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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1906-01-19 · 3 (19.1.1906) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
23 (1906)
Issue
3 (19.1.1906)
Date
1906-01-19
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette 44 Dr. JSlocb’s Miocvenscvrin. Nr. 3 oder reich, vornehm oder gering. Ueberall sprang er hilfreich bei. Die Witwen, die Waisen, die Hilflosen fanden in ihm ihren Tröster und Retter. Dabei war der Mann von einer beispiellosen Bescheidenheit. Was Wunder, daß bei dem am 14. zu Pilsen stattgehabten Leichenbegängnisse die ganze Stadt auf den Beinen war! Alles drängte sich, dem wohltätigen Manne das letzte Geleite zu geben. Der Gesamtvorstand der Kultusgemeinde und Chewra-Kadischa mit nahezu allen Mitgliedern, der Verein der Großisten, dessen Präsident der Vexblichene gewesen, der Bürgermeister Herr I. U. Dr. Petak, der Generaldirektor der Skoda-Werke Herr Grund, sämtliche Fabrikanten Pilsens und der Umgebung und unzählige Trauernde schlossen sich dem Zuge an; die Eisengrvßindustriellen fast ganz Böhmens waren entweder persönlich erschienen oder hatten Vertreter entsandt; außerdem bemerkte man viele Gäste aus Budweis, Taus, Klattau u. s. w. An der Bahre des Verblichenen, eines Schwagers des Holzgroßhändlers Jg. Ehrlich in Wien, trauern neben der Witwe drei Kinder, dessen Geschwister und zahlreiche Verwandte. Am Grabe sprachen Herr Rabbiner Dr. Posnanski, Herr Kultusvorsteher JUDr. S ch a n z e r namens der Gemeinde und des Freitischvereines, Herr Sekretär A r n st e i n für die „Chewra-Kadischa". Als schließlich im Namen des Personales der Firma der langjährige Korrespondent des Hauses Klauber, Herr Siegmund Kohn, die seltenen Charaktereigenschaften des verblichenen Chefs in schlichten, aber ausgezeichneten, zu Herzen gehenden Worten schilderte; als er auf das seltene Verhältnis hinwies, in dem das Personale zu seinem Vorgesetzten, in welchem es einen fürsorglichen Vater fand, stand, als er dann bewegt von der Leiche Abschied nahm, da blieb keine Auge tränenleer. Möge dem teueren Verblichenen, dem Judentum und Menschentum ein Begriff war, die Erde leicht sein! Möge seine tiefgebeugte Familie, mit der er in seltener Harmonie lebte, Trost finden in dem Gedanken, daß Jakob Klaubers Name und Ruf unvergessen bleiben wird! Oberlehrer Alexander Baum. Drrkovar. (Silberne Hochzeit.) Der ob feiner seltenen Wohltätigkeit in weiten Kreisen hochgeschätzte Präses unserer Kultusgemeinde Herr Victor Baum feierte mit seiner Gattin Jsabella Baum, der trefflichen Präsidentin unseres Frauenvereines, am 11. d. M. das schöne Fest der silbernen Hochzeit. Obgleich diese Feier, nach dem Wunsche des hochverehrten Paares, in aller Stille und Zurückgezogenheit stattfinden sollte, ließen es sich die Kultusgememde und ihre Vereine nicht nehmen, den Gefühlen der Dankbarkeit und der Verehrung dem verdienstvollen Präsidenten zum Ausdruck zu bringen. In herzlichen Worten verdolmetschte ihre Glückwünsche an der Spitze einer imposanten Deputation Herr Bernhard Obersohn als Vizepräses der Kultusgemeinde. Nachher gratulierte im Namen des Frauenvereines Frau Berta Obersohn und überreichte namens des vollzählig erschienenen Ausschusses eine herrliche Blumenspende Hierauf würdigte Se. Ehrwurden Herr Oberrabbiner Dr. I Diamant in einer feierlichen Ansprache die besonderen Verdienste des Jubelpaares. Namhafte Summen verteilte das hochherzige Jubelpaar an diesem Tage an hiesige Arme ohne Unterschied der Konfession und auch Auswärtige wurden im reichen Maße bedacht. Budapest. (Verlobung) Fräulein Mizzi Tauber, Tochter des Herrn Ignaz Tauber, Weingroßhändler, hat sich mtt Herrn Med. Dr. Ludwig H o f b a u e r aus Wien verlobt. Hermann Löw in Colloredow Der frömmsten, mildesten und sanftesten Menschen einer, die das Judentum zu seinen treuesten Bekennern zählte, ist mtt Hermann Löw aus Colloredow am 15. d. zu Grabe getragen worden. Ein Patriarch hellstrahlenden Ruhmes, welcher durch ein langes, fruchttragendes Leben hindurch mitbaute am Tempel jüdischer Wohltätigkeit, im Heiligtum seines Glaubens und der Gottesfurcht, bestimmt, die reichen Saaten des Segens durch fruchtbringendes Wirken auszustreuen, von der Vorsehung ein Wohltäter der Menschheit zu sein. Bei dem Heimgange dieses edlen Mannes könnten wir die Worte anführen von dem Patriarchen Jakob bx'ie)' mnb Es naheten die Tage Jakobs zu sterben. Nur die Tage sterben, nicht aber die Frommen. Sein Wirken und Schaffen wird fortleben. Durch 27 Jahre stand Hermann Löw der Jsraelitengemeinde Friedek - Mistek als Vorsteher vor. Er war Ehrenbürger und Mitglied des Ortsschulrates. Der Vorstand fühlte sich trotz seiner vielen Auszeichnungen, welche demselben von der Umgebung ohne Unterschied der Religion zu teil wurden, als treuer Jude. Als Fabrikant stand Hermann Löw zufolge seines biederen Charakters in hoher Achtung. Nun ist dieser brave Mann, beweint und betrauert von seiner liebevollen Gattin, von seinen zärtlich-liebevollen Kindern, in ein besseres Jenseits gezogen, wo kein Schmerz und kein Leid waltet. Möge sein Andenken ein gesegnetes bleiben! Albert Löw. Leichenbegängnis des Knltusvorstehers Hermann Löw. Mit besonders großen Ehren wurde der als Patriarch in der ganzen Gegend verehrte Kultusvorsteher Hermann Löw zu Grabe gettagen. Noch nie haben die Schwesterstädte Friedek-Mistek eine Trauerkundaebung von ähnlichem Umfange und so allgemeiner Teilnahme der Bevölkerung gesehen. Schon lange vor der angesetzten Stunde des Leichenbegängnisses versammelten sich die nach Hunderten zählendenLeidtragenden, Deputationen der benachbarten Knltusgemeinden, Gemeindevertretungen und Vereine im Trauerhause, woselbst Rabbiner Dr. Drobinsky für die nächsten Angehörigen einen ergreifenden, trostreichen Abschiedsgruß an den Verblichenen hielt und die hohen Familientuaenden desselben in begeisterter Weise schilderte Von hier aus setzte sich de? imposante Leichenzug, der mehrere tausend Teilnehmer zählte, nach dem israelitischen Tempel in Friedeck, wo die eigentliche Leichenfeier stattfand, in Bewegung und zwar schritten vor dem Sarge die Veteranenvereine, Feuerwehren, Gesangs-, Musiker- und Turnverein, sowie die israelitische Gymnasialjugend, hinter dem Sarge die Funktionäre der Kultusgemeinde, etwa 100 leidtragende Familienmitglieder und die Angestellten des Hauses, sodann der Ausschuß der Kultusgemeinde Friedeck und der israelitischen Vereine, die erschienenen Vertreter der Kultusaemeinden Mährisch-Ostrau, Teschen, Bielitz, Jägerndorf. Olmütz, Leipnik rc.. die Cbefs sämtlicher Staatsbehörden und die Pfarrgeistlickkeit von Friedeck und Mistek, der gesamte Magistrat der Stadt Friedeck, die Gemeindevertretungen von Colloredow und Miste!, sowie der Ortsschulrat Mistek korporativ und die weiteren nach vielen Hundetten zählenden Trauergäste aus allen Kreisen der Bevölkerung der beiden Städte, sowie aller umliegenden Orte bis weit ins Gebirge hinauf. In dem schwarz ausgeschlaaenen Tempel in Friedeck, wo nur die Verwandten und offiziellen Vertreter Platz finden konnten, wurde die eigentliche Trauerfeier abgehalten nnd würdigte Rabbiner Doktor Drobinsky in langer, wirkungsvoller Rede die Bedeutung des Verblichenen in seinem öffentlichen Wirken, insbesondere seine Verdienste um die Gründung und Entwicklung der Kultusgemeinde und seine Tätigkeit als Menschenfreund und Wohltäter, bei welcher Rede kein Auge trocken blieb. Hierauf nahm namens des Kultusvorstandes Dr. Lamberg von dem Verblichenen Abschied und gelobte, daß die Vertreter der Kultusgemeinde in seinem Sinne weiter wirken werden. Nach beendeter ritueller Einsegnung nahm der Leichenzug in der gleichen Ordnung seinen Weg über ausdrücklichen Wunsch der beteiligten Gemeinden zurück durch die ganze Gemeinde Colloredow und Mistek, in welchen sämtliche Straßenlaternen angezündet, schwarz umflort waren und die Geschäfte geschlossen blieben, durch das auf dem Ringplatze aufgestellte Spalier der gesamten Misteker Schuljugend in fast einstündigenl Wege nach dem israelitischen Friedhofe. Während des ganzen Weges, wie überhaupt während der ganzen Trauerfeier h'rrschte eine wunderbare Ruhe und Ordnung trotz der vielen tausend Teilnehmer, was eine der schönsten Trauerkundgebungen für den Verblichenen bedeutet. Auf dem Friedhofe hielten am offenen Grabe noch Dr. Wolf ans Troppau namens des dortigen Humanitätsvereines „Silesia". sowie Adolf Reik aus Friedek namens des dortigen Krankenvereines Abschiedsgrüße an den Verstorbenen, wobei sie seine werktätige Menschenliebe beaeistert priesen. Ein ungemein stimmungsvoller Abschiedschor des Misteker Männergesangvereines, sowie ein ergreifendes Abschiedsgebet des Rabbiners schlossen diese imposante und würdige Trauerfeier ab, worauf die letzten Sckollen Erde auf den Sara fielen und die Anwesenden tief bewegt von der Leiche eines Mannes Abschied nahmen, wie er in ähnlicher Herzensgüte und in gleichem, tadellosen Lebenswandel selten seinesgleichen bat. Ergriffen von dieser würdigen Trauerfeier, welche über 3 Stunden gedauert hatte, traten die Teilnehmer den Rückweg vom Friedhofe an. Die der Familie aus Anlaß des Trauerfalles zugegangenen Beileidskundgebungen zählen nach viele» Hunderten und geben Zeugnis von der allgemeinen Teilnahme, welche der Tod dieses seltenen Mannes erweckt hat. Nach der beendeten Trauerfeier hielt der israelitische Humanitätsverein „Silesia" unter Vorsitz seines Präsidenten Dr. Wolf eine Trauersitzung im Saale der israelitischen Kultusgemeinde ab, bei welcher Lyzealdirektor Schwarz die Gedenkrede auf den Verblichenen hielt, den Lebenslauf desselben schilderte und seine hervorragenden Eigenschaften als Bundesbruder, als Philanthrop, sowie als Familienvater in anerkennenden Worten hervorhob, worauf die Sitzung zujn Zeichen der Trauer geschloffen wurde.

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