Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 6 (9.2.1906)
- Date
- 1906-02-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 87 „Schapira", dem Erfinder der Moabit-Töpferei und Deuteronomischen Leders. „Shamir", ein harter Stein oder ein kleiner Wurm, man weiß> nicht welcher, „Sheba", Königin, und „Shiur Komah" sind drei gute Artikel der Volkskunde (L. Blau). Die Respensorium-Literatur ist von I. L. Lauterbach unter „Sheelot-u-teshubut" besprochen. Ein wichtiges rituelles Thema „Shechitah" ist (von I. H. Greenstonee) anschaulich illustriert. „Shekinah" (L. Blau) buchstäblich „Wohnung" gilt als Offenbarung Gottes, der herabkam, um „unter ihnen zu wohnen". „Shem Hameforash" (W. Bacher) war „der alte tannaitische Name des Tetragrams. Es bezeichnet den Namen Gottes, der sich von allem anderen, Ihm beigelegten Namen unterscheidet." „Semoneh Esre" (achtzehn Segensprüche) ist einer der längsten, liturgischen Artikel der Enzyklopädie, er ist von Emil G. Hirsch, dessen Arbeiten durchaus vollwertig sind. Dr. Hirsch betrachtet es als „eine nicht zu bezweifelnde Tatsache, daß die Segenssprüche aus den ersten Zeiten der Pharisäer-Synagoge „herrühren". Sie waren, führt er aus, die Pharisäer-Erwiderung auf den Sadducäer Gottesdienst. Der Artikel „Shofar" (F. L. Cohen) ist mit schönen Abbildungen und musikalischen Beilagen geschmückt. Cohens Transskription der schönen Melodie des „Shofet Kol ha Aretz", das hier in vier Sprachen, in Holländisch, Italienisch, Deutsch und Polnisch, gebracht wird, gehört zu den Perlen dieses Bandes. „Sybyl" (M. Krauß) behandelt die seltsame Art der griechischen Juden, das Judentum zu verbreiten. „Sizilien" (S. Ochser) berichtet uns, wie Handel und Industrie dieser Insel hauptsächlich in den Händen der Juden waren und wie die Einwohner sich widersetzten, als Ferdinand und Jsabellas spanisches Dekret von 1492 in Sizilien zur Anwendung gelangte. Unter „Sidra" gibt uns I. G. Dobsevage eine brauchbare Tabellenliste der Wochen-Pentateuch-Abschnitte; „Sifra" und „Sifre" (S. Horowitz) sind zwei der vielen Midrash-Artikel des Bandes. Die Familie „Silva" umschließt einen portugiesischen Poeten, einen peruvianischen Arzt und einen brasilianischen Rechtsanwalt. Wir müssen die „Simeons" vernachlässigen (von I. G. Lauterbach) nur „Simeon ben Aochai" (M. Seligsohn), den pseudonymen Verfasser des Sohar wollen wir nennen und Simchah b. Samuel (I. L. Lauterach), den Sammler des berühmten Vitry-Gebetbuches und nicht einmal bei Petrus (Köhler) dürfen wir verweilen. Eine Zeile muß jedoch Herrn John Simon I. Jakobs) gewidmet werden, dem mutigen Kämpfer des wahren Liberalismus und der Menschenfreundlichkeit. „Sünde" (I. D. Eisenstein) ist zu kurz; des Autors Behauptung, daß die jüdische Theologie keine unverzeihlichen Sünden annimmt, ist zu weitgehend und ohne jede Begründung; tatsächlich widerspricht er sich selbst einige Zeilen weiter, indem er sagt: Die Wiederholung derselben Sünde kann ein-, zwei-, dreimal vergeben werden, aber kein viertesmal. Es ist keine Begründung da, um die strittige, weitgehende Generalisierung begreiflich zu machen. „Sirach" (Israel Levy) nimmt, wie von dieses Autors Ansichten nicht anders zu erwarten war, eine vermittelnde Stellung zwischen denen ein, die die Echtheit des Cairo-Textes vollständig verwerfen, und jenen, die ihn annehmen. „Schwesterschaft" (H. B. Einstein) versäumt es, des ähnlichen Werkes der jüdischen Frauen des Mittelalters Erwähnung zu tun. „Sklavenhandel" (F. Jakobs), „Sklaverei" (L. N. Dembitz) und S. Krauß) bilden eine schöne Trilogie. „Peter Smolenskin" (M. Seligsohn) möchte man den jüdischen Thakeray nennen. „Smyrna" (A. Galante) ist eine Mahnung an das glänzende zivilisierende Werk, das von der Alliance Jsraelite im Oriente vollbracht worden ist, wie auch von den Rothschilds. „Sozialismus" (I. A. Hourwich) ist ein guter Artikel, der aber den Widerspruch, daß einige Juden führende Sozialisten, die. anderen leitende Kapitalisten sind, nicht bespricht. Die „Sola- Familie" ist von C. I. Sola besprochen und mit einem vollständigen Stammbanm versehen. Dann haben wir eine lange Liste „Salomons", die mit dem König von Israel beginnt und mit dem bewunderten Londoner Künstler und Makkabäer endet. „Sohn Gottes" und „Sohn des Menschen" find zwei große theologische Artikel von E. G. Hirsch. „Soncino" enthält eine wertvolle Liste (von Jakobs) der in den Jahren von 1483 bis 1547 hier gedruckten Bücher. „Das Lied der Lieder" ist ein biblischer Beitrag von Professor Toy: „Lied der heiligen drei Kinder" ist eine apokryphische Studie desselben Autors. Toy nimmt Buddes Theorie an, daß das Lied der Lieder eine Sammlung ist, aber er erwähnt nachdrücklich, daß eine Einheit der Leidenschaft" darin den Poeten als einen Original-Genius erkennen läßt. „Seele" ist eine Probe von von I. Broydes trefflichem Werk, „Südafrika" (I. H. Hertz) mag eines Tages eine Seele erwerben, hoffen wir. „Speyer" (S. Ochser) hat im Mittelalter das Feuer des Kreuzzuges versucht; es genoß die traurige Ehre, die erste Gemeinde zu sein, die im Jahre 1096 Blutgemetzel erleiden mußte. Die Familie „Speyer" (S. Ochser) und „Spiro" (von demselben und M. Kayserling) schließen viele bemerkenswerte Notizen ein; es ist auch ein Stammbaum der ersteren dabei. (I. Jakobs.) F. Spitzer (R. Gottheil), der französische Kunsthändler und Sammler, war der Sohn eines Preßburger Totengräbers: als er starb, hinterließ er eine Sammlung im Werte von zehn Millionen Franks; ein Panzer dieser Kollektion wurde vom König von England erworben. „Statistik" ist Josef Jakobs Hauptwerk. Die jüdische Bevölkerung der Welt wird auf 11,273.076 geschätzt; aber die Ziffern werden nur zögernd angegeben. Zwei gute Landkarten zeigen die Hauptzentren der jüdischen Bevölkerung. Unter „Statur" (M. Fishberg) ist viel Belehrendes enthalten. Im Ganzen ist die jüdische Rasse (mit Ausnahme derjenigen aus Ungarn und Rumänien) um ein bis drei Zentimeter kleiner gewachsen als die Andersgläubigen, unter denen sie leben. Wo die letzteren groß sind, sind es die Juden auch und vice versa, Die Juden, die am Lande beschäftigt find, find höher gewachsen; die in den Städten find kleiner. Der durchschnittliche Unterschied in den Vereinigten Staaten ist 4 4 Zentimeter. Es ist dies erstaunlich und beweist, daß der Raffeneinfluß wenig mit der Größe der Juden zu tun hat. „Die jüdischen Einwanderer in den Vereinigten Staaten find größer als die Glaubensgenossen, die sie zurückließen" — doch wir müssen uns des vielen Ansührens enthalten. „Steinitz" (A. Porter), „Steinschneider" (I. Singer) und „Steinthal" führen uns die jüdischen Größen des Schachspiels, des Buchhandels und des psychologischen Laboratoriums vor. „Straßburg" (A. Uri) ist hübsch illustriert. Die Familien Stern und Strauß (I. Jakobs) müssen übergangen werden. „Strophenarten" (E. König) ist nicht so gut behandelt, wie dasselbe von Cobb. König glaubt, daß die Poeten des Alten Testamentes auf die Gedankenentwicklung mehr Gewicht legten als auf die Formbildung." Es mag das ein übertriebener Gegensatz sein. Unter „Selbstmord" (M. Fishberg) erfahren wir, daß, während der Selbstmord in Europa und Amerika im Zunehmen begriffen ist, diese Zunahme in Westeuropa unter den Juden häufiger als unter der christlichen Bevölkerung desselben Landes ist. Im Ganzen und Großen ist diesbezüglich Grund zu ernster Beunruhigung vorhanden, wenn es auch bekannt ist, daß Selbstmord in der Trunkenheit bei den Juden etwas Seltenes ist. „Aberglaube" von Josef Jakobs muß den Verteidigern der Juden, die behaupten, daß die Juden nicht abergläubisch sind, Zweifel einflößen. „Süßkind von Trimberg" (S. Mannheimer) war ein jüdischer Minnesänger des dreizehnten Jahrhunderts in Deutschland. Bald nach diesem kommen wir zu dem englischen Dramatiker „Alfred Sutro" (I. Jakobs), der sehr vielversprechend ist. Unter „Schweiz" von M. Kayserling erfahren wir, daß das Referendum vom Jahre 1893 Schechitah verboten hat. „Symbol" (von Ochser) leitet uns zur „Synagoge" und „Synagogenarchitektur", zwei sehr erschöpfend gehaltene Abhandlungen von Bacher und Brunner. Der Buchstabe S endigt mit „Henrietta Shold" (von I. Jakobs"), der tüchtigen Sekretärin der „jüdischen, publizistischen Gesellschaft Amerikas". „Tabernacle" (E. König) und „Tabernacles" (v. n H. G. Friedmann) konnten nicht besser illustriert werden.