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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-02-02 · 5 (2.2.1906) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
5 (2.2.1906)
Date
1906-02-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sette 72 Dr. Llocb s Mocdenscdrltt. Nr. 5 besondere Gefährlichkeit beizumefsen sei. Die Zuversichtlichkeit, mit der die Rassengläubigen selbst dort, wo ihre Diagnosen nicht zutreffen, alles Hervorragende auf germanischen Einschlag, alles Minderwertige auf fremde Einwirkung zurückführen, kann wiffenschastlich nur als Beweis der Minderwertigkeit ihres eigenen Denkens gewürdigt werden. Der jüdische Arzt in der Geschichte. Ein Mitarbeiter des „Medical Rekord" stellt die Behauptung auf, daß wahrscheinlich keine andere Raffe in ihrer Entwicklung und in ihrem allgemeinen Fortschrit in so hohem Grade vom Studium der Heilkunde beeinflußt worden ist, wie die Juden. Schon in den frühesten Zeiten war die Ausübung der Heilkunst bei ihnen mit einem besonderen Nimbus umgeben, indem sie vorzugsweise in den Händen der Leviten lag und somit an der Ehre der priesterlichen Stellung dieses Standes teilnahm. Die berufsmäßige Betätigung der Priester bei den Opfern gab ihnen eine besondere und regelmäßige Gelegenheit, einen Einblick in die tierischen Organe und in deren Zweck und Tätigkeit zu tun. Dadurch eigneten sie sich Kenntnisse an, die auch für die Behandlung menschlicher Krankheiten von Nutzen sein mußten. All die vielen, im mosaischen Gesetz niedergelegten Vorschriften für öffentliche und persönliche Gesundheitspflege veranschaulichen den engen Zusammenhang, der damals zwischen der Sorge für das leibliche Wohl und den Regeln für den religiösen Dienst bestand, und man darf sagen, daß viele dieser Vorschriften noch bis heute ihre Berechtigung behalten haben. Erst später sonderte sich der ärztliche Beruf aus dem priesterlichen schärfer aus. In der Zeit des Elends und der Gefangenschaft, sowie der Zerstreuung des jüdischen Volkes behielt der jüdische Arzt seine geachtete Stellung, indem er nicht nur für seine Volksgenoffen innerhalb eines eigentlichen Berufes sorgte, sondern auch für die Volksrechte im allgemeinen mit besonderer Kraft eintrat. Viele von ihnen wurden Hofarzte und besondere Günstlinge mächtiger Monarchen, einige genossen sogar das Vertrauen von Päpsten und hervorragenden Geistlichen anderer Bekenntnisse. Einer der bedeutendsten unter den älteren jüdischen Aerzten ist Chasdai, der unter den Khalifen Abdulraman HI. Minister, wurde und viel dazu beitrug, die Stellung der Juden unter der Herrschaft der Mauren in Spanien während des zehnten Jahrhunderts zu festigen. Jehuda Halevi, der hundert Jahre später lebte und ausgezeichnete Werke über medizinische Praxis und Philosophie verfaßte, gelangte gleichfalls zu hohem Ruhm. Von dem großen Maimonides aus Cordova wird gerühmt, daß er fast einen neuen Talmud schuf. Uebrigens wollte ihn Richard LöwenheiH zu seinem Hofarzt machen, trotzdem gerade damals von drei Päpsten nacheinander Edikte erlassen wurden, wonach Christen keine jüdischen Aerzte beschäftigen sollten. In Spanien blieben sie noch lange die einzigen Vertreter des Aerzteberufes. Später nahm der Papst Alexander VI. selbst einen Juden zum Leibarzt, der auch noch am Hofe Leos X, blieb und vom Papst Sixtus'V. wurde das Edikt gegen die jüdischen Aerzte überhaupt zurückgenommen. In der letzten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts waren die Anstrengungen von Moses Mendelssohn für die jüdischen Aerzte von hohem Werte, wobei er von seinem Freunde, dem Arzte Markus Herz, kräftig unterstützt wurde. Ei« jüdischer Bürgermeister von Pisa. Der bekannte literarhistorische Schriftsteller Professor Alessandro d'A n c o n a, Mitglied des italienischen Senats, wurde, wie uns aus Pisa mitgeteilt wird, zum Bürgermeister von Pisa gewählt. D'Ancona ist Jude. Ei» Rabbinerssohn — General. Wie dem „Prager Tagblatt" aus Stockholm berichtet wird, ist der Schiffskapitän Gundrin Wolf mit dem Titel eines Generals zum Sektionschef im Marineministerium ernannt worden. Der neue General ist der Sohn des ftüheren Rabbiners von Stockholm, Dr. Ephraim Wolf, der ein berühmter Talmudist war und einer Prager Familie entstammte. Ikorrespondenzen. Die Konferenz in Brüssel. Die seit 29. Jänner l. I. hier tagende Konferenz zur Regelung der Auswanderung der Juden, zu der sich gegen hundert Delegierte aus Rußland, Deutschland, Oesterreich, England, Amerika, Neu-Seeland und dem Orient eingefunden haben, faßte in einer am 30. Jänner l. I. unter dem Vorsitz des Präsidenten Wolffsohn (Köln) abgehaltenen Sitzung den Beschluß, eine allgemeine, internationale Organisation für die Regelung der Auswanderung zu schaffen. Es wurde ein vorbereitendes Komitee gewählt, an dessen Spitze Mr. Greenberg (London) trat, der mit der englischen Regierung die Verhandlungen wegen des Uganda-Projektes geführt hat. Namens des Hilfsvereines deutscher Juden gehört Dr. Paul Nathan der Kommission an. Angesichts der neuen Einwanderungsgesetze in England und Amerika wurde eine Resolution angenommen, die Auswanderung teilweise nach dem Orient abzulenken, wobei hauptsächlich Egypten und die Gegend der deutschen Bagdadbahn in Betracht kommen. Zur Frankfurter Konserenz. Sehr geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie, daß ich die Diskussion über die Frankfurter Konferenz in parlamentarischer Weise. — also durch tatsächliche Berichtigungen — meinerseits beende. So konstatiere ich: 1. daß meiner Behauptung bezüglich des eigentlichen Zweckes der Sammelgelder nicht widersprochen werden konnte; 2. daß Ihr geehrter Herr Mitarbeiter die Organisationen wirklich aufforderte, für Witwen, Waisen und Geplünderte in Rußland nichts zu tun; trotzdem die russischen Juden nach der furchtbaren Katastrophe notorisch nicht dafür auskommen können, mußten doch direkte Gemeindeinstitutionen, wie Spitäler und Waisenhäuser vom Hilfswerke gestützt werden; 3. besteht der regelmäßige Strom der Auswanderer nach Amerika zum weitaus größten Teile aus Emigranten auf eigene Kosten, wodurch das Emigrationsfieber eben nicht gefördert wird. Das Rechenexempel, Millionen Juden zu exportieren, mit Bleistift auf geduldigem Papiere gelöst, ist zweifellos nüchtern. Der Versuch einer praktischen Probe auf die Richtigkeit der ohne den Wirt gemachten Rechnung würde aber den Rechenfehler in tragischer Weise finden lassen. Daß die Delegierten der Hilfsvereine weitere Pogrome für sehr möglich halten, ist bei den anarchischen Zuständen Rußlands selbstverständlich. Darum sprachen sie sich auch für eine intensive Tätigkeit in Rußland selbst und für energische Bestrebungen zur Erringung der Freizügigkeit und Gleichberechtigung unserer dortigen Glaubensgenossen aus. Die Vertreter des Hilfswerkes bewährten sich eben als „Propheten von langer Sicht", moderner ausgedrückt, als Männer mit weitem Horizonte. Für die Aufnahme dieser Zeilen, sowie für die gegebene Gelegenheit, dies alles nochmals konstatieren zu können, dankt Hochachtungsvoll —m. Eingesendet. An die verehrliche Leitung des Vereines zur Hebung der Gewerbe, Wien. Bezugnehmend auf Ihr an uns gerichtetes „Offenes Schreiben", erlauben wir uns Ihre Angaben, welche jeder tatsächlichen Grundlage entbehren, dahin zu berichtigen, daß wir uns in erster Linie an einen jüdischen Baumeister gewendet haben, der jedoch für die baulichen Adaptierungen fast das Doppelte von dem verlangte, was wir tatsächlich zahlen und zahlen konnten. Bei solchem Anbote mußten wir die baulichen Arbeiten einem Andersgläubigen übergeben, der, wie erwähnt, nur fast die Hälfte verlangte. Unser Verein genießt — nicht wie Sie „zweifelsohne" vermuteten — von der israelitischen Gemeinde gar keine Unterstützung, ist vielmehr auf die Spenden unserer Vereinsmitglieder selbst angewiesen und erblicken wir

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