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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-01-26 · 4 (26.1.1906) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
4 (26.1.1906)
Date
1906-01-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 4 Dr. Biocb’s MocbenscdrM Seitr 57 unter Führung des Herrn Obmannes ihm das Amt angenehm und leicht gemacht worden sei. Rabbiner Dr. Friedmann in Straßnitz spricht auch für den einheitlichen Lehrplan und betont, daß der Jugend auch die Ethik des Judentums beizubringen sei. Der Kassier Prof. Dr. Goldhammer erstattet hierauf den Kassabericht, nach welchem die Barauslagen sich auf K 509.51 beliefen und der gegenwärtige Kassastand X 1315.61 beträgt In Zukunft werden die jährlichen Mitgliederbeiträge mittelst Posterlagscheincs einkassiert und nachträglich die Mitgliedskarten zugesendet werden. Oberrabbiner Dr. Rosenseld beantragt, daß auch die größeren Gemeinden ersncht werden, den Verband zu unterstützen. (Angenomnlen.) Die von den Revisoren Rabbiner Dr. Bauer und Rabbiner Dr. Reiß vorgenommene Kassaprüfung ergab die größte Ordnung und Richligkert der Kassagebahrung. Hierauf wird dem Ausschüsse einstimmig das Absolutorium erteilt. Der Schriftführer verliest sodann die beiden Dankschreiben der Herren Vize-Präsident Dr. Gustav Kohn und Prof. Dr. Weiß, welche in der vorigen Generalversammlung zu Ehrenmitgliedern des Verbandes ernannt wurden. Professor Dr. Scharr macht die traurige Mitteilung, daß Rabbiner Dr. Spinner aus Lemberg, der einen Vortrag für die Generalversammlung angesagt hatte, vor einigen Tagen plötzlich auS dem Leben geschieden sei. Die Versammlung erhebt sich zum Zeichen der Trauer von den Sitzen. Hierauf folgte die Neuwahl des Ausschusses. Der Obmann bemerkt, daß Herr Dr. Langfelder sich außer Stande erklärte, eine Wiederwahl anzunehmen, da er sich etwas müde fühle. Der Obmann spricht Herrn Dr. Langfelder für seine eifrige Mitarbeiterschaft seit dem Bestände des Vereines den besten Dank aus und gibt namens des Ausschusses die Versicherung, daß dieser Herrn Dr. Langfelder mit Bedauern scheiden sieht. Hierauf wurden folgende Herren in den Ausschuß gewählt: Obmann: Rabbiner Dr. Feuchtwana; Schriftführer: Professor Dr. H. Pollak; Professor Dr. Ad. Weiß; Prof. D. L. Goldhammer, Professor M. Kanitz (Wien); Rabbiner und Prof. Dr.Biach (Brüx); Prof. Dr. Grünfeld (Brünn); Rab. Dr. Lazarus (Göding);Rab.Dr. Rosenmann (Floridsdortz. Sämtliche Herren erklären, die Wahl anzunehmen. Der Obmann dankt für das dem Ausschüsse bewiesene Vertrauen und verspricht, weiter im Interesse des Verbandes zu wirken. Hierauf hält Rabbiner Dr. Mandl aus Neutitscheinseinen angekündigten Vortrag: „Das Wesen des Judentums als Lehrgegenstand an den oberen Klassen der Mittelschule". Der sehr interessante und anregende Vortrag gipfelte in folgender Zusammenfassung: Der Verbandsausschuß möge das Wesen des Judentums als Unterrichtsgegenstand an den höheren Klaffen der Mittelschule in seine Bestrebungen zur Schaffung eines einheitlichen Lehrplanes mit aufnehmen. Er wolle aus seiner Mitte eine Komitee erwählen, dessen Aufgabe es fei, ein Lehrbuch der systematischen, jüdischen Religions- und Sittenlehre zu verfassen, dessen Grundlage das Werk des Oberrabbiners Dr. Güdemann „D a 8 Judentum in seinen Grundzügen" bilde, und sich zu diesem Zwecke eventuell auch mit dem Herrn Oberrabbiner ins Einvernehmen setzen. Der Obmann dankt dem Vortragenden für seine schönen Ausführungen, an die sich nun eine lebhafte Debatte knüpft. Rabbiner Dr. David und Professor Dr. Weiß sprechen sich für den Vorschlag des Vortragenden sympathisch und zustimmend aus. Der Erstere betont, daß für die Oberstufe der Mittelschulen ein Lehrbuch der systematischen Religionslehre unbedingt notwendig sei. wie ein solches in Deutschland bereits geschaffen wurde, welches den richtigen Standpunkt gegenüber der Philosophie und Naturwiffenschaft einnehmen muß. Professor Kanitz schließt sich diesem Anträge gleichfalls an und weist darauf hin, daß dem systematischen Religionsunterrichte früher nnverdienterweife ernster Widerstand entgegengebracht worden sei. Professor Dr Grünfeld (Brünn) möchte den systematischen Unterricht von der ersten Klasse an erteilt wissen im Anschlüsse an die Bibellektüre. Nachdem noch Professor Dr. Goldhammer und Rabbiner Dr. Mandl zu dieser Sache gesprochen haben, wird auf Antrag des Rabbiners Dr. Lazarus in Göding folgende Resolution einstimmig angenommen: Der Verbandstag spricht es als eine Notwendigkeit aus, daß der systematische Religionsunterricht in den obersten Klaffen der Mittelschulen zu behandeln sei, und zwar auf Grund der Lektüre und eines dem Zwecke dienenden besonderen Lehrbuches. Zum Schluffe kommen folgende Anträge zur Sprache: Den von Dr. Biach in Brüx gestellten Antrag wegen Herausgabe einer Verbandszeitschrift behält der Ausschuß im Auge; derzeit könne derselbe leider nicht ausgeführt werden. Prof. Kanitz beantragt, eine besondere Petition an die hohe Unterrichtsbehörde zu richten, dahingehend, daß für alle Religionslehrer, die nicht definitiv werden können, entsprechend gesorgt und ihnen im Falle der Arbeitsunfähigkeit eine gesetzliche Pension zugesichert werde. (Einstimmig angenommen.) Ein zweiter Antrag des Prof. Kanitz geht dahin, daß an solchen Mittelschulen, an denen kein interner Religionsunterricht erteilt wird oder werden kann, die von einem autorisierten Lehrer außerhalb der Anstalt gegebenen Noten vollwertig anerkannt werden und wie alle anderen Noten den gesetzlichen Einfluß für das Zeugnis haben mögen. Herr Vizepräsident Dr. Gustav Kohn begrüßt die anwesenden Herren seitens des Kultusvorstandes und bedauert, infolge Zeitmangels den Beratungen nicht beiwohnen zu können. Zum Schluffe stattet der Obmann der Versammlung den Dank ab für das von ihr bewiesene rege Interesse und sagt: Wir haben heute unsere Aufgabe ganz und voll erfüllt und können mit Genugtuung auf diese Stunden zurückblicken. Wir werden trachten, den gegebenen Anregungen gerecht zu werden und in der nächsten Periode noch Segens- und Erfolgreicheres zu leisten für das Interesse des Unterrichtes und das Wohl der Lehrer. (Beifall.) Hierauf wird die Versammlung geschlossen. Juden im österreichischen Staatsdienst. Rasch hintereinander erfolgten in Mähren zwei sehr beachtenswerte Beförderungen jüdischer Staatsbeamten, welche den erfreulichen Beweis liefern, daß wirklich tüchtige und zugleich nackensteife Juden auch ohne das Taufbecken ganz gut im österreichischen Staatsdienste vorwärts kommen. Diese beiden Beförderungen gewinnen aber noch dadurch an Bedeutung, daß sie nach einem Orte erfolgten, welcher unstreitig an der Spitze der strammst-antisemitischen Städte Deutsch- Mährens marschiert und in dieser Beziehung einen weitreichenden, unbestrittenen Ruf genießt, nämlich nach Neutitschein. Zu Beginn des Schuljahres erhielt die staatliche Webschule dieser alten Tuchstadt einen Juden als Direktor und nun kam wieder ein Jude als Landesgerichtsrat an das dortige Kreisgericht. Ersterer ist der frühere Professor Sigm. Edelstein von der hiesigen höheren Textilschule, ein auch als Fachschriftsteller hervorragender Lehrer; letzterer ist der bisherige Sternberger Gerichtssekrelär Edm. Schenk, welcher seine Gymnasialstudien in Brünn gemacht hat und schon als Gymnasiast wegen seiner Biederkeit sehr beliebt war. — Was sagen die „Getauften" dazu? Rumänische Liebenswürdigkeiten. Eine schier unglaubliche, aber durch eine Eingabe an die Czernowltzer Handelskammer gehörig beglaubigte Meldung über rumänische Dreistigkeit enthält die Wiener „Artistische Rundschau" vom 10. d. M. Unter „Auswärtige Nachrichten" wird nämlich daselbst folgende, jeden österreichischen Juden tief beschämende Zuschrift aus Czernowitz veröffentlicht: „Geehrte Redaktion! Ich, Maurice Wagner, Humorist aus Wien, bin im Besitze eines Reisepasses nach Rumänien, sitze hier seit 19. Dezember und kann meiner Kontrakt-Verpflichtung nicht Nachkommen, weil ö st erreicht scheu Staatsangehörigen jüdischer Konfession über Auftrag des rumänischen M i n i st e r i u m s des Aeußern das Visum verweigert wird. Im Anschlüsse daran erlaube mir einen Ausschnitt des „Czernowitzer Tagblatt" mit der höflichen Bitte einzusenden, diese Notiz im allgemeinen Wohlfahrtsinteresse in Ihrem geschätzten Blatte veröffentlichen zu wollen, um die Aufmerksamkeit der maßgebenden Kreise darauf zu lenken." Die angeschloffene Notiz lautet: Paßchikanen. Herr I. Fuhrmann, Inhaber einer Konzertageutur hat an die Handelskammer eine Eingabe nachstehenden Inhaltes gerichtet: „Seit 19. d. M. werde den mit ordnungsmäßigen Reisedokumenten, bezw. Pässen versehenen österreichischen Staatsbürgern jüdischer Konfession vom rumänischen Konsulate das Visum überAuftrag des rumänischenMinisteriums des Aeußern verweigert. Ist eine solche partielle Einschränkung, hervorgerufen durch das konfessionelle Moment, an und für sich eine traurige Tatsache, so hat diese auch weiters zur Folge, daß unsere Handels- und Gewerbeinteressen einer schweren Krisis ausgesetzt werden könnten, wenn die persönlichen Handelsbeziehungen während dieser Zeit mit einem Schlage lahmgelegt werden und keine Aussicht auf rascheste Behebung dieser Einschränkung sich eröffnen sollte. Sollten unsere Handelsverträge mit Rumänien keine illusorischen sein, dann muß die löbl. Handelskammer nach den Gründen dieser Einschränkung forschen und im Interesse der Wohlfahrt des Landes ihre gütige Intervention nicht versagen." Was sagt unser Ministerium des Aeußern zu dieser rumänischen Wirtschaft? Welche „Chikanen" — auf gut deutsch: Verfolgungen — die ohnmächtigen rumänischen Juden zu erdulden haben, kann man wohl am besten darnach bemessen, daß die rumänische Regierung den deutschen Staatsbürgern der Großmacht Oesterreich so etwas zu bieten wagt! Juden in Frankreich. Nicht ohne Interesse ist folgende kleine Zusammenstellung von Auszeichnungen, die im Verlauf weniger Tage französischen Juden zu Teil geworden find. Das Offizierskreuz der Ehrenlegion erhielten Oberstleutnant Auscher, Oberst der Genietruppen in Briansvn und Fregattenkapitän Terquem. Zu Rittern der Ehrenlegion wurden ernannt Bataillonschef Levy vom 140. Infanterieregiment, Alexandre, Kapitän im 27. Artillerieregimeut und Oberstabsarzt Keim vom 142. Infanterieregiment. Hertz ist zum Professor der Philosophie am Lyceum zum Douai, Blum zum Professor'der deutschen Sprache am Lyceum zu Tourcving und Dreyfus zum Professor der deutschen Sprache am Gymnasium zu Epinal ernannt worden. Zur selben Zeit sind die Herren Jaques Weill und Louis Schmoll zu Richtern ernannt und Leutnant Samuel Meyer ins Kriegsministerium berufen worden. Deutschland mit seiner viel größeren jüdischen Bevölkerung weist in so viel Jahren als Frankreich in Tagen nicht so viele Ernennungen von Juden auf, ganz abgesehen davon, daß von jüdischen Offizieren in Deutschland überhaupt keine Rede ist.

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