Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 6 (9.2.1906)
- Date
- 1906-02-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 82 Bz Mocd s MocvenscvrlN. Nr. 6 famer Lügner war. Klagt er Sie nicht, so seien Sie dessen gewiß, daß jeder anständige Mensch in Oesterreich von Ihrer Unschuld überzeugt sein wird; klagt er Sie aber, dann werden Sie gewiß Gelegenheit nehmen, ihn in der Luft zu zerreißen und oeu Wahrheitsbeweis für Ihre Beschuldigung in leuchtender Klarheit durchzuführen. Nur taubstumm dürfen Sie nicht sein, nur nicht Namen, Ehre und Stellung durch vielsagendes Schweigen der allgemeinen Willkür preisgeben! Lassen Sie sich persönliche Vorwürfe nicht gefallen zu den vielen sachlichen, welche der Justizverwaltung in Bezug auf die Vorgänge im Hilsner-Jahre gemacht werden dürfen. Oder war es nicht vielleicht Ihre Aufgabe, dem Gerichte und den Zeugen die vollste Unparteilichkeit zu wahren? Und doch durfte eine Handvoll herzlich unbedeutender Antisemiten eine wahre Schreckensherrschaft des Judenhasses ausübeu, Einfluß auf die Zeugen nehmen, ja, im Gerichtssaal die Leitung des Prozesses mit dem oder gegen den Präsidenten führen. Wahnsinnige Lügen wurden ungehindert ui Wort und Schrift verbreitet, Schauermärchen als Zeugenaussagen willig zur Kenntnis genommen, ja, was das Schlimmste ist, das Gericht unterstützte in unerhörter Form den Glauben an einen Ritualmord. Warum ist wenigstens dem Letzteren niemand gegenübergetreten? Will man Glauben machen, daß man den tief aufgewühlten Leidenschaften weiter Kreise nicht eutgegenzutreteu wagte? Man hat aber doch erst die Leidenschaften aufwühlen, weite Kreise aufhetzen lassen, weil es den Antisemiten so gefiel. Recht und Gerechtigkeit vertragen kein Bedenken der Nützlichkeit. Als vor Jahren noch breite Massen der in Regierungskreisen damals verhaßten Sozialdemokraten mit tief aufgewühlten Leidenschaften um ideale Güter kämpften, da bedachten sich weder Bezirkshauptmannschaft noch Gendarmerie auch nur einen Augenblick, bis zur äußersten Grenze des Widerstandes zu gehen. Mit allen Mitteln wurden ein paar Besitzende in Streitfällen geschützt. Im Fall Hilsner ging das Spiel um ein Menschenleben, ging es um den Schutz vou anderthalb Millionen patriotischer, fleißiger jüdischer Staatsbürger, und wenn man sagt, die Justizverwaltung habe keinen Finger dazu gerührt, so hat man sie noch gelobt. Dabei handelte es sich gar nicht um einen Kampf mit derBevölkerung. Hätte man diesen Hans Arnold Schwer ganz einfach beim Krawattl genommen, bevor er noch sein Gift verspritzen konnte, hätte man die famose private Untersuchungskomm iffion von Rechtens samt dem Herrn Ritualmord-Jmpresario Husek eingesperrt und das von Lügen triefende, vou Verdächtigungen und Verleumdungen strotzende „Deutsche Volksblatt" ein paar Mal konfisziert, so wäre genau dasselbe geschehen, was sich in Wiederholungsfällen noch öfter ereignet hat. Es sind ja auch iu neuerer Zeit Versuche gemacht worden, Ritualmordfälle zu fabrizieren, und die antisemitischen Blätter wußten zu erzählen, die Bevölkerung sei schrecklich erregt. Da hat man aber ganz einfach ein paar Verleumder hinter Schloß und Riegel gesetzt, ein paar antisemitische Wische konfisziert und siehe da! das Wunder hat sich umgehend ereignet, die Bevölkerung hat sich schleunigst beruhigt, der Schwindel war vorbei. Ja, gewiß, wir würden Polna noch hundertmal erleben, wenn man wieder den Blödsinn der Bevölkerung gerichtlich erheben läßt mit der Anfrage, ob wirklich kein Blut im Körper der Hruza gefunden wurde, wenn wieder das erste Zeugenverhör vor einer antisemitischen Untersuchuugskommission stattfinden würde, der Staatsanwalt nach dem Gesetzbuche von Ernst Schneider reden und antisemitische Agitatoren in den Gang der Verhandlung eingreifen dürften. Letzteres ist geschehen. Schneider rühmt sich, Juftizminister Ruber habe geschwiegen, ei» österreichischer Jnftizminister hacke geschwiegen, weil Schnecker ihn dazu zwang! Schneider als Herr unserer Justiz! Dr. v. Ruber schweigt auch diesmal wie immer zu verhängnisvoller Zeit. Einmal hat er geschwiegen, als ein armer Teufel um ein Haar das obrigkeitliche Schweigen mit dem Galgen gebüßt hätte. Er hat geschwiegen, obwohl er ein Fachmann der Justiz ist und ein anderer hervorragender Fachmann, Dr. Franz v. Liszt, sich heute im Vorwort zu Nußbaum's Buch über den Prozeß über diese Art von Justiz beinahe lustig macht. Er hat geschwiegen, als die Juden den trottelhaften Vorwurf des Ritualmordes schutzlos auf sich nehmen mußten. Ein armer Schustergeselle hat das große Schweigen büßen müssen. Vielleicht tut er Herrn von Ruber gerade deswegen so leid, weil er gar so arm und dumm war und sich so riesige Mächte gegen ihn verschworen halten. Aber Dr. v. Ruber kann vielleicht Träume und Erinnerungen abschütteln, weil ihn eine höhere Macht zum Schwelgen gezwungen hatte. Nun wird die Erinnerung daran aufgefrischt, daß Ernst Schneider sich rühmte, die höhere Macht gewesen zu sein. Er kam zu dieser Macht aus dunkeln Gründen, die nur durch offene, kräftige Worte erhellt werden können. Unerhörte Beschuldigungen wurden ausgesprochen. Wir sind neugierig, ob Herr Dr. v. Ruber wieder an falschem Orte schweigt. J. Uprimny. Die Heilsarmee der Unlsenkurse. Von Georg Keben. Das Judentum, das neugläubige und das altgläubige, trägt einen zinsenschweren Gebetmantel aus russischen Wertpapieren. Juden, die diesen Gebetmantel tragen, haben das „alttestamentliche" Auge um Auge und Zahn um Zahn abgeschworen, sie kennen keine Entrüstung mehr gegen den judenmordenden Zarismus. Selbst den Tod haben die zarischen Folterer entsittlicht durch ihre Unmenschlichkeit; doch ob auch im heiligen Rußland den Ghettojuden die Augen ausgestochen und die Hände abgehauen, ihre Frauen geschändet und ihre Kinder zerstückelt wurden: das asiatische Prügelsympol Europas, die Ruffenknute, befleckte noch mit keinen Blutstropfen das russische Staatsbudget. Solange durch dessen Zusammenbruch Kursstürze drohen, bleibt das 'Judentum die Heilsarmee der 'Russenkurse. Noch nie ist ein Religionskrieg von der angreifenden Partei roher, von der mitangegriffenen verzeihender geführt worden. Das außerrussische Judentum versteckt sich nicht schamhaft hinter einer wohlwollenden Neutralität: mit den Fanatismus der Goldsucher ist es für den guten Staatskredit Rußlands tätig. In der Gesamtbevölkerung dieses Reiches bilden die Juden ja kaum drei Prozent, aber wieviele Inden-Prozente sind an russischen Wertpapieren beteiligt! Was die finnische Landeskasse während des ostasiatischen Krieges tat, das tun die westeuropäischen Juden im Krieg und Frieden, sie geben der russischen Reichskasse Geld statt Soldaten: bis zum Sankt Nimmerstag, dem Tag der Einlösung russischer Staatsanleihen, soll wenigstens aus deren Zinsversprechen kein „erfolgreicher Rückzug" Kuropatkins werden, General Stößels „großer Kaiser" ist auch der große Kaiser jüdischer Finanzen. Darum braucht Väterchen vor der jüdischen Hochfinanz keinen Zivilisationsnachweis zu erbringen, Geschäft ist ja nicht ethisches Geschäft, sondern Geschäft ist Geschäft, je mehr und anscheinend sicherer an der Unkultur verdient werden kann, desto tiefer scheiden sich im internationalen Verkehr Geschäfts- und Kulturvorteile; an Maitressen verdienen Geschäftsleute immer mehr als an rechtmäßigen Ehefrauen. Mit feinem Verständnis schenkte der Zar im Juli 1904 der New-Iorker Börse eine Jaspisvase als Dank für die Aufnahme russischer Werte. Ei freilich, wenn die Fische nichts fressen würden, könnten sie nicht geangelt werden; moch heute bestände vielleicht der alte Korsarenstaat Algier, hätte er russisches Fischfutter zum Angeln gehabt. Sklavenhandel ist seit Jahrzehnten der Kauf russischer Staatspapiere durch das christliche Ausland, durch das mangelnde Ehrgefühl außerrussischer Juden, er ermöglichte den zarischen Militärdespotismus, unter Mithilfe von Schnaps und Pfaffen, sein Volk in Sklaverei festzuhalten. Mehr als die blutigen Wunden, welche geknechtete Menschen erdulden, schmerzen den Nur-Kapitalismus die goldenen Wunden, die sein Rentenmagen erleidet. Die russische Freiheitsbewegung Niederschlagen, damit die Kurse steigen, ist das Abendgebet orthodoxer Börsenberichte. „Russen gebessert" lesen Juden befriedigt im Börsenbericht, mögen auch in russischer Erde die blutigen Leichname tausender Juden verwesen. Zieht denn Israel noch durch die Wüste Sin