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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-02-02 · 5 (2.2.1906) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
5 (2.2.1906)
Date
1906-02-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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8* r:.OT^.j^«-'7i«>n8aaat .^.Ä> tw. V'ite 7j Dr. Llocv s Mocvenscbnrr« Nr. 5 Frühlingszeit des Lebens, in HeinesJugendzeit! Ich schließe mit den Versen aus dem Nachlasse Heine's: „Die Philister, die Beschränkten, diese geistig Eingeengten. Darf man n i e und nimmer necken; Aber weite, kluge Herzen, wissen stets aus unsren Scherzen, Lieb und Freundschaft zu entdecken". Quellen zum Heine-Vortrag. 1. Musen-Almanach von 1823. 2. Gutzkow. Götter, Helden und Don Quixote. Hamburg 1838. 3. A. Meißner Erinnerungen an H. Heine. Hamburg 1856. 4. Schiff. Erinnerungen. Hamburg 1866. 5. MarimilianHeine. Erinnerungen an H. Heine. Berlin 1868. 6. S t r o d t m a.n n. Heines Leben und Werke. Hamburg 1867—69. 7. Derselbe. Letzte Gedichte und Gedanken (Nachlaß). Hamburg 1869. 8. Letzte E r i n n e r u n gen an H.Heine. Feuilleton der „Neuen Freien Presse" (A. Meißner), zum 24. Todestag, 17. und 20. Februar 1870. 9. Julian Schmidt. Bilder aus dem Geistesleben unserer Zeit. Leipzig 1871. 10. Deutsche Biographie, Band XI (I. Mähly, Artikel Heine), 1880, p. 345. 11. A. Meißners Erinnerungen, 2 Bände 1881. 12. Singers Feuilleton aus der „Neuen Freien Presse" 1883. 13. E. Engel. Heines Memoiren. „Gartenlaube" 1884. 14. Kaufmann. Heines Liebesleben, (zum 1OO jährigen Jubiläum), Zürich 1899. 15. K a r p e l e s. Heines Leben und seine Zeit. Leipzig 1899. 16. „Deutsche Dichtung" vom 1. Juni 1903, XXXIV. Band. (K. E. Franzos). 17. „Neues Wiener Tagblatt" vom 27. Mai 1903. 18. Feuilletons von L. A. Frankl, K. E. Franzos, Dr. Herzl, Karpeles, Nordau. („Neue Freie Presse".) 19. Zabel über den Loreley-Brunnen in New-Iork „Neue Freie Presse" 1904. 20. Mündliche Mitteilungen. Vom Zubrniarlrl des Lebens. Zum Tunnel in Jerusalem. Herr Redakteur! Die letzte Nummer Ihrer Wochenschrift*) bringt über den Tunnel von Jerusalem sehr verschwommene Angaben, die offenbar aus Grund verblaßter Erinnerung geschrieben sind. Erlauben Sie mir, genauere Angaben über dieses höchst merkwürdige Werk zu bieten. Sie werden wohl nicht Anstoß daran nehmen, daß ich selbst kein Jude bin. Der Tunnel von Jerusalem ist weder der einzige, noch der technisch merkwürdigste Tunnel jener fernen Zeiten. Für die Menschheit aber ist er der merkwürdigste, nicht nur weil er in der heiligen Stadt liegt, sondern vor Allem weil er uns das älteste bisher bekannte althebräische Schriftdenkmal bewahrt hat, das auch mehrere bisher unbekannte Worte, technische Ausdrücke, enthält. Etwa 8OO Jahre vor Christus waren Tünnelbautcn in der ganzen damaligen Kulturwelt modern. Bekannt ist der große Tunnel unter dem Euphrat, der die beiden Teile von Babylon verband; bekannt ist der heute noch benutzte Tunnel nuf der Insel Samos, den der bekannte Herrscher Poly- *) Be-.gl. auch „Oesterr. Wochenschrift" Nr. 21, Jahrg. 1902. krates durch einen Berg schlagen ließ, der die beiden Teile seiner Hauptstadt Astypataia (Altenburg) schied; bekannt ist der heute noch vorhandene Tunnel, durch den ein unbekanntes Volk den großen sumpfigen Kopaissee in Griechenland in das Meer ableitete und dadurch ein ungeheures Gebiet für den Ackerbau zugänglich und fieberfrei machte; bekannt ist noch eine Reihe anderer großer Tunnelbauten jener Zeit, auch in Italien. Mit dem Tunnel von Jerusalem verhält es sich ganz anders, als mit den anderen Tunnels jener Zeit; es galt da weder Wasser abzuleiten, noch einen Verkehrsweg zu schaffen; der Tunnel bildet vielmehr nur einen Teil der Wasserleitung von Jerusalem, und die über den Tunnel schreiben, vergessen immer das Wichtigste: den Brunnenschacht, der aus der Mitte der Stadt Jerusalem vertikal noch unten in den Tunnel hinunter führt, zu dem Wasser, das im Tunnel fließt. Die Sache verhält sich folgendermaßen. Jerusalem liegt auf einer großen Bergnase in der Gabel von zwei öden Tälern. Jerusalem hatte kein W a s s e r, das Wasser mußte von ferne her oder von unten aus den beiden Tälern, also jedenfalls von außen beschafft werden, und konnte daher keine Belagerung aushalten, da der Feind sofort das Wasser abschneiden konnte. Man grub wohl einen Brunnenschacht vertikal bis in das Niveau der Täler, wie man solche Schachte auch heute in fast allen großen Burgen findet; der Brunnen gab aber kein Wasser. Da entschloß man sich, die Quelle des einen Tales, die sogenannte Marienquelle, durch den Berg hindurch unter dem Brunnenschacht hinzuleiten. Jetzt hatte der Schacht Wasser; jetzt konnte Jerusalem jeder Belagerung trotzen, — . und es hat auch getrotzt. Dieser Brunnenschacht, der zum Tunnel hinunterführt, steht heute noch, und wenn ich mich recht erinnere, wird er auch heute noch als Brunnen benutzt. Warum führte man aber den Tunnel von der Quelle nicht nur bis zum Schachte; warum führte'man ihn auf der anderen Seite des Berges beim Teich Siloah wieder hinaus? Woran die Bauleiter dachten, das wissen wir nicht; wir'wiffen aber, daß das sehr zweckmäßig war. Die Marienquelle wurde ganz verschüttet und mit ihr auch der obere Eingang des Tunnels, so daß der Feind keine Ahnung hatte, woher die Städter ihr Wasser hatten. Die Juden selber vergaßen es bald, so daß auch kein Verräter es verraten konnte. Das überschüssige Wasser der Quelle, das im Schachte nicht geschöpft wurde, konnte sich in der Quelle nicht stauen und aus dem Boden sickern und so dem Feinde die Quelle verraten; das überschüssige Wasser gelangte vielmehr in den Siloah-Teich. Zu diesem Teiche führte aber aus der Stadt ein Fußsteig hinunter, so daß die Leute, die im engen Brunnenschacht nicht zukommen konnten, dasselbe Wasser auf bequemem offenem Wege aus dem Teiche holen konnten. Den Teich konnte aber im Kriege der Feind ruhig besetzen; der Schacht blieb den Städtern doch, und die Marienquelle blieb verborgen; alle Welt meinte, das Siloah- Wasser komme direkt aus dem Felsen; niemand ahnte, daß es aus dem gegenüberliegenden Tale kam. Ein anderer Vorteil der Siloah-Mündung war. daß der Brunnenschacht ventiliert wurde und sich in ihm keine Stickluft sammeln konnte; das war aber von höchster praktischer Wichtigkeit. Wir haben es hier offenbür mit einem genialen technischen Werk zu tun. Nun soll über die technische Ausführung des Tunnels gesprochen werden. Der Tunnel wurde von beiden Seiten gleichzeitig in Angriff genommen. Erstens konnten bei dieser Bauweise doppelt so viel Arbeiter arbeiten, man konnte das Werk in der halben Zeit vollenden; zweitens bekam jedes Stück nur die halbe Länge; die Ventilation war also besser und das Hinausschaffen des Schuttes leichter. Die Richtung festzuhalten war nicht besonders schwer; der Schein der Lampen läßt jede noch so geringe Abweichung sofort erkennen, da das Licht nur geradlinig sich fortpflanzt. Die Arbeiter verließen sich so sehr auf ihr sicheres Gefühl für Richtungsänderungen, daß sie dort, wo sie auf härteres Gestein stießen, diesem ruhig auswichen, so daß die Tunnelbahn etwas geschlängelt ausfiel.

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