Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 23 (1906)
- Issue
- 4 (26.1.1906)
- Date
- 1906-01-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 54 Dr. Llocb's MocbenscbrtN. SK. 4 Dichterschule" zurück, nur, weil Chamisso im „M usen- Almanach" Heines Portrait brachte; im „Schwabenspiegel" Heines lesen wir den Dank; Einzelne aber kriegten feinere Hiebe mit eleganter Klinge, oft aber auch schwerere mit dem Zweihänder, denn nie liebte Heine mehr sein Deutschland, als an der Neige des Lebens: Sein „Ade Paris", ehe er nach Freigebung seiner Werke (1842) nach Deutschland reiste, seine Briefe (aus Hamburg 1843) an Mathilde Heine reden laut davon*); er hatte ein tiefes Gemüt. (Fortsetzung folgt.) Vom Zakrmsrkt des Lebens. Ein Laub ohne Antisemitismus. Das merkwürdige Australien, das schon durch sein von dem unseligen so abweichenden Tier- und Pflanzenreich das Erstaunen aller Gelehrten hervorruft, nimmt auch in Bezug auf die Juden eine ganz eigenartige Stellung ein. Während in Rußland und Rumänien immer noch mittelalterliche Zustände herrschen, während in Oesterreich und Deutschland der Antisemitismus bis auf den heutigen Tag eines der wichtigsten Verwaltungsmaximen geblieben ist und auch in Frankreich und England, ja selbst in den durch Freiheit und Toleranz so mächtig gewordenen Vereinigten Staaten der Judenhaß sich immer noch dreist in die Oeffentlichkeit wagen darf, kennt man in Australien die antisemitische Plage kaum vom Hörensagen. Hier hat der Judenhaß weder gesellschaftlich noch politisch je Eingang gefunden, so daß auch die Judenemanzipation in Australien nie proklamiert zu werden brauchte. Denn, wo das jüdische Volk niemals eine Sonderstellung eingenommen hatte, brauchte diese Sonderstellung durch eine Judenemanzipation nicht aufgehoben zu werden. Der Grund für den völligen Mangel an Antisemitismus war die Tatsache, daß die Juden an der jungen, kaum hundert Jahre alten Zivilisation des Landes von Beginn an lebhaften Anteil nahmen. In vielen Orten waren sie nahezu die ersten Ansiedler und haben so zur Entwicklung und Begründung der betreffenden Staaten im hohen Grade beigetragen. So gehört ein Jude Namens Jakob Montefiore zu den Erschließern von Südaustralien. Derselbe sowie sein Bruder Josef Montefiore haben auch zur ersten Entwicklung von Neu-Südwales erheblich beigetragen. Ein gewiffer Nachaniel Levy zählte zu dem ersten Pionieren des Kohlenbergbaues in Viktoria. Das Haus David Cohen u. Co. in Sidney ist das älteste Handlungshaus in Australien. Alles dieses mußte zur Folge haben, daß die Juden in erster Reihe in Haus und Familie, in Gesellschaft und Kommune von vornherein als gleichgestellt angesehen wurden. Da aber Familie und Gesellschaft, Haus und Kommune die ersten Grundsteine des Staates bilden, so konnte auch im staatlichen Leben Australiens vom Antisemitismus nie die Rede sein. Alles andere kam infolge der jüdischen Tüchtigkeit von selbst. Fast alle großen Städte Australiens hatten schon einmal einen jüdischen Lordmayor. Im Jahre 1900 hielt man es bei der Eröffnung des ersten Federal. Parlament durch den Prince of Wales für notwendig, auch einen Juden zu den Feierlichkeiten zuzuziehen. In Neu- Südwales wurde der Richter Cohen, ein begeisterter Anhänger *) 184*2 waren die Werke freigegeben worden. — 1843 entschloß sich Heine nach 12jährigem Exile nach Deutschland zu reisen. Im Nachlasse fand man die Gedichte „Ade Paris" (voll Sehnsucht nach Deutschland), „Am Kamin" (Nachlaß 248) erzählt von den deutschen Oefen. die treu wärmen. Herzliche Briefe sandte er an seine Mathilde (Nachlaß 364—397). In Bremen, 28. Oktober 1643, in Hamburg, 31. Oktober. Salomon empfing ihn, da er nicht um Geld kam, fteundlich. Die Mutter bewohnte seit dem Brande zwei winzige Zimmer. Die Versicherungssumme war ih verweigert worden. Sehnsucht nach „Nonotte", Eifersucht quälte den Dichter. Er ist leidend, sorgt für die Zukunft: 1260 Mark Ban ko Rente per Jahr, die Mathilde erben soll (v. 1846 ab v. Eampe). Später kam sie nach Hamburg, kehrte August. 1644 allein zurück, war gut ausgenommen. Heine folgte Oktober 1844. Bon da ab verließ er Frankreich nicht mehr. des Judentums, als Oberrichter fast einstimmig gewählt. In demselben Staate war Sir John Vogel Premierminister. Die gleiche Stellung nahm im Jahre 1899 V. B. Solomon in Südaustralien ein. In Viktoria war ein Jude Namens Sir Julian Salomon Justizminister. Gegenwärtig sitzt in West- Australien ein Jude im Ministerium und in Viktoria bekleidet Isaak A. Jsaacks das Amt eines Generalstaatsanwaltes. Was die Beschäftigung der Juden anbelangt, so treiben sie Handel und Industrie, zwei wichtige Erwerbszweige, welche in Australien zum großen Teil den Juden ihre Entwicklung verdanken. Sehr groß ist auch die Zahl der jüdischen Aerzte, Rechtsanwälte und Dentisten. Die große Stellung, welche die Juden in Australien einnehmen, ist umso bemerkenswerter, als die jüdische Bevölkerung daselbst geradezu verschwindend genannt werden muß. Im Jahre 1891 zählte das gegenwärtige Commoweath of Australia kaum 15.268 Juden und dürste ihre Zahl gegenwärtig kaum mehr als 23.000 betragen. Auf die einzelnen Länder verteilt, kamen im Jahre 1899 auf Neu-Südwales 8840, auf Viktoria im Jahre 1900 5907, auf Neu-Seeland 2270, auf Süd-Australien 1210, auf Queensland 930, auf West-Australien 850 und auf Tasmaglia 550. Die jüdische Bevölkerung Australiens sind englische, respektive russische Juden, die längere Zeit in England gelebt haben. Eine nennenswerte jüdische Einwanderung findet bis auf den heutigen Tag nicht statt. Trotz dem Landhunger der Juden, und obgleich wir nicht mehr wissen, was wir mit den Zehntausenden von Emigranten, die alljährlich in Stärke von ganzen Armeekorps Rußland und Oesterreich verlassen, um sich anderswo eine neue Heimat zu suchen, beginnen sollen, wird das menschenleere und umfangreiche Australien von unseren Auswanderern dennoch wenig ausgesucht, in erster Reihe sind dafür die von der in Australien allmächtigen Arbeiterpartei durchgedrückten Restriktivmaßregeln gegen die Einwanderer verantwortlich zu machen. In zweiter Reihe haben auch die Juden Australiens selbst alles getan, .um die Zahl der jüdischen Emigranten dahin nicht steigern zu lassen. Als im Jahre 1899 in Rumänien die Judensrage wieder aktuell wurde, wurde von London aus freilich der Versuch gemacht, eine Anzahl rumänischer Juden nach Australien zu bringen. Der Plan wurde jedoch auf Wunsch der australischen Juden nicht zur Ausführung gebracht. Das Beispiel der anderen Länder und die Tatsache, daß in jedem Lande der Antisemitismus proportionell mit der Zahl der Juden wächst, hat unsere australischen Glaubensgenossen zu diesem unfreundlichen Verhalten veranlaßt. Tunnelbohrung iw alten Palästina. Es scheint sicher zu sein, daß vor 2500 Jahren bereits hebräische Ingenieure fast genau in moderner Weise Tunnelbauten ausführten und dabei Methoden anwandten, wie sie heute wiederum in Benützung sind. Ueber dieses interessante Thema hat der Baseler Professor Dr. Berthollet vor kurzem interessante Mitteilungen gemacht. Die jüdische Ueberlieferung erzählt, daß König Hesekia, der um das Jahr 727 vor Christo in Jerusalem regierte, sich bemühte, das schlechte Wasser der Stadt zu verbessern. Er legte deshalb ein großes Sammelbassin vor den Toren der Stadt an und speiste dasselbe mit Wasser, das er aus verschiedenen Quellen, die in mehr oder weniger großer Entfernung von der Stadt lagen, herleitete. Sein Projekt schien zuerst nicht durchführbar, da zwischen Jerusalem und den Quellen eine Hügelkette lag, über die cs unmöglich schien, das Wasser hinüber zu bringen. Es wurde deshalb beschlossen, einen Weg für das Wasser durch den Felsen herzustellen. Hierüber findet sich in Jesus Sirach eine Stelle, die lautet: „Hesekia festigte die Stadt, indem er Wasser herbeischaffte, und er bohrte durch den festen Fels mit Hilfe von Erz und er sammelte das Wasser in einem Behälter." In der Tat entdeckte man vor etwa 15 Jahren eine offene Leitung in der Nähe von Jerusalem, doch scheint dieselbe von einem Vorgänger Hesekias herzurühren. Dies scheint ziemlich klar bewiesen durch eine a l t h e b r ä i s ch e Inschrift, die bei Jerusalem gefunden wurde und im Museum zu Konstantinopel aufbewahrt wird. Es heißt da: „Die Durchbohrung ist beendet. Als die Hacke des einen noch nicht die Hacke des anderen getroffen und als noch ein Raum von drei Ellen da war, war es möglich, die Stimme eines Mannes zu hören, der durch den trennenden Felsen hindurch zu einem