericht: Die Einnahmen betrugen Mk. 3892.35, die Ausgaben Mk. 4187.29. Er wies darauf hin, daß unsere laufenden Einnahmen nicht groß genug sind, um das Institut weiter ausbauen zu können und um allen berechtigten Wünschen nachzukommen. Deswegen müßte versucht werden, die Zahl der beitragenden Mitglieder zu erhöhen. Der Vorsitzende teilte mit dem Ausdrucke lebhaften Bedauerns mit, daß das überaus verdienstvolle Vorstandsmitglied Herr Maximilian Heymann aus Gesundheitsrücksichten sich veranlaßt sah, sein mit großer Liebe und Gewissenhaftigkeit viele Jahre lang geführtes Amt niederzulegen. Die Versammlung beschloß, dem bewährten Manne den Dank des Vereines in einer Adresse zum Ausdruck zu bringen. Bei den sodann folgenden Vorstandswahlen wurden die bisherige» Herren wiedergewählt und an Stelle des Herrn Heymann Herr Karl Schiff, neu gewählt. Der Vorstand besteht nunmehr aus den folgenden Herren: Dr. Max Ginsberg, Vorsitzender; Benas Levy, Schatzmeister; Dr. Zlocisti, Schriftführer; Prof. Moritz Schäfer; Carl Schwarz; Dr. Erich Alexander; Heinrich Fränkel; Dr. Hirsch Hildesheimer; Dr. Gustav Karpeles; Prof. M. Philippson; Oberlehrer Dr. Felix Rosenberg; Karl Schiff; Gustav Spiewkowski und Rabbiner Dr. Stier. Um halb 10 Uhr schloß der Vorsitzende die Generalversammlung mit dem herzlichen Wunsche für ein weiteres Gedeihen des Vereines. Professor Dr. Siegmund Rosenstein. Aus Leyden kommt die Nachricht von dem Ableben des dortigen ausgezeichneten Klinikers und Universitätslehrers. Er war der Sohn des angesehenen Berliner Rabbiners Rosenstein, dessen feinsinniges, mildes Wesen ganz und gar auf den Söhn sich vererbt hatte. Der junge Rosenstein sollte ursprünglich ebenfalls Theologe werden. Allein sehr bald vertauschte er das philosophische Studium mit dem der Medizin. Unter dem unvergleichlichen Meister Johannes Müller, ferner unter der Leitung Schlemms wurde Rosenstein in die Physiologie und Anatomie eingeführt, während Romberg und Langenbeck seine Lehrer in den medizinischen und chirurgischen Disziplinen wurden. Am entscheidensten hat indessen später, nachdem Rosenstein seine Universiiätsstudien vollendet batte, Virchow und ganz besonders der unvergeßliche Traube die Entwicklung des aufstrebenden Mediziners beeinflußt. Rosensteins Hauptwerk „Die Pathologie und Therapie der Nierenkrankheiten" war völlig im Geiste Traube'scher experimenteller Forschung und klinischer Beobachtung gedacht und geschrieben. Das Buch erfreute sich eines allgemeinen Ansehens und war auch die unmittelbare Ursache, daß dessen Verfasser nach Groningen zum Leiter der dortigen Universitätsklinik berufen wurde. Seit jener Zeit — 1865 — war Rosenstein ununterbrochen in Holland als Universitätslehrer und als bochangesehener Arzt tätig. In dem kleinen, weltabgeschiedenen Groningen verblieb Rosenstein bis 1872; in diesem Jahre siedelte er nach Leyden über, um an dieser altberühmten Stätte holländischer Forschung, wo unter anderen einst Boerhave gewirkt hatte, die medizinische Klinik zu leiten. Rosenstein gehörte zu den hervorragenden Klinikern aus der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. In seinem Vaterlande Preußen war es ihm als Juden zu seinem großen Schmerze nicht möglich gewesen, einen klinischen Lehrstuhl zu besteigen. So verließ er denn, „der Not gehorchend, nicht dem eigenen Triebe", Vaterstadt und Heimat, unl in dem stammverwandten Holland zu wirken. Kruschewan steckbrieflich verfolgt. Petersburg. Den „berüchtigten" Patrioten und ehemaligen Redakteur des antisemitischen „Bessarabez", der die furchtbaren Judenmassakres in Kischenew verursachte, scheint nun endlich sein Schicksal zu ereilen. Allerdings erwartet ihn keine Strafe für all die Scheußlichkeiten, die er in seiner öffentlichen Wirksamkeit begangen hat, aber in seinem Privatleben ist es ihm eingefallen, kürzlich ein minderjähriges Mädchen zu notzüchtigen. Da er flüchtig geworden ist, wurde in allen Zeitungen ein Steckbrief gegen ihn erlassen. Kruschewan ist heute 45 Jahre alt. Die Strafe, die ihn erwartet, wenn er verhaftet werden sollte, schwankt zwischen vier Monaten nnd drei Jahren Gefängnis. Der Handel in Palästina. In dem letzten Berichte des englischen Konsuls in Palästina, der im Juni vorigen Jahres vom „Foreign Office" veröffentlicht wurde, wird das stetige Anwachsen des Handels in Palästina konstatiert. So belief sich der Export aus Jaffa und Gaza im Jahre 1904 auf 10,093.560 Franks mit einem Ueberschuß von 1,751.560 Franks vor dem Jahre 1903. Der Import betrug im Jahre 1904 12,138.250 Franks mit einem Ueberschusse von 2,321.210 gegen das vorige Jahr. Im allgemeinen vergrößerte sich der Import im Laufe der letzten fünf Jahre um 2,250.000 und der Export um 750.000 Franks. Die Hauptprodukte des Exportes im Jahre 1904 waren : Gerste für 2,700,000, Orangen für 2,531.000, Seife für 1,530.00, Wein für 1,605.000 Franks. Die Gerste und die Orangen wurden hauptsächlich nach England exportiert, die Seife nach Egypten und der Türkei und der Wein hauptsächlich nach Deutschland. Die Hauptprodukte des Importes im selben Jahre waren: Baumwollstoffe für 2,970.000 Franks, Tabak 117.000 Franks, Petroleum 650.000 Franks, Zucker 604,500, Reis 737.000, Holz 845.000 Franks. Die Baumwollstoffe wurden hauptsächlich aus England und Italien importiert, der Tabak aus Persien und der Türkei, Petroleum

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