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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-01-26 · 4 (26.1.1906) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
4 (26.1.1906)
Date
1906-01-26
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 4 Dr. Dlocb s Mlocbenscörm. Seite 63 Drechslermeister F. Sie haben mehr als Recht. Die Profanierung von Tempelmelodien seitens jüdischer Singgesellschaften in Chantants, wie Sie das in Budapest beklagen mußten, ist eine unerhörte Unverschämtheit, auf die man mit Boykott antworten sollte. Die jüdischen Aemter sollten einschreiten und das Publikum sich mit allen Mitteln schützen. Jur. Koll. Die ethymologische Erklärung von „Mephistopheles" ist noch nicht gegeben. Hebräisch heißt Taufes-Hölle. Wahrscheinlich ist es aber eine Parallelbildung zu „Christopheles." I. R. Erzählen Sie dem Herrn, der gegen die jüdische Ethik so viel, einzuwenden hat, vielleicht die zwei netten kleinen Geschichten, die neulich in der „Frankfurter Zeitung" zu lesen waren. Da hat ein auf frischer Tat betretener Dieb bei der Gerichtsverhandlung gesagt, er habe nur deshalb Malheur gehabt, weil er diesmal nicht wie sonst für den Erfolg gebetet habe. Im Zusammenhang damit wird berichtet, daß es an vielen Orten der Pfalz üblich sei, für ein „baldiges, seliges Ende" des Vaters zu beten, wenn dieser nicht mehr arbeiten kann. Frankreich. Der neue Präsident der französischen Republik, Fallieres/ der im Februar sein Amt antritt, war Kandidat der vereinigten Republikaner gegen Doumer, den die Klerikalen und Nationalisten ans den Schild erhoben. Interessant ist übrigens, daß Falliöres kirchlich getraut und seine Kinder getauft sind; während Doumer persönlich Freidenker ist und seine Kinder nicht taufen ließ. Die Nationalisten, die Proteges des „Deutschen Volksblattes", schickten nach der Wahl dem Herzog von Orleans eine Huldigungsdepesche mit dem Schlußsatz: „Es lebe der König!" Die Nationalisten sind also das, was das „Deutsche Volksblatt" bei den russischen.Juden freche Verschwörer nennt. Emigrant. Es ist richtig, daß in Wien eine geheime Polizeiverordnung ausgegeben wurde, wonach die Hausbesorger russischen, mittellosen Emigranten nach einem Monate kundigen müssen. Diese Frist wird in Ausnahmsfällen, wenn der Emigrant Arbeit gesunden hat, um vier Wochen verlängert. Diese Maßregel steht im starken Widerspruch mit der Antwort, die der Mmister des Innern dem Abgeordneten Daszynski im Parlamente gab, wonach den russischen Auswanderern keine Schwierigkeiten gemacht werden sollten. K. in L. Von den 32 Juden, die sich bei den jetzt in England stattfindenden Wahlen um ein Mandat bewarben, ist einer, Mr. Jose S. Levy, der konservative Kandidat für Pontefrackt, noch in zwölfter Stunde von seiner Kandidatur zurückgetreten. Von den übrigbleibenden 321 Wahlkreisen haben bis zum 19. Jänner in 18 die Wahlen bereits stattgefunden, mit dem Ergebnis, daß 8 Juden gewählt und II) durchgefallen sind. Von den bisherigen 4 liberalen Abgeordneten sind die Herren Rufus Isaaks in Reading Stuat M. Samuel in Whitechapel und der neue Unterstaatssekretär des Innern, Hebert L. Samuel in Iorkshire, letzterer ohne Kampf wiedergewählt worden. Ferner wurden neugewählt die Liberalen Horacio Myer in Lambeth, Alfred Moritz Mond in Chester, B. S. Strauß in Mile End und E. A. Strauß in Berks. Ueberall haben die neugewählten Abgeordneten verstanden, Unionisten zum Teil mit großer Majorität zu verdrängen. Mr. Alfred Moritz Mond, der Sohn des bekannten Gelehrten Mond, ist ein begeisterter Jude, der an allen jüdischen öffentlichen Unternehmungen lebhaften Anteil nimmt. Dagegen sind die liberalen Kandidaten Haldinstein, Langdown und Mendet im Kampfe unterlegen. Von den bisherigen konservativen Abgeordneten kehrt nur Sir Edward Sassoon zurück, während Sir Benjamin L. Cohen, Major Jessel und Harry S. Samuel in East Jslington, St. Pancras-Süd und in Limhouse auf der Strecke geblieben sind. Von den jüdischen konservativen Kandidaten sind unterlegen die Herren: Belilius, A. Rosenthal, Arthur Strauß und Samuel Samuel, der Bruder des vorjährigen Lordmayors von London. Alfred Rosenthal, der in Glasgow als Tarifreformer der Chamberlain'schen Schule kandidiert hatte, brachte es bei >0.500 Wähler nur auf 295 Stimmen. Groß war auch die Niederlage von Samuel Samuel, der sich erkühnt hatte, in Leeds keinen geringeren als den gegenwäitigen Minister des Innern, Herbert Gladstone, verdrängen zu wollen. Die Niederlage des Benjamin L. Cohen, der ein ganzes Menschenalter hindurch an der Spitze zahlreicher jüdischer Institutionen gestanden hatte, wird um so lebhafter bedauert, als er schon seit 12 Jahren den Wahlkreis vertrat und in den letzten Parlamentswahlen mit einer Majorität von 1619 Stimmen gewählt wurde. Die Liberalen gewannen aber 2386 Stimmen. Große Freude erregte dagegen die Niederlage des Sir Harry S. Samuel, dessen Gegner mit einer Majorität von 974 Stimmen gewählt wurde. Mr. Samuel verdankt seinen Fall seinem Verhalten in Angelegenheit der Fremdenbill. Nicht nur hielt er es als Jude für seine Pflicht, für diese Bill ostentativ zn stimmen, er schämte sich sogar nicht, sich von den antisemitischen englischen Brüdern als Renommierjude mißbrauchen zu lassen und in Gemeinschaft mit den Antisemiten Sir Howard Vincent, Major Evans Gordon, F. Ridley und anderen Fremdenfeinden in öffentlichen antialienistischen Versammlungen gegen die Fremden zu hetzen. Wie in East London hat auch in der Provinz die Fremdenbill eine Rolle gespielt. So haben die 800 jüdischen Wähler von Manchester Mann für Mann gegen die Konservativen gestimmt. Sehr energisch traten sie für den jugendlichen Unterstaatssekretär der Kolonien, Mr. Windston Churchill, ein, der im Nordwesten von Manchester einen schweren Kampf gegen die Unionisten zu bestehen hatte. Von den 470 jüdischen Wählern dieses Kreises haben 406 sich schriftlich verpflichtet, Churchill zu wählen, der auch seinen Gegner mit einer Majorität von 1241 Stimmen zu schlagen vermochte. Windston Churchill war bekanntlich einer der feurigsten und beredsamsten Bekämpser oer Fremdenbill. Nach erfolgter Wahl fand sich der Unterstaalssekretär im Versammlungslokal des jüdischen Vereines Achei B'rrth ein, um den Juden für ihren begeisterten Beistand zu danken Hier erklärte er, daß es nicht leicht sein wird, die Fremdenbill wieder aufzuheben, da es in England nicht Sitte ist, daß ein Ministerium die von seinem Vorgänger geschaffenen Gesetze ohneweiters wieder aufhebt. Allein die ganze Ausführung der Bill liegt in den Händen der Verwaltung, und diese wird mit Hilfe des neuen Unterstaatssekretärs des Innern, Mr. Herbert Samuel, schon dafür sorgen, daß die Bill überaus human angewendet wird. QaranHert nahjrechtes S. feinstes ^.Pflanzen- 2=S^Fett. ischen ikosnüssen. Efciäl Aufruf! Die Brigittenau wird mit Recht der Sammelpunkt der armen jüdischen Bevölkerung Wiens genannt. Groß, unermeßlich groß ist die Not unter der Judenschaft dieses Bezirkes. — Alle unsere Bemühungen, nur teilweise das Los unserer armen Glaubensgenossen zu mildern, scheitern aber an der Unzulänglichkeit der uns zu Gebote stehenden Mittel. Wir bitten daher unsere besser situierten Glaubensgenossen, ihr Augenmerk dem ärmsten aller Wiener Bezirke zuzuwendeu und uns durch Spenden in die angenehme Lage zu versetzen, den zahlreich an uns gestellten Anforderungen gerecht werden zu können. Für den Brigittenauer israel. Unterstützungsverein: Hermann Eltbogeu m. p. Josef Wünsch m. p. Knltnsvorster. Armenrat. Adolf Schreiber m. p. Obmann XX., Klosterneuburgerstraße 19. Gütige Spenden wolle man gefälligst an Herrn Adolf Schreiber, XX., Klosternenburgerstraße 19 richten und werden dieselben in den Wiener jüdischen Blättern ausgewiesen werden. Kundmachung betreffend die Privatisten-Prüfungen. Die Privatisten-Prüfungen aus israelitischer Religion für Schüler (Schülerinnen) an Volks- und Bürgerschulen finden für das I. Semester des Schuljahres 1905/6 nach folgender Einteilung statt. i Für Schüler;| (Schülerinnen)^ i wohnh. i. Bez.j! Hag und Stunde der Prüfung Ort der Prüfung I., II.. XI. 7.IÄ X! ^2.° Märzj^ ’/Jh1 I. , Seitenstettengaffe 2, II. St. (Religionsschule) Dienstg. 20.Febr. von 3—4h! III.—X. und ^Freitag, 28. „ „ 4—5..! XIX. Dienstg.27. Freitag, 2. März -4„:| dto. ytt vv!! Samstag. 4. Febr. 12—1 b i xii.-xv. | Dienstag s7. .. fi-7 i XVI. 11. XVII.! ®1le"Snt“0,I, a0* ^bruar von 7,6—7,7b XVIII. Sonntag, 18 Fedr.1 von 7, > 1 ii ., 25. „ j bis 12 b XV. . Turnergasse 22 _(Gemeindehaus) XVI. , Hubergaffe 8 (Gemeindehaus)! XVIII., Schopenhauer-! straße39 (Gemeindehaus) Die Prüfungstaxe beträgt K 6.— und wird int Vorhinein an der Kaffe der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengaffe 4, oder bei der entsprechenden Amtsleitung im XV., XVI. oder XVIII. Bezirke zwilchen 9 und 12 Uhr vormittags entrichtet. Die Quittung ist dem Examinator vorzulegen. Ter im I. Semester gelöste Erlagschein über die Prüfungstaxe gilt auch für das II. Semester des laufenden Schuljahres. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien: Stiftung des Herrn Samuel Kolisch zum Andenken an feinen seligen Bruder Jg >az Freiherrn von Äolisch. Am 29. Nissan laufenden Jahres (24. April 19 6) als dem Sterbegedächtnistage des Herrn Ignaz Freiherrn von Kolisch gelangen die Jahreserträgnisse dieser Stiftung im Betrage per Kr. 8U0.— a) in erster Reihe an arme Verwandte des Stifters, dassind l.Deszendenten desselben ohneBeschränkung auf den Grad, 2. Abstämmlinge der Großeltern des

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