Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 4 (26.1.1906)
- Date
- 1906-01-26
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4 Dr. Dlocd's Mocvenscvrtn. Seite 55 anderen sprach, und am letzten Tage der Durchbohrung trafen die Bergleute Hacke auf Hacke. Die Höhe des Felsens über den Häuptern der Arbeiter war 100 Ellen. Dann floß das Wasser in den Behälter über eine Strecke von 1200 Ellen. Neue Forschungen haben ermöglicht, diesen Vorgänger des Simplontunnels genauer zu untersuchen. Man glaubt darin den Siloah-Tunnel gefunden zu haben, durch den von einer Quelle östlich von Jerusalem aus Wasser nach der Stadt geführt wurde, und zwar in den Teich Siloah, der in der Bibel erwähnt ist. Dieser Tunnel besitzt eine Länge von 330 Meter. Er ist nicht in gerader Linie geführt, was auf die Schwierigkeiten, die dies den Alten verursacht haben mag, zurückgeführt werden darf. Daß das Werk von beiden Seiten des Tunnels zugleich in Angriff genommen wurde, wird nicht nur durch die obenzitierte Inschrift, sondern auch dadurch bewiesen, daß sich zahlreich Spuren von Bohrern und sonstigen Werkzeugen vorfinden, die auf den beiden entgegengesetzten Seiten sämtlich entgegengesetzt verlaufen. Die Richtung des Tunnels wurde während des Baues verschiedenemale geändert, was aus verschiedenen kurzen Tunnelstücken ersichtlich ist, die augenscheinlich verlassen wurden, sobald man erkannte, daß man damit aus der gewollten Linie herausgekommen war. Der Boden des Tunnels ist mit großer Sorgfalt geglättet; die Abmessungen des Kanales betragen 0'6 bis 0-9 Meter Breite und 0'9 bis 2 7 Meter Höhe, wechselnd je nach der Härte des Gesteins. Wenn man dieses uralte Bauwerk betrachtet, so drängt sich ohneweiters die Frage auf, wie Wohl die alten Erbauer des Kanals dessen Richtung bestimmt haben und wie sie wohl zur Erkenntnis der gemachten Jrrtümer und deren Verbesserung gekommen sein mögen. Außerdem ist es so gut wie unbekannt, welche Werkzeugs und welche Arbeitsverfahren sie bei ihrem für damalige Zeiten ganz ungeheuerlichen Werke benutzt haben. Eine Antwort hierauf kann heute nicht gegeben werden. Korrespondenzen. Die Brüsseler Konferenz. Die vom zionistischen Aktionskomitee einberusene Brüsseler Konferenz wird Montag den 29. Jänner 1906 um 9 Uhr vormittags im Grand-Hotel Mengelle, Rue Royal, eröffnet. Wahrscheinlich wird der Tagung Sonntag abends eine Vorkonferenz vorausgehen. Die Tagesordnung für die Brüsseler Konferenz ist in ihren Grundlagen, wie folgt, festgesetzt worden: I. Berichte und Vorschläge aus Rußland auf Grund von Referaten: a) Die allgemeine Lage der russischen Juden, b) Die Frage der Gleichberechtigung der russischen Juden, e) Die ökonomische Lage der russischen Juden, ä) Ursachen und Folgen der Pogrome, e) Die Emigration. II. Berichte und Vorschläge aus den Jmmigrationsländern. III. Vorschläge der bestehenden Organisationen. IV. Schaffung einer gemeinsamen Hilfsorganisation. (Die Details der Tagesordnung und die Namen der Referenten werden den Teilnehmern an der Konferenz zu Beginn der nächsten Woche mitgeteilt werden. Die Konferenz lvird voraussichtlich sehr gut beschickt sein. Was insbesondere Rußland betrifft, von wo erst nach Abschluß des Poststrikes die Antworten einlaufen, so werden die größten Gemeinden und Organisationen sich durch hervorragende Delegierte vertreten lassen. Auch die Jmmigrationsländer werden repräsentiert sein. Angemeldet sind u. A.: Delegierte aus Argentinien und Neu-Seeland. Israelitische Allianz zu Wien I., Weihburggasse 10. Das Ergebnis der von der „Israelitischen Allianz zu Wien" zu Gunsten der Opfer der russischen Judenmassakres beträgt bis heute zirka 820.000 Kronen. In den letzten Tagen liefen folgende größere Spenden ein: Agram Kronen 9700.—; Lemberg: B'nai B'rith 6440.—, Kultusgemeinde 414.70; Mährisch-Ostrau 2422.33 (zusammen 5773.33); Czernowitz 1000.— (zusammen 1765.—); Pohrlttz 902.—; Königgrätz 637.—; Prag 605 71 (zusammen 67.489.07); Nachod 479.— (zusammen 3479.—); Turn 365.—; Repräsentanz der Landesjudenschaft in Böhmen 317.— (zusammen 3.979.20); Brzeczany 315.—; Strakonitz 300.—; Kositfcha a. Elbe 234.40; Krems 206.—; Postelberg 205.—; Tysmienica 200.—; Gewitsch 200.—. Um für die fernere Unterbringung und Verpflegung der in der Nähe der russischen Grenze angesammelten Flüchtlinge Vorkehrung zu treffen und mit den lokalen Komitees die Grundsätze der notwendigen Sichtung zu vereinbaren, haben zwei Delegierte des Vorstandes der „Israelitischen Allianz" während der verflossenen Woche Oderbcrg, Krakau, Lemberg und Czernowitz besucht. In Lemberg wurde zu diesem Zwecke auch eine Konferenz unter Beteiligung der Vertreter von Brody, Stanislau und Tarnopol abgehalten. Es werden derzeit für Rechnung der „Allianz" in Krakau 890, in Oderberg in einer besonders adaptierten Baracke 150, in Czernowitz über 500 Flüchtlinge erhalten, die nach Wiederkehr der Ruhe in Rußland zur Rückreise in die Heimat unterstützt werden sollen, da von den gesammelten Geldern, welche für das Hilfswerk in Rußland selbst kaum ausreichen, nach dem Beschlüsse sämtlicher großen Organisationen für Auswanderungszwecke nichts bewilligt werden kann. Kaiser Franz Josephs-Ferienheim. Der Verein „Ferienheim", dessen eminent humanitäre Wirksamkeit wir wiederholt in unserem Blatte gebührend gewürdigt haben, versendet eben seinen Bericht über das abgelaufene vierzehnte Vereinsjahr. Dem Jahresberichte, der ein anschauliches Bild von der umfangreichen Tätigkeit und dem eifervollen Wirken des Vereinsvorstandes bietet, ist zu entnehmen, daß sich die Fürsorge des „Feriemheim" im Jahre 1905 auf 554 arme, kranke Kinder erstreckte, die an Leib und Seele günstig beeinflußt, gestärkt und gekräftigt aus den Skrophulosen-, Herzkranken-, Rekonvaleszenten- und Erholungskolonien des Vereines heimgekehrt sind. Als besonders anerkennenswert sind jene Bemühungen des Vereinsvorstandes zu bezeichnen, die der Bekämpfung der Tuberkulose im Kindesalter gelten. Der Verein entsendet, wie wir dem Berichte entnehmen, Schulkinder, die für Tuberkulose disponiert sind, in eine Sonderkolonie, woselbst durch kräftige Nahrung, sorgsamste Pflege, sowie durch den Aufenthalt in frischer würziger Luft ihr Organismus gegen diese furchtbare Volkskrankheit gestählt wird. Lobenswert ist ferner das Entgegenkommen, welches vom „Ferienheim" anderen humanitären Korporationen, deren wir im Berichte eine ansehnliche Zahl angeführt finden, durch Berücksichtigung von Schützlingen derselben, bewiesen wird. Derartige Korporationen auf humanitärem Gebiete können nicht oft und warm genug empfohlen werden. Die Ausgaben des Vereines haben im abgelaufenen Jahre 36.000 Kronen betragen, die zum größten Teile durch Spenden hereingebracht werden mußten. Dabei war der Vereinsvorstand gezwungen, fast 600 würdige und dürftige Petenten mangels vorhandener Mittel abzuweisen. In den 14 Jahren seines B estandes hatte der Verein insgesammt 5555 Kinder in seinen Anstalten untergebracht und 466.000 Kronen für den Vereinszweck verausgabt. Allen Menschenfreunden sei die Lektüre des interessanten Berichtes empfohlen, dessen Schlußwort lautet: „Von Jahr zu Jahr weitet sich unsere Aufgabe und immer dringender tritt an uns, angesichts des unsagbaren Kinderelends, das zu schauen uns reichliche Gelegenheit geboten ist, die Notwendigkeit heran, einen ganzjährigen Betrieb in unserem Kaiser Franz Josephs-Ferienheime zu Vorkloster-Tischnowitz zu ersehnen. Ein Rekonvaleszentenhaus für arme Kinder soll dieses von der Natur begünstigte und zu dem genannten Zwecke durch seine innere Einrichtung bestens geeignete, herrliche Heim werden, wenn unsere Gönner uns hiebei hilfreich zur Seite stehen. DaS Bestehende auszugestalten und für die Leiden der Kleinen voll und ganz dienstbar zu machen, ist aber auch ein ökonomischer Gedanke, dessen Fruktifizierung eine Lücke in der Reihe der Wohlfahrtseinrichtungen ausfüllen und reichlichen Segen bringen würde. Gibt es denn eine höhere und edlere Aufgabe als die, armen kranken Kindern die Gesundheit wiederzubringen, sie zu kräftigen und zu stählen, damit sie dem schweren Kampf ums Dasein gewachsen sind? Wahrlich, keine Mutter, die sich am Anblicke der eigenen Kinder erfreut, kein Mensch, dessen Herz empfindungsfähig ist für fremdes Leid, soll sein Ohr unserem Appell verschließen: Traget bei, all Ihr